Reporter Forum Logo
26.04.17

Cordt Schnibben „Journalismus in Zeiten der Trumps

Eröffnungsrede des Deutschen Reporterpreises, verliehen am 5. Dezember 2016 im Meistersaal Berlin


Erstens. Trump, Brexit und AfD, so schreiben jetzt viele, sei die Folge einer Politik und eines Journalismus, „ der die Sorgen der besorgten Bürger nicht ernst“ nehme. Hm. Welche Sorgen sind da gemeint? Die Sorgen der einen oder der anderen, die Sorgen der Bürger, die sich um zu viel Flüchtlinge im Land sorgen, oder die Sorgen derjenigen, die sich um Anschläge auf Flüchtlingsheime sorgen und Trump fürchten? Sind es die Sorgen, das Monatseinkommen mit einem Zweitjob aufbessern zu müssen? Oder ist es die diffuse Angst vor Globalisierung, Digitalisierung und allem Fremdem? Was machen wir, wenn die Sorgen der einen die Hoffnungen der anderen sind? Mehr Empathie macht jeden Text besser, also nehmen wir alle Sorgen ernst. Allerdings verstärkt es die Ängste, wenn wir nicht mehr sind als das Sprachrohr von Angst.

Zweitens. Die Angst der Deutschen vor den 0,9 Prozent Juden im Lande ließ viele Deutsche in den dreißiger Jahren vor einer jüdischen Weltverschwörung zittern und den rechten Arm heben. Die Aufgabe von Journalisten in Zeiten großer Ängste kann es auch sein, so haben wir aus der Geschichte gelernt, den Leuten die Angst zu nehmen.
Drittens. Wir brauchen mehr Correctness, nicht weniger. Correctness definiert den humanitären Konsens einer Gesellschaft, niemand wählt Trump oder die AfD, weil er Neger  nicht Neger nennen darf oder Frauen nicht zwischen die Beine fassen sollte. Correctness definiert die Frontlinie im kulturellen Kampf zwischen den Errungenschaften des menschlichen Miteinander und dem Versuch, zurückzufallen in die Zeiten der Diskriminierung, der Ungleichheit, des Rassismus, des Chauvinismus. Die Grenze des Sagbaren zu verteidigen, das  ist nicht Diktatur des Mainstream, das ist der selbstbewusste Meinungskampf in jeder Demokratie. ZU sagen, „Das ist nicht korrekt!“, ist ein Zeichen von Humanität, nicht von Dogmatismus.

Viertens. Wer als  Journalist oder Politiker die Werte der Mitmenschlichkeit verteidigt, ist weder ein arroganter Gutmensch noch ein moralischer Imperialist. Er möchte in einer Gesellschaft leben, in der sich Arschlöcher als Arschlöcher fühlen sollen und es hoffentlich immer weniger trübe Tassen gibt. „When they go low, we go high!“. Das ist nicht überheblich, das ist wunderbar.

Fünftens. Der größte Fehler in der Auseinandersetzung mit Populismus ist journalistischer Populismus, ist die Anbiederung an den Mann von der Straße und die Frau von der Straße. Proletkult führt nicht zu mehr Demokratie, sondern zur Diktatur der Bohlen, Katzenberger und Geissens.

Sechstens. Wir sollten aufhören unsere Demokratie in Demokratie und Populismus zu unterteilen, jeder Populist nutzt die Demokratie so, wie jeder Demokrat auch Populist ist.

Siebtens. Über Parteien und den politischen Betrieb zu schreiben, wird wichtiger. Pauschale Politikerschelte, Brüssel-Bashing und Elitenhass sind zu wenig, politischer Journalismus muss sich die Mühe machen, komplexe Zusammenhänge durchschaubar zu machen.

Achtens. 40 Prozent der Deutschen glauben, wir sind alle von der Regierung gesteuert. Hm. Wer weiß, wie man darüber schreibt, was nicht ist, bitte nachher bei mir melden.

Neuntens. Deutschland ist nicht USA, aber vielleicht sollten auch deutsche Journalisten stärker über das schreiben, was abseits der großen Städte gedacht und gemacht wird. Unser Vorteil: wir haben noch Lokalzeitung.

Zehntens. Schluss mit der hochnäsigen  Verachtung der sozialen Medien! Ein Journalist der Facebook, Twitter & Co. nicht nutzt als Recherchetool, als Marketingkanal und als Kommunikationsplattform, ist im falschen Beruf. Soziale Medien bieten die Chance, die Leser zu erreichen, die unsere Medien hochnäsig verachten.

Elftens. Macht es Jan Fleischhauer nach und tummelt euch mit einem Fake-Profil in den Facebook-Hohlräumen der Salonhetzer. Jede Expedition in die Parallelgesellschaft der Nichtleser hilft, ein besserer Journalist zu werden.

Zwölftens. Hören wir auf, jeden Furz aus den sozialen Medien zu einem Sturm auf unseren Online-Seiten, in unseren Zeitungen, in unseren Sendungen zu machen. Jeder Tweet von Trump hatte sein verstärkendes Echo in den klassischen Medien, jede Lüge wurde kolportiert, bevor sie diskutiert wurde.

13. Wir brauchen neue journalistische Formate, die in den sozialen Medien wie Factchecker funktionieren. Das Problem: vielen Lesern ist ihre Wut wichtiger als die Wahrheit.

14. Wir sollten transparenter arbeiten, Leser müssen teilhaben können an dem, was wir für Wahrheitssuche halten, sie brauchen ein Verständnis von unserem Bemühen um Recherche, Unabhängigkeit, Handwerk.

15. Wir müssen den mühsamen Kampf aufnehmen um die Qualifizierung der veröffentlichten Meinung im Netz. Nie vorher war die veröffentlichte Meinung in Deutschland vielfältiger, neben der vierten Gewalt hat sich eine fünfte Gewalt etabliert. Aber: Nie vorher war die veröffentlichte Meinung unqualifizierter. Wir brauchen im Netz so etwas wie eine Journalistenschule für Nicht-Journalisten. Wir arbeiten dran, im nächsten Jahr mehr.

16. Wer gut recherchierten und glaubwürdigen Journalismus will, muss dafür zahlen. Punkt. Ausrufezeichen.

17. Wer zahlt, ist unser King, unsere Hoffnung, unsere Zukunft. Jeder Leser, dem wir zuhören, ist ein Bollwerk gegen die Trumps dieser Welt. Enttäuschen wir sie nicht!

Zurück

Cordt Schnibben


Cordt Schnibben, geboren 1952 in Bremen, ist Reporter beim Spiegel und Mitbegründer des Reporter-Forums.
erschienen in:
###ARTICLE_PUBLISHER###,
am 05.12.2016

 

Kommentare

Jamespounk, 29.03.2017, 17:23 Uhr:

If you have difficulty sleeping, it may be a symptom of sleep apnea. Lots of people deal with this condition every day, and it is often a problem that is quite unpleasant to manage. But the good news is that there are effective treatments out there. Read this article to learn some basic information about recognizing and treating sleep apnea.

One way to improve your sleep apnea is to shed excess weight that you are carrying. Being overweight or obese places pressure on your neck, which can compress your windpipe as you sleep. Losing just 25 pounds can make a difference in your symptoms, and losing enough weight can eliminate the disorder altogether.

If you have sleep apnea, try sleeping on your side. If you are a back or stomach sleeper, gravity is working against you all night. Your airway is much more likely to collapse if you are facing straight up or down. Sleeping on your side instead makes it much easier for your body to maintain your airway as you sleep.

If you have sleep apnea and cannot break the habit of sleeping on your back, try sleeping in a t-shirt with two tennis balls sewn into the back. Making this sleep shirt is a simple project to do at home, and it can help to break you of sleeping on your back. Every time you try to roll over on your back in your sleep, the tennis balls will remind you to roll back onto your side.

Sleeping at a high altitude can worsen your sleep apnea because of the lower levels of oxygen. If you are going to a place located higher than what you are used to, take a CPAP machine with you. The best thing to do would be to completely avoid high altitude.

Check if a corrective device can help alleviate your sleep apnea symptoms. Having an overbite, an undersized jaw or a recessed chin can cause your airway to be more narrow because of how your jawbone is set. These devices help create proper alignment of your jaw while you sleep, opening up your airway more. As a result, you experience fewer sleep apnea symptoms.

Weight loss can be a big help for those that suffer from sleep apnea. The condition is common in overweight patients that have larger neck circumferences. Losing weight can significantly reduce the pressure on your airway and improve the flow of air as you breathe at night.

A great way to ensure that you do not sleep on your back and cause sleep apnea to occur is to use a tennis ball to prevent rolling onto your back. You can place one in a pillow behind your back and when you roll over in your sleep, the tennis ball will make you roll back on your side.

If simple changes in your lifestyle, such as regular sleep hours and losing weight, have not eliminated your sleep apnea episodes, it is time to consult with a sleep specialist. The specific causes of your sleep apnea can be evaluated, and an individual treatment plan can be designed for you.

Learning more about sleep apnea is important because knowledge can help put your mind at ease. Take the information you have learned in this article and talk to your doctor about it. He or she can then better help you more easily when you know more about this disorder yourself.

<a href=https://www.viagrasansordonnancefr.com/>viagrasansordonnancefr.com</a>

Reeny, 05.02.2017, 19:25 Uhr:

Hallo,
ich wäre auch im Internet bereit für guten Journalismus zu bezahlen - aber woher weiss ich ob sich der Inhalt mit der Überschrift deckt, ob der Inhalt gut ist (welche Qualitätskriterien zählen? Ihre oder meine?) usw...
Ich habe das HB und den Merkur abonniert - wie kann ich gute Artikel im Internet finden? Für mich ist auch klar, dass ich dann meine Abbos kündigen werde. Ich bin also auf der Suche nach guter Qualität im Internet und dies möglichst kostenneutral
(Und zum Schluss noch ein Scherz: Womit erschlage ich dann die Fliegen? Mit dem Tablet?...)
Vielleicht haben Sie einen Vorschlag wie ich zu qualitativ hochwertiger Info im Internet komme,
Danke und Grüße
Reeny

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*


CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kontakt: Reporter Forum e.V. | Sierichstr. 171 | 22299 Hamburg