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29.03.17

Dirk Kurbjuweit „Liebe Kollegeninnen und Kollegen!

Das Seminyak-Stipendium geht in sein zweites Jahr. Wir bitten um Bewerbungen bis zum 01. Dezember 2012. Die Jury wird bis Ende Dezember entscheiden. Die Ausschreibung finden Sie am Ende dieses Textes.

Die Idee dieses Stipendiums ist, jüngeren Journalisten eine ausführliche Recherche möglich zu machen, in Deutschland oder anderswo. Sie sollen die Systematik von langen Recherchen lernen, sie sollen etwas von der Welt erfahren und sie sollen eine gute Zeit haben.

Ich denke, dass dies in der ersten Runde gelungen ist.

Elisabeth Weydt war mehrere Wochen in Bolivien und hat eine Geschichte über Kinderarbeit recherchiert. Sie hat einen sehr schönen Text vorgelegt, an dem wir gemeinsam noch ein bisschen gearbeitet haben. Er liegt jetzt bei einem Wirtschaftsmagazin und soll im Oktober veröffentlicht werden.

Massimo Bognanni war in Italien und hat das Elend von Asylbewerbern recherchiert. Sein Text wurde von einem großen Magazin angenommen und wartet auf die Veröffentlichung.

Hauke Friederichs hat sich eine schwierige Recherche im Waffenmilieu vorgenommen. Er hat schon einiges erreicht, es stehen aber noch Reisen aus. Wir mussten über die Gefahren solcher Reisen reden, und manchmal habe ich gesagt, dass er noch warten soll oder einen anderen Weg finden muss. Nun sieht es aber gut aus. Ich bin sicher, dass auch dies eine hochinteressante Geschichte wird.

Mir haben die Gespräche mit den Stipendiaten viel Freude gemacht. Ich habe etwas über Länder und Milieus gelernt, die ich noch nicht kannte, zudem über die Arbeitsweise und Sorgen junger Journalisten. Bei mir ist das ja schon eine Weile her. Von allen drei Stipendiaten habe ich gehört, dass Ihnen das Seminyak-Stipendium wertvolle Erfahrungen möglich gemacht hat. Ich freue mich sehr über diesen Erfolg. Auch die Arbeit in der Jury war ein Gewinn für mich. Ich danke Nils Minkmar und Ariel Hauptmeier.

Eine der Bewerberinnen, die knapp gescheitert ist, bekam von Nils Minkmar eine Chance im Feuilleton der FAZ, weil ihre eingereichten Texte so gut waren. Dort arbeitet sie nun frei und hat die Chance auf mehr. Auch das sehe ich als einen Erfolg des Stipendiums. Danke, lieber Nils.

Auch in der zweiten Runde leistet Claus Kleber vom ZDF einen Beitrag von 5000 Euro. Ich danke ihm sehr dafür. Im Laufe des Jahres bekam ich eine spontane Mail meiner SPIEGEL-Kollegin Beate Lakotta. Auch sie wolle einen Beitrag leisten. Auch darüber freue ich mich sehr. Wir erhöhen die Gesamtsumme von 10000 Euro nicht, haben aber jetzt einen Spielraum, falls Recherchen teurer werden als geplant. Wie im vergangenen Jahr auch werden wir die Stipendiaten und die Jury zu einem Essen in Berlin einladen.

Zur Idee dieses Stipendiums:

Seminyak ist ein kleiner Ort auf der indonesischen Insel Bali. Es gibt einen schönen Strand, aber der Ort selbst ist keine Schönheit, überquellender Tourismus hat ihn geprägt. Gleichwohl kann man dort entspannte Tage verbringen. Im April 2011 war ich in Seminyak, weil ein Freund dort seine Hochzeit gefeiert hat. Es waren einige Journalisten dort, und natürlich haben wir viel über Journalismus geredet. In letzter Zeit sind solche Gespräche oft deprimierend. Die Print-Journalisten rechnen aus, ob es Print bis zur ihrer Rente noch geben wird. Die Online-Journalisten fragen sich, ob sie jemals den Lebensstandard und die Arbeitsbedingungen von Print-Journalisten erreichen werden. Der Strukturwandel macht uns unsicher und pessimistisch.

Solche Gespräche gab es auch in Seminyak, aber sie stehen immer im Kontrast zu meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Journalismus. Es ist mir immer gut gegangen, es geht mir gut, und ich habe die Hoffnung, dass es mir weiterhin gut gehen wird. In Seminjak fiel mir ein, dass ich davon etwas weitergeben könnte, ein bisschen spät vielleicht, aber immerhin folgte den ersten Überlegungen ein rascher Entschluss:Je Ich möchte in Zusammenarbeit mit dem Reporterforum ein Recherchestipendium einrichten, und es soll Seminyak-Stipendium heißen. Dort wurde die Idee geboren, und es soll um Reisen gehen, um Recherchen in der Ferne. Auch deshalb passt der Name.

Ich rede häufig mit Journalistenschülern, und im SPIEGEL-Büro sind viele Praktikanten, die zum Teil schon bei Regionalzeitungen gearbeitet haben. Sie berichten mir, dass es fast unmöglich sei, aufwendige Recherchen zu machen, weil sie niemand bezahlen will oder kann. Ähnliches erzählen Kollegen selbst von großen Zeitungen. Am Rechercheetat wird offenkundig gerne gespart.

Jeder weiß, dass sich die Welt mehr und mehr vernetzt und rasend schnell zusammenwächst. Internet, Klimawandel, Terrorismus, Finanzmärkte - das sind schon vier starke Kräfte, die uns abhängig machen von dem, was in weiter Ferne geschieht. Wir haben zum Beispiel 2008 lernen müssen, dass unser Wohlstand bedroht ist, wenn Hausbesitzer in Oklahoma oder Michigan unsolide wirtschaften. Und neuerdings hören wir genau zu, wenn Nachrichten aus dem kleinen Griechenland verlesen werden.

Früher hat man gerne den Witz gemacht, dass einen dies oder jenes genauso interessiere, als wäre in Peking ein Fahrrad umgefallen. Gemeint war ein Interesse von Null. Ich habe diesen Witz lange nicht mehr gehört. Vielleicht ist man sich nicht mehr so sicher. Wer weiß, was in einer globalisierten Welt alles passieren kann, wenn ich Peking ein Fahrrad umfällt.

Für mich ist es ein fürchterlicher Gedanke, dass die Welt rasch zusammenwächst, der Journalismus aber nicht Schritt halten kann, weil kaum ein Verlag noch aufwendige Recherchen finanzieren will. Wir könnten dann den Anspruch, die kontrollierende Gewalt zu sein, nicht mehr aufrecht erhalten.

Wie gesagt, ich habe Glück gehabt. Ich wurde 1962 geboren, früh genug, um einen finanziell gut ausgestatteten Journalismus erleben zu können. Und ich war immer bei Medien, ZEIT und SPIEGEL, die sich aufwendige Recherchen leisten konnten und können.

2001 habe ich mit meinem Kollegen Dietmar Hawranek eine Geschichte über DaimlerChrysler recherchiert. Die beiden Unternehmen hatten fusioniert und dann noch Mitsubishi mit ins Boot geholt. Der Konzern-Chef Jürgen Schrempp behauptete, dieses Gebilde habe eine wunderbare Zukunft vor sich. Dietmar Hawranek und ich waren in Auburn Hills bei Chrysler, in Tokio bei Mitsubishi und in Stuttgart bei Daimler-Benz. Wir waren in Rom, in Sindelfingen, in Los Angeles, in Graz. Am Ende hatten wir den Eindruck, dass dieses Gebilde nicht gut funktionieren wird, weil die Autokulturen der drei Länder zu verschieden sind. Es ist so gekommen, der Konzern fiel auseinander.

Diese Geschichte hat dem Reiseetat des SPIEGEL eine Menge zu verdanken. Wir konnten zu unseren Erkenntnissen nur kommen, weil wir mit Amerikanern, Japanern und Deutschen geredet und ihre jeweiligen Auto-Welten erlebt haben. Wir brauchten das Gespräch und die Anschauung, um zu einem kompetenten Urteil kommen zu können.

Ich will nicht einem bombastischen Journalismus das Wort reden. Ich weiß, dass man mit einem Straßenbahn-Ticket enorm wichtige und wunderbare Geschichten recherchieren kann. Ich finde sie immer wieder in den Zeitungen und Zeitschriften. Dieser Journalismus ist nicht bedroht. Selbst eine verarmte Zeitung wird lesenswert sein, wenn sie gute Reporter hat, die in ihrer Umgebung Augen und Ohren offenhalten.

Ich habe aber den Eindruck, dass sich die aufwendige Recherche auf ganz wenige Medien konzentriert, und das finde ich bedauerlich und auch ein bisschen bedrohlich. Eine kleine Antwort darauf soll das Seminyak-Stipendium sein. Da mein Einkommen auch das Einkommen meiner Familie ist, kommt das Stipendium von mir wie von meiner Frau Bettina und unseren Kindern Marja und Jonas. Sie haben in Seminyak als erste von dieser Idee erfahren und tragen sie gerne mit.

Ich habe keine Erfahrung mit einer solchen Sache. Ich habe Angst vor bürokratischen Hemmnissen, vor Missbrauch und allen möglichen Pannen. Aber ich bin auch zuversichtlich und fest entschlossen, das Seminyak-Stipendium zu einem Erfolg zu machen.

Hier ist die Ausschreibung 2012:

Das Stipendium soll maximal vier Recherchen finanzieren. Die Höchstsumme für eine Recherche liegt bei 5000 Euro. Die kann zweimal vergeben werden. Möglich ist auch: einmal 5000 und zweimal 2500 Euro oder viermal 2500 Euro.

In der Jury sitzen Nils Minkmar von der Frankfurter Allgemeinem Zeitung, Ariel Hauptmeier von Geo und ich.

Die Stipendiaten werden, soweit sie das wünschen, von mir betreut, bis es einen druckbaren Text gibt.

Das Höchstalter liegt bei 35 Jahren.

Es soll um Geschichten gehen, die für ein Print-Medium vorgesehen sind.

Es können sich freie und angestellte Journalisten bewerben, ausgeschlossen sind angestellte Redakteure von überregionalen Zeitungen und großen Magazinen.

Einen Abdruck der Geschichten im SPIEGEL wird es nicht geben.

Die erste Hälfte des Stipendiums wird sofort ausgezahlt, die zweite Hälfte nach einem ersten Recherchebericht, der mit Belegen unterfüttert sein sollte.

Geld, das nicht abgerufen oder zurückgezahlt wird, fließt in den Topf des folgenden Jahres.

Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 01 Dezember 2012, die Entscheidung der Jury wird im Dezember fallen und im neuen Jahr bekanntgeben.

Die Jury braucht: einen Lebenslauf, ein Exposé der Geschichte mit Angaben zu einem Medium, das für diesen Text infrage kommt, einen Rechercheplan, eine Kostenschätzung. Das alles soll maximal je eine Seite umfassen. Dazu hätten wir gerne drei Textproben.

Adresse: Stefanie_Golla@spiegel.de
Oder: Der Spiegel, Hauptstadtbüro, Pariser Platz 4a, 10117 Berlin

 Ich freue mich auf Ihre Bewerbungen und danke dem Reporter-Forum für die Unterstützung.

Herzlich,

Dirk Kurbjuweit



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Dirk Kurbjuweit


Dirk Kurbjuweit, geboren am 3. November 1962 in Wiesbaden. Abitur 1982 in Essen, Zivildienst in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Essen, Kölner Journalistenschule, Studium der Volkswirtschaft in Köln, Diplom im Herbst 1989. Redakteur der ZEIT von 1990 bis 1999, Reporter beim SPIEGEL von Herbst 1999 bis Sommer 2007, Büroleiter beim SPIEGEL in Berlin seit Sommer 2007. Kurbjuweit ist verheiratet und hat zwei Kinder. Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage 1998 und 2002
erschienen in:
Reporter-Forum,
am 06.10.2012

 

Kommentare

Pokey, 25.04.2016, 14:01 Uhr:

Thats pretty. Looks siilar in colours to the stbrawerry fudge things. Am really loving the design of the Strawberry Fudge palette and that new one looks equally lovely!

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