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25.03.17

Prämierte Texte

Marc Brost „Mensch, Ackermann

Mit diesem Text gewann Marc Brost den Theodor-Wolff-Preis 2006.

Genau drei Männer sind dabei, als Josef Ackermann das erste Mal vor den Scherben seiner Karriere steht. Es ist die letzte Juniwoche des Jahres 1996, und Ackermann gilt als kommender Chef der Schweizer Großbank Credit Suisse. Die Männer – einer davon ist Rainer Gut, der Präsident der Bank – treffen sich in Zürich. Sie einigen sich darauf, dass Ackermann in der Credit Suisse keine Zukunft mehr hat. Als sie auseinander gehen, geloben sie, niemals ein Wort über dieses Treffen zu verlieren.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Am 1. Juli kommt der Verwaltungsrat der Bank zusammen, offiziell geht es um den Umbau der Credit Suisse, aber schnell ist klar: Es geht um Ackermanns Kopf. Einen Tag später informiert Gut die Presse. Ohne Ackermann. Der hat seinen Schreibtisch 24 Stunden zuvor geräumt. In den folgenden Tagen streuen seine Vertrauten, er habe die Bank verlassen, weil er den geplanten Stellenabbau nicht mittragen wollte.

An diesem Mittwoch bangt Josef Ackermann ein zweites Mal um seine Karriere, aber diesmal wird er in der entscheidenden Minute allein sein. Er ist morgens in Frankfurt, später in München, aber irgendwann zwischen zehn und halb elf wird sein Mobiltelefon klingeln, er wird die Besprechung verlassen und allein vor die Tür gehen. Jeder im Raum wird wissen, was dieser Anruf bedeutet, und jeder wird Ackermann anstarren, wenn er wieder hereinkommt. Es ist ein Albtraum. Er erlebt ihn hellwach.

(...)


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Marc Brost


Marc Brost, geboren am 14. Februar 1971 in Mannheim. Nach dem Abitur in Stuttgart von 1991 bis 1997 Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim (Abschluss: Diplom-Ökonom). Neben dem Studium freie Mitarbeit unter anderem für die Stuttgarter Zeitung. Von 1997 bis 1999 Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten in Düsseldorf. Anschließend Redakteur im Wirtschaftsressort der Wochenzeitung Die Zeit, ab April 2002 stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft. Seit 2007 Wirtschafts-Redakteur im Büro Berlin. 2001 mit dem Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik und 2003 mit dem Ludwig-Erhard-Förderpreis für Wirtschaftspublizistik (mit Marcus Rohwetter) ausgezeichnet. Mit seinem ZEIT-Kollegen Rohwetter hat Marc Brost 2003 ein Buch veröffentlicht: »Das große Unvermögen – Warum wir beim Reichwerden immer wieder scheitern«, erschienen bei Wiley, Weinheim, und bei dtv, München.
Dokumente
Mensch, Ackermann (pdf)

erschienen in:
Die ZEIT,
am 21.12.2005

 

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