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16.08.17

Cornelia Fuchs / Uli Rauss „Guantánamo

Wir kennen sie nur als Gestalten in orangefarbenen Overalls. Weg- gesperrt, gequält, entmenschlicht. Vor zehn Jahren kamen die ersten Gefangenen in das berüchtigte Lager, das bis zu 779 Insassen hatte. Die meisten wurden inzwischen entlassen. stern-Reporter machten sich weltweit auf die Suche nach den Menschen, die Guantánamo überlebt haben. Erzählen ihre Geschichte, geben ihnen ein Gesicht



Er muss ein beeindruckender Dozent gewesen sein, hochgewachsen, scharfsinnig, von natürlicher Autorität.

Der wache Intellekt ist das Einzige, was Sami al-Laithi geblieben ist. Zusammengesunken sitzt er im Rollstuhl, Rücken und Nacken schmerzen bei jeder Bewegung.

Seit sechs Jahren lebt er in diesem dunklen Zimmer im ehemals herrschaftlichen Haus seines Großvaters in al-Gharbia, Ägypten. Die Säulen vor der Haustür zeugen von vergangenem Glanz. Es regnet durch die Decke, an den Wänden breiten sich schwarze Schimmelflecken aus.

Neben Sami, 56, leben noch seine Mutter und sein jüngster Bruder mit Frau und vier Kindern im Haus. Der Bruder verlor seinen Job als Übersetzer im Verteidigungsministerium, weil Sami in Guantánamo gefangen war. Die Familie hat heute kaum genug Geld, um Essen zu kaufen.

In seinem klapprigen Rollstuhl kann Sami al-Laithi nicht ohne Hilfe im Lehm vor dem Haus manövrieren.

Im Zimmer gefangen, starrt er die Wände an. Die Amerikaner, sagt er, haben mich zerstört, meine Gesundheit, meine Seele, meine Zukunft.

Wenn al-Laithi spricht, hört man seine Liebe zur Sprache, zur blumigen Poesie des Arabischen, zu englischen Sonetten. Er ist einer von 38 Guantánamo-Insassen, die von den USA "nicht mehr" als feindliche Kämpfer eingeordnet werden. Nüchtern hält seine Akte fest, dass er ein "niedriges Risiko darstellt aufgrund seiner gesundheitlichen Situation".

Den Rücken haben ihm die Trupps gebrochen, die mit Pfefferspray und Schlagstöcken wieder und wieder in die Zellen stürmten.

Al-Laithi, Häftling Nummer 287, haben sie mit Stiefeln getreten, bis er nicht mehr laufen konnte. Sie haben auf ihn eingeprügelt, weil er nicht in den Hof gehen wollte, für ihn ein "Demütigungsplatz". Und weil er auf der Krankenstation die Behandlung verweigerte. Folterer, beharrte er, könnten nicht gleichzeitig Ärzte sein. Sie haben seinen Kopf zwischen die Beine gedrückt und nach hinten gerissen.

Ein Wirbel in Nackenhöhe brach. "Ich habe gefragt, warum sie diese Dinge tun. Warum?

Keine Antwort", sagt er. "Nur die Wände haben mir zugehört, jahrelang." Sami al-Laithi sagt, was er denkt. "Das Herz auf der Zunge tragen", nennt er das. Vor über 20 Jahren musste er wegen seiner ständigen Beschwerden über korrupte Beamte und das autoritäre Regime aus Ägypten fliehen, erst nach Pakistan zu seiner Schwester, von dort nach Afghanistan.

In Kabul lehrte er Arabisch und Englisch an der Universität und stritt sich wieder, diesmal mit den Taliban über deren Vorschriften zur Bartlänge. Dann kam der 11. September, der Afghanistankrieg, und al-Laithi wurde im Bombenhagel schwer verletzt. Er floh zur pakistanischen Grenze. Dort wurde er festgenommen und an das US-Militär ausgeliefert. Im Verhör zog sein Gegenüber ihn am Hemd, und er, empört über die Ungezogenheit eines Jüngeren, wurde handgreiflich. Seitdem galt er als Aufrührer.

Die Amerikaner scheinen trotzdem früh das Interesse verloren zu haben an dem Mann, der einst an die amerikanische Verfassung glaubte. Während seiner Zeit in Guantánamo sei er kaum noch befragt worden, sagt Sami al-Laithi.

Wenn er heute zu Hause in seinem Zimmer hockt, wund gesessen auf dem dünnen Lederstück seines Rollstuhls, dann hofft er auf ein Leben nach dem Tod, auf die Belohnung eines gerechten Gottes.

Ohne diesen Glauben hätte er seinem Leiden schon längst ein Ende bereitet: "Tiere hätten mich nicht so behandelt. Ich schäme mich, ein Teil dieser Menschheit zu sein." "Guantánamo ist eine exzellente Einrichtung. Viele Gefangene leben dort besser als in ihren Heimatländern." Dick Cheney, Ex-Vizepräsident der USA, 2011 Omar Deghayes hat diesen Anblick vermisst, die weißen Klippen an der Küste Südenglands. Die Schneeflocken, den Sonnenuntergang. Als er aus Guantánamo entlassen wurde, im Dezember 2007, saß er im Haus seiner Familie in Brighton oft in völliger Dunkelheit und horchte auf die Stille.

Sein rechtes Auge ist blind, seit ein Wärter Pfefferspray hineinrieb.

Seine Nase wurde gebrochen, ebenso seine Rippen. Einen Finger, zerquetscht an der Essensklappe einer Zelle, kann er nicht mehr bewegen.

Deghayes, 42, ein Mann von mächtiger Gestalt, spricht leise:

"Jeden Tag, dann jede Woche haben sie mich zum Verhör geholt, sechs Jahre lang. Am Ende gab es nichts, keine Anklage, nichts." Wer die veröffentlichten Teile seiner Akte liest, könnte ihn für einen besonders perfiden Terroristen halten. Er soll in Tschetschenien gekämpft haben und in Spanien Mitglied einer Terrorzelle gewesen sein. Doch auf dem Video, das ihn in Tschetschenien zeigen soll, erkennen Experten einen inzwischen toten, kaukasischen Kämpfer. Und für die Verbindung nach Spanien fanden Gerichte in Madrid keine Beweise.

Trotzdem galt Deghayes in Guantánamo als "hochinteressant".

So interessant, dass libyschen Agenten erlaubt wurde, den Häftling zu befragen. Die Männer des Diktators Gadhafidrohten Deghayes mit Folter, sobald ihn die USA ausliefern würden. Sein Vater war dort in den 80er Jahren von Gadhafis Schergen ermordet worden. Die Familie floh nach Großbritannien. Omar studierte Jura in Birmingham und wollte Anwalt werden wie sein Vater.

1999, nach einem besonders anstrengenden Prüfungsjahr, reiste er nach Malaysia, nach Pakistan und weiter nach Afghanistan - auf Abenteuer- und Selbstfindungstrip.

Deghayes war während seines Studiums religiöser geworden. Ihm gefiel das Leben in Kabul, im Land der Taliban:

"Es war so langsam, viel natürlicher.

Dazu wunderschöne Landschaften, nette Menschen." Schließlich blieb er, weil er sich verliebt hatte. Er heiratete und wollte eine Anwaltskanzlei aufmachen, ein Vermittler werden, so sagt er, zwischen westlichem Recht und Scharia. Am 11. September 2001 war seine Frau im neunten Monat schwanger.

Mit ihr floh Deghayes vor dem Krieg nach Pakistan. Im Frühjahr 2002 umstellten schwarz gekleidete Soldaten das Haus in Lahore.

Deghayes verschwand in amerikanischen Militärgefängnissen, erst in Kandahar, dann in Bagram, schließlich in Guantánamo.

Er hat die Regierung in London der Beihilfe zur Folter angeklagt, da britische Agenten von seinen Misshandlungen wussten. In einer außergerichtlichen Einigung zahlte die Regierung an ihn und 15 andere eine unbekannte Summe.

Die Männer dürfen sie nicht nennen, von Millionen ist die Rede.

Omar nutzt seinen Anteil, um den verbliebenen Insassen in Guantánamo zu helfen.

"Wenn es nach mir ginge, würde Guantánamo nicht morgen, sondern schon heute Nachmittag geschlossen werden. Wir haben das Vertrauen der Welt in Amerikas Rechtssystem zerstört." Ex-Verteidigungsminister Colin Powell, 2007 Ein geheimer Ort in Westafrika.

Mohammed al-Gharani benutzt die Floskeln junger US-Soldaten, wenn er englisch spricht: "Hörst du, Mann" am Ende jeden Satzes. Er war 16, als er nach Guantánamo kam. Man warf ihm vor, 1998 einer Londoner Terrorzelle angehört zu haben.

Da war er zwölf Jahre alt.

Gharanis Fall wurde als einer von wenigen von einem Richter in den USA untersucht. Der kam zu dem Schluss, dass alle Vorwürfe fast ausschließlich auf "unzuverlässigen Zeugenaussagen" beruhten, meist aus Verhören in Guantánamo. Der Richter befahl, Mohammed sofort freizulassen.

Tatsächlich dauerte es weitere sechs Monate, bis der Häftling in den Tschad ausgeliefert wurde.

Obwohl Staatsbürger des Landes, hatte Gharani hier noch nie gelebt.

Er wurde in Saudi-Arabien geboren. Mit neun Jahren verkaufte er in der heiligen Stadt Medina Plunder an Pilger, ein kleiner Soldat der Straße: "Wenn es Probleme gab, kümmerte ich mich, weißt du? Es ging um Respekt." Frühreif und geschäftstüchtig erkannte Gharani, dass er für eine bessere Zukunft bessere Voraussetzungen brauchte. Als Ausländer stand ihm in Saudi-Arabien keine höhere Schulbildung zu. 15 Jahre alt, schlug er sich mit einem falschen Pass und dem Ersparten von vielen Jahren Straßenhandel nach Pakistan durch.

Nach 9/11 wurde Gharani in einer Moschee in Karatschi festgenommen.

"Bei meinem ersten Verhör dachte ich noch, ich könnte das offensichtliche Missverständnis klären", sagt er. Beim zweiten Verhör war ihm klar:

Keiner suchte nach der Wahrheit.

Mohammeds Guantánamo- Akte zählt 60 Angriffe gegen Wachen und 385 disziplinarische Strafen. "Nichts haben sie uns gewährt ohne Kampf", sagt er.

Keine Decke, keine gemeinsamen Gebetszeiten, keine Nachtruhe.

Einmal wurde ihm eine Spritze gesetzt, erst drei Tage später wachte er wieder auf. Dem ersten Soldaten, der danach in seine Nähe kam, versetzte er eine Kopfnuss:

"Ihr wollt mich brechen, aber ich lasse mich nicht brechen.

Ich kämpfe, solange ihr mich bekämpft." Bis heute hat er seine Familie in Saudi-Arabien nicht wiedergesehen.

Gharani solle daran gehindert werden zu reisen, notierten amerikanische Diplomaten. Darum hat er keinen Pass erhalten.

Wie er es dennoch vom Tschad nach Westafrika geschafft hat, wo er heute mit seiner Frau und einer neugeborenen Tochter lebt, mag er nicht sagen: "Wir sind in Afrika, Mann!" Als er am Magen operiert werden musste, organisierte eine Hilfsorganisation den Eingriff. Die ständigen Magenschmerzen seien Nachwirkungen von Guantánamo, sagt Gharani.

Er ist jetzt 24. Ein Drittel seines Lebens hat er in Guantánamo verbracht.

Er würde gern Pharmazie studieren.

"Was in Guantánamo geschieht, beschämt die USA. Es ist nicht der Grund für Terror- Akte, aber es hat Terroristen eine Entschuldigung gegeben, unser Land anzugreifen." Ex-Präsident Jimmy Carter, 2005.

Schon sein Gesicht machte Abd al-Salam Saif für die USA zur idealen Beute.

Schwarzer Turban, Brille, der dichte, lange Bart - er war das Gesicht der Taliban nach dem 11. September 2001. Als letzter Taliban-Botschafter hatte Mullah Abd al-Salam in Pakistan das brutale Regime in seiner Heimat vertreten und verteidigt, TV-Stationen übertrugen live weltweit. 33 war der Kleriker aus Kandahar damals, er zählte zum Führungszirkel um Mullah Omar. Seine Auftritte im Rampenlicht der Weltpresse wurden am 2. Januar 2002 beendet. Offiziere des pakistanischen Geheimdienstes verhafteten Saif und übergaben ihn den Amerikanern.

Dass seither zehn Jahre vergangen sind, sieht man Abd al-Salam Saif nicht an - der Blick kühl wie einst, der Bart noch immer schwarz. Er redet leise, aber selbstbewusst. "Die Pakistaner haben mich den Amerikanern zum Fraß vorgeworfen wie ein Schaf dem Wolf", sagt er. Und findet das "unbeschreiblich", denn in Pakistan war er als Flüchtlingskind aufgewachsen, Pakistans Geheimdienst hatte ihn als Teenager für den Kampf gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan gedrillt, und Pakistan war Schutzmacht der Taliban.

Zu den ersten Torturen seiner Gefangenschaft gehörte, dass er sich unter dem Gelächter von GIs in Peschawar nackt ausziehen musste, dass er auf dem Kriegsschiff USS "Bataan" in einen Käfig gesperrt, in Bagram mit Scheinhinrichtungen gefoltert und in Kandahar geifernden Militärhunden ausgesetzt wurde.

"Guantánamo war anders", sagt der Ex-Gefangene Nummer 306. Das System dort habe "auf die Psyche gezielt. Die Insassen bekommen zwar auch körperliche Strafen, aber es gibt Schlimmeres.

Wir sind Muslime. Wenn sie meinen Bart abschneiden oder uns nackt in diese Käfige schleppen, dann ist das absolut demütigend.

Sie geben Häftlingen kein Wasser für die Waschungen. Ich habe Häftlinge gesehen, die deshalb 20 Tage nichts essen konnten.

Viele sind mit dieser Erniedrigung nicht fertig geworden." Für viele Gefangene in Guantánamo war Mullah Abd al-Salam ein Held. US-Geheimagenten versuchten, ihn als Informanten zu gewinnen, die Karsai-Regierung setzte sich für seine Freilassung ein. Seit dem 11. September 2005 ist er zurück in Afghanistan. "Zunächst stand ich in Kabul zwei Jahre unter Hausarrest, der Geheimdienst NDS beobachtete mich rund um die Uhr", erzählt Saif.

Doch je länger der Krieg in Afghanistan dauert, desto intensiver werden westliche Bemühungen, mit den Taliban zu verhandeln.

"Diplomaten und Würdenträger kommen in mein Haus, Präsident Karsai redet mit mir wie mit einem Berater", sagt Saif. Dabei mache er keine Politik, sondern Geschäfte:

"Ich kaufe und verkaufe Häuser und kleine Ländereien." So sorge er für seine zwei Frauen und elf Kinder.

Er darf auch wieder ins Ausland reisen, seit sein Name von der UNListe terrorverdächtiger Personen gestrichen wurde. Er war bei Tagungen in Oslo, London und 2011 auch in Berlin. "Die Amerikaner", sagt er, "haben brutal viele Menschen gefangen genommen, beleidigt, getötet. Sie müssen aufhören, die Menschen zu erniedrigen. Erst danach können sie zu Verhandlungen über einen Frieden kommen." "Das Prinzip unseres Rechtsstaats gilt nicht für nichtamerikanische Bürger. So ist das eben." Richard Perle, Ex-Regierungsberater, 2005 Was ein Rechtsstaat ist, hat Abu Bakir Qassim nie am eigenen Leib erfahren.

Der gelernte Sattler stammt aus dem Autonomen Gebiet Xinjiang in China. Er ist einer von 22 Uiguren, die sich aus der kommunistischen Diktatur absetzten und von Kopfgeldjägern in Pakistan an US- Militärs verkauft wurden. In Guantánamo galten Qassim und die anderen chinesischen Staatsbürger schon bald als Sonderfall.

In China unterdrückt der Sicherheitsapparat die muslimische Minderheit der neun Millionen Uiguren systematisch und brutal.

Deren Kampf um Freiheit unterstützen die USA seit Jahren, finanzieren etwa einen Radiosender der Exil-Uiguren. Trotzdem kamen die Gefangenen lange nicht frei. Sie konnten nicht nach China zurück, dort drohte ihnen womöglich die Todesstrafe. Die USA hatten sie verschleppt und wären moralisch verpflichtet gewesen, sie aufzunehmen, doch vor allem US-Republikaner dulden prinzipiell keinen Guantánamo-Entlassenen auf amerikanischem Boden.

Notgedrungen mussten US-Diplomaten ausländische Regierungen um Aufnahme anbetteln.

Mehr als 100 Staaten lehnten ab.

Auch der deutschen Regierung waren Beziehungen zur Wirtschaftsmacht China wichtiger als eine humanitäre Geste. Schließlich landeten zwei der Uiguren in der Schweiz, zehn auf den Inseln Palau und Bermuda und fünf in Albanien.

Fünf Uiguren sitzen nach wie vor in Guantánamo in Haft.

Abu Bakir Qassim lebt heute in einer Dreizimmerwohnung im fünften Stock eines Hochhauses in Tirana. Die Miete zahlt die albanische Regierung, der Mietvertrag muss jedes Jahr erneuert werden.

Die Wohnung ist ein großer Fortschritt.

Nachdem er im Mai 2006 in Fußketten auf albanischem Boden gelandet war, fuhren ihn Beamte zu einem Aufnahmelager am Rande der Hauptstadt. "Eine frühere Kaserne mit Polizei und Wärtern, drei obligatorischen Mahlzeiten am Tag und Ausgangsverbot nach 22 Uhr", sagt Qassim.

Dreimal intervenierte Chinas Botschafter beim albanischen Präsidenten gegen die Aufnahme der Uiguren. Einmal standen chinesische Diplomaten vor der Flüchtlingskaserne und verlangten Zugang zu den Uiguren. "Das albanische Wachpersonal hat uns auch beschützt", sagt Qassim. Übers Internet hat er inzwischen eine Uigurin kennengelernt, sie ist aus Qatar zu ihm gezogen. Seine Ehe in China ist annulliert, seine Zwillinge dort hat er nie gesehen. Durch einen Aushilfsjob in der Pizzeria Hallal hat er sich ein altes Moped erarbeitet. Regelmäßige Arbeit finden die Uiguren in Albanien nicht. Sie haben zwar eine Aufenthaltsgenehmigung, aber keinen Pass - und Guantánamo im Lebenslauf.

"Die Gefangenen, die noch in Guantánamo sitzen, sind die Schlimmsten der Schlimmen.

Wenn wir sie nicht festhalten könnten, müssten wir sie töten." Dick Cheney, Ex-Vizepräsident der USA, 2009 Es gibt heute niemanden in Guantánamo, der nicht regelmäßig versucht, sich umzubringen", sagt der britische Anwalt Clive Stafford Smith. Er vertritt 85 Gefangene, hat das Lager mehrfach besucht. "Sie sind alle depressiv - nach zehn Jahren, wie könnte es anders sein?" Bis zu 779 Insassen hatte das Gefängnis. Heute sind es noch 171. Von ihnen sind 82 zur Entlassung vorgesehen. Doch sie bleiben inhaftiert, weil kein Staat sie aufnimmt oder weil ihre Heimatländer als unsicher gelten.

Mindestens 14 Prozent der Ex-Guantánamo- Häftlinge, so das Pentagon, seien rückfällig geworden.

Stafford Smith widerspricht: "Die US-Regierung hat 44-mal versucht, die Fälle aufzuzählen. Und jedes Mal hat sie andere, widersprüchliche Zahlen geliefert." Unabhängige Experten konnten weit weniger als 20 der angeblich bewiesenen Fälle verifizieren.

"Guantánamo ist zum politischen Spielball geworden", sagt Stafford Smith. Barack Obama sei der innenpolitische Machtkampf wichtiger als die Aufklärung der Folterskandale unter George W.

Bush. Um die Zustimmung der Republikaner zum Militärhaushalt zu erkaufen, hat der US-Präsident gerade erst ein Gesetz unterschrieben, das eine Schließung von Guantánamo fast unmöglich macht. So darf das Militär jetzt auch "legal" Gefängnisse im Ausland betreiben, Sicherheitskräfte dürfen in und außerhalb der USA Terrorverdächtige festnehmen - und zeitlich unbegrenzt festhalten.

Und es darf kein Steuergeld für die Entlassung von Guantánamo- Insassen ausgegeben werden.

Ohnehin wäre das Ende von Guantánamo nur ein Anfang.

Allein im Militärstützpunkt Bagram in Afghanistan internieren die USA 1500 Gefangene, ohne Anklage, ohne Urteil, seit Jahren.

Das Erbe von Bushs Gefangenenlager, sagt Stafford Smith, sei nicht nur die Folter. Sondern die Geheimniskrämerei. Selbst er als Anwalt dürfe nicht mit allen seinen Mandanten sprechen.

"Ich würde so gern einen tatsächlich Schuldigen verteidigen", sagt er, "denn wir müssen nach über zehn Jahren endlich verstehen lernen, was die Attentäter wirklich motiviert."

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Cornelia Fuchs



Uli Rauss



Dokumente
Guantámano (PDF)

erschienen in:
Stern,
am 19.01.2012

 

Kommentare

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