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27.06.17

Theorie

Peter Linden „Geschichte und Zukunft der Reportage

"Die Reportage war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Antwort auf den Film", sagt Journalistencoach Peter Linden. In seiner Rede auf dem European Newspaper Congress referierte er Ende April vor 500 Chefredakteuren und Verlagsmanagern aus ganz Europa über die Entstehungsgeschichte der erzählenden Stücke in Zeitungen. Die Zukunft der Reportage in den Printmedien sieht Linden dabei optimistisch: "Wir können aus der Leserforschung ziemlich genau sagen, dass Leser Texte, die das Kino im Kopf in Gang setzen, besser und ausführlicher lesen als andere." Und genau darauf müssen seiner Meinung nach die Chefredakteure reagieren, denn das Primat der Nachricht geht der Zeitung verloren, weil Radio, Fernsehen und Internet einfach schneller sind. "Was die Zeitung aber kann, ist diesem unglaublichen Gestrüpp an Nachrichten eine Ordnung zu geben. Was sie kann, ist Zusammenhänge zu zeigen. Was sie kann, ist diese Nachrichten veranschaulichen anhand einzelner Fälle, die symbolisch und symptomatisch stehen für große Bewegungen. Es ist nichts einzuwenden, wenn man 40 Layouter und Designer beschäftigt. Doch dann muss man sich auch einen oder zwei Reporter leisten, die das Narrative im Inhaltlichen pflegen."


Die Renaissance des narrativen Schreibens wird bestimmt und beschleunigt durch die visuellen Medien: unsere Sehgewohnheiten bestimmen unsere Lesegewohnheiten.

Die erste historische Marke ist das Jahr 1895. Damals ist der erste Film in der Geschichte gezeigt worden. Ein kurzer Dokumentarfilm – vielleicht haben Sie ihn einmal gesehen – ein Zug, der in einen Bahnhof einfährt. Der Film dauert zweieinhalb Minuten, ein paar Menschen steigen aus, ein paar Menschen steigen ein, dann ist der Film vorbei. Damals war das sehr aufregend, damals. Gezeigt haben den Film die Brüder Lumière.

Im Anschluss an diese erste Aufführung 1895 entsteht im Print-Journalismus eine neue Darstellungsform, eine Darstellungsform, die es bis dahin nicht gab. Bis 1895 war der Journalist fast immer nur Chronist, einer, der Fakten aufgezeichnet hat und in den Zeitungen Fakten niedergelegt hat. Aber mit diesem Moment 1895 entsteht das Bedürfnis, bewegte Bilder auch in Form von Sprache abzubilden. Das ist die Geburtsstunde der Reportage.

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Peter Linden


Peter Linden, geboren in München am 23. August 1959, 1978 bis 1982 Studium Germanistik und Romanistik, 1982 bis 1984 Lehrer für Deutsch in Paris und Miesbach, 1985 bis 1993 Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Seither freier Reporter und freier Mitarbeiter für zahlreiche Tageszeitungen und Magazine; Reisebuchautor, Autor von Fachpublikationen zum Thema „Sprache im Journalismus“, darunter: „Wie Texte wirken“ sowie „Glosse und Kommentar in den Printmedien“ und „Das Porträt in den Printmedien; Lehrbeauftragter an Universitäten, Akademien, Journalistenschulen und Coach bei Verlagen zum Thema Leserforschung / Sprache im Journalismus und zu den journalistischen Darstellungsformen.
Website des Autors
Dokumente
Peter Lindens Rede zum Nachlesen (pdf)
Peter Lindens Rede als MP3 (Via RBB/Radio Eins)

erschienen in:
European Newspaper Congress,
am 21.04.2008

 

Kommentare

KelPietry, 26.06.2017, 04:22 Uhr:

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