Rubrik: Gern gelesen |
Portrait: Ein Drecksarbeiter für Steuerhinterzieher |
Selten haben Finanzgeschäfte ein Gesicht. Geldgeschäfte sind diskret. Besonders wenn sie illegal sind. Matthias Thieme hat in der Frankfurter Rundschau einen Schwarzgeldkurier portraitiert. Die Reportage hat Sandro Mattioli so sehr beeindruckt, dass er sie in der Rubrik "Gern gelesen" vorstellt. mehr... |
Wider das Heldentum der Kriegsreporter |
Der Kriegsreporter ist ein Draufgänger und Kämpfer, ein einsamer Wolf. Er reist mit Militärhubschraubern und in Konvois, schläft in Zelten, isst Einmannpackungen und trinkt Regenwasser. Ein echter Mann. GEO-Redakteurin Gabriele Riedle ist häufig in Krisen- und Kriegsregionen unterwegs gewesen und widerspricht diesem Klischee - in ihrer Dankesrede beim Emma-Journalistinnenpreis 2010, bei dem sie für ihren Text „Alles wieder auf Anfang!“ ausgezeichnet wurde. mehr... |
Daniel Puntas Bernet: „Don't pay the barber” |
Ania Faas hat diese Reportage entdeckt: Daniel Puntas Bernet (Text) und Meinrad Schade (Bilder) erzählen, wie die rituelle Haargabe indischer Tempelbesucher von einer ganzen Industrie zu Geld gemacht wird, warum die Haarabschneider mit einer Delegation orthodoxer Juden in Konflikt gerieten und wo Scheitelmacherinnen schwarze Locken von 160 cm Länge kaufen. „Don't pay the barber" ist die Geschichte eines mythischen Rohstoffs, von dem der Mensch sich nur ungern trennt. Haar ist „unzählbar und unbezahlbar", so sagt es im Text ein junges Paar aus Bangalore. Warum Ania Faas die Geschichte mit einem lachenden und einen weinenden Auge ins „Gern Gelesen"-Archiv begleitet? mehr... |
Anne Zielke: Die Pille |
Dreihundert. Zweihundertneunundneunzig. Vielleicht würde etwas anders sein heute. Das Blut klopfte im Sekundentakt. Zweihundertachtundneunzig. Zweihundertsiebenundneunzig. Vielleicht, klopfte es, ist die Hölle ein kleiner, roter Raum. mehr... |
Andrea Böhm: Herr Kibala kriegt die Krise |
Wann genau die Weltkrise in Bukavu ankam, kann Kibala nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht an dem Tag, als Staatsanwalt Meli Meli in sein Büro kam und Notrationen für das Gefängnis forderte, um einen Hungeraufstand zu verhindern. Genau gesagt: 365 Gramm Bohnen pro Tag und Häftling. Das macht bei 819 Insassen 298 Kilo täglich, dazu drei Zentner Maniok plus Feuerholz zum Kochen. Rund 4000 Dollar pro Monat zahlt Kibala seither an das Prison Centrale de Bukavu, obwohl das Budget seiner Provinz stetig schrumpft. Aber eine Häftlingsmeuterei ist das Letzte, was er jetzt brauchen kann. mehr... |
Gern gelesen |
Er stemmt sich aus der Couch, bis er seine beeindruckende Bärenstatur erreicht hat. Langsam fährt einem eine Art Hand entgegen. Die Finger sind gewölbt wie Klauen, die Nägel um die Kuppen herum gewachsen. "Herzlich willkommen", sagt er feierlich. mehr... |
Gern gelesen |
Alex Rühle - Der kleinste ökologische Fußabdruck der Welt |
Es sind genau drei Dinge, mit denen es das kleine ostafrikanische Land Malawi in den vergangenen Jahren in die internationale Presse schaffte: Einmal natürlich der Hunger, die Dürren, Africa classics sozusagen. Dann ging die anrührende Geschichte des 14-jährigen William Kamkwamba um die Welt, der vor einigen Jahren in der Schulbücherei seines Dorfes die Abbildung einer Windmühle sah und daraufhin aus Fahrradrahmen, Brettern und Plastikschläuchen selbst ein schiefes Windrad baute, um für seine Eltern Strom zu erzeugen. Das ist die ideale People-Geschichte aus Afrika, armer Junge hilft sich selber, inklusive toller Bilder aus einem Hüttendorf. Und zuletzt ist natürlich Madonna zu nennen, die vor zwei Jahren den kleinen David aus einem Waisenheim an der Grenze zu Sambia adoptierte. mehr... |
Gern gelesen |
Anita und Marian Blasberg: Abschiebeflug FHE 6842 |
In der Nacht des 18. September 2006 startete in Hamburg eine Chartermaschine mit 32 Afrikanern an Bord: Die erste europäische Sammelabschiebung unter deutscher Federführung. Was wurde aus den Passagieren? Die Rekonstruktion einer langen Nacht - mehr... |
Gern gelesen |
Dialika Krahe / Juan Moreno: Das Traumschiff |
Ein Flüchtlingsboot, verloren auf dem Meer, irgendwo zwischen Marokko und den Kanaren. Acht Kinder verdursten, ihre Eltern müssen sie über Bord werfen. Dialika Krahe und Juan Moreno haben die Tragödie für den "Spiegel" rekonstruiert - und erzählen, wie sie, mit Listig- und Beharrlichkeit, die Hindernisse überwanden, die ihnen die spanischen Behörden in den Weg legten. mehr... |
Gern gelesen |
Christoph Dieckmann: Der Spitzel und sein Dorf |
Gedruckte Geschichten, in denen Mundart gesprochen wird, kommen nicht oft vor. Manuskriptfassungen von Geschichten mit Mundart dagegen öfter. Die Redakteure übersetzen das meistens ins Hochdeutsche, weil das, was da vor ihnen auf dem Schreibtisch liegt, häufig so unfassbar schlecht und falsch ist " und weil es häufig auch eine fragwürdige Absicht verfolgt. Diese Geschichte hier wurde gedruckt. mehr... |
Rubrik: Gern gelesen |
Kalojew ist fort. Heute Morgen kurz vor acht, silbergraue Sportschuhe an den Füßen, schwarze Hose, schwarzes Hemd, setzte er sich ins Auto, einen Dienstwagen des Bauministeriums der russischen Republik Nordossetien, Kennzeichen A928MK 15 RUS, und fuhr in den Krieg. Seine Tasse, halb voll, steht noch hier, im Schrank die Plastik, die er vor Monaten, heimgekehrt aus dem Schweizer Knast, verehrt bekam, ein Bronzekrieger mit gekreuzten Säbeln über grimmigem Haupt: Witalij Kalojew, geboren am 15. Januar 1956, Ossete des Jahres 2007. mehr... |
Rico Czerwinski: Totgemacht |
Bis sie ohne erkennbaren Grund einen 22-Jährigen töten, sind sie wie tausend andere. Sie haben die Schule fertig, wohnen in Mehrfamilienhaussiedlungen, sind noch in der Ausbildung oder arbeiten. Rico Czerwinski über einen sinnlosen Tod - und drei junge Männer, die die Schweiz vor ein Rätsel stellen. mehr... |
Sandra Schulz: Der Sog |
Der Anfang war eine BBC-Meldung: Britin bekommt Strandverbot wegen Suizidgefahr. 36 Mal soll Amy D. versucht haben, sich im Wasser das Leben zu nehmen. Fünf Tage lang besuchte Reporterin Sandra Schulz Amy D. in Wales - für das Reporter-Forum beschreibt sie die schwierigste Recherche ihres Lebens mehr... |
Thomas Feix: Bei Waldschrats |
Ganz weit draußen: Gerhard, Heinz und Burkhard wohnen im Norden Brandenburgs, in der Uckermark, gemeinsam auf einem Bauernhof - Gerhard im Haus, Burkhard im Stall und Heinz in einer Laube. Ein frohes Landleben ist es nicht. |
Burkhard Bilger: The Long Dig |
Irgendwer, es könnte Wilhelm Genazino gewesen sein, hat einmal geschrieben: Eine einzige Metapher kann einen Text retten. Das stimmt. Das zeigt die Reportage von Burkhard Bilger über den Bau des Gotthard-Basistunnels. mehr... |
Rubrik: Gern gelesen |
Eine Ich-Erzählung von der Freundschaft der deutschen Schülerin Katarina mit dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Jurek. Katarina Bader schreibt in leisen und klaren Worten nicht nur eine Liebeserklärung an ihren toten Freund, sondern erzählt vom Erwachsenwerden, von Nähe und Distanz der Generationen, von Schuld und Versöhnung und vom Weiterleben nach dem Holocaust. mehr... |
Samantha Power: The Envoy |
Ein unaufgeregt erzählter Krimi. Nüchtern und spannend. Die Rekonstruktion einer Nachricht, die jeder erinnert - die Ermordung des UN-Gesandten im Irak -, hier wird sie als Erzählung zum Leben erweckt. mehr... |
Bastian Obermayer: Auf der Lauer |
Wer an Wilderer denkt, denkt an die illegale Jagd auf Elefanten und Nashörner in Afrika. Aber auch in Deutschland fallen Rehe, Gämsen und Hirsche Wilderern zum Opfer. Vor allem in den Bergen von Bayern sind die illegalen Jäger täglich auf der Pirsch: Die Seele gerüstet mit archaischen Vorstellungen von Männlichkeit und Freiheitskämpfer-Phantasien, den Rucksack bestückt mit Schalldämpfer, Nachtsichtgerät und Kleinkalibergewehr. Bastian Obermayer hat einen dieser Wilderer auf die Alm begleitet. mehr... |
Renate Meinhof: Das eisige Echo des Verdachts |
Vor 25 Jahren sollte Werner Engler für einen Mord herhalten, den er nicht begangen hatte. Mehr als ein Jahr nach seiner Festnahme wurde Engler freigesprochen – doch das Grauen, das mit hunderten Stunden im Verhör der DDR-Justiz nur seinen Anfang nahm, bestimmt sein Leben bis heute. Renate Meinhof ist es gelungen, dieses Grauen in seinem ganzen Umfang spürbar zu machen. mehr... |
William Langewiesche: Rules of Engagement |
November 2005, Haditha, Irak. Amerikanische Soldaten erschießen 24 Iraker, nachdem eine Landmine unter ihrem Konvoi explodiert ist. William Langewiesche zeichnet die Ereignisse dieses Morgens nach, blickt von allen Seiten auf das Geschehen. Auf diese Weise zeigt er aus jedem Winkel, was geschah - hautnah. Ein außerordentlicher Artikel. mehr... |
Rubrik: Gern gelesen |
In der Reportage „Gebrüder Schrott? von Deike Diening wühlen die vier Ludolf-Brüder in Resten und versuchen, das Beste draus zu machen – zumindest jedenfalls sich ihren Reim darauf. Sie sind Wesensverwandte des Reporters mehr... |
Das verlorene Mehr |
Jedes Jahr am 23. März trauert Bolivien um die Küste, die es einst besaß, und schwört, an den Pazifik zurückzukehren. Bis dahin übt die Marine des Binnenstaates auf dem Titicacasee. mehr... |
Notizen aus der amerikanischen Provinz: In einem fort zieht Dan Barry durch die USA, auf der Suche nach dem Alltäglichen, dem Obskuren, dem Unbekannten, das keine Schlagzeilen macht. So porträtiert er, Stück für Stück, Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen, eine Nation. Sonntags erscheinen Barrys Mini-Erzählungen unter der Überschrift "This Land" in der New York Times. mehr... |
Charles Graeber: The-Pedal-to-the-Metal... |
Die Reportage des amerikanischen Wired-Autors Charles Graeber über das cannonball race, das wildeste Autorennen der Welt, musste ein Jahr liegen, ehe sie veröffentlicht werden konnte – weil die Protagonisten unzählige Gesetzesverstöße begingen, während Graeber die Geschichte erlebte. Ariel Hauptmeier findet: ein brillanter Text voll bizarrer Details. mehr... |
Hier finden Sie Reportagen, die Ihnen oder uns bei unserer täglichen Lektüre aufgefallen sind: berührende Stories, humorvolle Stories, Geschichten mit einer ungewöhnlichen Dramaturgie oder einer interessanten Sprache. Kurz: Texte, die wir gern gelesen haben und anderen zur Lektüre ans Herz legen wollen.
Ab Juli 2009 finden Sie auf jeder Artikelseite eine Kommentarfunktion. Es wäre klasse, wenn sich an den Reportagen spannende Debatten entzünden würden.
Ob Syker Kreiszeitung oder New York Times: Ist Ihnen eine Reportage aufgefallen? Ein (neuer oder alter) Text, der es wert ist, dem Vergessen entrissen zu werden? Dann schreiben Sie doch ein "gern gelesen"! Notieren Sie, was an dem Text bemerkenswert ist, und schicken Sie Ihren Kommentar an: kontakt@reporter-forum.de. Wir kümmern uns um alles weitere. DANKE!