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27.11.14

Prämierte Texte

Rolf Kunkel „Tod am vierten Hindernis (Interview)

"Als Reporter müssen Sie hundertprozentig ins Geschehen gehen“, sagt der Journalist Rolf Kunkel. Für eine seiner letzten Sportreportagen, "Tod am vierten Hindernis“ über ein brutales Pferderennen im tschechischen Pardubitz, wurde er 1980 mit dem Kisch-Preis ausgezeichnet. Im Interview mit Annika Giese und Jana Kühle spricht er über das "Schlachtfest“ in Pardubitz und das veränderte Berufsbild des Reporters - und erklärt den Zusammenhang zwischen einer guten Verdauung und einer gelungenen Geschichte. Das vollständige Interview und Rolf Kunkels preisgekrönte Reportage finden Sie als Download in der rechten Spalte.

Von Annika Giese und Jana Kühle

Herr Kunkel, mit Ihrer Reportage "Tod am vierten Hindernis“ über das für Reiter und Pferd brutal-gefährliche Hindernisrennen in Pardubitz (ehemalige CSSR) haben Sie 1980 den Egon Erwin-Kisch-Preis gewonnen. Warum?

Rolf Kunkel: Ich habe geschildert, wie Massen von Zuschauern ein großes sportliches Ereignis hautnah miterleben, bei dem verletzte Pferde nach dem Rennen mit einem Bolzenschuss getötet werden. Am Ende kommt der Schlachter, um das Fleisch abzuholen. Die sprachliche Darstellung der Diskrepanz zwischen sportlicher Höchstleistung, Tod und Tierquälerei hat meines Erachtens den Ausschlag gegeben. Damals gab es meist nur 1:0 Sportberichterstattung in den Medien: Torschütze war Meier in der 89. Minute. Da gab es kaum Hintergründiges.

Berichten Sie uns etwas vom Entstehungsprozess Ihrer Reportage.

Kunkel: Die Idee resultierte aus einer gewöhnlichen Meldung einer Nachrichtenagentur — eine kleine Meldung auf der letzten Seite im Vermischten. "Beim Hindernisrennen in Pardubitz sind drei Pferde getötet worden, mehrere Jockeys befinden sich im Krankenhaus.“ Vielleicht war es auch eine Sensationsmeldung: "Schlachtfest in Pardubitz“. Damals dachte ich: Donnerwetter, was heißt hier Schlachtfest in Pardubitz? Da muss man doch mal genauer hingucken. Was läuft denn da ab?

Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Kunkel: Ich habe versucht — und das war damals sehr schwer - mir Material zu besorgen. Heute benutze ich das Internet, um mir Informationen zu beschaffen, damals war das undenkbar. Ich bin mit mühsamen Telefonaten in die Tschechoslowakei an die Veranstalter herangekommen, von denen einige auch deutsch sprachen. Deren Informationen und die Fakten, die ich in Zeitungen fand, habe ich schriftlich zusammengefasst. Das macht man auch heute noch: Man schreibt ein kurzes Exposé von etwa zehn Zeilen. Damit muss der Redakteur des Magazins überzeugt werden. Jeder Redakteur geht damit ein Risiko ein, denn keiner kann ihm sagen, dass die Geschichte gut wird — auch der Schreiber nicht, der das Thema vorgeschlagen hat. Das ist ein bisschen wie Roulette spielen.

Das Jagdrennen über feste Hindernisse birgt nicht nur für die Pferde eine hohe Verletzungsgefahr. Sind Sie durch Ihre Vorrecherchen nicht sehr voreingenommen nach Pardubitz gefahren?

Kunkel: Auf jeden Fall. Ich habe mir vorher ein Bild gemacht: Es kracht! Wild West! Die haben da keine Regeln.

(...)

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Rolf Kunkel


Rolf Kunkel, geboren 1940 in Bremen, wurde mit 16 Jahren Schiffsjunge bei der Handelsmarine. Nach sechs Jahren Seefahrt versuchte er sich erstmals vor dem Mikrofon. Es folgten 18 Jahre als Sportreporter und Moderator bei mehreren ARD- Rundfunkanstalten. 1980 wechselte Kunkel zum Printjournalismus und war als Reporter für den Stern und den Spiegel unterwegs. Seit 1986 ist er freier Autor mit dem Schwerpunkt Auslandsreportagen. Rolf Kunkel gewann diverse Journalistenpreise, darunter den ersten Kisch-Preis und den Theodor Wolff-Preis.
Dokumente
Rolf Kunkel: Tod am vierten Hindernis
Audio
Interview mit Rolf Kunkel (pdf)

erschienen in:
GEO,
am 01.07.1980

Das Interview führten:


Annika Giese, Jahrgang 1985, studiert Journalistik und Kommunikations-
wissenschaft, Französisch sowie Psychologie an der Universität Hamburg. Rolf Kunkel erklärte ihr, was eine ausgezeichnete Reportage und Roulette gemeinsam haben: ein bisschen Glück gehört dazu.



Jana Kühle, Jahrgang 1983, studiert Germanistik, Journalistik und Kultur-
wissenschaft. Für das Buch "Medienmenschen" und die "Psychologie heute" führte sie bereits Interviews mit Roger Willemsen und Peter Sloterdijk. Im Gespräch mit Rolf Kunkel stellte die junge Journalistin fest, dass sich ein rhetorisch begabter Reporter nicht nur im Schriflichen der bildhaften Sprache bedient.


 

Kommentare

Tenma, 22.01.2014, 09:59 Uhr:

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