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22.12.14

Autoren-Interview

Michael Obert „Wie 'Regenzauber' entstanden ist

"Er ist ein sanfter Abenteurer, ein mutiger Reisender und, das Wichtigste, ein begabter, ein leidenschaftlicher, ein großer Erzähler", lobte die Frankfurter Rundschau. "Oberts Erzählungen sind so irrsinnig und aufregend unsinnig wie seine ganze Unternehmung", schrieb die SZ. Er stehe "in der besten Tradition anspruchsvoller Reiseliteratur", befand die Zeit. Die Rede ist von "Regenzauber", einer Reise-Erzählung, mit der sich Michael Obert quasi aus dem Nichts nach vorne schrieb.

Unter welch abenteuerlichen Umständen "Regenzauber" entstanden ist, erzählt er hier: "Die Reise von der Quelle bis zur Mündung des Niger dauerte sieben Monate. Danach habe ich sehr zurückgezogen zwei Jahre lang geschrieben. Zuerst in einer Berghütte im Schwarzwald. Dann in Häusern, die ich hütete, um sie bewohnen zu können: oberhalb von Grindelwald und am Strand von Saint Tropez. Wie man das finanziert? Ich hatte keine eigene Wohnung, kein Auto, auch sonst keine Verpflichtungen. Leider auch keinerlei Einkünfte, da ich mich ganz auf das Buch konzentrierte. Ich konnte also während der Reise und während des Schreibens auf keinerlei Unterstützung zählen und habe die Grenzen meiner finanziellen Möglichkeiten weit überschritten, kurz: alles ausgegeben, was ich hatte und was sich verflüssigen ließ. Leider hat das nicht gereicht. Freunde haben mir Geld geliehen. Ich habe es mittlerweile zurückbezahlt."


Eine E-Mail-Unterhaltung mit Michael Obert über sein Reise-Epos — über das Glück des Sich-Treiben-Lassens, die Einsamkeit des Schreibens und den Mut, sich knapp drei Jahre einem Großprojekt zu widmen, dessen Ausgang gänzlich ungewiss ist


Herr Obert, warum sind Sie ausgerechnet den Niger hinuntergefahren?

Die Idee zur Reise war lange vor der Idee zum Buch da. Flüsse faszinieren mich seit meiner Kindheit. Ich bin am Rhein aufgewachsen. Mein Elternhaus im badischen Breisach steht nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt. Ich habe meine ganze Kindheit und Jugend am Rhein verbracht, geangelt, den Frachtschiffen nachgesehen und mich vom Ufer aus hineingeträumt, um phantastische Reisen zu unternehmen. Ich habe im Rhein schwimmen gelernt.

Ich erinnere mich an einen Beitrag im Fernsehen, ich muss damals zehn Jahre alt gewesen sein. Die Viking-Raumsonden sendeten Bilder vom Mars. Eine Wüste voller kantiger schwarzer Brocken. Dann blendete der Beitrag auf eine sehr ähnliche Landschaft in der Sahara über. Und in der letzten Sequenz war ein Fluss zu sehen, der sich durch diese Wüste wälzte: der Niger. Majestätisch. Unbeirrt von so viel Sand und Öde. Was für ein Strom für einen Jungen, der selbst in einer Flusswelt lebte!

Der Niger und der Mars. In meiner kindlichen Phantasie waren sie Symbole der Ferne und die Ziele phantastischer Entdeckungsreisen. Später verlor ich das Interesse am Weltraum. Der Niger dagegen hat mich mein Leben lang begleitet. Ich wusste immer, dass ich ihn eines Tages bereisen würde, auf ganzer Länge, von der Quelle bis zur Mündung. Zuhause hat dieses Vorhaben, das ich als Junge jedem auf die Nase band, viel zur Belustigung meiner Eltern und meiner Verwandtschaft beigetragen. Mit der Zeit wurde dieser Plan jedoch zu einer fixen Idee, die sich mehr und mehr aufstaute, bis ich gar nicht mehr anders konnte und aufbrechen musste.

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Michael Obert


Michael Obert, 1966 in Breisach am Rhein geboren, studierte Betriebswirtschaft und arbeitete längere Zeit im mittleren Management, bis er zu einer zweijährigen Reise durch Lateinamerika aufbrach. Anschließend begann er ein neues Leben als Journalist, Fotograf und Buchautor. Seine Reportagen und Fotografien erscheinen unter anderem in Die Zeit, Geo Saison, Stern, Greenpeace Magazin und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sowie in Das Magazin (Zürich), Sonntagszeitung (Zürich), Der Standard (Wien), Courrier International (Paris) und The Journal (New York). Zwischen seinen Reisen lebt Michael Obert in Berlin.
Website des Autors
Dokumente
Interview mit Michael Obert (pdf)
Auszug aus "Regenzauber"

erschienen in:
Reporter-Forum,
am 04.12.2008

 

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