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30.03.17

Ullrich Fichtner / Markus Feldenkirchen / John Goetz / Fünf weitere Autoren „Ein deutsches Verbrechen

Das Bombardement nahe Kunduz war der blutigste deutsche Militäreinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg. Recherchen in Berlin und Kunduz belegen: Die Bundeswehr verstieß gegen Nato-Regeln, der Verteidigungsminister täuschte die Öffentlichkeit, und die Kanzlerin entzog sich ihrer politischen Verantwortung.

Die Sandbank, um die es am Anfang der Affäre geht, ist flach, je nach Wasserstand des Kunduz-Flusses 300 bis 425 Meter lang, an ihrer weitesten Stelle 80 Meter breit. Es ist ein unwirtlicher Ort, die Ufer ringsum sind dicht bewaldet und fallen steil zum Wasser hin ab. Aber in der Vollmondnacht vom 3. auf den 4. September 2009 ist viel Leben auf dieser Furt, Leben, das um Punkt 1.50 Uhr Ortszeit, 23.20 Uhr deutscher Zeit, jäh endet.

Auf Befehl des deutschen Obersts Georg Klein werfen F-15-Kampfjets zwei 500-Pfund-Bomben Typ GBU-38 ab, die Bomben zerstören zwei von Taliban-Kämpfern entführte Tanklaster, deren Räder sich festgefressen haben beim Versuch, den Fluss zu queren. Es sterben viele Menschen, auch solche, die nur gekommen waren, den Sprit zu stehlen. Und es stirbt in dieser Nacht die irrige Hoffnung, Deutschland könne in den Krieg ziehen, ohne sich dabei die Finger schmutzig zu machen.

Schon in den ersten Stunden nach dem Luftschlag wird offenbar, dass weder die deutschen Militärs noch die deutsche Politik großes Interesse daran entwickeln werden, den Vorfall seiner Bedeutung gemäß aufzuklären. Im Feldlager zu Kunduz missachten die Offiziere alle Regeln eines geordneten Berichtswesens, so wie sie zuvor bei der Entscheidung zum Bombenangriff die Regeln des Nato-Einsatzes in Afghanistan zu ihren Zwecken überdehnt, verbogen oder ganz missachtet haben. In der deutschen Hauptstadt Berlin beginnen die Apparate der Regierung ihre Hahnenkämpfe um die Deutungshoheit der Ereignisse, ohne den Ernst der Situation wirklich zu begreifen.

Dies ist der politische Kern der Kunduz-Affäre: dass die Bundesregierung, konfrontiert mit Meldungen über die blutigste Militäroperation, die deutsche Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg befohlen haben, nicht in der Lage ist, adäquat zu reagieren; dass sie keine Prozeduren kennt, den Vorgang sauber abzuwickeln; dass ihre zuständigen Beamten, die verantwortlichen Minister, dass die Bundeskanzlerin die Dramatik des Augenblicks nicht erfassen oder nicht erfassen wollen; dass es wirkt, insgesamt, als sei die deutsche Politik dem Krieg nicht gewachsen - zumal, wenn ihr der Wahlkampf gerade wichtiger ist.

So war es: Die deutsche Bundeskanzlerin klaubt sich, während die Nachricht vom Luftschlag Außen- und Verteidigungsministerien auf der ganzen Welt aufrüttelt, während in Kabul auf den Fluren des Isaf-Hauptquartiers großes Gerenne deshalb herrscht, auf ihrem Mobiltelefon via Google die Informationen zusammen, die zum Thema im Internet gerade so herumschwirren.

So war es: Statt sich auf direktem Weg in den Berliner Bendlerblock zu begeben, um sich mit möglichst allen Details des dramatischen Vorfalls zu beschäftigen, befindet sich Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung auf einer Radtour zu Wahlkampfzwecken durch den Rheingau, Umtrunk und unqualifizierte Fernsehinterviews inklusive.

So war es: Anstatt sich wenigstens einmal über die Ereignisse auszutauschen, zu konferieren, Informationen abzugleichen, touren die Bundeskanzlerin, der Verteidigungsminister und der Außenminister je für sich zu Wahlkampfzwecken durch die Republik. Auf Marktplätzen und in Dreifachturnhallen reden sie über die Rente mit 67 und die Steuerreform. Über Afghanistan reden sie nicht. Und wenn, dann nur in den Floskeln, mit denen das skeptische Volk seit Jahren abgespeist wird: dass der Einsatz notwendig sei; dass Deutschland zu seiner Verantwortung stehe; dass es nicht anders gehe.

Der Luftschlag von Kunduz, befohlen von Deutschen, macht solch leichtfertiges Reden künftig unmöglich. Er markiert einen neuerlichen Wendepunkt in der deutschen Geschichte, weil er die lange gepflegte Illusion, man könne an Kriegen teilnehmen und dabei Pazifist bleiben, beendet. Schlimmer noch: Während die Deutschen weiter glauben wollten, man könne Panzer in die Welt schicken, aber nur um Brücken zu bauen, machten sich ihre Soldaten draußen in der Welt eines Verbrechens schuldig.

Nichts anderes war der Luftschlag von Kunduz, und zwar ungeachtet dessen, ob juristische Prüfungen am Ende zu anderen Schlüssen kommen, ungeachtet dessen auch, dass den befehlshabenden Offizieren, allen voran Oberst Klein, der Vorsatz, gezielt Zivilisten zu töten, nicht zu unterstellen ist. Wo aber im Zuge einer tödlichen militärischen Operation derart fundamentale Einsatzregeln gebrochen werden, wo letztlich ohne Not, ohne eine unmittelbare Gefahr Bomben auf eine Menschenmenge abgeworfen werden, ist ein Verbrechen anzuzeigen.

Dabei steht der Luftangriff von Kunduz am vorläufigen Ende einer logischen Kette, die seit langem Glied um Glied erweitert wird: von Sanitätern zu Uno-Blauhelmen, von Uno-Blauhelmen zu Nato-Friedensmissionen, von Nato-Friedensmissionen zu Isaf-Kampfeinsätzen. Sie alle wurden vom Bundestag letztlich gegen die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft beschlossen, aber es bestand eine Art unausgesprochener Deal zwischen Regierenden und Regierten: Die da oben machten, was sie außenpolitisch für nötig hielten, ohne viel darüber zu reden; und die da unten schauten dabei zu und fragten nicht weiter nach. So marschierte Deutschland nicht lärmend auf die Schlachtfelder des 21. Jahrhunderts; man mogelte sich eher still in die ungeliebten Kriegseinsätze hinein.

Der Grund für diese Unehrlichkeit ist leicht anzugeben: Das deutsche Volk ist kriegsmüde wie kaum ein anderes, so als wäre die Erinnerung an den großen Untergang von 1945 noch immer hellwach. Und die Politik, statt mit guten Argumenten die behauptete Notwendigkeit von Militäreinsätzen zu begründen, hat sich entschlossen, die Wähler wie Kinder zu behandeln, denen starke Wahrheiten nicht zuzumuten seien.

Mit einem Schlag muss nun viel Wissen nachgeholt werden, das lange für nicht weiter wertvoll gehalten wurde. Es geht mit einem Mal um Einsatzregeln, Gefährdungslagen, Befehlsketten, um die Stärke von Kompanien und die Struktur der deutschen Armee. Es geht um die Gedanken und Nöte eines unglücklichen Obersts und die kalte Routine von Bomberpiloten. Was eigentlich macht dieses Einsatzführungskommando in Geltow bei Potsdam? Und wer bildet den Einsatzführungsstab im Bendlerblock? Wer legt die Leitlinien deutscher Kampfeinsätze fest? Wer ist verantwortlich, wenn Operationen fehlschlagen? Was treiben die deutschen Sondereinheiten im Ausland? Und wann muss ein Minister seinen Hut nehmen?

Das politische Berlin ist, mit Verzögerung, in seltenem Aufruhr. Ein Minister, ein Staatssekretär, ein Generalinspekteur haben bereits ihre Ämter verloren, ein weiterer Minister steht unter Druck, die Kanzlerin hat Grund zur Nervosität. Die Bomben von Kunduz werfen ihre Splitter auf die Startbahn der im September gewählten schwarz-gelben Koalition. Und der Untersuchungsausschuss zum Thema könnte einer werden, der nicht nur billiges Theater verspricht. Es geht, nach Jahren des kollektiven Verdrängens, endlich ernsthaft um Deutschlands Kriegseinsätze, um Militärpolitik und die Apparate dahinter.

Ein Team von einem Dutzend SPIEGEL-Reportern, -Redakteuren und -Rechercheuren hat sich in Berlin, Kabul und Kunduz auf Spurensuche begeben, hat in den afghanischen Dörfern rund um den Tatort Taliban-Führer befragt, hat einen der Fahrer der bombardierten Lastwagen aufgespürt und in Amerika die Bomberpiloten der Nacht getroffen. Orte der Recherche waren Nato-Gefechtsstände, das Isaf-Hauptquartier in Kabul und Berlin, wo eine lange Reihe direkt oder indirekt beteiligter Politiker, Ministerialbeamter und Militärs befragt wurde.

Gestützt zudem auf eine Fülle geheimer Dokumente und exklusiver Hintergrundgespräche, entsteht das Zeitbild einer Bundesrepublik im Krieg, das Bild einer Gesellschaft, die sich Rechenschaft ablegen muss über sicher geglaubte Grundsätze. Erzählt wird die Tragödie der Nacht vom 3. auf den 4. September. Dabei zeigen die dem SPIEGEL vorliegenden geheimen Protokolle des Funkverkehrs jener Nacht, wie der deutsche Kommandeur und sein Fliegerleitoffizier die skeptischen US-Piloten zur Notwendigkeit eines Bombardements nachgerade überreden mussten. Wer diese dramatischen Dialoge nachvollzieht, muss kein General sein, um zu verstehen, dass hier keineswegs "militärisch angemessen" oder "aus bestem Wissen und Gewissen" gehandelt wurde.

Die Aufarbeitung des Skandals ist der nächste Skandal: Während in Afghanistan ein Nato-Ermittlungsteam alle Handelnden der Nacht als Zeugen befragt und nach und nach die Schichten der Affäre freilegt, bemühen sich in Berlin die Verantwortlichen in Regierung und Behörden, das Ausmaß des Luftschlags und die ihm vorausgegangenen Fehler zu vertuschen.

Letztere Anstrengung misslingt. Die Bundesregierung mit der alten und nach der Bundestagswahl neuen Kanzlerin Angela Merkel vorneweg mag kurzzeitig der Meinung gewesen sein, der Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Jung werde die Wogen glätten. Und sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg mag davon ausgegangen sein, dass der Hinauswurf seiner engsten Mitarbeiter die Affäre beenden würde.

Aber sie täuschten sich, wie sich jeder täuscht, der meint, es könne nun einfach zur Tagesordnung übergegangen werden. Denn die Bomben von Kunduz haben auch die Koordinaten der deutschen Politik verschoben. Das Bedürfnis nach Aufklärung und wahrhaftiger Debatte über Deutschlands Kriegseinsätze ist groß wie nie.

TEIL I: DIE GESCHICHTE EINES KRIEGSVERBRECHENS

3. September bis 4. September

Lasterfahrer Abdul Malek wird von den Taliban entführt. Die deutsche Task Force 47 hört früh davon. Salam, ein Junge aus Yaqob Bai, bezahlt seinen Übermut mit dem Leben. Mohammed Nur, ein Bauer aus Omar Khel, entkommt knapp dem Tod. Taliban-Führer Abdul Rahman ärgert sich. Dude 15, ein F-15-Kampfpilot, hat bei allem ein schlechtes Gefühl. Red Baron 20, ein deutscher Fliegerleitoffizier, drängt US-Piloten zum Luftschlag.

Shir Khan, Grenze zu Tadschikistan, 3. September, 11 Uhr*

Der Tag beginnt gut für Abdul Malek. Ziemlich früh sind der 40-jährige Lasterfahrer der Kabuler Transportfirma Mir Bacha Kot und sein Kollege Hamayon an der tadschikischen Grenze in Shir Khan bereit zum Abfahren. Pünktlich ist Maleks Mercedes-Benz-Tanklaster, Baujahr 1986, mit 23 Tonnen Benzin im Wert von 33 500 Dollar beladen worden. Er hat in einem Holzverschlag an der Grenze Hammelfleisch und Gemüse für eine Suppe gekauft, die die Fahrer nach Sonnenuntergang kochen wollen, wie es der Koran für den Ramadan vorschreibt.

Gut zwölf Stunden kalkuliert Malek für seine Fahrt in die afghanische Hauptstadt. Es sind gut 300 Kilometer, erst durch die Provinz Kunduz, dann über den 3400 Meter hohen Salang-Pass und wieder hinunter nach Kabul, wo er und Hamayon die Ladung beim Nato-Logistikpartner Supreme an der Jalalabad Road abliefern sollen.

Malek kennt die Strecke, 50-mal schon hat er den Laster von der Grenze nach Kabul gebracht. Zwei Monate zuvor erst haben Taliban nahe Kunduz einen Laster von Maleks Firma angegriffen und die beiden Fahrer ermordet.

Aliabad, Haus von Mullah Abdul Rahman, 3. September, 11.30 Uhr

Mullah Abdul Rahman ist zu Hause bei der Familie in Aliabad, er ist ein hagerer,

hochgewachsener Mann, Vater von acht Kindern, er behauptet von sich, 35 zu sein, doch er hat das Gesicht eines 50-Jährigen. Über Abdul Rahmans Stirn läuft eine tiefe Narbe, eine alte Kampfverletzung. Er trägt die Fingernägel lang wie Krallen, sein gestutzter Vollbart ist schon fast ergraut. Es ist gegen Mittag an diesem Donnerstag, als sich einer seiner Kämpfer bei ihm meldet, am Telefon. Abdul Rahman ist der Taliban-Kommandeur von Aliabad, in dem Ort südlich von Kunduz hat er drei, vier Dutzend Bewaffnete unter seinem Befehl.

Die Nachricht des Anrufers ist so kurz wie erfreulich. Späher hätten in Kunduz einen Transport mit Treibstoff für die Nato ausgemacht, sie führen Richtung Süden. Abdul Rahman braucht nicht lange, um die Situation abzuschätzen. Er wählt die Nummer eines treuen Gefolgsmanns. Er befiehlt, ein paar Männer zu sammeln und die Laster zu entführen. Das Benzin, sagt Abdul Rahman, könne man gut gebrauchen.

Angor Bagh, 3. September, 12.30 Uhr

Abdul Malek und Hamayon erreichen in ihren Mercedes-Tanklastern Angor Bagh, als an einer der Achsen von Hamayons Truck ein Radlager blockiert. Sie stoppen kurz hinter der Tankstelle, die nach ihrem Besitzer schlicht Bashir Pump Station heißt. Sie machen sich an die Arbeit, das Lager zu wechseln, nebenbei kochen sie auf einem Gasbrenner die Suppe für den Abend aus Hammelfleisch und Gemüse.

Es dauert, bis die Fahrt weitergehen kann, aber sie kommen nicht mehr weit.

Keine 200 Meter hinter der Tankstelle springen 25 Bewaffnete aus dem Schutz der Bäume auf die Straße. Lumpig sehen sie aus, ihre langen Gewänder sind verdreckt, die Bärte ungepflegt, statt Turbanen haben sie nur staubige Tücher um den Kopf gewickelt, einige haben noch nicht einmal Schuhe an. Aber alle tragen AK-47-Sturmgewehre, Kalaschnikows. Und zwei von ihnen haben sogar Panzerfäuste, sie zielen in Richtung der beiden Laster.

Malek überlegt nicht, er stoppt sofort. Neben der Fahrertür baut sich einer der Taliban auf. Er brüllt: "Dreckiger Sohn von Christen" und fuchtelt mit seinem Gewehr herum. "Dreh den Laster um", schreit der Talib, "wir fahren nach Chahar Darreh."

Malek tut, was die Taliban sagen. In mehreren Zügen wendet er den schweren Laster auf der Straße und fährt Richtung Kunduz zurück. Auf dem Beifahrersitz fummelt der Taliban-Kämpfer an seinem Nokia-Mobiltelefon, er wählt eine Nummer. Dann ruft er ins Telefon: "Bei Gott, Mullah Abdul Rahman", er schreit vor Glück, "wir haben die beiden Trucks, wir kommen jetzt nach Chahar Darreh."

Yaqob Bai, 3. September, 14.30 Uhr

Abdul Salam, der mittlere der fünf Brüder seiner Familie, ist im Dorf Yaqob Bai zum Albern aufgelegt. Die Männer des Hauses sitzen auf der Veranda, vor ihnen am Boden sind auf einem Wachstuch gekochte Kartoffeln ausgebreitet, dazu Joghurt, Brot und frische Trauben, es wird ihre Abendmahlzeit sein, wenn der Dorfgeistliche zum Fastenbrechen ruft.

"Gafurs Frau Kudschi ist wohl sehr glücklich heute", sagt Salam, "weil Gafur ihr Geschenke vom Basar in Kunduz mitgebracht hat, einen Lippenstift und bunte Kleider." In Yaqob Bai gehen alle Frauen tiefverschleiert, nicht mal dem nächsten Nachbarn zeigen sie ihr Gesicht. Salam ist 15 Jahre alt, seine Haut schimmert wie Edelholz, er hat eine lustige Stupsnase. Als einziger Sohn darf er in die Schule gehen, in die Karie-Kasab-Highschool, während die Älteren auf dem Feld arbeiten müssen.

Das Gehöft der Familie liegt im Dorf Yaqob Bai, 50 Häuser, 400 Einwohner, es liegt zwölf Kilometer südwestlich vom Zentrum der Provinzhauptstadt Kunduz.

In der Nähe haben deutsche Soldaten vor Jahren ihr Lager aufgeschlagen. Sie bauten ein paar Brücken im Distrikt Chahar Darreh, zu dem Yaqob Bai gehört, und sie befestigten Straßen mit Schotter. Die Dorfbewohner sind dankbar dafür.

Einmal parkten zwei Militärfahrzeuge der Deutschen neben der Moschee, ein Uniformierter stieg aus und verteilte kleine Radios, die sich mit einer Handkurbel aufladen lassen. Salam kämpfte sich durch die Menge und ergatterte eines. Der kleine Kasten ist seither sein größter Schatz.

Omar Khel, 3. September, 14.30 Uhr

Die zwei Tanklaster der Firma Mir Bacha Kot mit Abdul Malek am Steuer des einen sind nach links abgebogen von der Hauptstraße in Richtung Omar Khel, obwohl Malek die Taliban gewarnt hat. "Wir kommen da nicht durch", hat er ihnen gesagt, "die Straße ist viel zu eng", aber sie wollten davon nichts hören, sie sagten: "Du machst, was wir sagen, sonst bist du tot."

Jetzt geht es nur noch im Schritttempo weiter, aus der Teerstraße ist ein Feldweg durch kleine Dörfer geworden, immer wieder eckt Maleks Laster rechts und links an Lehmhäusern an, reißt Löcher in die Bauten, kommt nur mit vielfachem Vor- und Zurücksetzen um die engen Kurven. Es dauert eine gute Stunde, bis die beiden Laster das erste Dorf passiert haben.

Immer wieder telefoniert der Mann neben Malek mit Abdul Rahman. Fast drei Stunden dauert es, bis sie endlich in Omar Khel am Kunduz-Fluss ankommen, hier endet der Feldweg am Wasser. Ein Talib vor der Front des Lasters verhandelt mit Dorfbewohnern, er will wissen, wie man die Furt überqueren kann. Abdul Malek sagt seinem Bewacher, das werde schwierig, sie würden einsinken, die Laster seien sehr schwer.

Aber Chahar Darreh liegt auf der anderen Flussseite, sie haben ihre Befehle, sie müssen es wagen. Der Laster sinkt ein, Malek gibt noch einmal vorsichtig Gas, aber bald graben sich die Reifen bis zum oberen Rand in den Grund, es ist sinnlos. Hamayon im zweiten Laster geht es nicht anders, auch er schafft es auf die Sandbank, bleibt dort aber stecken, sie kommen nicht mehr weiter. Ihre Entführer packt darüber die Wut, sie halten den Fahrern die Kalaschnikows ins Gesicht, sie schlagen Hamayon mit dem Gewehrkolben, sie brüllen beide an, sie sollten die Wagen aus dem Sand bringen, irgendwie, jetzt, sofort, aber es geht nicht. Malek hat Angst, erschossen zu werden. Es wird langsam Abend. Sein Bewacher telefoniert. Er sagt seinem Anführer, Abdul Rahman, dass er kommen müsse. Die Operation stecke fest im Sand.

Kunduz, Operationszentrum OCC-P, 3. September, 17 Uhr

Es ist ziemlich genau 17 Uhr, als im OCC-P, dem Operationszentrum der Sicherheitsbehörden von Nato und Afghanen, einem Betonklotz im Hof einer Polizeiwache in Kunduz, ein Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes NDS anruft. Er berichtet vom Überfall der Taliban auf zwei Laster mit Nachschub für die Nato.

Das Operation Center ist die modernste aller Behörden in Kunduz. Die Wände sind frisch gelb getüncht, auf dem Boden liegt roter Teppich, es gibt eine Elektroheizung für den Winter und Klimaanlagen für den Sommer. Vor acht Monaten haben Deutsche und Amerikaner Einrichtung und Technik für das Zentrum gebracht.

An diesem 3. September ist nur ein Mitarbeiter im Informationszentrum. Die Deutschen haben wie jeden Tag um 16 Uhr Feierabend gemacht und sind mit ihren tonnenschweren gepanzerten Fahrzeugen zurück ins Camp nahe dem Flughafen gefahren. Der Mann von der Armee ist auch nicht auffindbar, der Geheimdienstler ist ebenfalls früher gegangen. Der Bedienstete, allein im Operation Center, tut, was er gelernt hat. Hektisch wählt er nacheinander alle Nummern, die auf einer Liste stehen. Aber er erreicht niemanden.

Omar Khel, Sandbank im Fluss, 3. September, 18 Uhr

Taliban-Führer Abdul Rahman kommt in einem wenige Wochen zuvor erbeuteten grünen Ford Ranger der afghanischen Polizei, vor ihm fährt eine Eskorte aus zwei Motorrädern, sie fahren auf die Sandbank, und Abdul Rahman analysiert die Lage. Er trägt einen weißen Turban und am Körper grünes Tuch, keine Waffe, dafür hat er seine Garden.

Kurz darauf steht seine Entscheidung fest: Das Benzin wird verteilt an die Leute. Sollen die Taliban wenigstens als Wohltäter dastehen. Seine Männer telefonieren, sie rufen Verwandte, Bekannte, Gefolgsleute an. Abdul Rahman fährt im Ford davon. Er ist nicht zufrieden. Die Operation ist ein Fehlschlag.

Bagram Airfield, 3. September, 19 Uhr

Hinter dem Rufzeichen Dude 15 steckt ein Mann mit unwirklich großen blauen Augen in einem schmalen Gesicht, seine Haare sind hell. Er ist aufgewachsen in Kalifornien, keine Stunde Autofahrt vom Strand entfernt. An diesem Donnerstagabend macht er sich bereit für den Einsatz als Pilot eines F-15-Kampfjets. Er kommt früh zum Dienst, er checkt ein bei der 335. Jagdfliegerstaffel in Begleitung seines Waffensystemoffiziers. Dude 15 ist 28 Jahre alt, aber schon ein ziemlich erfahrener Pilot, 850 Flugstunden, der Ausflug diese Nacht wird sein 50. Kampfeinsatz sein.

Sie werden starten auf dem Bagram Airfield eine Stunde Autofahrt nördlich von Kabul, wo der Großteil der Luftflotte dieses Kriegs bewegt wird. Kampfjets stehen dort im Dutzend aufgereiht, umtanzt von Mechanikern, die immer etwas zu schrauben haben. Eine F-15 gleicht einem fliegenden Formel-1-Wagen. Nach jedem Start muss der Hightech-Flieger nachjustiert werden, durchgecheckt, komplett überholt. Das gilt erst recht, wenn seine Waffen eingesetzt wurden.

Wer mit dem Rücken zur Baracke der Jagdfliegerstaffel in Bagram steht, sieht rechter Hand, weit hinten, am anderen Ende des Rollfelds, die Bewegungen von C-130-"Hercules"-Transportern, die in ununterbrochener Folge starten und landen. Es sind ständig Hubschrauber in der Luft, pechschwarze "Apache"-Helikopter, "Black Hawks", "Chinooks", "Kiowas".

Dude 15 und sein Co-Pilot wurden erst Tage zuvor aus North Carolina nach Bagram verlegt, ihre Heimatbasis ist die Seymour Johnson Air Force Base. Die Familie begleitete Dude 15, sie fuhren gemeinsam hin im Cherokee-Geländewagen, seine Frau küsste ihn zum Abschied, und seine beiden Kinder winkten. Vor ihm liegen vier Monate in Afghanistan. Und, an diesem Abend, eine lange Nacht.

Yaqob Bai, 3. September, 19.45 Uhr

Es ist Zeit, zur Moschee zu gehen. Im Dorf Yaqob Bai sitzt Salam noch am Brunnen mit seinem Radio und hört Musik. Sie spielen traditionelle Musik, das mag er am liebsten, ein Sänger erzählt Dorfgeschichten über einen Schäfer, ein scheues Mädchen und dessen strengen Vater. Es ist ein warmer Septemberabend, der Tag war heiß, über 30 Grad. In der Moschee sitzen die Männer nach dem Gebet auf Teppichen unter den alten Platanen. Darunter sind viele, die inzwischen ganz offen die Taliban unterstützen. Seit zwei Jahren sind die Extremisten die heimliche Macht im Ort.

Langsam bauten sie ihre Basis auf. Sie schlüpften bei ausgesuchten Kontaktleuten unter, bei Verwandten, bei bezahlten Unterstützern, bei Brüdern im Geiste, manche waren alles zusammen. Vor allem junge Männer ließen sich beeindrucken von den Reden der Bärtigen, die mit dem Koran in der einen und der Kalaschnikow in der anderen Hand Stärke ausstrahlten, wenn auch die Älteren von Yaqob Bai warnten.

Aber dann töteten sie den Sohn eines Dorfältesten, weil der als Tagelöhner bei einem von der Regierung geförderten Straßenprojekt arbeitete, und die Dorfgemeinschaft, 50 Häuser, 400 Menschen, gab aus Angst um die eigenen Söhne jeden Widerstand auf. Inzwischen kooperieren sie alle, mehr oder weniger, auch wenn die wenigsten von ihnen Überzeugungstäter sind.

Alle Wege durch das fruchtbare Tal am Fluss bei Yaqob Bai sind gesäumt von versteckten Taliban-Posten. Wenn Sicherheitskräfte, egal, in welcher Uniform, in ihren Konvois vorbeifahren, zünden sie versteckte Bomben und feuern Panzerfäuste ab. Die Polizei patrouilliert schon lange nicht mehr. Hamid Karzai, die Regierung in Kabul haben hier keinerlei Macht.

In der Moschee von Yaqob Bai donnert der Imam gegen die Ausländer. "Die Kuffar, die Ungläubigen, sind in unser Land eingefallen, sie sind nicht gekommen, um uns zu helfen, wie sie behaupten, sie sind gekommen, um Muslime zu töten. Deshalb bringen sie ihre Flugzeuge und Bomben, das ist der Beweis, Brüder", so predigt er regelmäßig in der Moschee.

Kunduz, Gefechtsstand der Task Force 47, 3. September, gegen 20 Uhr

Im Bundeswehr-Lager in Kunduz geht der erste Hinweis auf die Entführung der beiden Tanklaster ein. Ein afghanischer Spitzel meldet sich per Handy. Er meldet sich nicht beim normalen Befehlsstand der Deutschen an, er ruft direkt beim Übersetzer der Task Force 47 an, einer Truppe, die im deutschen Militärjargon auch gern Verstärkerkräfte (VerstKr) genannt wird. Beide Begriffe dienen eigentlich nur der Verschleierung, denn hinter der Task Force steht das geheim agierende Kommando Spezialkräfte KSK, das seit Beginn der Mission vollkommen abgeschottet agiert und seit rund drei Jahren in Kunduz zum Schutz des Feldlagers stationiert ist.

120 Männer und Frauen ist die Task Force stark, die Hälfte davon sind KSK-Elitekämpfer, die anderen Aufklärer der Bundeswehr. Sie bauen keine Schulen, sie führen Krieg, immer schon. Niemand weiß darüber viel, weil alles an der Gruppe geheim gehalten wird, alle ihre Mitglieder haben Phantasienamen, und die stehen noch nicht einmal auf ihren Uniformen, wie das bei regulären Truppen der Fall ist.

Sie agieren abseits des normalen Lagerbetriebs hinter einer zwei Meter hohen Betonmauer, dahinter liegt das etwa 500 Quadratmeter große Gelände am nordwestlichen Ende des Camps. Auf den Karten des Lagers ist der Standort der Einheit, strategisch günstig gleich neben dem Hubschrauberlandeplatz gelegen, als "Sonderbaufläche" deklariert, daneben ragen hohe Antennen, Abhöreinrichtungen in den Himmel, sie gehören dem KSA, dem Kommando Strategische Aufklärung, das ebenfalls sein eigenes abgeschirmtes Lager hat.

Hunderte Telefonate von Aufständischen werden in dieser Zentrale abgehört, aufgezeichnet oder gleich von Dolmetschern übersetzt. Einer dieser Dolmetscher, er ist wie alle Übersetzer der KSK ein Afghane mit deutschem Pass und seit Mai 2009 für die Elitekämpfer im Einsatz, bekommt nun die ersten Fakten über die Entführung.

Die Taliban, hört er, hätten zwei Laster auf der Hauptstraße entführt und versuchten, sie nach Westen zu bringen, über den Fluss. Der Übersetzer gibt die Information sofort an einen sogenannten Collector der Task Force weiter. Er reicht sie weiter an einen Aufklärungsoffizier.

Bagram Airfield, 3. September, 20.30 Uhr

Die zum Dienst eingeteilten Crews der 335. Staffel, Dude 15 und sein Waffensystemoffizier, Dude 16 und dessen Copilot, sitzen beim Routinebriefing wie vor jedem Start. Es geht um die Gefahrenlagen in den vielen Regionen Afghanistans, um laufende Operationen, um die Einsatzregeln, die Rules of Engagement, die Roe.

Dude 15 hat vor der Offiziersschule in Alabama Biologie studiert. Nach einem Jahr Flugtraining in Columbus, Missouri, durfte er sich 2006 der 335th Fighter Squadron in Goldsboro, North Carolina, anschließen, ihre Mitglieder nennen sich stolz "The Chiefs". Seine ersten Einsätze in Afghanistan flog er von Januar bis Mai 2008. Und vor jeder Operation wurden sie belehrt über die immer gleichen Fragen. Was darf ein Kampfpilot? Was darf er nicht? Welche Fragen hat er zu stellen, wenn er einem Kommandeur am Boden seine "Bomben verkaufen" soll, so sagen sie: "Sell the bombs"? Welche Probleme sind zu klären? Wann darf er, wann muss er die "rote Karte" ziehen, nein sagen, den Waffeneinsatz verweigern?

Auch an diesem Abend des 3. September wird die Standardprozedur vollzogen, Dude 15 hört die Kürzel, Roe 421, Roe 429, jedes Akronym steht für einen besonderen Gefechtsfall, eine spezielle Situation, er kennt die Regeln im Schlaf, aber das ändert nichts daran, dass der Krieg niemals eine exakte Wissenschaft sein wird.

Yaqob Bai, Platz vor der Moschee, 3. September, 20.30 Uhr

Salam hat seine Gebete gesprochen. Er verlässt die Moschee, draußen herrscht freudiger Tumult. Sein Freund Bashir sitzt auf einem Traktor, er ist der Sohn des Großgrundbesitzers Haji Guldin, hinter ihm hat sich eine Traube junger Männer versammelt, Salams Nachbarn und alte Spielkameraden, sie heißen Latif, Sekrular, Ajmal, Rahmatullah und Nurullah.

Alle klatschen und johlen ausgelassen, als wären sie auf einem Volksfest. "Die Taliban haben zwei Treibstofftransporter der Ungläubigen entführt, sie stecken am Fluss fest, jetzt gibt es für uns jede Menge Sprit umsonst", schreit Bashir, er winkt und bedeutet Salam aufzuspringen. Der ältere Bruder Gafur sagt, er solle nach Hause gehen, er werde sich darum kümmern. Aber Salam hat sich schon auf den Traktor geschwungen. Der Bruder lässt es geschehen.

Auf dem Anhänger ist ein 200-Liter-Fass geladen, das mit Treibstoff gefüllt werden soll. Das halbe Dorf ist auf den Beinen, mindestens 70 Leute. Sie stolpern und rennen hinunter zum Fluss, Bashir fährt mit seinem Traktor voraus.

Omar Khel, Sandbank im Fluss, 3. September, nach 20.30 Uhr

Rund um die Laster herrscht Chaos. Die verbliebenen Taliban, um die 20 Mann, versuchen die herandrängenden Dorfbewohner in Warteschlangen aufzureihen, aber es ist vergebens. Lasterfahrer Abdul Malek hört ab und zu Schüsse, kann aber nicht sehen, wer sie abgibt. Er vermutet, dass die Taliban in die Luft schießen, um die Leute zur Vernunft zu bringen.

Omar Khel, Sandbank im Fluss, 3. September, 20.50 Uhr

Die Kinder und Halbstarken aus Yaqob Bai erreichen die Flussschleife, die Lastwagen werden bereits von Hunderten Menschen belagert. Trotzdem schafft es Bashir, der Sohn des Großgrundbesitzers, Salams Freund, den Traktor seitlich am ersten Tanklaster zu parken. Und wie damals, als es um das kostbare Radio ging, springt Salam auch diesmal als Erster hin und kämpft sich durch die Menge nach vorn. Die Erde um die Trucks ist schmierig, sie hat sich mit Treibstoff und Wasser vermengt. Salam arbeitet sich zum Laster durch, irgendwie, mit jugendlichem Leichtsinn, die Freunde und Brüder hinterher, Salam schafft es zu einer der Öffnungsklappen oben auf dem Laster.

Im Gedränge bilden die jungen Männer eine Kette: Oben sitzt Salam und schöpft Treibstoff mit einer Kelle, sein Bruder Gafur übernimmt die gefüllten Kanister, am Ölfass auf dem Traktor wartet Bashir. Es riecht nicht gut. Aber es macht Spaß.

Omar Khel, Sandbank im Fluss, 3. September, 22 Uhr

Lasterfahrer Abdul Malek und seine Bewacher hören zum ersten Mal Fluglärm, das Brummen ist ziemlich leise. Ein Talib steigt auf einen Truck, er schießt in die Luft, und in die Stille danach ruft er hinein: "Verschwindet hier, es fallen gleich Bomben!" Maleks Bewacher sind nervös, sie starren in den Himmel, suchen nach Bewegung, doch es ist nichts zu sehen. Die Menschen auf der Sandbank ignorieren die Warnung. Sie hängen in Trauben an den Tanklastern und zapfen den Treibstoff ab.

Luftraum über Bargi Matal, 3. September, Mitternacht

Dude 15 und 16 sitzen in ihren Cockpits, auf dem Kopfhörer im Helm drei Funkfrequenzen, Kanal 1 für den internen Verkehr, Kanal 2 für die Kontakte zu den Fliegerleitoffizieren, Kanal 3 für Satcom, wo sich die Kommando- und Kontrollzentralen melden. Es ist ein ziemliches Durcheinander, so als würde man gleichzeitig drei Radiosender hören, auf denen Talkshows laufen.

Sie operieren zwischen 20 000 und 25 000 Fuß, um die 6000 bis 7600 Meter über dem Meeresspiegel, unter ihnen liegt Bargi Matal, liegt die Provinz Nuristan an der pakistanischen Grenze. Die Wetterlage über Afghanistan ist günstig in diesen Stunden, nur leichte Dunstschleier hier und da, das volle Mondlicht füllt die Nacht, sie haben perfekte Sicht. Dude 15 braucht seine Kameras kaum, er kann einfach aus dem Cockpit schauen und die eigenen Augen benutzen, verstärkt durch "night goggles", die wie Lupen eines Uhrmachers vor den Augen der Piloten sitzen.

Über Bargi Matal werden von ihnen keine Bomben angefordert. Die Offiziere am Boden wollen vor allem die Bilder sehen, die gestochen scharfen Aufnahmen, die die Kameras einer F-15 liefern können. Rover heißt die Technik, mit der die Luftbilder in Echtzeit in die Leitzentralen übertragen und dort auf Leinwände gespielt werden. Die Technik macht aus den Flugzeugen die fliegenden Augen der Kommandeure am Boden.

Und sie sind überall schnell einsatzbereit. Eine F-15 kann über zwei Mach fliegen, 2000 Kilometer pro Stunde und mehr, in 20, 25 Minuten können sie fast überall in Afghanistan sein. Das große Land schrumpft unter ihren Flügeln zu einem sehr überschaubaren Operationsgebiet.

Luftraum nahe Kunduz, 4. September, 1.08 Uhr

Die zwei F-15-Kampfjets sind Richtung Norden unterwegs. 129 Kilometer vor Kunduz rufen sie den zuständigen Fliegerleitoffizier der Gegend und "checken ein". Sie sind herbeordert worden kurz zuvor durch Trinity, das ist der Rufname der übergeordneten Lufteinsatzzentrale ASOC, das steht für Air Support Operations Center. Trinity hat sie abgezogen aus Bargi Matal und in Richtung Nordwest dirigiert, nach Kunduz.

Es geht um zwei entführte Tanklaster, es geht um 50, vielleicht 70 Aufständische, die im Begriff sind, eine befreundete Basis in Kunduz anzugreifen, das ist es, was sie wissen. Dude 15 ist ein fleißiger, interessierter Pilot. Er weiß aus diversen Briefings, dass sich die Gefährdungslage im Norden verändert hat seit einigen Monaten, dass die Isaf-Truppen dort in letzter Zeit mit Autobomben zu schaffen haben, er ist gut im Bild, er hat sogar davon gehört, dass in jüngster Zeit Laster entführt wurden, die den Deutschen als rollende Bomben gefährlich werden könnten.

Es ist also wahrscheinlich, dass da drunten Truppen im Gefecht stehen, so wie sie das im Süden und Osten des Landes ständig haben. Immerhin wurde ein "TIC" erklärt, das heißt "Troops in contact", Feindberührung, die F-15 sind zur Unterstützung bestellt. Jetzt sind sie da.

Die US-Piloten wissen nichts über den Mann am Boden, mit dem sie in der folgenden Stunde viel zu tun haben werden. Sie kennen nur sein Rufzeichen, Red Baron 20, aber sie haben ein gutes Gefühl. Der Mann spricht gut Englisch, er redet klar und deutlich, und seine Anweisungen klingen selbstbewusst.

Kunduz, Gefechtsstand der Task Force 47, 4. September, 1.10 Uhr

Neben Red Baron, sein Name ist Oberfeldwebel Willhelm, sitzen der Geheimdienstoffizier der Task Force 47, Hauptmann Nordhausen, und Oberst Georg Klein, der Kommandeur des Stützpunkts, dies wird die Welt aus Akten und Protokollen erfahren. Der Oberst ist seit 1980 bei der Bundeswehr, er studierte bei der Bundeswehr, wurde Zugführer, Kompaniechef, Adjutant in internationalen Stäben, Referent im Verteidigungsministerium. Nach einer Verwendung als Bataillonskommandeur kam er zur deutschen Delegation bei der Nato, danach ins Personalamt der Bundeswehr, endlich wurde er Stabschef der 13. Panzergrenadierdivision. Den Krieg kennt der Berufssoldat vor allem aus Tischvorlagen.

Er ist erst seit dem 5. April in Kunduz, vorher wurde er in Berlin instruiert: Bis vor kurzem seien die Taliban nur als lose Hit-and-run-Truppe aufgetreten, die Gefahr für das deutsche Camp sei gering gewesen. Jetzt aber änderten die Feinde ihre Taktik, sie seien zu größeren Operationen in der Lage, bis hin zu Attacken in Kompaniestärke.

Wie zur Begrüßung des neuen deutschen Kommandeurs in Kunduz wurde eine Patrouille der Bundeswehr in zwei separaten Attacken von Taliban angegriffen. Vier Soldaten wurden verletzt, ein Hauptgefreiter aus Donaueschingen, 21 Jahre alt, der in der Heckluke eines "Fuchs"-Schützenpanzers am Maschinengewehr kämpfte, starb an seinen Wunden. Er ist der erste deutsche Soldat, der seit dem Zweiten Weltkrieg in einem Feuergefecht fiel.

Auf Oberst Kleins Schreibtisch liegt seit dem 15. Juli eine geheime Warnmeldung des BND. Die Meldung bezieht sich auf einen Speditionslaster, den die Taliban wenige Wochen zuvor in ihre Gewalt gebracht hatten. Laster mit Material fahren im deutschen Camp ein und aus. Der BND glaubt, der entführte Lkw solle zur Autobombe umgebaut und gegen das deutsche Lager eingesetzt werden.

Klein ordnete erhöhte Wachsamkeit an. Kein Fahrzeug darf mehr die Tore passieren, ohne intensiv durchsucht worden zu sein.

Luftraum nahe Kunduz, 4. September, 1.12 Uhr

Die erste Weisung des deutschen Fliegerleitoffiziers an die Piloten der F-15 lautet, eine Runde über dem Zielgebiet zu drehen, aber in möglichst großem Abstand. Red Baron sagt: "Bleibt weg vom Ziel, so weit es geht." Und: Sie sollten sich schon mal auf den Abwurf von sechs 500-Pfund-Bomben vorbereiten.

Die F-15-Crews, die noch kein eigenes Lagebild haben, lehnen das rundheraus ab. Sie denken daran, und sie reden darüber intern auf ihrem Funkkanal 1, dass sie viel lieber "ein bisschen Lärm" machen würden, um die Leute auseinanderzutreiben, durch donnernde Tiefflüge, durch eine "show of force".

Sie sind überrascht, als sie die Koordinate 42 S VF 8903852017 endlich selbst zu sehen bekommen. Da unten im Fluss, auf der Sandbank, treiben sich verdammt viele Menschen herum, so viele Aufständische auf einem Haufen haben sie noch nicht oft vor sich gehabt. Die Taliban operieren in der Regel in kleinen Gruppen zu fünf, zu sieben, zu zehn Kämpfern. Hier sind glatt hundert Leute versammelt, und wenn sie wirklich alle Aufständische sind, dann ist das hier eine große Nummer; vielleicht die größte, mit der sie zu tun hatten.

Luftraum über Kunduz, 4. September, 1.17 Uhr

Die Rover-Verbindung steht, Dude 15 kann jetzt seine Bilder direkt auf die Schirme der Leute am Boden schicken, es sind wertvolle Bilder, man kann hin- und herschalten zwischen Totalen und Nahaufnahmen, man kann die Bilder rastern nach verschiedenen Kriterien. Der Fliegerleitoffizier und der Kommandeur am Boden bekommen einen guten Eindruck von der Situation.

1.18 Uhr

Dude 15 und 16 hören die Stimme von Red Baron 20. Der Mann am Boden sagt, "die Fahrzeuge und einige Individuen sind das Ziel". Dude 15 schlägt vor, im Tiefflug über die Szene zu fliegen, eine "show of force" aufzuführen, damit Unbeteiligte davonlaufen. Red Baron sagt: "negativ". Er weist die F-15 an, sich zu "verstecken". Auf dem internen Kanal der Flieger beginnt eine 20-minütige Diskussion zwischen den Cockpits. Dude 15 hat kein gutes Gefühl, er denkt sogar kurz daran, die rote Karte zu ziehen, aber er muss abwägen. Am Ende geht es immer um dieses Duell: der Pilot in der Luft und der Kommandeur am Boden. Es ist eine heikle Abwägung.

Dude 15 sähe es trotzdem viel lieber, dass sie einmal richtig abtauchen "und die Leute rennen lassen". Mit Dude 16 redet er darüber, welche Einsatzregel hier überhaupt greift. Kann man das da unten für einen Fall von akuter Notwehr halten? Für eine "unmittelbare Gefahr"? Und wo ist der TIC, die Feindberührung? Sie kontaktieren Trinity. Was ist hier los? Auf welcher Grundlage arbeiten sie hier?

1.19 Uhr

Dude 15 fragt Red Baron nach den Lasterfahrern. Die Antwort lautet, darüber lägen keine Informationen vor. Er sei aber "im Besitz von Erkenntnissen, die besagen, dass es sich bei sämtlichen Individuen dort unten um Aufständische handelt".

1.22 Uhr

Dude 15 schlägt zum zweiten Mal einen Tiefflug vor, um die Leute auseinanderzujagen. Red Baron antwortet, sie sollten kurz warten. Danach Pause. Keine Antwort.

1.27 Uhr

Red Baron fragt, was sie von fünf 500-Pfund-Bomben auf die Sandbank halten und von einer aufs Flussufer. Die Piloten empfehlen zwei 2000-Pfund-Bomben, je eine pro Laster, ein paar 500er für die anderen Fahrzeuge am Ufer.

1.28 Uhr

Dude 15 ist aber immer noch unwohl. Er fragt nach dem Status der Leute. Red Baron antwortet, sichere Quellen sagten, sie seien alle feindlich. Jetzt laufen eine Menge Leute plötzlich Richtung Norden, die Lage da unten ist wirklich verwirrend. Und es kommen dauernd neue Fahrzeuge an. Am Ufer stehen jetzt elf Autos, Pick-ups, Traktoren.

1.29 Uhr

Red Baron sagt, das Ziel sei jetzt "time sensitive", das soll heißen: Es eilt jetzt. Er weist die F-15-Piloten an, eine 2000-Pfund-Bombe zwischen den Tanklastern abzusetzen. Dude 15 hat den Eindruck, dass der Kommandeur da unten wirklich scharf auf ein Bombardement ist. Der Ton wird drängender, das kann er spüren.

Omar Khel, Sandbank im Fluss, 4. September, 1.30 Uhr

Mohammed Nur hält in jeder Hand einen Kanister. Er steht vielleicht 20, 30 Meter von einem der Tanklastzüge entfernt, aber es sieht nicht so aus, als würde er schnell dazu kommen, seine Kanister zu füllen. Es ist zu voll. Mohammed Nur ist 25, ein Bauer aus Omar Khel, ein Analphabet. Er ist stolz auf seine Familie, vor allem aber auf seinen jüngeren Bruder Mawlanur, 18 Jahre alt, der in Kunduz die zehnte Klasse der Sharkan-Highschool besucht. Menschen aus den umliegenden Dörfern haben den Tanklastzug noch immer umkreist. Sie kommen aus Omar Khel, Isa Khel, Yaqob Bai, aus Gul Baq. Vielleicht sind es 200 Menschen, vielleicht mehr, schwer zu schätzen für Mohammed Nur. Manche gehen, manche kommen, es ist hektisch und laut, es wird geschrien, gedrängelt, geschoben.

Manche haben den Tanklastzug bestiegen, weil er auch oben einige Öffnungen hat. Sie lassen an Seilen Eimer und andere Gefäße hinunter, um an den Sprit zu kommen. Die meisten der Dorfbe-wohner warten am Boden, so wie Mohammed Nur. Sie stehen vor den drei, vier Öffnungen, aus denen der Sprit fließt. Nur steckt fest in der Menschenmenge, er sieht ein paar Meter ent- fernt bekannte Gesichter, die Söhne eines Freundes, seine eigenen Brüder Mawlanur und Qadir.

Mawlanur ist flink im Kopf und ein guter Sportler, er beherrscht Kung-Fu. Wenn es einem der Brüder gelingen wird, in diesem Chaos einen Kanister zu füllen, dann vermutlich Mawlanur, denkt Mohammed Nur. Im Licht des Mondes sieht er auch drei Taliban-Kämpfer. Sie stehen im Fluss, bewaffnet mit Kalaschnikows und einer Panzerfaust.

Luftraum über Kunduz, 4. September, 1.30 Uhr

Red Baron treibt den Autorisierungsprozess weiter, er erklärt, dass keine eigenen Truppen im Zielgebiet sind, "no friendlies". Er fordert Dude 15 und 16 auf, "one minute out" zu erklären, die Waffen scharf zu machen. Aber so weit sind die Piloten noch nicht. Sie versuchen, Zeit zu gewinnen. Sie diskutieren. Es fühlt sich nicht gut an. Andererseits: Die eigenen Leute da unten am Boden werden schon wissen, was vorgeht. Es ist ihr Beritt, sie kennen sich aus.

1.31 Uhr

Die Bomberpiloten fragen, ob Red Baron jeweils eine 2000-Pfund-Bombe pro Tanklaster haben wolle. Der Offizier am Boden meldet: "negativ", nur eine insgesamt für beide. Aus der Luft fragen sie zurück, wo genau die Bombe explodieren soll - auf den Fahrzeugen? Über den Lastern? Red Baron sagt: zwischen den beiden.

1.32 Uhr

Dude 15 fragt, ob es Red Baron um die Fahrzeuge gehe oder um die Leute. Die Antwort lautet: Es gehe darum, "die Leute auszuschalten", "to take out the people". Aber hat er nicht 14 Minuten zuvor noch gesagt, es gehe "um die Fahrzeuge und einige Individuen"?

1.33 Uhr

Dude 15 schlägt vor, eine höhere Autorität in die Entscheidung einzubinden, am besten das Combined Air Operations Center in Udeid, Katar, "damit wir beide gedeckt sind". Die Piloten nennen al-Udeid gern "Big Brother" oder manchmal nur "Dad". Sie könnten väterlichen Rat gut brauchen. Red Baron antwortet, die Freigabe komme vom Kommandeur des deutschen Wiederaufbau-Teams, "der neben mir sitzt".

1.34 Uhr

Die Checkliste des kontrollierten Tötens wird weiter verfolgt. Die F-15-Piloten sagen, eine 2000-Pfund-Bombe sei nicht genug für die ganze Sandbank. Red Baron sagt, mehr genehmige der Kommandeur nicht. Dude 15 fragt, was sie mit Leuten machen sollen, die nach dem Schlag entfliehen. Sollen auch sie unter Feuer genommen werden? Red Baron sagt: Das sehen wir später.

1.36 Uhr

Dude 15 schlägt zum dritten Mal einen Tiefflug vor, um die Leute zu zerstreuen. Die Verbindung zu Red Baron wird kurz unterbrochen, weil andere Funksprüche dazwischenkommen.

1.38 Uhr

Dude 15 wiederholt zum vierten Mal seinen Vorschlag, per Tiefflug die Leute "rennen zu lassen". Als geeignete Waffen schlagen sie jetzt zwei 500-Pfund-Bomben vor, eine pro Tanklaster. Red Baron meldet, der Kommandeur sei einverstanden mit zweimal 500 Pfund.

1.39 Uhr

Die F-15-Besatzungen fordern zum fünften Mal eine Bestätigung für einen Tiefflug an, Red Baron antwortet: "negativ", er wolle, dass sie direkt angreifen, ohne Vorwarnung, "I want you to strike directly".

1.40 Uhr

Red Baron fragt, wie lange sich der Bombenabwurf noch verzögere. Aus den F-15 hört er jetzt: "five minutes".

1.45 Uhr

Dude 15 und 16 verwickeln Red Baron in eine weitere Diskussion darüber, was nach dem Schlag geschehen soll. Fliehende verfolgen? Nicht verfolgen? Die Frage bleibt offen.

1.46 Uhr

Dude 15 fragt ein letztes Mal, ob die Leute da auf der Sandbank wirklich eine "unmittelbare Gefahr" darstellten. Red Baron bestätigt. Er setzt jetzt den entscheidenden Funkspruch ab. Er sagt: "Ja, diese Leute stellen eine akute Bedrohung dar. Diese Aufständischen versuchen, den Kraftstoff aus den Tanklastern zu bekommen, und danach werden sie sich neu formieren, und wir haben Erkenntnisse über laufende Operationen und darüber, dass sie vermutlich Camp Kunduz angreifen werden." Den Piloten des F-15-Kampfflugzeuges erscheint diese Aussage plausibel. Die Antwort befriedigt sie. Sie melden, dass der Angriff in zwei Minuten erfolgen werde.

1.48 Uhr

Dude 15 erklärt "one minute out", sie sind jetzt eine Minute vor Auslösung der Waffen. Red Baron gibt die Freigabe, er erklärt die F-15 "hot".

1.49 Uhr

Die Waffensystemoffiziere von Dude 15 und 16 werfen zwei 500-Pfund-Bomben ab, Typ GBU-38, gewogen nach amerikanischen Maßeinheiten und also 227 Kilogramm schwer, ungefähr so lang wie ein Mensch, der Form nach ein schnittiger Fisch. Die Entwickler sind stolz auf diese Lenkbombe, sie wird eingesetzt, um Kollateralschäden möglichst zu vermeiden.

1.50 Uhr

Donner zerreißt die Nachtluft, Feuerbälle steigen auf, die Menschen auf dem Tanklaster werden meterhoch in die Luft gewirbelt, der schmale Körper des jungen Salam aus Yaqob Bai fliegt über den Tanklaster und stürzt in den Fluss zurück.

Die Erde brennt, der Fluss brennt. Die Druckwelle schleudert auch Gafur ins Wasser, Salams Bruder, ein glühender Regen geht auf seinem Rücken nieder.

1.50 Uhr

Der Bauer Mohammed Nur aus Omar Khel sieht vor sich einen riesigen Feuerball, grelles Licht, begleitet von einer ungeheuren Wucht, einem Donnerschlag, der ihn von den Beinen reißt. Er rennt, er brennt, am Rücken, an den Schienbeinen, den Füßen. Er wirft sich auf die Erde, wälzt sich, versucht die Hose auszuziehen, aber sie klebt fest, an den Schienbeinen hat sich der Stoff in die Haut gebrannt, er kann die Hose nicht ausziehen.

1.50 Uhr

Es wird taghell um Abdul Malek, den Tanklasterfahrer, ein Blitz schlägt ein, zwei Feuerbälle blasen sich auf. Malek stürzt ins flache Wasser, um ihn herum regnet es blutige Fetzen, Teile von Menschen, Köpfe, Arme, Hände, das Wasser färbt sich rot, es wird warm von der Hitze.

Kunduz, Befehlsstand der Task Force 47, 1.56 Uhr

Ein KSK-Hauptfeldwebel vermerkt im Protokoll des Tages: "tasks closed", Aufgaben beendet. Oberst Klein verlässt den Befehlsstand und geht zu Bett.

Omar Khel, 4. September, gegen 2 Uhr

Mohammed Nur rennt, die Hosenbeine auf die Haut gebrannt, den Weg hinauf nach Omar Khel. Im Dorf trifft er auf seinen Vater, seinen Onkel, sie brüllen: "Mohammed, wo sind deine Brüder?"

Yaqob Bai, 4. September, 2 Uhr

Salams Vater Abdul Wodud ist erwacht von einem lauten Geräusch, und er wusste sofort, was es bedeutet, aber er wusste nicht, dass seine Söhne Salam und Gafur am Fluss sind, seine Frau sagt es ihm, weinend, Abdul Wodud rennt.

Von weitem schon sieht er die Tanklaster, ihm kommen verbrannte Menschen entgegengelaufen, er sieht verkohlte Leichen, verformte Kanister, Krater, die die Bomben gerissen haben und die sich nun mit Wasser füllen. Er findet Salam, seinen Sohn.

Ein Splitter hat sich in seine Brust gebohrt, der Körper ist schwarz, nur das Gesicht ist fast unversehrt, Blut rinnt aus den Ohren. Auch andere Väter und Mütter kommen gelaufen, Onkel, Brüder, sie suchen mit Lampen das Flussufer nach Verwandten ab.

Abdul Wodud schultert sein Kind, der Körper ist sonderbar leicht, durch die Hitze ist Wasser aus ihm gewichen. Er wird die Leiche aufbahren im Garten vor dem Haus. Sie werden ihn in ein Tuch wickeln. Sie werden trauern mit den anderen, es sind viele, die trauern müssen in Yaqob Bai. Salam ist tot, und viele seiner Freunde sind tot und viele Nachbarn.

Wie viele Menschen in dieser Nacht verletzt oder tödlich verwundet werden, wird nie aufzuklären sein. Die Uno wird bald von 109 Toten und 33 Verletzten ausgehen, ohne Zivilisten eigens zu erwähnen; ein afghanischer Regierungsbericht wird von 94 Toten wissen, davon 30 Zivilisten; ein Bericht der Provinzverwaltung Kunduz wird 102 Tote aufzählen, davon 30 Zivilisten; der Distriktbürgermeister von Chahar Darreh wird 82 Tote und 16 Verletzte melden.

Kunduz, Befehlsstand der Task Force 47, 4. September, 2 Uhr

Der Informant der Deutschen meldet sich am Telefon. Er sagt, beim Luftschlag seien 70 Menschen getötet worden, darunter Unterkommandeure der Taliban. Er wiederholt, dass es "keine Opfer unter der Zivilbevölkerung" gebe.

Kunduz, Regionalkrankenhaus, 4. September, 3.30 Uhr

Der diensthabende Arzt des Krankenhauses ist in dieser Nacht Mohammed Naim Mangal, ein 44 Jahre alter Chirurg. Sein Dienst verlief bislang ruhig, ohne besondere Vorkommnisse. Das ändert sich, als ein Mann in die Rettungsstelle gebracht wird, dessen Körper starke Verbrennungen aufweist. Stärker als alles, was Mangal bisher gesehen hat.

Die Rettungsstelle liegt im Erdgeschoss, gleich links am Eingang, an der Tür steht "Emergency Room", aber der Raum ist nicht größer als vielleicht zehn Quadratmeter, es gibt hier drei Liegen, einen Tisch, ein Waschbecken und einen alten, vollgepackten Medizinschrank. Doktor Mangal hat von den Bomben, die wenige Kilometer entfernt explodierten, nichts bemerkt.

Jetzt erzählen ihm die Verwandten des Verletzten von zwei Tanklastern und einem Feuerball und dass bald noch mehr Leute kommen werden. Viele Verbrannte. Auch Mohammed Nur, der Bauer aus Omar Khel, wird in die kleine Rettungsstelle gebracht. Ein Cousin hat ihn gefahren, in einem alten Toyota Corolla. Der ältere Bruder von Nur, Abdul Qadir, ist bereits im Krankenhaus. Nur werden die eingebrannten Stofffetzen von den Schienbeinen und den Füßen geschält, er bekommt Salben, Schmerzmittel, Verbände.

Mit dem Handy versucht er immer wieder, Mawlanur zu erreichen, den jüngeren Bruder, den Schüler und Kung-Fu-Kämpfer. Aber dessen Handy ist tot.

TEIL II: DIE VERTUSCHUNG EINES KRIEGSVERBRECHENS

4. September bis 26. September

Konteradmiral Gregory Smith fällt aus allen Wolken. Angela Merkel surft durchs Internet. Franz Josef Jung weiß nichts von zivilen Opfern. Frank-Walter Steinmeier nimmt es zur Kenntnis. Günter Gloser kämpft für Deutschland. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hat keine ruhige Minute mehr. "Washington Post"-Reporter Rajiv Chandrasekaran ist ganz nah dran.

Kabul, Isaf-Hauptquartier, 4. September, 7 Uhr

Konteradmiral Gregory Smith, Chefsprecher der Isaf, steht im Container, der seit drei Monaten sein Zuhause ist, er sortiert Post und Wäsche. Die Sonne steht über der Bergkette, die sich wie ein hochgezogener Tellerrand um Kabul legt, die Great Massoud Road vor den Mauern des Isaf-Hauptquartiers ist wie leergefegt.

Die freie Stunde an diesem Morgen ist Smith willkommen, gewöhnlich dauern seine Arbeitstage von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts, jede Stunde Freizeit zählt. Um sicher zu sein, dass nichts Wichtiges anliegt, macht er an diesem Morgen einen kurzen Abstecher in den sogenannten Medienbunker, ein gedrungenes Gebäude mit vielen winzigen Büros, das 300 Meter von seinem Wohncontainer entfernt liegt. Smith will danach gleich zurück, um noch das kleine Badezimmer zu putzen. Aber dazu wird es nicht mehr kommen.

Kunduz, Residenz des Gouverneurs, 4. September, 8 Uhr

Beim Gouverneur von Kunduz klingelt das Telefon. Am anderen Ende ist der Übersetzer von Oberst Klein, der Kommandeur sei "sehr beunruhigt" wegen der Vorfälle in der Nacht. Er wolle nachfragen, ob alles seine Richtigkeit gehabt habe. Mohammed Omar, den hier alle nur Engineer Omar nennen, ist sofort bester Stimmung: "Richten Sie dem Kommandeur aus, er hat der Provinz einen großen Dienst erwiesen. Wir sind stolz auf ihn, die Deutschen haben endlich Taten gezeigt, und die Taliban bekommen, was sie verdienen."

Isaf-Hauptquartier, 4. September, 8.15 Uhr

Isaf-Kommunikationschef Smith erhält einen dringenden Anruf. Der arabische TV-Sender al-Dschasira berichtet über ein Bombardement in Kunduz, angeblich hat es Dutzende Tote gegeben. Taliban seien getroffen, aber auch Zivilisten. Smiths Blutdruck steigt. Tote Zivilisten sind sein "worst case". Und warum muss er via al-Dschasira erfahren, was die eigene Befehlskette längst gemeldet haben müsste?

Smith beeilt sich, in die Kommandozentrale zu kommen, ins Combined Joint Operation Center, es ist ein fensterloser Raum im abgeriegelten Sicherheitstrakt, vollgestopft mit Technik. Satellitenbilder und Karten hängen an der Wand, die Tischreihen sind wie in einem Amphitheater nach unten gestaffelt, an der Kopfseite hängen die Videoschirme für die Konferenzschaltungen und Präsentationen. Alle blicken gebannt auf die Bilder. Die Karte von Kunduz erscheint. Wo ist diese Flussschleife? Wo ist diese Sandbank?

Die wichtigen US-Offiziere haben sich schon hinter ihren Tischen versammelt, alle fragen dasselbe, es sind die frühen, ersten Fragen: Was ist bei euch los?

Es sind die irren Zahlen, die alle erschrecken. Man gewöhnt sich daran, in Afghanistan, von 5, von 10, von 15 Toten in einer Nacht zu hören. Aber 60 Tote? Das wäre eine der höchsten Opferzahlen bei einem einzigen Luftschlag seit acht Jahren. "Das ist ja eine massive Sache hier," sagt Smith, "oder ist es wieder nur eine dieser falschen Beschuldigungen?"

Auf dem Bildschirm erscheint Jörg Vollmer, der deutsche Brigadegeneral, Kommandeur des Regionalkommandos Nord.

Die Nachricht über den Bombenabwurf in Kunduz erreichte ihn selbst erst um 7.45 Uhr, er war noch nicht im Büro, er sieht aus, an diesem Morgen, während die Nato-Offiziere in Kabul Antworten erwarten, wie einer, der seinen Laden nicht im Griff hat. Können zivile Opfer ausgeschlossen werden? Wurden die Einsatzregeln verletzt? Wurden Spuren gesichert im Zielgebiet, wurden die Folgen ordentlich analysiert?

Vollmer meldet, er sei zu keiner Zeit in dieser Nacht über die Vorgänge informiert worden. Er sagt auch: "Ich kann nicht ausschließen, dass Zivilisten betroffen sind."

Erbach, Rheingau, 4. September, morgens

Am frühen Morgen hat Franz Josef Jung einen seiner Adjutanten am Telefon. Er berichtet, dass es in der Nacht einen Luftschlag auf zwei Tanklastzüge gegeben habe. Er spricht von 56 getöteten Taliban. Die Aktion sei ein voller Erfolg gewesen. Es sei gelungen, die Tanklastzüge zu stoppen, bevor sie als fahrende Bomben verwendet werden konnten.

Jung ist glücklich über diese Nachricht. In den Wochen zuvor hatte es Drohungen gegeben, die Taliban sprachen von Anschlägen auf deutsche Soldaten, rechtzeitig vor der Wahl. Kurz darauf telefoniert Jung mit seinem Staatssekretär Peter Wichert in Berlin, so wird sich der Minister später jedenfalls erinnern. Das Ministerium, sagt Wichert, plane eine Pressemitteilung zum Luftschlag. Aus Wicherts Umfeld wird dagegen verlauten, der Staatssekretär habe mit dieser ersten Pressenotiz nichts zu tun. Das Spiel widersprüchlicher Versionen beginnt in dieser Affäre früh.

Yaqob Bai, Friedhof, 4. September, 9 Uhr

Ein Konvoi aus Taxis und Pferdewagen bricht auf zu dem grauen Hochplateau über den Baumspitzen der Siedlung. Dort, im Süden von Chahar Darreh, liegt der Friedhof von Yaqob Bai. Die Sonne wirft lange Schatten, als die Arbeiter die Gräber ausheben. Erst werden diese mit einem Tuch ausgekleidet, dann mit Holz, bevor die Leichen hineingelegt werden. Oft ist es nur ein Arm oder ein Bein, viele wissen gar nicht, wen oder was sie bestatten. Sind es wirklich die eigenen Söhne, das, was von den Kindern übrig blieb?

Sie sprechen ihre Gebete und fahren zurück ins Dorf, das nicht mehr ist, wie es war. Es ist viel stiller in Yaqob Bai. Keine Volleyballspieler mehr auf dem Dorfplatz, kein Salam, der seine nervösen Scherze macht über die Frau seines Bruders Gafur, kein Bashir, der auf dem Feld den Traktor bewegt. 35 Menschen aus Yaqob Bai sind gestorben, jeder sechste Mann, acht von ihnen, heißt es im Dorf, waren Taliban, Abdul Waheed Omarkhel, der ortskundige Distriktchef von Chahar Darreh, kann sie namentlich aufzählen: Anwaruddin, Sohn des Aktar Mohammed, Daoud, Sohn des Imbrahim, Rahmatullah, Sohn des Abdul Dajan, Abdul Latif, Sohn des Mohammed Nader, Aman, Sohn des Abdul Koduz, Amanullah, Sohn des Feroz, Nader, Sohn des Akhtar, Jan Mohammed, Sohn des Jomar Gul.

Alle anderen waren einfach junge Männer, Teenager, halbe Kinder, die Jugend des Dorfes.

Stockholm, 4. September, vormittags

Außenminister Frank-Walter Steinmeier muss wahlkämpfen, deshalb schickt er seinen Staatsminister Günter Gloser zum Treffen der europäischen Außenminister nach Stockholm. Gloser ist ein freundlicher grauer Mann mit Schnauzbart, der zu Willy Brandts Zeiten in die SPD gefunden hat, wegen der Friedenspolitik. Jetzt ist er 59 Jahre alt, Abgeordneter aus Nürnberg-Nord, und soll ein Land vertreten, das Soldaten in kriegsähnliche Situationen schickt.

Als Gloser am Konferenzgebäude vorfährt, warten die Journalisten schon. Sie warten mit Kameras und Mikrofonen auf den Vertreter aus Deutschland, die "Aasgeier", wie Gloser sie scherzhaft nennt. Der Pulk befragt ihn zu den Bomben von Kunduz, gerufene Fragen, aus dem Gerangel heraus. "Es tut mir leid, ich weiß noch nichts", stammelt Gloser, dann verschwindet er in der Sicherheit des abgeschirmten Gebäudes.

Sofort ruft er im Auswärtigen Amt in Berlin an. Wir wissen auch nichts, lautet die Antwort. Aber während der arme Gloser ahnungslos durch Stockholm tappt, fällt halb Europa über sein Land her. Einer nach dem anderen äußern sich die Außenminister vor der Presse. Das Bombardement sei "ein großer Fehler", erklärt der Franzose Bernard Kouchner, man müsse mit dem afghanischen Volk zusammenarbeiten "und es nicht bombardieren". Der Brite David Miliband verlangt eine schnelle Untersuchung, "damit sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholt". Der Schwede Carl Bildt, gerade Ratspräsident Europas, belehrt die Deutschen: "Es wäre besser gewesen, die Sache anders anzupacken."

Mit Gloser selbst redet niemand. Er bekommt gar nicht mit, wie er angefeindet wird, wie Deutschland unter Beschuss steht. Es ist, als wäre der Rest der Welt fast schadenfroh. Die Deutschen waren immer sehr stolz auf ihre Strategie in Afghanistan. Sie wollten der Welt beweisen, dass man die Afghanen nicht töten muss, dass es möglich ist, Frieden zu schaffen ohne Waffen. Und sie ließen den Rest der Welt spüren, dass ihre Strategie den anderen Strategien überlegen ist, vor allem in moralischer Hinsicht. Doch plötzlich, hier in Stockholm, klebt ihnen selbst der Tod an den Absätzen.

Kunduz, deutsches Feldlager, 4. September, 10 Uhr

Die Bundeswehr bekommt Besuch. Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, erreicht das Lager am Flughafen. Er hat Geschenke mitgebracht, einen Kelim, einen grünen Chapan-Mantel, wie ihn die Männer im Norden tragen, und einen Brief der Anerkennung. "Alle Getöteten waren Taliban", versichert Omar dem verunsicherten Oberst Klein, "Sie haben das einzig Richtige getan."

Omar ist eine schwierige Figur. Der joviale Gouverneur ist ein Chamäleon, er kann freundlich sein, er kann wüten, wer heute Freund ist, wird morgen schon als Feind bekämpft. Ein Jahr zuvor saß er mit dem damaligen Innenstaatssekretär August Hanning zusammen und versprach, eng mit den deutschen Behörden zu kooperieren. Aber der BND fing danach immer wieder Telefonate des Gouverneurs ab, die zeigten, wie eng seine Kontakte zu den Taliban waren. Manchmal konnten die deutschen Lauscher im Stundentakt verfolgen, wie Informationen, die Omar kurz zuvor erhalten hatte, bei den Aufständischen landeten. Der Gouverneur tanzt auf vielen Hochzeiten.

Berlin, Bendlerblock, 4. September, 8.30 Uhr

Jungs Ministerium stellt eine Erklärung ins Internet. Sie wird wortgleich als Pressemeldung an die Medien und an die Mitglieder des Verteidigungsausschusses verschickt, Überschrift: "Erfolgreicher Einsatz gegen Aufständische im Raum Kunduz".

Die Meldung, die folgt, strotzt von inhaltlichen Fehlern. Kapitän zur See Christian Dienst wird später vor der Presse wiederholen, dass "Unbeteiligte nach bisherigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen" seien. Im Übrigen verbitte er sich anderslautende Überlegungen, die von Journalisten "im warmen Sessel von Berlin" gemacht würden.

Geltow bei Potsdam, Einsatzführungskommando, 4. September, morgens

Das Einsatzführungskommando ist der globale Gefechtsstand der deutschen Armee. Von hier aus werden die Einsätze in aller Welt koordiniert, dieser Freitag beginnt wie ein ganz gewöhnlicher Werktag. Rainer Glatz, der Chef, leitet eine Besprechung zur vier Wochen zurückliegenden Entführung der "Hansa Stavanger". Es ist eine Sitzung Marke "Lektionen gelernt", aber Glatz wird immer wieder aus dem Raum gerufen.

Seit dem Morgengrauen treffen erste Berichte ein, noch bevor die Bundeswehr aus Kunduz die Videoaufnahmen des Bombenabwurfs nach Geltow überspielen konnte, haben sich die Amerikaner gemeldet. Glatz ahnt, dass etwas mächtig schiefgegangen ist. In Geltow gehen sie von zivilen Opfern aus.

Glatz lässt sich mit Klein und General Vollmer verbinden. Der Ton ist angespannt. Glatz ist außer sich. Es geht jetzt um die Frage, wie ein militärisches Desaster so aufbereitet werden kann, dass es nicht zu einem politischen Desaster wird. Es geht darum, zu retten, was zu retten ist.

Bad Soden, 4. September, vormittags

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, ist zu Hause bei der Familie in Bad Soden, als ihn die Nachrichten erreichen. Seine Uniform hängt auf einem Bügel im Schrank seines Arbeitszimmers. Er hat sich einen Tag frei genommen. Sein Sohn hat ihn eingeladen, einen Vortrag in der Schwedischen Handelskammer zu halten. An seinem winzigen Schreibtisch vor dem Fenster kritzelt er handschriftlich in einem Ausdruck seiner Rede herum. Er mag keine Computer.

Sein Handy klingelt, am Apparat ist Oberst Renk, sein Adjutant. Drei Minuten dauert das Telefonat. Mehr gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht zu sagen.

Schneiderhan ist kein großgewachsener Mann. ... weiter s. PDF

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Ullrich Fichtner


Ullrich Fichtner, Jahrgang 1965, ist seit 2001 Reporter beim SPIEGEL, seit 2011 mit Dienstsitz New York, zuvor Paris. Er volontierte bei der Frankenpost Hof, arbeitete während des Studiums für Regionalzeitungen und in der DDR-Wendezeit im Berliner Büro der Associated Press. In den neunziger Jahren Berlin-Korrespondent der Frankfurter Rundschau, danach ZEIT-Redakteur. Seine Reportagen wurden drei Mal mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet, zudem erhielt er den Theodor-Wolff- und drei Mal den Henri-Nannen-Preis.

Markus Feldenkirchen


Markus Feldenkirchen wurde am 1. September 1975 in Bergisch Gladbach geboren. Abitur 1995 am Albertus-Magnus Gymnasium, Bensberg. Studium der Politik- und Literaturwissenschaften sowie der Neueren Geschichte an der Universität Bonn und der New York University. Im Anschluss Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München (38. Kompaktklasse), Abschluss im Jahr 2000. Danach Parlamentskorrspondent beim Berliner Tagesspiegel. Seit 2004 schreibt er für den SPIEGEL, zunächst als Redakteur, später als stellvertretender Büroleiter und gegenwärtig als Reporter im Hauptstadtbüro. Feldenkirchen gewann den Journalistenpreis der Körber-Stiftung und den Axel-Springer-Preises für Nachwuchsjournalisten.

John Goetz



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Dokumente
Ein deutsches Verbrechen (PDF)

erschienen in:
Der Spiegel,
am 01.02.2010

 

Kommentare

Jodi, 22.01.2014, 06:17 Uhr:

This is the ideal answer. Evyorene should read this

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