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19.12.14

Prämierte Texte

Peter Sartorius „Blinde Kuh unterm Nordkap (Interview)

Drei Wochen lang begleitete Peter Sartorius Hochseefischer im Nordatlantik. Für seine Reportage "Blinde Kuh unterm Nordkap" erhielt er 1977 den ersten Kisch-Preis. Mit dem Reporter-Forum sprach er über seine Abenteuerlust, über die gelungene Dramaturgie einer Reportage und den ewigen Kampf mit der Schreibmaschine.

RF: Herr Sartorius – wenn Sie heute „Blinde Kuh unterm Nordkap“ wieder lesen, die Reportage, mit der Sie 1977 den ersten Kisch-Preis gewannen - wie finden sie den Text dann?

Sartorius: Mittlerweile ist es so, dass ich die Reportage nicht mehr lesen kann. Ich finde sie in mancher Hinsicht zwar nicht schlecht, aber mit zunehmender Erfahrung, mit zunehmendem Alter, gehe ich vorsichtiger mit Worten um und würde bei dieser Geschichte viele Adjektive rausstreichen. Einfach raus. Die Sätze sind zu sehr ausgeschmückt mit Überflüssigem, das ausgekämmt gehört.

RF: Ihre Reportage fängt recht bedächtig an, dann wird sie immer spannender. Ein Muster, das auf viele Ihrer Reportagen zutrifft. Sie überfallen den Leser nicht, sondern umkreisen das Thema, erhöhen allmählich das Tempo, und am Ende stellt man überrascht fest: Wow, da bin ich wirklich unterwegs gewesen mit dem Sartorius.

Sartorius: Ich habe viel über die Dramaturgie bei meinen Geschichten nachgedacht. Wenn sie, wie Sie sagen, bedächtig anfangen, dann bestimmt nicht, weil mir am Anfang nichts einfällt, sondern weil ich versuche, dem Leser den Lernprozess, den auch ich beim Recherchieren durchgemacht habe, nachvollziehen zu lassen. Ich will ihn an meinem Erfahrungsprozess teilhaben lassen. Außerdem: Das Spannendste sollte nicht am Anfang stehen. Sonst lässt sich kein Spannungsbogen herstellen. Gleichwohl: Der Leser veranlasst werden, immer weiter zu lesen und nicht aufzugeben. Wenn er – wie Sie – am Ende sagt: Je länger man liest, desto spannender wird es ... dann bin ich sehr zufrieden.


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Peter Sartorius


Peter Sartorius, geboren 1937, gehörte 30 Jahre lang in verschiedenen Funktionen der Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" an. Er war Ressortleiter der Seite Drei und Reporter des Blattes. Er ist dreifacher Kischpreisträger und hat den Theodor-Wolff-Preis gewonnen.
Dokumente
Interview mit Peter Sartorius (pdf)
Blinde Kuh unterm Nordkap (pdf)

erschienen in:
Süddeutsche Zeitung (SZ),
am 28.03.1978

 

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