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19.11.17

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Rainer Joedecke „Die Einöde


Rainer Joedecke war 66 Tage auf der »Unterkellermühle« in der Oberpfalz. Er war im Frühjahr dort und im Sommer, er grub im Herbst nach Kartoffeln und ließ sich im Winter einschneien. Bei Ottilie, Anton und Toni Wolfrum entdeckte er das einfache Leben


Von Rainer Joedecke, GEO, Februar 1977


„Na, dann setz Er sich halt amal her, na mach ma Brotzeit." Ich bekomme meinen Platz am Tisch zugewiesen. "Wos will Er denn da schreibm? An und für sich passiert ja nix Bsonders bei uns. Sag ma mal so: Wen interessiert des?"

Es gibt Rauchfleisch und Preßsack zur Brotzeit.

„Noja, des muß Er selber wissn, wos er schreibm will. An sich hab i ja nix dageng, wenn er koin Unsinn schreibt. Will Er no wos z'essen? Genier Er se fei niat!" Ich genier mich nicht, ich bin bloß satt.

„Er werd halt wos Bessers g'wöhnt sei." Das stimmt nicht. Damit sie's auch glauben, eß ich noch ein Stück Preßsack.

„Um viere kummt da Bau a'sm Wald. Dann kann Er ja mit eahm a no amal redn, ob er einverstanden is."

Wir haben den 2. Januar 1976. Draußen weht ein eisiger Wind vom Böhmischen her, es schneit und regnet abwechselnd. Vor dem Fenster picken die Vögel in den Sonnenblumenkernen. Meisen, Dompfaffen, Grünlinge . . . Ich sitze in der warmen, dämmrigen Küche der Unterkellermühle, einer Einöde im Oberpfälzer Wald. Im Herd prasseln die Scheite, der Wasserkessel summt, durchs Fenster sieht man den Fuchs, der sich über die Wiese trollt. Hund und Katze schlafen einträchtig nebeneinander, die Mutter macht Knödel und Kraut, der Vater erzählt Geschichten aus dem Wald. Ein altdeutsches Märchenbuch-Zuhause mit echten Leuten drin: Anton Wolfrum, der Alte, 65; Ottilie, seine Frau, 63; Anton, der Junge, Toni genannt, 38.

Anton, in blauer Jacke, blauem Schurz, mit Schirmmütze und Gummistiefeln, sitzt an seinem Stammplatz am Herd. „Im Winter ham mir Altn ja weng z'toun. Da ham mir praktisch nur des kloine Vieh zum versorgn und an Haushalt." Der Alte hat vor zwei Jahren den Hof übergeben: „I bin jetzt in der Ausnahm, da laß i's a weng langsamer gehn."

Ich verbringe den ersten Tag mit Anton in der Küche. Gespräche über das Wetter, die Arbeit, den Wald; Geschichten von Mäusen und Menschen. In den langen Pausen kommt immer wieder ein tief geseufztes „Ja, ja" oder „Ja, ja, sou is des".

Ottilie rastet nicht. Sie sortiert Kartoffeln im Keller, repariert den Zaun am Entenstall, flickt Wäsche in der Stube, schaut nach dem neugeborenen Kalb und kocht nebenbei das Mittagessen. Sie arbeitet mit der Präzision eines routinierten Ein-Mann-Orchesters, vergißt über dem Kartoffelsortieren nicht, das Kraut rechtzeitig umzurühren, und läßt die Knödel nicht verkochen, während sie den Zaun repariert. Sie ist immer in Bewegung. „I brauch des. Wann i koa Arbat hob, wiar e krank." Sie lacht mit ihren sehr blauen Augen.

Der Toni arbeitet als Holzhauer im Staatswald. Gegen Abend kommt er nach Haus, hängt seinen pechverklebten Rucksack neben die Tür, den pechspeckigen Flut dazu. Die Hand will er mir so nicht geben, er wäscht sich erst das Harz ab. Ich erklär ihm, daß ich eine Geschichte über den Hof machen will. „Mir is recht", meint er, „aber wieso kommen S' da grad zu uns Oanödhammel."

Er lacht selbst über das Wort „Einödhammeln".

„Sou sagt ma halt, weil mir af da Oanöd alle a weng büffelhaft und sonderlich san. Sagt ma."

Die Oberpfalz gehört zu den ärmsten und—trotz einer der höchsten Geburtenraten — am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands. Fast die Hälfte des Gebiets besteht aus Wald. Es gibt wenig Industrie, die Landwirtschaft ist mühsam. Der Boden ist karg und steinig, das Klima rauh. Boden und Klima verschlechtern sich in Richtung Norden und Osten zur tschechischen Grenze. Im Nordostzipfel des Landes, der Gegend, in der die Kellermühle liegt, ist es nicht mehr arg übertrieben, wenn die Bauern sagen: „A dreiviertel Jahr Winter, a viertel Jahr kalt." Hier nennt man die Oberpfalz „Steinpfalz", und aus dieser Gegend stammt auch der trotzig-stolze Wahlspruch der Oberpfälzer: „Knapp und spärlich."

„Erdäpfl und a Brot, wos anders ham mir früher daham fast niat kennt zum essen. Scho a trockens Brot hat's niat allaweil gebm. Nur vo de Erdäpfl, da is immer a Kessl am Feier gstandn, und da hat ma se halt gnumma. — Erdäpfel in da Fröih, z'mittogs in da Bröih, aben's mitsamt de Halt, Erdäpfl in alle Ewigkeit."

Der Anton stammt aus dem Dorf Hermannsreuth, zwei Kilometer von hier. Der Vater war Holzrucker, einer, der die geschlagenen Bäume mit dem Gespann aus dem Wald zog. Ein paar Äcker hatte er noch von zu Hause mitgekriegt, acht Tagwerk insgesamt, keine drei Hektar. Davon haben sie eine Kuh gefüttert, ein Schwein und ein paar Hühner. Auf den Rest haben sie Kartoffeln gepflanzt.

„Mir warn daham sechs Boum und oa Moidl. Haltamal." Er nimmt die Finger und zählt nach: „Da Benno, da Otto, da Erich ... Siebm warn ma. Siebm Boum und oa Moidl. Vo dene, wo glebt ham. Drei, wos i mi erinnern ko, san gstorbn."

Mit 13 ist Anton als Knecht zu einem Bauern gekommen. „Des hat ma früher niat anders kennt. Wenn de Kinder sou weit warn, daß s' as da Schul kumma san, ham's fortgmüßt zum Bauern. 1 moan, mir san gern wegganga, weil erstens 's Essen scho besser gwest is, und dann ham ma a Geld kriegt. An Lohn hat zwar da Vatta kassiert, aber zu de Feiertag, Ostern oder Kirchweih, da hat ma doch amal a Markl oder zwoa Trinkgeld kriegt vom Bauern, und des hat ma na b'halten derfm. Und z'Weihnachtn, da hat's na a wos gebm, an neia Schurz, a Hemad, a Paar Schouh vielleicht. Oamal hab i sogar an Stoff zu an ganzen Anzug kriegt. Des war allerhand damals."

Ottilies Geschichte hört sich ähnlich an. Sie kommt aus der Straubinger Gegend. Neun Kinder waren sie zu Hause.

„Unsa Vatta, der hat a Dreschmaschin gfahrn, der is de ganz Wochn net dahoam gwen. Mir ham a bissl a Landwirtschaft ghabt, die hat d'Mutta gmacht mit uns Kinder. Mir ham armselig glebt. Wenn die Donau wieder amal Hochwasser ghabt hat, dann is d'Mutta bis zu de Knia im Wasser gstandn und hat an Klee gmaht. Mir Kinder ham des Futter dann ausm Wasser gfischt und in Kahn tan."

Ottilie ist mit 14 von zu Hause weggekommen. Sie ist auch gern gegangen, aus den gleichen Gründen wie Anton: besseres Essen und ab und zu „a Markl oder zwoa".

Anton: „Mir san genausou arm gwest wie de arma Völker, wie ma's im Fernsehn sieht. Mehra ham mir a niat ghabt. Vo Hermannsreuth san s' damals auf Wendern ganga. Da war a groußa Gutsbesitzer, und da ham s' g'arbat nur fürs Essen."

Ottilie: „Des hat ma früher net anders kennt. D'Leut san z'viel gwest und die Industrie z'weng. Jetzt bist froh gwest, daß d'wenigstens 's Essen ghabt hast. Und d'Mutta und da Vatta san a froh gwest, wenn s' furt gwest san, de Kinda, daß se s' nimma füttern ham brauchn."

1929 hat Antons Vater seine paar Äcker und das selbstgebaute Haus in Hermannsreuth verkauft und mit dem Erlös von 6000 Mark, mit 2000 Mark Erspartem und einem Kredit von 2000 Mark die Kellermühle gekauft. Anton war zu der Zeit als Knecht im Württembergischen. Dort hat er 1937 Ottilie kennengelernt. „Mir san beim gleichn Bauern gwen. Sie in Kouhstall, und i hab de Pferd gmacht. No ja, wie's halt sou geht, i hab ihr halt ab und zu gholfn. Und dann is es halt sou weit wordn. Gspielt ham ma halt a weng, wie's halt so dahergeht. Na hab i gsagt: Jetzt geht's Heiratn los."

Der Toni war unterwegs. 1938 haben sie geheiratet. Krieg, Gefangenschaft, Ottilie hat in der Fabrik gearbeitet. 1949 ist der Vater gestorben, bald darauf die Mutter. Anton hat den Hof übernommen.

In einem sanften Taleinschnitt, ringsum von Wald umgeben, liegen die Felder und Wiesen der Unterkellermühle. Der Reichenbach, der durch das Tal fließt, treibt auch heute noch ein Wasserrad am Haus— jeden Dienstag nach der Brotzeit, wenn der Anton Getreide schrotet für das Vieh. Bis 1958 haben sie so auch ihren eigenen Strom erzeugt, haben die Dreschmaschine damit angetrieben und die Jauchepumpe. Der Reichenbach speist auch noch zwei Fischweiher mit Karpfen, Forellen und Schleien, bevor er zwei Meter hinter dem Hof im Wald verschwindet und zum „internationalen Gewässer" wird: Er bildet die Grenze zur Tschechoslowakei, zum ,,Böhmischen", wie man hier noch sagt.

Zwei Monate, übers Jahr verteilt, hab' ich auf der Kellermühle verbracht. Ich hab' dort gegessen, geschlafen und gearbeitet. Nach zwei Tagen sind Anton und Ottilie vom altertümlich distanzierten „Er" zum „Du" übergegangen, und auch die Kühe haben sich bald an mich gewöhnt. Toni hat mich erst immer aus dem Stall geschickt, bevor er zu melken anfing: „Jetzt moußt assegehn, sonst wem d'Küh nervös, wenn a Fremder im Stall is. Des merkt ma glei an der Milch, des san glei zwoa Liter wen'ger." Als sich nach einer Woche die Kühe beim Ausmisten nicht mehr nach mir umschauen, kann ich auch beim Melken im Stall bleiben. Sie haben mich später dann auch nach längerer Abwesenheit wiedererkannt und freundlich nicht be-achtet.

Ottilie behandelt mich bald so wie ihre anderen beiden Männer Anton und Toni. So wie sie mir am ersten Tag meinen Platz am Tisch zugewiesen hat, so wie ich jeden Tag „mein" Brotzeitbrett, „mein" Besteck und „meine" Blumentasse bekomme, so bekomme ich auch meinen Platz in Ottilies Herz zugewiesen als einer von „meine Mannsbilder". Wie An-ton und Toni werd' ich ihrer resoluten Fürsorge teilhaftig: Sie schaut drauf, daß ich eine Mütze aufsetze im Winter, verlangt meine nassen Socken, um sie am Herd zu trocknen, verbindet mir trotz Protest — es ist nur ein Kratzer — die Hand, die ich mir am Pflug aufgerissen habe, näht mir Knöpfe an, kocht mir meine Leibspeise, Dampfnudeln aus Roggenmehl.

Diese Fürsorge ist nie entnerven-des Bemuttern, aus ihr spricht immer die klare Stimme der Vernunft. Wenn Ottil sagt: „Ziag dei Mützn auf, wennsd' nausgehst, s'geht a schoafa Wind", kann man sich darauf verlassen, daß einem ohne Mütze nach zehn Minuten die Ohren abfallen.

Ottilie, mit ihren fröhlichen blanken Augen, dem offenen Gesicht, mit vielen Lachfalten um die Augen und den runden roten Bäckchen, mit ihrer unauffälligen Betriebsamkeit und nicht nachlassenden Umsicht, ist die Seele und der Motor des Hofes. Es fällt kein Haar zu Boden, keine Maus trägt ein Kömlein fort, kein Schwein scheuert sich die Läuse im Stall, ohne daß es Ottilie bemerkt. Sie hört einen zugeflogenen Wellensittich aus einer hundertköpfigen Vogelschar heraus, sie weiß auf An-hieb, an welchem Tag im letzten Jahr der erste Frost kam und zu welcher Tageszeit die Maulwürfe ihre Hügel aufwerfen. Sie ist so vernünftig, so einteilend und umsichtig, daß es unerträglich wäre, wenn sie nicht auch gleichzeitig über eine weise Nachsicht gegenüber menschlicher — vor allem männlicher — Unvernunft verfügte. Männer sind halt manchmal schlampig, vergessen das Wichtigste über dem Nebensächlichen, trinken mehr, als sie vertragen, frieren lieber, als sich was Warmes anzuziehen. Ottilie nimmt es als gottgegeben hin, ohne sich groß darüber aufzuregen. Ein Seufzer manchmal: „O mei, wann i amal nimmer kann, na gibt's Bruch."

Wohl die Hälfte der zwei Monate auf der Kellermühle habe ich in der Küche verbracht. Die Küche ist das Herz des Hofes. Hier wird nicht nur gekocht und gegessen, hier lebt man, zusammengerückt „um den heimischen Herd versammelt". Daß sich das Leben auf den zwölf Quadratmetern der Küche abspielt, liegt nicht am fehlenden Platz. Im Obergeschoß gibt es zwei geräumige Zimmer —größer als die Küche — und drei kleinere Schlafkammern. Und neben 'der Küche ist noch die gute Stube mit den gerahmten Fotografien der Eltern, den Hirschgeweihen und dem blutenden Herz Jesu. Hier stehen der Fernseher und die Nähmaschine und zu Weihnachten der Christbaum, Ein Fernseh-, Näh- und Weihnachtszimmer — leben tut man in der Küche. Hier kocht die Ottilie, rasiert sich der Anton, schärft Toni seine Axt, hier wärmen sich die Grenzer bei einer Flasche Bier, und hierher bringt die Katze dem Walli die gefangenen Mäuse. In der Küche hat man immer Gesellschaft, und wenn's nur Walli ist, der Spitz, oder ein Vogel am Fensterbrett.

An manchen langen, dämmrigen Wintertagen komme ich mir hier vor wie auf einer Arche Noah — eng zusammengerückt mit Hund und Katze, Kuh und Schwein, Hühnern, Enten, Gänsen. Die große, die weite Welt löst sich auf in Nebel, draußen. Die Vorräte sind an Bord: Holz, Korn, Heu, Speck, Kraut und Kartoffeln. Der Hof bildet ein geschlossenes Geviert. Eine Seite Kälber, Hühner, Schweine, die nächste Seite das Holz, dann das Heu und Stroh und dann die Kühe, das Getreide, die Menschen. Nachts im Bett in den Entenfedern höre ich das Wieder-käuen der Kühe im Stall unter mir. In dem Hafer, der neben meinem Bett aufgeschüttet ist, rascheln die Mäuse. Der Fuchs schleicht ums Haus.

28 Tagwerk Land gehören zum Kellermühlenhof, Eine Hälfte davon Wiesen, die andere Äcker. Darauf bauen sie Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Futterrüben und etwas Gemüse. Der Boden ist nicht schlecht, aber steinig, so wie überall hier in der Gegend. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, werden Steine geklaubt, aber: „Dou klaubst und klaubst, a jeds Jahr, solang d'lebst — de Stoi wem niat wen'ger. Jeds Jahr nach'm Ackern sans wieder grad soviel wie's Jahr z'vor." Der Anton tröstet sich damit, daß die Steine auch ihr Gutes haben: Sie lok-
kern n Boden auf. Durch den Frost im Winter hebt sich der Boden und damit auch die Steine. Wenn sich im Frühjahr der Boden wieder senkt, bleiben die Steine oben, arbeiten sich so durch den Boden und lockern ihn auf. „Ohne Stoi war's natürli besser, weil wachsn taut ja nix af'm Stoa. Aber für de Erdäpfl sans allaweil gout."

Die Bestätigung für diese agrarwissenschaftlich wacklige Theorie be-komme ich im Herbst bei der Kartoffelernte, als ich mit Ottilie die Steine vom Förderband der Erntemaschine sortiere: Immer wenn auf einem Stück besonders viele Steine kommen, kommen auch mehr und größere Kartoffeln. Die Kartoffeln werden, so wie auch das Getreide, an das Vieh verfüttert. Das ist nicht so unsinnig, wie's klingt. 1975, als in der Stadt der Zentner Kartoffeln mit 80 Mark gehandelt wurde, hätte der Anton für den Zentner handelsfertig sortierte Ware acht Mark bekommen. Da füttert er lieber die Sau damit. Die frißt sie auch unsortiert.

Mit dem Getreide ist es ähnlich. Sie haben sich ausgerechnet, daß sie besser wegkommen, wenn sie damit Mastvieh aufziehen, anstatt es zu verkaufen. Alles, was auf den Feldern wächst, wird auf dem Hof um-gesetzt. Sie füttern damit acht Schweine, die sie zweimal im Jahr umsetzen, vier Milchkühe, eine Geiß und, momentan, neun Stück Jungvieh. Dazu kommen etwa 50 Hühner, 20 Enten und die Karpfen, Schleien und Forellen aus dem Fischteich.

Als Anton und Ottilie 1950 den Hof übernahmen, der Toni war damals zwölf, hatten sie keine Maschine und ein einziges Pferd zum Ziehen. Alles ging von Hand, nicht viel anders als vor 500 Jahren — solange steht die Kellermühle schon. „Im Sommer san mir jeden Tag um halba dreie aufgstandn und ham's Mahn angfangt. Dortmals san ma a no in Wald ganga und ham dort de Grasbüschl gschnittn, weils' Futter niat glangt hat. Mir san scho unsre eignen Herrn gwen, aber g'arbat ham ma dreimal soviel wie als Knecht bei de Bauern."

Im Winter hat der Anton dazu noch als Holzhauer gearbeitet, „da-mit ma no a poar Pfenning ghabt ham zum zahln". Er mußte seine Geschwister auszahlen, an den Kauf von Maschinen war lange nicht zu denken.

„Ma hat se halt plagt und plagt, Manchrnal fühl' ich mich wie im von da Friih bis af d'Nacht. Uns is niat arg gout ganga, trotzdem wars koi schlechte Zeit. Mir san jung und gsund gwen und ham vo Kind af nix anders kennt wia Arbat."

1964 hat sein Sohn im Wald als Holzhauer angefangen. Das Geld, das Toni da verdient hat — alles, was er bis heute verdient hat —, ist in den Hof geflossen. Sie haben Maschinen gekauft: zwei Traktoren, Melkmaschine, Ladewagen, Mähdre-scher, Miststreuer, Vollernter, Stroh-presse, Kreiselmäher, Heugebläse . . . es ist fast alles da, was einem Bauern heutzutage die Arbeit erleichtert. Auf dem Hof liegt keine Mark an Schul-den, sie haben aber auch nichts sparen können bis jetzt. Jede verdiente Mark, ob sie aus dem Hof kam oder von Toni aus dem Wald, wurde so-fort wieder angelegt. „Was solln ma mit'm Geld auf da Kassa — da tut's mir d'Arbat net."

Geld ist was Totes, Nutzloses für sie. Essen kann man's auch nicht, und so verwandeln sie es ganz schnell wieder in was Lebendiges, Nützliches, in eine Maschine, ein paar Ferkel, eine gute Milchkuh. Am liebsten, glaub' ich, würden sie das Geld ganz aus dem Spiel lassen und einen Mastbullen gegen einen Kreiselmäher tauschen, so wie sie einen Teil ihres Korns dem Bäcker geben und dafür Brot und Mehl bekommen. Für das tägliche Brot brauchen sie kein Geld. Und für das, was man dazu ißt, sehr wenig.

Da ist erst mal die Kartoffel natur „mit oder ohne Haut". Dann die zweite Stufe der Kartoffel, verwandelt in Dotsch (Kartoffelpuffer), Bauchstecherle (Kartoffelnudeln), Kartoffelsalat, Kartoffelknödel. Dann wird die Kartoffel von der Sau gefressen. Sie schlachten zweimal im Jahr, im Mai und im Dezember. Von der Sau wird ein Teil eingefroren, der andere Teil gibt Rauchfleisch, Sauerfleisch, Leberwurst, Blutwurst, Koch-wurst und Preßsack. Die Kartoffel wird zum Fisch, nachdem die Karpfen sie gefressen haben. Sogar Ottilies Federbetten kotrunen auf dem Umweg über die Enten aus den Kartoffeln. Im Sommer haben sie sches Gemüse und Salat und für den Winter Zwiebeln, Mohrrüben, terrettich, rote Rüben und selbstgemachtes Sauerkraut. Die Milch ist jeden Tag frisch, die Butter macht Ottilie auch selbst, und im Herbst friert sie Steinpilze ein.

Machmal fühl’ ich mich wie im Schlaraffenland. Wenn ich Lust auf Fisch habe, geh' ich einfach an den Teich und werfe ein Stück Schnur mit Haken und Regenwurm rein. Längstens nach einer halben Minute hab' ich meine Forelle — Ottilie brät sie mir. Oder sie fragt mich: „Was mach ma denn heut zum essn?" Mein Blick fällt durchs Küchenfenster in den Hühnerhof. „Ein Bratgockel, Ottilie, wär nicht schlecht heut'." Ich ertappe mich, wie ich wohlgefällig eine Sau mustere und dabei an den schönen Schinken denke.

Für das, was sie für den Haushalt kaufen muß, braucht Ottilie nicht mehr als 50 Mark im Monat. Essig, Zucker, Salz, Malzkaffee, Äpfel, Semmelbrösel, Backpulver, eine Tafel Schokolade, Seife, Waschpulver. Dazu kommen noch das Bier und die Zigaretten für die Männer.

Den Wocheneinkauf macht Ottilie in Bärnau am Sonntag nach der Kirche. Wenn sie nicht in die Kirche kommt, fährt sie am Montag mit ihrem klapprigen, 20 Jahre alten Moped die fünf Kilometer nach Bärnau, dem nächsten größeren Ort. Kleidung, eine neue Kittelschürze, ein Stück Drillich zu einem Schurz für Anton, Strümpfe, ein Hemd kauft sie in Tirschenreuth, der Kreisstadt. Kaufhäuser gibt's da nicht, die sind in Weiden, 30 Kilometer weg. Trotz-dem war sie noch nie in Weiden. „I brauch koa Kaufhaus. Des, wos brauch, kriag i in Tirschenreuth a." Sie kaufen, was sie brauchen, und sonst nichts. Da sie sich die paar Sachen, die sie wirklich brauchen, auch leisten können, sind sie wunsch-los zufrieden, die Verlockungen des Konsums können ihnen nichts an-haben. Beim Werbefernsehen lacht Ottilie höchstens: „Da schau hi, was de se alls einfalln lassn."

Seit Beginn des Jahres sind sie an die Müllabfuhr zwangsangeschlossen, man hat ihnen eine Tonne auf den Hof gestellt. Die steht da blitzend, fremd und leer. Alle vier Wochen kommen die Müllmänner. Ottilie schmeißt dann immer anstandshalber was rein: gesammelte Kronen-korken vom Bier, eine Essigflasche, einen Plastiksack, ein Stück rostigen Draht.

So sparsam sie wirtschaften auf der Unterkellermühle, Buchführung und Kalkulation haben sie nie gemacht, wollen sie nicht, und brauchen sie auch nicht. Sie wissen nicht einmal genau, was übrigbleibt im Jahr vom Milchgeld, vom Verkauf der Schweine und der Mastbullen, von den Eiern, den Enten und den Fischen. Das interessiert sie auch nicht. Anton weigert sich zu rechnen: „Für was solln ma denn rechna. Mir toun unsa Arbat, mia lebm dabei niat schlecht, ham koi Schuldn — was brauch i dou no rechna."

Ich hab's trotzdem mal mit dem Toni ausgerechnet. Es sind etwa 8000 Mark herausgekommen, die übrig-bleiben im Jahr. Davon kann man keine Maschinen kaufen, keinen Stall renovieren, kein Auto halten. Der Toni verdient das Doppelte im Jahr und'steckt es in den Hof — damit die Hälfte rauskommt.

„Unternehmerisch" gesehen ist die Bewirtschaftung des Hofes ökonomi-scher Wahnsinn_ Der Maschinenpark der Wolfrums würde für einen drei-mal so großen Hof ausreichen und dann erst rentabel arbeiten. Aber man kann halt keinen halben Kreiselmäher kaufen, und mit der Hand mähen nur noch Landhippies — eine halbe Stunde. Wenn Toni das Land verpachten würde und nur das Haus behielte — die Eltern bekommen eine kleine Rente —, hätte er doppelt soviel Geld und die halbe Arbeit.

So steht der Toni jeden Tag um halb fünf auf, heizt den Herd in der Küche und geht dann in den Stall. Kurz nach sechs ist er da fertig. Er frühstückt und fährt dann zur Arbeit in den Wald. Wenn er kurz nach vier nach Hause kommt, sieht er manch-mal aus, als würde er gleich umfallen vor Erschöpfung. Die Augen fallen ihm zu, er bewegt sich wie in Zeitlupe, als hätte er Blei in den Armen und den Beinen. Nach der Brotzeit hat er sich dann wieder einigermaßen aufgerappelt. Er arbeitet eine Stunde am Feld oder macht eine Arbeit am Hof. Dann kommt wieder Stall bis um sieben Uhr. Im Winter ist er dann fertig, im Sommer geht's weiter bis neun. Das ist dann auch seine Schlafenszeit. Samstags und sonntags sieht's nicht viel anders aus. Statt im Wald arbeitet er auf dem Hof. Samstags geht er manchmal abends in die Wirtschaft, am Sonntag geht er in die Messe und legt sich mittags eine Stunde hin. Seine Urlaubstage gehen für die Ernte drauf im Sommer und Herbst. Richtigen Urlaub, ohne zu arbeiten, hat er noch nie gemacht.

Der Toni weiß schon auch, daß er ein leichteres Leben hätte, wenn er die Landwirtschaft aufgeben würde. Ein schöneres Leben aber wär's für ihn, so glaubt er, bestimmt nicht: „Ich mach d'Landwirtschaft gern. Narrisch gern. Ich könnt ma koa an'das Lebn vorstelln. Wenn ma aufgwachsn is damit, na hängt ma dran, a wenn's no Arbat macht, ma hängt oaf ach dran."

Die goldene Freizeit, in der Stadt Legitimation und Ausgleich einer un-geliebten Arbeit, für Toni ist das ein leeres Wort. „Wann i jetzt bloß in d'Arbat gehn tat und kam abends um viere heim, i wüßt niat, wos i ofanga sollt. Vorm Fernseher hockn? Na! Jedn Tag ins Wirtshaus gehn? Des würd a bald langweilig. Oder sollt i mir so a Hobby ofanga und wia so a Halbnarr irgendwas z'ammbaun und wieder z'reißn und wieda z'ammbaun — bloß daß i was z'tun hab."

Arbeit ist ihnen keine Last, kein notwendiges übel — dem Toni so wenig wie Anton und Ottilie. Wenn's ihnen auch manchmal ein bißchen zu-viel wird, sie werden's nicht leid. Im Gegenteil. So seufzt die Ottilie einmal Ende Oktober, die Felder sind abgeerntet und bestellt: „0 mei, jetzt kummt de Zeit wieder, wosd' koa Ar-bat hast. Des macht mi ganz krank."

„Also ohne Arbat kannt i niat lebm. Da Körper hat si eifach drauf eingstellt, wenn ,ma vo Kindheit auf hat arbatn müssen."

Sie lieben ihre Arbeit, sie ist ihr Lebensinhalt. Leben und arbeiten —auf der Kellermühle ist das ein und dasselbe, und so fragen sie sich nie, ob der Arbeitsaufwand sich lohnt, was er einbringt. Sie arbeiten vor sich hin, wie man so sagt, gewissenhaft und sorgfältig.

Wenn ein Kalb geboren wird, zum Beispiel, lassen sie es eine Woche lang dreimal am Tag an der Mutter trinken. Diese Arbeit machen sich heute nur noch die wenigsten Bauern. Aber es ist halt besser für das Kalb, und so opfert der Toni eine Woche lang seine Mittagspause und fährt nach Hause, um das Kalb anzulegen. Ottilie zupft ihren Schweinen die Läuse ab. Eine unnötige Arbeit, aber die Schweine haben's gern. Nicht nur die Nutztiere werden so gewissenhaft versorgt. Die Vögel werden den gan-zen Winter mit Sonnenblumenkernen gefüttert, und wenn Ottilie dreimal am Tag die viel zu vielen Katzen füttert, achtet sie darauf, daß keine zu kurz kommt. Anton verzichtet darauf, einen morschen Balken in der Scheune auszuwechseln, weil ein Schwalbennest dran ist, und sogar für die Mäuse auf dem Getreideboden hat er Verständnis. „De müssn ja a lebm."

Sie leben mehr mit dem Hof als vom Hof, die Wolfrums, in einer engen Gemeinschaft mit den Tieren, dem Land, dem Wetter, der Natur. Auf eine ganz unökonomische Weise sorgen sie für ihre Tiere, pflegen ihr Land. Diese archaische und anachronistische Verbundenheit mit dem Hof zeigt sich auch in den Bräuchen, die sie nicht „pflegen", sondern einfach machen. „Des ham unsa Eltern scho sou gmacht, und mir machn des a sou", sagt Anton. Am Dreikönigstag wird das Haus mit Weihrauch aus-geräuchert und der Haussegen 19 K+M±B 76 von Ottilie auf alle Türen im Haus gemalt, auf die Tür zum Plumpsklo ebenso wie auf die Tür zur guten Stube. Kaspar, Mel-chior, Balthasar, die Weisen aus dem Morgenland, sollen das Böse fernhalten. Zu Ostern stecken sie Kreuze aus geweihtem Holz und einen Palmzweig in die vier Ecken des Kornfeldes, um die bösen Geister vom Feld fernzuhalten. Ottilie betet still das Vaterunser dazu: „Unser tägliches Brot gib uns heute." Kleine Kränze aus Birkenreisig, an Fronleichnam geweiht, sollen das Haus vorm Blitz schützen (seit ich einmal halbmeterlange Blitze aus der Steck-dose in der Küche hab' fahren sehen, geb' ich auch was auf den Brauch). Wenn eine Kuh gekalbt hat, bekommt sie geweihtes Brot und Salz, damit sie wieder aufsteht, und in der Heiligen Nacht um zwölf be-kommt das Vieh Hafer vorgeschüttet, und der Stallgang wird ausgekehrt. Das macht immer der Anton. „Mit'm Kehrn treibt ma an Teifl as. Früher hat ma gsagt, wenn ma se in da Christnacht in Stall asse legt und as Licht asmacht, kann ma 's Vieh mitananda redn hörn." Er hat's schon einmal probiert. „G'hört hab e zwoa nix, aba vielleicht hab i niat richtig afpalind hab gschlofn." Besonders fromm sind sie nicht, trotz der from-men Bräuche. Sie glauben halt an Gott und gehen am Sonntag in die Messe. Aber der Pfarrer kann sie nicht erschrecken.

Der kam mal auf die Kellermühle, als ihm zu Ohren gekommen war, daß Antons jüngerer Bruder, der Erich, eine „Evangelische" heiraten wollte. Schwägerin Ottilie erzählt mit Genuß davon. „I bin grad beim Kochen gwen, und er is da in der Küch gsessen und hat allaweil so rumdruckt. Endlich, wie i ihn nachher gfragt hab, was er aufm Herzn hat, is er raus mit der Sprach und hat gsagt, daß des doch a Sünd und a Unrecht wär, wenn der Erich a Evangelische heiratn tat. Hochwürden, hab i gsagt, wen der Erich heirat', des geht mi nix an und Sie genausoweinig. Und außerdem, sag i zu eahm, brat a katholische Bratwurst in an evangelischen Pfandl genauso guat wie in an katholischen."

Der Anton hatte schon recht, als er mir sagte: „Eigentlich passiert ja nix Besonderes bei uns." Die Geburt eines Kalbes, ein Regen nach langer Trockenheit, ein zugeflogener Wellensittich, der erste Frost — das sind die großen Ereignisse hier. Der Ab-lauf der Jahreszeiten, der Kalender bestimmt den Gang des Lebens auf der Kellermühle, die Welt ist hinter dem nächsten Kirchturm zu Ende. Ottilie sieht sich abends immer die Tagesschau an. „Damit i woaß, was in da Welt draußd passiert." Stumm und aufmerksam, wie ein Schulkind vorgebeugt, sitzt sie vorm Fernseher, schüttelt ab und zu ungläubig, er-staunt, belustigt den Kopf. Einen Kommentar hab' ich nie von ihr gehört. Das passiert alles so weit weg von hier, hat so wenig Beziehung zu diesem geordneten, überschaubaren Leben, daß all die Kriege, Flugzeugentführungen, Staatsbesuche, Verkehrsstauungen, die neue Mode zu einem Märchenkaleidoskop geraten.

Die beiden Alten haben nicht ein-mal einen gültigen Personalausweis — Ottilies Ausweis, 1954 ausgestellt, seit '59 abgelaufen, war noch nie gültig, weil die Unterschrift des Beam-ten fehlt, und der von Anton, 1962 ausgestellt, ist auch seit vier Jahren abgelaufen. Sie haben beide ihren Ausweis noch nicht ein einziges Mal gebraucht. "In Landkreis kenna me alle Schandarm, und weita kumm sou niat."

Trotz der Beschränktheit ihrer kleinen, geschlossenen Welt — be-schränkt, vernagelt, „Oanödhammel" sind sie nicht, die Wolfrums. Sie sind weder stur noch unduldsam und „büffelhaft" schon gar nicht. Ihre Beschränktheit ist geographisch, nicht geistig. Anders als in der Stadt, wo man über der großen Welt das Nächste übersieht, kennen die Wolf-rums ihre kleine Welt sehr genau und nehmen Anteil an allem. Es hat mich immer erstaunt, wie genau sie über die Leute und die Ereignisse in den umliegenden Dörfern Bescheid wis-sen. Die paar Stunden in der Woche, die sie vom Hof wegkommen, in die Messe, auf eine Beerdigung, zum Frühschoppen, reichen aus, um auf dem laufenden zu bleiben.

Dieses ldyll, diese kleine heileWelt der Kellermühle, ist bedroht. Nicht von Räumbaggern, von Autobahnprojekten oder Kraftwerksbauten —alles nichts, wofür sich eine Bürgerinitiative einsetzen könnte. Die Bedrohung ist nicht so spektakulär, aber nicht weniger tödlich.

Als ich im Juni wieder einmal auf die Kellermühle komme, finde ich Ottilie, die freundliche, liebe Ottilie, in grimmiger Stimmung. Der Schweinestall ist leer, im Bach schwimmen keine Enten. „Ich streik", verkündet sie mir, „so geht's net weiter. Da mußt endlich a Frau her. Ich fütter koane Antn mehr und koane Säu sunst moant er, 's geht immer so weiter."

„Er", das ist der Toni. Und das Problem ist, daß er mit 38 Jahren noch immer keine Frau gefunden hat. Die Stimmung ist gespannt auf dem Hof. Alle drei wirken sie unzufrieden, bedrückt, gereizt. Der Anton sieht alt und krank aus. „Wenn i dran denk, was mir uns plagt ham de ganzn Jahr. Und für was des Ganze? Wann mir Altn amal nimmer könna, wos is dann? Da hat ma sei ganz Lebm lang g'arbat und woiß am End niat für wos. Für wos soll ma se denn da no plagn. Ja wenn da a Wei' da war und a poar kloine Kinder rumspringa tatn, da wissat ma für was."

Der Toni ist weder häßlich noch dumm, und menschenscheu ist er auch nicht. Daß er noch keine gefunden hat, liegt weniger an ihm als an den Umständen. „D'Zeitn ham sich g'ändert. Vo de Bauernmoi'dla will koine mehr auf'n Hof und auf d'Oanöd scho gar niat. I bin niat der oinzige Bauer, der koi Frau findt für sein Hof."

Seit er den Hof übernommen hat, ist die Lage noch aussichtsloser geworden. „Jetzt komm i gar nimmer weg. Früher bin i no alle Sonntag weggfahrn und hab mi umgschaut. Dreimal war's soweit zum Heiraten. Aber die eine wollt net auf die Einöd, die andre hat sich an meim ledigen Boum gstoßn, für den i zahln muß, und die dritte hätt gwollt, daß i die Landwirtschaft auf gib."

Wenn er die Landwirtschaft auf-geben würde, den Hof verkauft —er hätte in drei Monaten eine Frau. Aber: „Und wenn i des Moidl no so gern hätt — mir würdn net zamrnpassn. Des müßt i ihr immer vorwerfn: Wegen dir hab i die Landwirtschaft aufgebm, hab i mei Heimat aufgebm. Des lassat ma kei Ruh net." Und wenn er keine Frau findet und die Alten eines Tages nicht mehr können?

„Irgendwie muß es gehn. Solang i no jung bin und arbatn ko, schmeiß ma des scho!"

Im Herbst hat Ottilie wieder En-ten und Schweine.

„I brauch meine Viecha. Wann i de Arbat net hätt, käm i bloß ins Sinnieren und Grübeln. Des is net guat, wenn ma z'viel nachdenkt. Da könnt ma manchmal vazweifln." 



Die Unterkellermühle mit ihren Fischteichen liegt direkt an der Grenze zur Tschechoslowakei. Der Wald, der sie umgibt, heißt nicht nur »drüben« Böhmerwald. Früher hat man hier »von der Grenz gelebt«. Der Schmuggel mit Tabak und Salz war für viele die einzige Erwerbsquelle. Der Anton mußte einmal für sieben Zigaretten drei Tage einsitzen

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Rainer Joedecke



Dokumente
Rainer Joedecke: Die Einöde (pdf)

erschienen in:
GEO,
am 01.02.1977

 

Kommentare

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Margie, 25.04.2016, 09:46 Uhr:

Ben scritto, comunque hai fatto bene a &#8le0;2liminar2o&#8221;, non aggiunge nulla di significativo alla storia&#8230;credo sia molto più piacevole leggerlo ora sotto forma di racconto.

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