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22.10.17

Der erste große Reportage-Preis

(Henri Nannen Preis 2008: Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Rechts: der damalige G+J-Vorstand Bernd Kundrun)


1977 begründete "stern"-Chefredakteur Henri Nannen den Egon Erwin Kisch-Preis. Es war eine Zäsur. Sie markiert die Etablierung der Reportage in Deutschland. In den 1960er Jahren war es in Mode gekommen, "dokumentarisch" zu berichten, hinaus zu gehen in die Betriebe und in die Vorstädte. Aber das waren meist sperrige, ideologische Texte. Ansonsten erschienen Reportagen eigentlich nur auf der Seite 3 der "Süddeutschen Zeitung" und im "stern". Der gründete 1976 einen Ableger: die Zeitschrift "Geo", das erste deutsche Reportagemagazin, mit viel Platz für große Erzählstücke. Das Genre blühte auf. Bis, im Lauf der Jahre, alle anderen folgten und sogar "Zeit" und "Spiegel" der Reportage, dieser subjektiven und darum lange als "unseriös" missachteten Form, zunehmend Raum gaben.

Seine Tradition macht den Kisch-/Nannen-Preis bis heute zu einer begehrten Trophäe.



2012



Preisträger



Was will ein deutscher Atommanager im Land der Atomkatastrophe? Eine Reise nach Japan mit Jürgen Großmann, dem Chef des Energiekonzerns RWE


Nominiert



In Hamburg müssen sich zehn Piraten aus Somalia, einem der ärmsten Länder der Erde, vor der deutschen Justiz verantworten. Im Saal des Landgerichts kommt es zum Frontalzusammenstoß zweier Welten


57 Jahre lang hat sie in ihrer Wohnung im Süden von Berlin gelebt, zuletzt allein. Jetzt, mit 84 Jahren, packte sie ihre Koffer. Ihr Ziel: ein Altenheim. Die Geschichte einer schweren Entscheidung



2011



Preisträger (nachträglich aberkannt)



In keinem Beruf kann man so über Menschen herrschen wie in der Politik. Niemand macht von dieser Möglichkeit so ungeniert Gebrauch wie der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer


Nominiert



Weshalb nimmt ein Mensch einem anderen auf niederträchtige Weise das Leben? Spielt das Erbgut eine Rolle, die Erziehung, Missbrauch in der Kindheit oder der schlechte Einfluss von Freunden? Warum hat der Kleinkriminelle Guido Sawallisch aus Wuppertal auf unfassbar brutale Art getötet? Weshalb verspürt er bis heute kein Mitgefühl mit seinem Opfer? Ist er ein gefühlskalter Psychopath? Und kann man ihn nach 19 Jahren Gefängnis als resozialisiert entlassen? Die Geschichte eines Mörders


Jungen Hartz-IV-Empfängern werden von den Arbeitsagenturen Jobs angeboten, vielfach ohne Erfolg. Wollen sie nicht arbeiten, oder können sie nicht? Zwei Fälle aus München



2010



Preisträger



Dies ist die Geschichte dreier Menschen, denen das Selbstverständlichste im Leben versagt blieb: Essen. Lenie ist eine von ihnen. Ihr Darm kann Nahrung nicht verdauen, seit der Geburt lebt die Dreijährige mit dem Tropf. Ihre einzige Rettung: eine Darmtransplantation. Lenie ist das erste Kind in Deutschland, an dem diese erstaunliche Operation vollzogen wird – die nur möglich ist, weil Forscher mehr denn je wissen über das komplexeste aller Organe


Nominiert



Das Volk diskutiert darüber, ob seine Kanzlerin Angela Merkel eher Protestantin oder Physikerin oder Frau oder Ostdeutsche ist. Dabei lebt die einstige Quereinsteigerin seit Jahren wie in einem Schloss, aus dem sie auf ihr Land und die Welt schaut


Vor 25 Jahren gestand ein junger Verdächtiger einem jungen Polizeibeamten in Mönchengladbach sechs schreckliche Morde – eine Beziehung zwischen Täter und Ermittler nahm ihren Anfang. Inzwischen ergraut, hängen die beiden Männer noch immer aneinander



2009



Preisträger



Wie ein Feind schleicht sich Demenz in das Leben einer Familie: Alle Spielregeln des Alltags, alle Gefühle ändern sich. 720000 Alzheimer-Kranke in Deutschland werden von ihren Angehörigen gepflegt. Oft übersteigt es deren Kräfte. Die Geschichte zweier Paare


Nominiert



Ein Herbstabend in Hamburg, draußen Wind und Elbwellen, drinnen Lüster und bodenlange Tischdecken. Unternehmer und Gründer in seltener Abendrunde. Alle essen Ente, nur eine Frau isst vegetarisch, Suppe, Reis, Gemüse. Sie hat einen empfindlichen Magen. Dünn ist sie, die Wangenknochen liegen hoch in ihrem Gesicht


Ein junger Afghane wird zum Tode verurteilt. Er hat eine Internet-Seite ausgedruckt, auf der Mohammed als frauenfeindlicher Prophet beschrieben wird. Der Fall wird klären, ob sich ein islamisches Land dem Westen öffnen kann



2008



Preisträger



An einem Samstagabend im Januar klingelte der 17-jährige Felix D. mit einem Freund an einer Haustür in seinem Heimatdorf. Dann töteten sie mit unfassbarer Brutalität das dort lebende Ehepaar


Nominiert



Welchen Wert hat ein Buch? Für Literaturagenten ist die Frankfurter Messe eine Mischung aus Speed-Dating, Kaufrausch und Literatentreff, eine bis zur Erschöpfung betriebene Jagd nach Autoren und Rechten. Die Könige des Gewerbes jonglieren mit Millionen


Der Darsteller Ulrich Mühe hat dem Film "Das Leben der Anderen" zum Oscar verholfen, er gab der Stasi sein Gesicht. Er hoffte, mit diesem Erfolg seiner ostdeutschen Vergangenheit entkommen zu können - doch sie holt ihn immer wieder ein



2007



Preisträger



Ein Treck der Verzweifelten strebt Richtung Europa. John Ekow Ampan saß auf seinem Weg mehrmals im Gefängnis, er wurde deportiert und begann immer wieder von vorn. Er brauchte vier Jahre, um von Ghana bis nach Spanien zu kommen


Mit dem Einsammeln von Pfandflaschen bessert Oliver Hoffmann, 42, sein Hartz-IV-Einkommen auf. Der Kampf um das Leergut wird immer härter. Hoffmann sagt, vor seinem ersten Mal habe er drei Tage Anlauf genommen. Es war eine laue Juninacht vor dem Bremer Hauptbahnhof, die Stadt seiner Kindheit schlief, und Hoffmann war allein, als er endgültig seinen Stolz brach


Nominiert



"Der Himmel reißt auf – es wird, es wird, es wird!", feuert Ben Wettervogel draußen, vor dem ZDF-Frühstücksfernsehcafé Unter den Linden den Tag an; den Tag, die Sonne, die Stadt, die Menschen, das Land



2006



Preisträger



Urban ist 46, ihn erwartet ein qualvoller Tod. Er wählt die Sterbehilfe und lässt sich nach Zürich fahren. In den letzten Stunden gibt er den Geschwistern Kraft und bittet sie, seine Geschichte aufzuschreiben


Nominiert



Ob sie Geologen waren, Historiker oder Schauspieler – um die erwerbslosen Akademiker hat sich beim Arbeitsamt in Saarbrücken Ludwig Müller gekümmert. Er hat sie getröstet und mit allerlei Maßnahmen in Arbeit gehalten. Vorbei, jetzt gilt Hartz IV. Niemand wird mehr aufgefangen


Im Juli 2002 verlor Witalij Kalojew seine Familie beim Flugzeugabsturz am Bodensee; im Februar 2004 tötete er den Fluglotsen Peter Nielsen, der damals Dienst hatte. Nun beginnt in Zürich der Prozess - der Tragödie gerecht werden kann er kaum



2005



Preisträger



Die modernste Kokerei der Welt zieht von Dortmund nach China, dorthin, wo die Löhne niedrig sind. 16 Monate lang haben chinesische Arbeiter 35 000 Tonnen Stahl zersägt und in Kisten und Container verladen. Beaufsichtigt wurden sie von Herrn Seibel, dem deutschen »Stillstandsverwalter«. Wer die Globalisierung verstehen will, muss die Büros von Herrn Mo und Herrn Seibel besuchen


Nominiert



Selbst unter menschenfeindlichen Bedingungen ist ihr Leben mehr als ein Überleben. Ein Besuch bei den Bewohnern der nördlichsten Stadt der Welt


George Gorton ist Spin Doctor, seit 35 Jahren macht er Präsidenten, Bürgermeister, Gouverneure. Arnold Schwarzenegger und sogar Boris Jelzin haben mit seinen Tricks gewonnen. Er wüsste auch, wie George W. Bush die Wiederwahl gelingen könnte



2004



1.Preis



Saddam Hussein versprach Amerika einen langen, verlustreichen Krieg und war nach nur drei Wochen geschlagen. Wo war die Streitmacht des Irak? Wo blieb die Gegenwehr? Ein Kommandeur der Republikanischen Garde im Einsatz vor Tikrit gibt Antworten


2.Preis



Ein deutscher Mythos, der edelste Intellektuellenverlag: Suhrkamp. An seiner Spitze steht jetzt eine Frau, die Witwe Unseld. Wer ist sie, was hat sie vor? Ein Nebel von Gerüchten umgibt Ulla Berkéwicz. Eine Forschungsreise in drei Akten


3.Preis



Nach 100 Tagen wissen die Deutschen nicht, was die Regierung mit dieser Republik vorhat. Ein Programm ist kaum zu erkennen, nur ein Regierungsstil: mal vor, mal zurück. Eine Riege von alten Bekannten führt das Land, verschwippt und verschworen, seit sie vor drei Jahrzehnten aufgebrochen sind, die Republik umzustürzen - inzwischen verbinden sie vor allem die Rituale der Macht



2003



1.Preis



In der Rezession hat er Konjunktur: Jobst Wellensiek, Star der Konkursverwalter. Seit 40 Jahren entscheidet er über Firmenschicksale - retten oder bestatten? Eine Betriebsbesichtigung


2.Preis



Das Wortduell zwischen dem Kanzler und seinem Herausforderer: "Es macht wenig Sinn, wenn wir uns jetzt darüber unterhalten" Gerhard Schröder gab sich kurz angebunden, Edmund Stoiber eher weitschweifig – aber beide machten aus ihrer gegenseitigen Antipathie keinen Hehl


3.Preis



Josef Wessely hat zwei Talente: Einbrechen und Ausbrechen. Tausend Tresore öffnete er, büxte aus allen Gefängnissen aus, fünfzig Jahre lang. Er sagt: «Ich habe immer nur die Legalität gesucht.»



2002



1.Preis



Jürgen Schrempp wollte das profitabelste Automobilunternehmen der Welt bauen. Zwei Jahre später gilt DaimlerChrysler selbst als Übernahmekandidat. Was ist schief gelaufen?


2.Preis



Valerie L. ließ einen Mann umbringen, der sie demütigte, beschimpfte, schlug und missbrauchte - ihren eigenen Mann. Ein Lehrstück über Gewalt in der Familie


3.Preis



Aus Deutschlands Elite-Internat am Bodensee kommt Nachwuchs für die höheren Etagen dieser Gesellschaft. Jetzt ist der tadellose Ruf des Instituts in Gefahr. Eine Gruppe von Schülern hisst Schwarzrotgold, schmettert die Nationalhymne, zeigt sogar den Hitlergruß. Neonazis auf Salem? Oder eine neue Generation von Patrioten, die ein unverkrampftes Verhältnis zum eigenen Land fordern? Eine Geschichte von rebellischen Halbstarken, aufgeschreckten Lehrern und einer Debatte, die gerade erst begonnen hat



2001



1.Preis



Wer das Geheimnis der Angela Merkel ergründen will, wer begreifen will, warum eine Frau aus dem Osten zur Integrationsfigur einer erzwestlichen Partei werden kann, muss mit ihr von Krisensitzung zu Krisensitzung ziehen und dorthin gehen, wo sie herkommt


2.Preis



Einmal springt sie auf, es ist schon spät, mitten in der Nacht, ihr ist etwas eingefallen, sie läuft zum Bücherregal, sucht ungeduldig, hier, hier ist es, sie klappt das Buch auf, liest: "Ich mag kurze Hauptsätze mit Subjekt, Objekt und einem Verb dazwischen, das die Arbeit macht." Mein Gott, denkt man, was für ein Einfall. Ein Verb, das die Arbeit macht


3.Preis



In Europas größtem Gericht Berlin-Moabit steht die Justiz vor dem Kollaps. Aus Mangel an Geld stellen Staatsanwälte Verfahren ein, in Hinterzimmern verhandeln Richter Schicksale, neben Aktenbergen nisten Tauben. Besichtigung eines Molochs



2000



1.Preis



Trotz der Aufforderung, das Land umgehend zu verlassen, trotz Anfeindungen serbischer Ultras und Todesdrohungen blieb die Belgrader SPIEGEL-Korrespondentin Renate Flottau, 54, nach Beginn der Nato-Bombardements gegen Jugoslawien im Kosovo. Der Kontakt zu Albaner-Führer Ibrahim Rugova, der ihr sein letztes unzensiertes Interview vor der erzwungenen Schutzhaft in serbischem Polizeigewahrsam gab, brachte Renate Flottau in eine gefährliche Situation. Hier ihre Notizen


2.Preis



Es ist die Zeit zwischen dem 27. Mai und dem 2. Juli. Das sind die letzten Tage im Leben der alten Frau und des jungen Mannes. Protokolle des Sterbens


3.Preis



Wie ein Beamter aus den alten Bundesländern in eine Brandenburger Sackgasse getrieben wurde



1999



1.Preis



Nichts zieht die Jungen im Osten der Stadt mehr an als ein Eishockeyclub, bei dem PDS-Fans und Skins einem Team aus lauter Ausländern zujubeln


2.Preis



Mit dem ehemaligen Radrennfahrer Täve Schur möchte die PDS ein Symbol in den Bundestagdelegieren die Frage ist, was es bedeuten soll


3.Preis



Aus dem Leben eines Verfolgten



1998



1.Preis



Gerichtstermin in Bonn: Seit 20 Jahren wird um den Foltervorwurf prozessiert


2.Preis



Die beiden sind ineinander verkrallt. Sie starren sich in die Augen. Das Mädchen reißt sich los, schlägt dem Jungen ins Gesicht. Punks umringen die beiden, versuchen dazwischenzugehen. Sie rufen das Mädchen Hexe den Jungen Zottel. Junkies, Stricher kommen und dann auch zwei Polizisten. Der Junge brüllt: »Haut ab, das ist eine privateSache.« Es ist das katastrophale Ende der Liebe zwischen Hexe und Zottel


3.Preis



Lebenswende Altersheim: "Die ersten Nächte habe ich nur geweint" Zwei Tassen, zwei Teller, zwei Sessel - was mitkommt, und was zurückbleibt, wenn eine Frau nach 50 Jahren Abschied nimmt von ihrem Zuhause



1997



1.Preis



In Bosnien gibt der schmelzende Schnee unanfechtbare Beweise frei: Skelette am Wegesrand, unter Steinhaufen verscharrte Leichen, brache Todesäcker, Zeuge kennen die Namen der Opfer - und der Mörder


2.Preis



„Korridor der verlorenen Schritte“ nennen Römer den prunkvollen Flur ihres Parlaments,das beim spöttischen Volk nur „Il Palazzo“ heißt und bedeuten soll: "ein Ort derDiebe". Hier wirkt ein geflüstertes Wort Wunder, und ein Wimpernschlag tötet – die Halle ist die elegante Intrigenschmiede der Republik


3.Preis



Thomas Hüetlin über den armen Lotto-Millionär Lothar Kuzydlowski



1996



1.Preis



Über Joseph Paul Jernigan, Sohn, Bruder, Ehemann, Mörder, Leiche, Anatomieatlas


2.Preis



Das ist die Geschichte eines Martyriums und einer Freundschaft: Ein Mann erkrankt an Leukämie. Und ein völlig Fremder rettet ihm das Leben - durch eine Knochenmarkspende


3.Preis



Über eine mehr als zwölf Jahre andauernde Inzest-Beziehung



1995



1.Preis



»Quartier Zwonullfünf« – Die größte Baugrube in Deutschlands Hauptstadt und ihr Innenleben: Ein Blick in die Gedärme der künftigen Friedrichstadtpassagen


2.Preis



SPIEGEL-Redakteurin Barbara Supp über Opfer neonazistischer Verbrechen


3.Preis



Ein Sprung in Wasser, ein Schlag, ein Knacken im Hals wie das Brechen trockener Äste. Seit seinem Badeunfall im Atlantik kann Bodo Lemke nur noch Schulter und Kopf frei bewegen. Dennoch meldet sich der Lehrer an seinem Arbeitsplatz zurück. Ein Bericht aus seinem Leben gegen den Alltag



1994



1.Preis



Wie Mirek Barczyk mit radioaktivem Material in der Tasche das Gruseln lernte


2.Preis



Als der Mensch das Paradies verließ, da nahm er, so heißt es in der Normandie, einen Apfel mit. Er säte die Kerne und kreuzte die Triebe - und nirgendwo hatte er damit mehr Erfolg als in diesem Land der 2000 Apfelsorten. Für die Mühe belohnten sich die normannischen Bauern mit einem heftenden Wasser: dem Calvados. Seit Jahrhunderten brennen sie den Apfelschnaps, nach geheimen Rezepten und in ständiger Fehde mit der Pariser Regierung


3.Preis



Der FC Carl Zeiss Jena, die Erinnerungen an alte DDR-Fußballherrlichkeit und das böse Erwachen bei der Reise in den immer noch so fernen und feindseligen Westen



1993



1.Preis



Wie der Rostocker Familienvater Hans-Dieter Witt das leidige Asylantenproblem lösen würde


2.Preis



Jeder ihrer Auftritte mache das Turnen schöner, schwärmt der russische Nationaltrainer Alexander Alexandrow. Es waren viele und große Auftritte. Fünfmal wurde Swetlana Boginskaja Weltmeisterin. Nun ist sie ein Opfer der neuen Richtung im Frauenturnen geworden: Ästhetik und Grazie liegen im Widerstreit mit jener akrobatischen Bravour, die nur leichtgewichtigen Kindern möglich ist


3.Preis



Johanna Romberg über den Alltag in einer Moskauer Wohnkommune



1991



1.Preis



Andreas Altmann über ein Land und seine tiefe Sehnsucht nach einer glorreichen Geschichte


2.Preis



Fünfzig Polizisten lagen auf der Lauer, selbst der Arzt legte sich eine Schußwaffe zu. Trotzdem gingen immer neue Höfe und Scheunen in Flammen auf, in denen sich der Brandstifter beängstigend gut auskannte. Beklemmt mußte der Bözberg einsehen: Das ist kein »Schwarzwälder«, wie hier die Fremden genannt werden. Das ist einer von ihnen. Bloß: wer? Und: warum?


3.Preis



Dies ist die Geschichte eines Dilemmas, eines Dilemmas der modernen Medizin. Sie handelt von Verletzungen, die zum schlimmsten zählen was ein Mensch erleiden und überleben kann: von Brandwunden und deren entsetzlichen Folgen.Sie berichtet von Ärzten einer amerikanischen Spezialklinik, die sich für den Kampf für ein Leben entscheiden und dann an ihrem Entschluss verzweifeln.Von der Macht der Mediziner ist die Rede - aber auch von ihrer Ohnmacht, wenn sich ein einmal gewählter Weg als Sackgasse entpuppt



1990



1.Preis



Nachforschungen über die Braunichswalder Krankheit


2.Preis



SPIEGEL-Reporter Matthias Matussek über das Provinztheater in Anklam, DDR


3.Preis



Mehr und mehr breitet sich in der Bevölkerung das Gefühl aus, hilflos einer Situation ausgeliefert zu sein, der man noch nicht gewachsen ist



1989



1.Preis



Zweitausend Jahre Geschichte. Seit vierzig Jahren Bundeshauptstadt. Und immer noch Provinz. Auf allen Cocktails die gleiche Gesellschaft, bei jeder Party das gleiche Lied: Politiker, Diplomaten, Lobbyisten, Barone. Selbst Grüne tanzen im Seidenschal. Eine kleine große Welt


2.Preis



Ein Mann verhält sich nicht »normal«, er hat keine fertigen Rezepte für sich und die Welt parat, er paßt in keine bürgerliche Schablone. Für seine Mitmenschen Grund genug, ihn in psychiatrische Behandlung zu schicken. Dann will der Mann sich das Leben nehmen. Nicht weil er so verzweifelt, sondern weil er so glücklich ist und nach diesem Glück nichts mehr vom Leben erwartet. Er kommt ohne jede Schramme davon. Doch landet wiederum in der Psychiatrie. Und weil er zwar klar, aber eben nicht »normal« denkt, gewöhnte man ihm dort mit aller Fürsorge das Denken ab


3.Preis



Leningrads Hohe Schule des Balletts wurde vor 250 Jahren von einer Zarin gegründet und von keiner Revolution gestürzt. Hier lernten sie alle die Kunst des klassischen Tanzes, von Nishinskij bis Baryschnikow. Wie geht es heute zu in der Akademie der russchischen Tanzelite?



1988



1.Preis



Rodeo ist dem Chilenen in die Seele geschrieben. In dem Volkssport kämpfen Hoffnung und Verzweiflung, Ohnmacht und Stolz. Das wilde Reiterspiel eint und trennt die Chilenen: Alle lieben sie die Freiheit, und als freie Caballeros wollen sie herrschen. Doch die Herrschaft teilt unten und oben. So ist der alljährliche Wettkampf in Rancagua - das Campeonato Nacional - auch ein Symbol der Militärmacht Pinochets


2.Preis



Erwin Koch: Falls Roads

Vorspann und Text werden nachgereicht...


3.Preis



Das "Vietnam Veterans Memorial" in Washington, D.C ist heute der meistbesuchte Platz der Stadt. Er ist Amerikas Klagemauer. Aber diese Mauer trennt nicht, im Gegenteil. Sie ist der Ort, an dem die Lebeneden mit den Toten reden. Frieden und Versöhnung ist die Botschaft der schwarzglänzenden Granitflächen mit den Namen der Gefallenen und Vermissten des ersten Krieges, den die USA je verloren haben



1987



1.Preis



SPIEGEL-Reporter Peter Schille über die Opfer von Klaus Barbie. "Wir vergessen unsere Fehler leicht, wenn niemand sie kennt als wir." - La Rochefoucauld


2.Preis



Ruhrgebiet? Emschergebiet müsste es heißen. Denn mitten durch den Kohlenpott mitsamt seiner Stahlschmelztiegel fließt nicht die Ruhr, doch die Emscher. Das Bett kanalisiert, das Wasser schwärzlich - trotz der Landschaftsidylle in Dortmund-Dorstfeld ist unverkennbar: Die Emscher ist der Industrielandschaft verbunden und ihr unterworfen wie kein Gewässer sonst in Deutschland - was ihr Ruch und einen ganz besonderen Reiz gibt


3.Preis



Zustandsbeschreibung eines Autobahn-Teilstücks, das so dicht befahren ist wie keine andere sechsspurige Strecke in Europa



1986



1.Preis



Der Filmheld Rambo tötet in neunzig Kinominuten 43 vietnamesische Soldaten. Der Lieutenant William Calley Jr. Ermordete in neunzig Minuten 102 vietnamesische Bauern. Warum gibt es über Calley noch keinen Film?


2.Preis



Das Haiti der Duvaliers und des Petit Pierre


3.Preis



Christian Jungblut berichtet über seine Erfahrungen als Obstpflücker auf Südkaliforniens Plantagen

 


1985



1.Preis



Warum ein begabter Violinspieler auf eine bürgerliche Musikerlaufbahn verzichtet und lieber in Fußgängerzonen sein Publikum sucht


2.Preis



Amerika, heißt es, sei "God's own country", ein Land voller Schönheit und Sehnsucht. Axel Arens über die Gegensätzlichkeit Amerikas und warum alle nach Kalifornien wollen


3.Preis



Wenn aus einem alten Freund plötzlich ein querschnittsgelähmter Freund wird



1984



1.Preis



Eine Stadt, die im Takt von 600 täglichen Flugbewegungen atmet. Eine Technopolis, deren heimliche Herrscher allesamt am Computer-Tropf hängen. Eine Kunstwelt mit striktem Romantikverbot. Ein Aggregat für den Jet-Strom. Eine perfekte Inszenierung für flüchtiges Massenpublikum


2.Preis



Die Geschichte einer ungewöhnlichen Karriere


3.Preis



SPIEGEL-Reporter Wilhelm Bittorf über Manöver und Dienstbetrieb der Pershing-2-Batterien in Württemberg



1983



1.Preis



Warum es Sehenden und Nichtsehenden so schwer fällt, einander ein Bild von der Welt zu vermitteln, in der sie leben


2.Preis



SPIEGEL-Reporter Hans Halter über eine Herzverpflanzung in München


3.Preis



Protokoll eines ganz alltäglichen Verkehrsunfalls und seiner Folgen



1982



1.Preis



SPIEGEL-Reporter Jürgen Leinemann über den FDP-Vorsitzenden Hans-Dietrich Genscher


2.Preis



Zu keiner anderen Jahreszeit wird so viel eingebrochen wie im Sommer, wenn die Bürger auf Urlaub sind. Und in keiner anderen deutschen Stadt so oft und so trickreich wie in Köln. In der Domstadt hat das Stehlen Tradition


3.Preis



Noch immer sterben in Deutschland die meisten Menschn an Herz- und Gefäßkrankheiten. Aufzeichnungen aus der subjektiven Perspektive eines Patienten



1981



1.Preis



Seine Macht ist ungebrochen. Sein Wille Gesetz. Zu Hause und in den großen Konzertsälen der Welt. Seit 26 Jahren folgen die Berliner Philarmoniker, die 1982 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern, ihrem Chefdirigenten Herbert von Karajan. Bedingungslos. Doch der Preis der Unterwerfung ist hoch


2.Preis



Eine Reportage über Totschlag (oder war es Mord?) in Polizeiuniform. Über die Verflechtung von öffentlicher und privater Gewalt. Und über die Unausweichlichkeit, in der die soziale Existenz einzelner Menschen auf diesen einen Punkt zutrieb: den zufälligen Tod eines Unbeteiligten. Der Totschlag wurde nicht bestraft. Gibt es keine Schuldigen?


3.Preis



In der Bundesrepublik leben 14 Millionen Menschen allein - wenige freiwillig. Die 57-jährige Rita M. ist eine von ihnen. Schon mit 25 Jahren hatte sie erreicht, was andere für einen Traum halten - sie war Chefsekretärin. Seitdem war sie nur für ihren Beruf und ihren Chef da - und versäumte ihr Leben. Ihre Isolation empfindet sie wie eine unsichtbare Krankheit



1980



1.Preis



Wenn es bei der großen Steeplechase im böhmischen Pardubitz über 30 Hürden und Wassergräben geht, dann kennen die Reiter immerhin ihr Risiko. Die Pferde aber werden blindlings in den schlimmsten Sprung der Welt gehetzt. Und der Roßschlachter wartet am Parcours


2.Preis



Angesichts rüder Sanierungsmethoden renovieren in Kreuzberg sogenannte Hausinstandbesetzer Mietblöcke, um sie vor dem Abriß zu bewahren


3.Preis



Peter Brügge über die vietnamesischen Flüchtlinge auf dem oberbayrischen Daxenberg



1979



1.Preis



Am Rinderschlachtband, wo sich brüllende Tiere in handliche Fleischstücke verwandeln, wird eine Tätigkeit verrichtet, die auch Gefühle tötet


2.Preis



SPIEGEL-Reporterin Marie-Luise Scherer über die Familie eines Fixers


3.Preis



Allwöchentlich, stets in der Nacht vom Samstag zum Sonntag wird irgendwo in den USA eine blutige Tragödie inszeniert. Bis der Morgen graut, hetzen "Dogfighter" ihre Hunde aufeinander - beißwütige, eigens für den Kampf abgerichtete Kreaturen des Züchterwahns. Diese Männer, Außenseiter der Gesellschaft, und ihr fanatisches Publikum sind eine verschworene Gemeinschaft, gegen die Polizei und Tierschützer nahezu machtlos sind



1978



1.Preis



Über den Comeback-Versuch eines Berufsboxers


2.Preis



Die Einvernahme von Zeugen in Lublin, nahe dem früheren KZ, bringt kaum neue Erkenntnisse und ist von deprimierenden Umständen begleitet


3.Preis



Vier Tage in der Welt der Haussiers und Baissiers, der Fixer und der Spekulanten, die Kaufleute und Spieler zugleich sind



1977



1.Preis



Fisch kann er weder riechen noch essen. Das hat Peter Sartorius die Reise auf dem Fischdampfer „Schütting“ nicht leichter gemacht. Drei Wochen beobachtete er die knochenharte Arbeit der Fänger, ihre Jagd auf Seelachs, Kabeljau und Rotbarsch. Er war dabei, als die Mannschaft 36 Stunden ununterbrochen das Gedärm aus den Fischen schnitt, er beschrieb einen bizarr zusammengewürfelten Haufen, dessen Alltag aus Maloche, Einsamkeit und Lebensgefahr besteht


2.Preis



SPIEGEL-Reporterin Marie-Luise Scherer über den Lebensweg einer Trinkerin


3.Preis



Jimmy ist Clown im "greeßten kleinen Zirkus der Welt", im "Cirkus Rodeo" der Gebrüder Sperlich aus Oberschlesien. Im Wohnwagen ziehen sie mit ihrer Sippe durch die Provinz und hoffen jeden Tag auf ein volles Zelt. Sie arbeiten ohne Netz, und so leben sie auch in ihrer kleinen, großen Welt die nur Sperrlichs kennt und - Zuschauer. Sie haben sogar ihre eigene Sprache, die Leute vom Zirkus, in der Gott Mudebel heißt und nablo verrückt



Henri Nannen Preis


Seit 1977 verleihen Gruner+Jahr und der "stern" den Egon Erwin Kisch-Preis. 2005 ging der Kisch-Preis im damals neu begründeten Henri Nannen Preis auf - in der Kategorie "Reportage".

Bis 1992 wurde der Egon Erwin Kisch-Preis nach dem Jahr benannt, in dem die prämierten Reportagen erschienen. Ab 1993 war das Jahr der Preisverleihung ausschlaggebend. Deshalb fehlt das Jahr 1992.


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