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19.11.17

Renate Meinhof „Blut ist dicker als Wasser

Nominiert für den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Kultur


Es waren zwei Brüder. Der eine hieß Dieter, er war der ältere und tat, was den Eltern gefiel. Er arbeitete vom Morgengrauen bis in den Abend, wuchtete Säcke voller Mehl in die Backstube, setzte Teig an, formte das Brot, flocht Hefezöpfe und kunstvolle Schlangengitter aus Buttercreme auf mächtigen Torten. Ohne Klage arbeitete er, denn dem Vater hatte der Krieg ein Bein genommen. Langes Stehen fiel ihm schwer, behindert wie er war, mit der Prothese. So wurde der Älteste des Vaters Bein.

Der jüngere hieß Otto. Als Kind war er kränklich, und später, in der Schule, kam er mühsam zurecht, blaue Briefe jede Woche, sodass man ihn aus der Hand gab, ins Internat schickte. Da war er zehn, Bad Fredeburg im Sauerland. Ein Korb wurde angeschafft. Der Korb brachte Ottos schmutzige Wäsche, einmal die Woche. Wenn das Saubere zurückfuhr, schob die Mutter Röllchen von Geld in die Socken, wie kleine Nachrichten ins Gefängnis. Der jüngere kam zurück, aber eine Hilfe in der Bäckerei war er nicht, niemandes Arm und niemandes Bein. Doch die Mutter zog ihn vor, heimlich oft, und hegte und liebte ihn.

Jakob und Esau und Kain und Abel.

Märchen fangen so an, Mythen, oder Erzählungen im Pentateuch. Aber diese Geschichte im Urmuster zweier ungleicher Brüder ist Teil des größten Fälscherskandals der deutschen Nachkriegsgeschichte, der die Welt der Kunst seit dem vergangenen September in Atem hält – es geht um die Bilder der, frei erfundenen, „Sammlung Werner Jägers“ (die SZ berichtete).

In ihrem Sog haben Käufer Millionen verloren, große Experten ihren Ruf und Auktionshäuser an Vertrauen.

Im Kunsthaus Lempertz in Köln, zum Beispiel, sind fünf der gefälschten Bilder versteigert worden. Henrik Hanstein, Chef des Hauses, zählt inzwischen selbst zu den Beschuldigten. Gegen ihn ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft wegen Betruges. Er soll die Entlarvung der Fälscher verzögert und dadurch, letztlich, die Opfer geschädigt haben.

Im Fall der „Sammlung Werner Jägers“ sind die Ermittlungen jetzt, vorerst, abgeschlossen, und die Staatsanwaltschaft ist mit der Anklage befasst.

Es geht um 47 Bilder, die seit 1995 mit fingierten Legenden um ihre Herkunft über große Auktionshäuser – Sotheby’s, Christie’s, Lempertz – und über Galerien in ganz Europa auf den Markt kamen. Sie wurden gekauft und weiterverkauft, weshalb es zu jedem Bild längst eine eigene Geschichte zu erzählen gäbe. Der Gesamtschaden liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Drei Menschen sitzen in Untersuchungshaft. Sie schweigen. Sie sind auch, wie ihre Anwälte mitteilen, für diese Zeitung nicht zu sprechen: Wolfgang Beltracchi, der mutmaßliche Fälscher der Bilder im Stile von Max Ernst, Max Pechstein, André Derain, Kees van Dongen, Heinrich Campendonk, um nur einige zu nennen. Wolfgangs kunsthistorisch bewanderte Frau Helene ist in Haft, der recherchierende Kopf des Trios. Sie soll unter anderem die Herkunftslegenden kreiert haben. Helenes auch beschuldigte Schwester Jeanette, sie kam später dazu, ist gegen Kaution auf freiem Fuß.

Die beiden Schwestern gaben stets an, die Bilder von ihrem Großvater Werner Jägers, einem Industriellen, der 1992 in Köln gestorben ist, geerbt zu haben. Der Großvater sei Sammler gewesen und habe die Werke einst bei dem berühmten Kunsthändler und Galeristen Alfred Flechtheim erworben. Während des Krieges habe Jägers seine Sammlung in der Eifel versteckt. Nur war Werner Jägers niemals Kunstsammler.

Und Otto Schulte-Kellinghaus gehört zu dem Trio, der Bäckermeistersohn aus Krefeld. Ihm kam die Rolle des reisenden Logistikers zu. Er ist beschuldigt, mindestens vierzehn der gefälschten Bilder vertrieben zu haben. Er war es, der sie zu Kunstexperten brachte, in Galerien, ins Zollfreilager Genf. Die drei arbeiteten Hand in Hand, und auch Schulte-Kellinghaus wartete, potentiellen Käufern gegenüber, mit einer eigenen Legende vom sammelnden Großvater auf.

Der Vater seiner Mutter, Johann Wilhelm Knops, Schneidermeister aus Krefeld, habe, wie Werner Jägers, Gemälde gesammelt. Jägers und Knops seien einander freundschaftlich verbunden gewesen und hätten sogar Bilder untereinander ausgetauscht. Und auch Knops habe guten Kontakt zu Alfred Flechtheim gepflegt. So stützten sich, wohl durchdacht, beide „Sammlungen“ und beide Legenden gegenseitig.

Otto Schulte-Kellinghaus und die Beltracchis sind sich einst in Krefeld begegnet, manchmal auch in der Tannenstraße, im „Café“, wo heute noch rechts hinter der Tür ein geschnitzter Huthaken hängt, weil Otto, ganz im Habitus des Künstlers, stets mit einem großen schwarzen Hut durch die Tür trat. Otto, den seine Freunde „König Otto“ nannten wegen seiner kleinen Sonderwünsche. Otto, der am Bahnhof ein Hotel eröffnete, Ende der Siebziger war das, von dessen Betten er einige dreimal die Nacht und gern auch stundenweise tagsüber vergab.

Otto, den die Mutter liebte. Otto, von dem sein Bruder sagt, er habe ihm die Existenz ruiniert.

Otto kam 1943 auf die Welt, in Zeutsch in Thüringen, wohin die Mutter mit Dieter vor den Bomben des Krieges fliehen musste. Als der Krieg zu Ende war, nahm sie ihre Kinder und ging über die Zonengrenze zurück nach Krefeld. Sowjetische Soldaten hielten sie fest an der Grenze und verhörten sie in einem Keller. Dieter guckte von oben durch ein Lichtloch hinunter und sah, wie sie die Mutter durchsuchten, ihren Leib betasteten, ihr abnahmen, was von Wert war. Dieter war wie Stein vor Angst um seine Mutter und den Bruder, der unten bei ihr war.

Er sagt: „Aber dann muss ich sie doch geliebt haben, die Mutter und den Bruder, wenn ich solche Angst um sie hatte.“

Er sitzt am Küchentisch des Hauses, das seinen Kindern gehört, in dem er und seine Frau Anna Wohnrecht haben bis zum Lebensende.

Krefeld wie im Sommer. Ein leichter Wind geht, und Federbettwolken treiben ihre Schatten über die schnurgerade Straße. Aneinandergeklebte Häuser zur Linken, in deren zaunlose Vorgärten alle Sorgfalt des Feierabends fließt, und Unkraut es schwer hat. Das Leben ringsum stellt keine großen Ansprüche.

Er hatte über all das, was geschehen ist, nicht mehr reden wollen. Er hatte abgeschlossen mit seinem Bruder, bis zu dem Tag, an dem das Telefon klingelte und eine Stimme fragte, ob er, Dieter Schulte-Kellinghaus, wisse, dass sein Bruder Otto im Gefängnis sitze.

Nein, er weiß nicht. Wer sind Sie? Die Stimme gibt sich als Rechtsbeistand des Bruders aus. Sie sagt, dass es Otto nicht gut gehe, und dass er, Dieter, sollte die Polizei vor der Tür stehen, die Aussage verweigern könne. Keinen Ton müsse er sagen. Er sei doch Ottos Bruder. Dieter versteht nicht. Sein Bruder soll mit diesen Kunstfälschern unter einer Decke stecken? Soll womöglich Millionen gemacht haben mit gefälschten Gemälden, von denen er in der Zeitung gelesen hatte?

Die Stimme sagt: „Blut ist dicker als Wasser. Das wissen Sie doch, Herr Schulte- Kellinghaus?“

Wie eine Drohung kam der Satz daher, wie ein Stein fiel er in sein Gedächtnis. Er sah verstört aus, als er zu seiner Frau ins Wohnzimmer kam. Ihm war, als bräche alles wieder auf. Blut ist dicker als Wasser. Dann kam die Kriminalpolizei, und er hat geredet, hat alles gesagt.

Jetzt hat er manchmal Angst vor Rache, vor einem Rächer, der gar kein Gesicht hat. Was weiß denn er, wer hinter den Fälschern steckt, wo es doch um so viele Millionen geht. Er sagt: „Wir sind doch ganz normale Menschen, wir können so was gar nicht begreifen.“ Nein, er konnte nicht schweigen. In gewisser Weise hat er nur eine Rechnung beglichen.

Dieter war des Vaters Bein. Als Otto aus dem Internat zurückkehrte, hat er eine Lehre zum Chemielaboranten gemacht. Aber das Aufstehen fiel ihm schwer, so weckte ihn die Mutter dreimal, viermal. Sie kochte ihm Milch, und wenn er dann kam, die Treppen herunter, hatte die Milch eine Haut. Er schimpfte über die Haut auf der Milch, erzählt Dieters Frau, der es schwerfiel mitanzusehen, wie der Jüngere „zum Lebemann wurde“, ihr Mann aber bis zum Umfallen schuftete, und sein Leben blieb außen vor. „Wenn du gleich aufstehen würdest, hätte die Milch keine Haut“, sagte sie zu ihrem Schwager.

Die Mutter kaufte beim besten Herrenausstatter der Stadt einen Anzug für Otto, kaufte immer samstags beim Metzger ein Steak, das sie ihm briet, aber so, dass der Vater es nicht merkte.

Als hätte sie ein schlechtes Gewissen gehabt, sagt Dieter, dass sie den Bruder ins Internat gebracht hatte. Manchmal schieben sie alles auf dieses Internat. „Wer weiß, was ihm da geschehen ist?“

Einmal hat Dieters Frau gehört, wie Otto im Streit zur Mutter sagte: „Wer ist denn schuld, dass ich so geworden bin? Ich war doch ein dummes Kind.“

Die Mutter hieß Sophie Schulte-Kellinghaus, geborene Knops. Ihre Eltern, der Schneidermeister Wilhelm Knops und seine Frau Gertrud, waren nach der Hochzeit der Tochter 1938 mit in die Bäckerei gezogen. Sie waren nicht reich, sie aber arm zu nennen, trifft es nicht. Was sie ihrer Tochter mit in die Ehe geben konnten, hat diese auf einem Blatt Papier sehr sauber aufgelistet. „Mein Hab und Gut“ steht darüber, und jedes Laken ist da aufgezählt, jeder Stuhl, eine Nähmaschine, ein Bild mit einem röhrenden Hirschen, wie man es angekippt über Betten und Sofas hängte. Sonst kein einziges Gemälde, denn das hatten sie nicht.

Es hat sie nie gegeben, die Sammlung des Schneidermeisters Wilhelm Knops.

Von Otto Schulte-Kellinghaus aber gibt es, am 16. Juli 2008 geschrieben, einen handschriftlichen Brief, in dem er, zur Untermauerung der fingierten Herkunft, bestätigt, dass er das Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“ von Heinrich Campendonk aus dem Haushalt seines Großvaters kenne. Er hoffe, mit dieser Information dienlich gewesen zu sein.

Das Bild ist eine Fälschung. Es wurde bei Lempertz zu einem Rekorderlös von 2,4 Millionen Euro versteigert. Seit Jahren tobt ein Rechtsstreit um dieses Bild.

Etwa Mitte der Sechziger verschwand Otto aus dem Leben der Großfamilie und der Bäckerei an der Neusser Straße. Früh ließ er sich sein Erbe ausbezahlen, aber zur Mutter hielt er Kontakt. Doch kam er nur, wenn er sicher sein konnte, dass der Vater nicht zu Hause war.

Dann, Jahre später, tauchte Otto plötzlich wieder auf, ging zu seinem Bruder und sagte, dass er nun alles ändern wolle, sein Leben in die Hände nehmen, ein Hotel eröffnen in Krefeld, und ob Dieter für ihn bürgen könne. Dieter glaubte an den Wandel des Bruders, er wollte das glauben, und unterschrieb die Bürgschaft. Er sitzt am Tisch und lächelt. Ein Gesicht ohne Bitterkeit. Er sagt nur: „Ich dachte doch, ach, jetzt wird er vernünftig.“

Seine Frau sagt: „Dieter, das war dein größter Fehler.“

Sie schleppten, was über war im Haushalt, Bettzeug und Möbel und Geschirr, in das Hotel in Bahnhofsnähe, aber es ging nicht lange gut. Plötzlich war Otto verschwunden, einfach weg, und jede Rechnung ging nun an den Bruder, alle Schulden, die Otto hatte, an die 85 000 Mark hatten sie aufzubringen.

Als die Eltern dann bettlägerig wurden, und verwirrt, haben sie erst zu Hause versucht, sie zu pflegen. Eine Überforderung. So kamen sie ins Pflegeheim, wo sie sieben Jahre lebten. Eine Pflegeversicherung gab es noch nicht, und Dieter hatte für die Pflege aufzukommen. Es waren im Monat an die 7000 Mark.

Ottos Schulden und das Geld für die Pflege, das konnten sie nicht leisten, sie hatten zwei Kinder. So verkauften sie alles, die Bäckerei, das Anwesen, das dazu gehörte. Sie verkauften ihre Selbständigkeit und fingen von vorn an. Dieter Schulte-Kellinghaus wurde ein Bäckermeister von vielen – in einer Großbäckerei.

Und die Leute redeten, was Leute so reden und meinen: Dieter habe das Geld mit einer Hure durchgebracht, tuschelten die einen, für die anderen war klar, dass man falsch gewirtschaftet habe in der schönen Bäckerei. Für Dieter, seine Frau und die Kinder war der Abstieg eine Schmach.

Einmal noch sind die Brüder sich begegnet. Das war, als die Mutter beerdigt wurde. Großer Trauerzug für die Bäckermeistersfrau. Dieter will den Vater im Rollstuhl zum Grab schieben. Kommt Otto wie aus dem Nichts, nimmt Dieters Hände von den Griffen des Rollstuhls und schiebt den Vater selber zum Grab.

Dieter sagt: „Er schob mich an die Seite, damit die Leute das sahen. Er wollte wohl zeigen: Ich bin da.“

Aber er hat keinen Streit angefangen, er hat es geschluckt. Er hat nur beschlossen, keinen Bruder mehr zu haben.

Im „Café“ auf der Krefelder Tannenstraße wusste auch niemand, dass „König Otto“ einen Bruder hat.

Der Raum ist klein, sechs Tische, die Theke und Wände, denen man ansieht, dass hier viel geraucht wurde, als noch geraucht wurde. Otto Schulte-Kellinghaus ist seit der Gründung des Cafés Stammgast gewesen. Künstler treffen sich hier, Studenten. Damals, in den Achtzigern, wurde auch Wolfgang Fischer hier oft gesehen. Fischer, der später den Namen seiner Frau Helene Beltracchi annahm.

Jari Banas, Finne von Geburt, matrosengeringeltes T-Shirt, sitzt am Tisch in der Ecke, wie festgewachsen mit dem Stuhl. Er hat sie alle hier erlebt, Wolfgang Fischer, im langen Ledermantel, mit Nickelbrille und türkisfarbenen Kontaktlinsen. Hat erlebt, wie dessen Autos größer wurden mit der Zeit. Und „König Otto“. Banas war es, der für Otto den Huthaken geschnitzt und bemalt hat. So was macht man nicht für einen Schurken.

Eigentlich wollten sie den Haken neulich versteigern, haben es aber doch nicht getan. Der Huthaken gehört in den Raum, auch wenn Otto im Knast ist, sagt Banas, ein Künstler, ein Comiczeichner. „Wenn er hier jetzt ’reinkäme“, sagt er, „würde ihn niemand als Verbrecher behandeln“. Man mochte Otto, sein Lachen. Er war kein Prahler. Er war nicht geizig, hatte „nie einen Igel in der Tasche“, sagt Banas. Ein bisschen größenwahnsinnig sei er gewesen, ein König eben, „aber ein guter König“. Am 30. Oktober letzten Jahres hat Jari Banas König Otto das letzte Mal im Café gesehen. Da war vom Fälscherskandal längst in der Presse zu lesen, und Wolfgang Beltracchi, seine Frau und seine Schwägerin waren schon zwei Monate in Haft.

Trat Otto zur Tür herein. „Mensch, Otto, du alter Kunstfälscher!“, rief einer über die Tische hinweg. „Du hier und nicht im Gefängnis?“ Es sollte ein Spaß sein. Aber Otto zuckte zusammen.

Die Summen, die das Trio mit den Bildern verdiente, flossen auf Konten in der Schweiz, in Andorra, in Frankreich. Der große Teil dessen, was die drei mit den Bildern verdient haben, ist noch nicht gefunden worden. Allein auf Wolfgang Beltracchis Konto bei der Credit Andorra sind 5, 2 Millionen Euro eingegangen, die im Zusammenhang mit dem Verkauf gefälschter Bilder stehen.

In neun Ländern Europas und in den USA ist ermittelt worden. Mehr als 150 Zeugen machten ihre Aussagen. Ein kleines Heer von Übersetzern hat seine Arbeit getan – wie auch die Wissenschaftler in verschiedenen Laboren, die die Bilder in jedem Detail untersuchen.

Für etwa 20 der 47 Bilder greift die Verjährung nicht. Vermutlich fünfzehn werden zur Anklage kommen. Für elf der Bilder liegen die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Analyse schon vor. Kleber und Farbpigmente wurden gefunden, die zum Zeitpunkt des angegebenen Entstehungsjahres noch nicht hergestellt oder gehandelt wurden. Und Koffein hat man gefunden, mit dem der Fälscher den rückseitigen Galerieaufklebern beim Altern sanft nachhalf.

Und Otto?

König Ottos letzter Auftritt als reisender Logistiker war im Sommer letzten Jahres. Da übergab er dem Direktor des Kunstmuseums Ahlen zwei Bilder aus dem Besitz der Helene Beltracchi mit der Bitte, sie auf den Markt zu bringen. Ein Norweger zeigte großes Interesse und bot Mitte August für das gefälschte Bild im Stil von Fernand Léger 5, 8 Millionen Euro. Auch das andere Werk wollte er kaufen. Dazu kam es nicht mehr. Die Bilder wurden am 25. August beschlagnahmt.

Als man Otto Schulte-Kellinghaus am 1. Dezember in seiner Krefelder Wohnung festnahm, hat er ausgesehen wie ein armer Mann. Man fand 2000 Euro in vier Fünfhundertern. Was die Wohnung betrifft, so hält das Protokoll fest: „Diese befand sich in einem verwahrlosten und ungepflegten Zustand.“

Ein paar Kilometer von Ottos verwaister Wohnung entfernt steht Dieter, der Bruder, im Keller seines Hauses, in seiner kleinen Selbständigkeit. Die kleine Selbständigkeit besteht aus einem Ofen, einem elektrischen Teigkneter, einem Kühlschrank, Blechen und Formen. Hier bäckt er, wenn die Familie feiert, oder mit den Enkeln zu Weihnachten, oder für die Nachbarn, wenn sie ihn bitten.

Als der Kriminalkommissar bei ihm war, erzählt Dieter, habe der ihn am Ende gefragt, ob er Otto mal besuchen wolle im Gefängnis, in Köln. Er sei ja der Bruder und Köln ein Katzensprung.

Dieter Schulte-Kellinghaus brauchte für die Antwort so lange, wie ein Bäcker braucht, um ein Ei aufzuschlagen.

Nein.

Otto, der Logistiker: Er soll mindestens 14 gefälschte Bilder vertrieben haben.

Dieter, der Gewissenhafte, er fürchtet Rache: „Wir sind doch ganz normale Menschen.“

Ottos Schulden und die Pflege der Eltern: Dieter verkaufte alles. Und die Leute redeten.

Der Polizist fragte Dieter, ob er Otto im Gefängnis besuchen wolle. Die Antwort war kurz.



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Renate Meinhof


Renate Meinhof wurde 1966 auf der Insel Rügen geboren. Nach einer Bibliothekslehre und dem Studium der Evangelischen Theologie absolvierte sie die Deutsche Journalistenschule in München. Es folgten drei Jahre als Redakteurin bei den ARD-Tagesthemen in Hamburg. Zur Süddeutschen Zeitung wechselte Meinhof 1999, wo sie zunächst als Redakteurin der Seite Drei - und seit 2007 als Reporterin für dieses Ressort arbeitet. Sie veröffentlichte außerdem ´Das Tagebuch der Maria Meinhof`, das den Einmarsch sowjetischer Truppen 1945 in ein Dorf in Pommern beschreibt. Meinhof ist Mutter zweier Kinder.
Dokumente
Blut ist dicker als Wasser (PDF)

erschienen in:
Süddeutsche Zeitung (SZ),
am 10.05.2011

 

Kommentare

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Ich mag gar nicht aufhören zu lesen. Einfach schön !
So wie Sie selbst.

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