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23.07.17

Wie man's macht

Cordula Meyer „Leben mit dem GAU

Nach dem Atomunglück in Fukushima mussten Tausende aus ihren Häusern fliehen. Um den Reaktor ist seither Niemandsland. Außerhalb der Sperrzone nehmen die Evakuierten innerlich Abschied von ihrer alten Heimat.

Er ist heimlich gekommen, in der Abenddämmerung, um noch ein letztes Mal das Haus zu sehen, in dem seine Familie über Generationen wohnte. Tsuneyasu Satoh liebt die Trennwände aus Reispapier, den Holzboden, über den schon seine Vorväter schritten. Aber jetzt ist es vorbei, für immer.

Satoh trägt eine Baseballmütze und eine Brille mit schwarzem Rand, als wollte er sein starres Gesicht verbergen. Es muss nun alles ganz schnell gehen. Vieles werden sie hierlassen müssen in ihrem alten Haus. Die gerahmten Kalligrafien von Satohs Vater zum Beispiel, die Auszeichnungen für die Tochter, die im Nationalkader Tischtennis spielte. Satoh stapelt Decken aufeinander, verpackt den Fernseher. Seine Frau Sayoko sucht aus den Schränken das Wichtigste zusammen: Dokumente, Bettwäsche, den guten Reiskocher. Alles, was ihnen wichtig ist.

Mitte März mussten die Satohs aus ihrer Heimatstadt, dem alten Odaka, fliehen; nichts konnten sie damals mitnehmen. Busse der Regierung und Soldaten waren gekommen, um sie abzuholen. Das Haus der Satohs hatte viele hundert Jahre überlebt, es hatte auch das Erdbeben überstanden und den Tsunami. Aber nachdem nur 16 Kilometer entfernt das Gebäude des Reaktors Fukushima Daiichi 1 in die Luft geflogen war, mussten die Satohs es verlassen. Nun, vier Wochen nach der Evakuierung, sind sie heimlich in die 20-Kilometer-Sperrzone zurückgekehrt, um ihren Nissan-Van vollzupacken.

Bis zur Katastrophe lebten 13 400 Menschen in Odaka; heute ist es in der Geisterstadt so still, dass man den Flügelschlag der Krähen hört. Als letztes Lebenszeichen des ausgestorbenen Ortes blinken die Ampeln entlang der Hauptstraße. Wie Lichtorgeln einer Party, die längst vorbei ist, wechseln sie weiter von Grün zu Gelb zu Rot zu Grün.

Wie den Satohs geht es Zehntausenden Japanern aus der Gefahrenzone rund um den Katastrophenreaktor. Viele mussten Hals über Kopf alles aufgeben, was ihnen lieb und wichtig war. Andere durften bleiben, sollen aber nun nicht mehr ihre Häuser verlassen.

Der Bannkreis um Fukushima ist eine Art Vermächtnis einer unbeherrschbaren Technik. Die energiehungrige Wirtschaftsnation Japan setzte auf den Traum von der unerschöpflichen Energie, die Menschen vor Ort stehen nun mit den schmutzigen Folgen weitgehend allein da.

Odakas dunkelbraune Holzhäuser sind dicht an dicht gebaut, manche lehnen sich jetzt aneinander. Einige stürzten ein, als die Erde bebte, bei vielen sind die Wände einfach zerbröselt. Vor dem Supermarkt gegenüber stehen noch die Kohlpflanzen und Topfblumen. Manche Bewohner haben die Rollläden heruntergelassen, bevor sie flohen, die meisten haben einfach nur die Haustüren abgeschlossen. An einer Kreuzung liegt ein schwarzer Damenschuh auf der Straße. Vor dem Bahnhof am Ende der Hauptstraße parkt ein verlassenes Taxi, durch ein zerbrochenes Fenster der Bahnhofstür weht eine rosa Gardine nach draußen.

Das Bauarbeiterheim am Steilufer hinter der leeren Küstenstadt sieht aus, als wären die Arbeiter gerade erst auf Schicht gegangen. Auf jedem Tisch der Cafeteria stehen Sojasauce, Essstäbchen, Salz und Pfeffer ordentlich nebeneinander. An der Wand lehnt ein Mopp. Die Uhr über der Mikrowelle ist stehengeblieben - genau in dem Moment, als der Tsunami die Stromleitungen mit sich riss. Seine Ausläufer erreichten auch Odaka. Die Stadtviertel am Meer gehörten einst zu den schönsten der Präfektur Fukushima; jetzt ist da nur noch eine Schlammlandschaft, voller Bretter und zerstörter Autos, die das Wasser zu unentwirrbaren Haufen zusammengeschoben hat.

Plötzlich ist das Geräusch eines Motors zu hören. In dem olivgrünen Geländewagen der Armee sitzen Soldaten, die wie Astronauten von einem kalten, fernen Planeten aussehen. Sie tragen Atemmasken und weiße Schutzoveralls. Sie sollen mit Hilfe von Sonden in den Schlammfeldern herumstochern, um die Leichen jener Menschen aufzuspüren, die starben, als der Tsunami Teile von Odaka an der Küste wegriss. Anfangs wagten sie sich nicht in die verstrahlten Orte. Doch die Radioaktivität ist mittlerweile gesunken, das Risiko, die Sperrzone vorübergehend zu betreten, vertretbar.

Überall streunen herrenlose Hunde umher. Sie sind scheu, als müssten sie sich erst wieder an die Anwesenheit von Menschen gewöhnen. Sie haben Hunger.

Die Satohs sind nicht die Einzigen, die sich in die Sperrzone zurückwagen. Der Pferdezüchter Shinjiro Tanaka verlässt immer wieder die Notunterkunft, in der er mit Frau und Töchtern lebt, um sich ins Sperrgebiet zu schleichen und seinen Tieren etwas zu fressen zu geben.

"Es bricht mir das Herz, sie verhungern zu sehen", sagt Tanaka und zeigt auf seinen Stall. Neben den noch lebenden Rassetieren liegen bereits vier tote. Beim landesweit berühmten Reiterwettbewerb in Samurairüstungen zählten Tanakas Pferde zu den Attraktionen. Nun sind die Tiere abgemagert bis auf die Rippen. Lieferanten weigern sich, Futter ins Sperrgebiet zu bringen. Weder die toten noch die lebenden Pferde dürfen weggeschafft werden.

Odaka, Namie, Futaba, Tomioka: Insgesamt neun Orte im 20-Kilometer-Umkreis des Reaktors mussten aufgegeben werden. Zehntausende Menschen wurden fortgeschafft und hausen in Notunterkünften außerhalb der Gefahrenzone. Manche haben sich schon weit entfernt Wohnungen gemietet. Keiner weiß, wann wieder Menschen in der Sperrzone leben können.

Die Strahlenbelastung ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Odaka liegt 16 Kilometer nordwestlich des havarierten Reaktors. In dieser Gegend wurden vorige Woche Strahlenwerte um ein Mikrosievert pro Stunde gemessen. Wer sich dort ein Jahr aufhalten würde, erhielte eine Strahlendosis, die einem Computertomogramm der Brust entspricht. In anderen Orten, näher am Reaktor, wurden höhere Werte gemessen.

Tsuneyasu Satoh hat sich die Messdaten genau angeschaut, bevor er sich zu seinem Haus zurückwagte. "Es ist sicher hier", sagt er. Seine Frau trägt eine Atemmaske. Satoh besitzt ein Strahlenmessgerät; er hat im Atomkraftwerk gearbeitet.

Satoh besaß eine eigene kleine Firma mit zehn Angestellten. Sie arbeiteten für den Stromriesen Tepco, der das Werk in Fukushima betreibt. Satoh bediente einen Kran und half, im Fukushima-Reaktor die Brennelemente auszuwechseln. Er lebte von dem Atomkraftwerk, doch nun ist er einer der Ersten, die ihr Haus endgültig aufgeben wollen.

"Die haben doch überhaupt nichts im Griff", sagt er über die Reaktorfirma Tepco: "Es wird noch so viel radioaktives Zeug rauskommen, dass man in zwei Jahren hier wirklich nicht mehr leben kann."

Erst wenn die Reaktoren mit Beton versiegelt sind, so Satoh, könnten die Menschen sich wieder sicher fühlen hier. Er hat mit Nachbarn und Bekannten gesprochen, die auch aus der Sperrzone fliehen mussten. "Die glauben, sie können nach ein paar Monaten zurück", sagt er und schüttelt den Kopf. Satoh und seine Frau wollen nun nach Tokio ziehen, in eine kleine Mietwohnung. Ihre Tochter studiert dort Sport.

Seine Frau Sayoko sieht müde aus, älter als ihre 53 Jahre. Sie hat in ihrem Klapphandy ein Tagebuch der Flucht geführt. Als die Beamten ihnen vor vier Wochen erklärten, sie müssten ihre Heimat verlassen, waren sie mit dem Van nur bis ins nächste Dorf gekommen; dann war ihr Tank leer, und neues Benzin gab es nicht. Erst schliefen sie bei Freunden, per Bus reisten sie dann weiter bis nach Tokio. Allmählich reifte der Entschluss, ihr Haus in Odaka endgültig aufzugeben.

Emiko Morikawa ist noch nicht so weit, aber die Wochen in den Notunterkünften haben auch sie zermürbt. Die 45-Jährige sitzt mit ihrer 18-jährigen Tochter und der 82 Jahre alten Mutter auf dem Boden einer Turnhalle in Minamisoma, der größten Stadt, die knapp außerhalb des Sperrgebiets liegt. Sie schlafen auf Matten und Decken.

Vor dem Reaktorunglück war Morikawa Bibliothekarin in Namie, einem Ort, der sich nur rund zehn Kilometer vom Kraftwerk entfernt befindet. Am 12. März nachmittags kamen Soldaten in Strahlenschutzanzügen und mit Atemmasken, um sie mitzunehmen. "Wir haben Panik bekommen, als wir die gesehen haben", sagt sie. Viele Einwohner aus Namie fuhren mit dem eigenen Auto davon. Die Soldaten hatten ihnen vier, fünf Stunden Zeit gegeben, zu packen, bevor sie mit dem Bus abgeholt werden sollten. "Ich habe nicht im Kopf gehabt, dass wir nie wieder kommen", sagt Morikawa. "Ich habe nur das Haus aufgeräumt."

Seit jenem Tag warten sie darauf, dass die Sperrzone wieder aufgehoben wird. Morikawas betagte Mutter, die auf Decken hockt, lobt das Essen, die netten Leute und sagt, sie sei für alle Hilfe dankbar. Trotzdem habe sie nur einen Gedanken: "Ich will zurück nach Hause."

In der Turnhalle erklingt ein Gong: Essensausgabe. Es gibt Curry mit Schweinefleisch, fast 100 Menschen stehen an, darunter zarte Damen über 80 und gebrechliche Männer mit Gehstöcken. Keiner drängelt.

Emiko Morikawa ahnt, dass der Abschied von ihrer Heimatstadt von Dauer sein könnte. Vielleicht wird sie nach Iwaki ziehen, südlich der Sperrzone, dort lebt ihre Tochter. Sie hält nichts davon zu jammern. "Das würde nur die Leute stören, denen es auch nicht besser geht", sagt sie. Im Bauch aber habe sie "viel, viel Wut". Vor allem auf Tepco, weil der Konzern die Krise auch nach einem Monat nicht in den Griff bekommt. Morikawa braucht Geld für einen Neuanfang. Aber weil ihr Haus noch intakt ist, bekommt sie keine Entschädigung: "Wenn das Haus durch den Tsunami zerstört worden wäre, fiele es mir leichter, von vorn anzufangen." Ein Arzt hat der Bibliothekarin Beruhigungstabletten verschrieben.

Minamisoma war berühmt für seine historischen Reiterfestspiele, die ganze Gegend bekannt für die schöne Natur, Bergdörfer und die raue Küste. Das ist lange her. Im dritten Stock des Rathauses hat die Stadt nun ein Katastrophenzentrum eingerichtet. Mitarbeiter Abe Sadayasu trägt wie alle im Krisenstab einen Overall. Er verliest die örtliche Katastrophenstatistik: 378 Tote beim Tsunami, 1096 Vermisste, 1800 kaputte Häuser. Von den 71 000 Menschen, die normalerweise in Minamisoma leben, sind 50 000 geflohen.

Ein paar Tage lang gab es in Minamisoma kein Benzin, wenig Wasser und kaum genug zu essen. Inzwischen haben ein paar Supermärkte, Tankstellen und ein Hotel wieder geöffnet. Banken und Post sind noch geschlossen. Die Stadt liegt knapp außerhalb des Sperrgebiets in der 30-Kilometer-Zone. Auch dort empfiehlt die Regierung, das Haus nicht zu verlassen. Nicht einmal Lastwagenfahrer wollten Minamisoma noch ansteuern.

Viele Menschen sind in weiter entfernte Gegenden geflohen, in denen die Radioaktivität teilweise sogar höher ist als in Minamisoma - was mit der Richtung des Windes zusammenhängt, der das radioaktive Material verbreitet hat. Beide Krankenhäuser sind geschlossen. Aber einige Ärzte haben ihre Praxen wieder aufgemacht. Das Militär versorgt die Bürger mit Nahrung und Medizin.

Minamisoma ist keine Geisterstadt, wie es sie in der Sperrzone gibt; dennoch wirkt sie vielerorts wie ausgestorben. Auf den Straßen sind keine Kinder zu sehen. In den meisten Läden sind die Jalousien heruntergelassen. Die Behörden haben empfohlen, nur mit dem Auto zu fahren, Jacken und Gesichtsmasken zu tragen und sich bei Regen nicht im Freien aufzuhalten.

Abe Sadayasu und seine Kollegen aus dem Krisenstab im Rathaus tragen hellgraue Dosimeter an einem Clip in der Hemdtasche, wie es weitergehen soll wissen aber auch sie nicht. "Es gibt keine Informationen, weder von der Regierung noch von Tepco."

Bürgermeister Katsunobu Sakurai, ein glatzköpfiger Mittfünfziger mit großer Brille und freundlichem Lächeln, hat in der Sperrzone gewohnt; nun ist er ins Rathaus gezogen. Er glaubt, dass die Sperrzone für Minamisoma ein größeres Problem darstellt als die Strahlung selbst. "Sie verhindert den Wiederaufbau. Die Bürger haben kein Verständnis dafür, weil es keinen inhaltlichen Grund gibt."

Viele beklagen sich über die Anordnung im Haus zu bleiben. Die Radioaktivitätswerte in Minamisoma sind nach offiziellen Messungen niedrig, um die 0,7 Mikrosievert pro Stunde. Zwar geben Tepco, das Wissenschaftsministerium, die Polizei, die IAEA und andere Behörden jeden Tag neue Strahlenmessungen bekannt - doch was diese bedeuten und wie gefährlich die Radioaktivität wirklich ist, das erklären sie den Bürgern nicht ausreichend.

Den meisten Menschen geht es damit so wie der 19-jährigen Näherin Sayaka Kurihara, die unten im Amt ein Formular wegen ihres vom Tsunami zerstörten Hauses ausfüllt. "Ich habe irgendwie Angst, aber die Informationen sind alle so technisch, dass ich nicht verstehe, was damit gemeint ist."

Zum Leben mit dem GAU gehören die täglichen Mikrosievert-Messungen, die wie Wettermeldungen veröffentlicht werden, ebenso die täglich aktualisierten Listen, auf denen steht, welche Geschäfte heute geöffnet haben. Ausgerechnet der Beauty Salon von Midori Takano war der erste Laden, der wieder aufmachte. Auch Takano war zunächst für eine Woche geflohen. Dann kam sie zurück. Ihr Sohn sollte zur Arbeit, und sie wollte ihr Haus in Ordnung bringen: "Es muss ja irgendwie weitergehen."

Takanos Kundin, eine Chemikerin, nickt. Sie hat sich zum ersten Mal nach drei Wochen heute wieder aus dem Haus getraut. Am Wochenende will sie Freunde einladen und vorher noch eine schöne Frisur; ein zaghafter Versuch, trotz der Strahlung ein normales Leben zu führen. "Diese Haltung ist für mich schon ein großer Schritt", sagt Keiko Iwanami. Sie hat akzeptiert, nun mit dem GAU leben zu müssen. Vorher habe sie zu Hause gesessen und gedacht: "Es gibt keine Zukunft - aber so kann man nicht leben. Ich muss weitermachen."

Friseurin Takano sagt, dass sich die Gespräche immer nur um die radioaktive Gefahr drehen. "Immer wieder sprechen wir davon, ob wir unsere Häuser verlassen müssen, vielleicht für immer." Die Eltern der Friseurin starben an Krebs, auch sie fürchtet sich nun davor. "Selbst das Gemüse ist verseucht." Vergangene Woche fanden Greenpeace-Teams in den Gemüsegärten von Minamisoma Spinat und Kohl mit Belastungen deutlich über den Grenzwerten.

25 Kilometer vom Kraftwerk entfernt pflanzt Landwirt Shuichi Suzuki in seinem Garten derweil Kartoffeln an. Vier Generationen wohnen hier unter einem Dach, und die Suzukis sind die letzten aus dem Dorf, die geblieben sind. Das Haus steht auf einer Anhöhe. Trotzdem hat der Tsunami einen Getränkeautomaten bis in den Gemüsegarten der Familie gespült.

"Alle Nachbarn sind zur Turnhalle geflüchtet", sagt Suzuki. Er trägt schwarze Gummistiefel und reibt seine schwieligen Hände, wenn er spricht. Seine Frau steckt mit einem Band die Pflanzreihe ab und legt dann die Kartoffeln aus einer Holzkiste in die Erde. "Die Radioaktivität ist schlimm, aber der Stress ist schlimmer", sagt Suzuki. Er wolle seine alten Eltern nicht in einer Turnhalle vegetieren lassen.

"Natürlich haben wir alle Angst bekommen, vor allem als alle Nachbarn weg und wir wirklich die Letzten hier waren." Bei Kerzenlicht tagte der Familienrat und entschied: Wir bleiben. Trotz der Angst wollten sie nicht weg - und den Hofhund konnten sie ja auch nicht im Stich lassen. Trotzig, wie jedes Jahr, pflanzen sie nun ihre Kartoffeln. Irgendeiner vom Amt hat angekündigt, die Strahlung im Boden zu messen. Der Behördenvertreter ist aber noch nicht da gewesen, und länger warten können und wollen die Suzukis nicht mehr.

Noch ist nicht klar, ob die Evakuierungszone über die bisherigen 20 Kilometer ausgedehnt wird und dann auch die Suzukis fortgehen müssen. Immerhin will die Regierung nun den Bewohnern der Sperrzone erlauben, in Begleitung von Polizei und Armee zurückzukehren, um persönliche Dinge zu holen.

Tsuneyasu Satoh hat diesen letzten Gang bereits hinter sich und verlässt das Haus, in dem er aufwuchs und in dem er seine vier Kinder großgezogen hat. "Heute ist mein letzter Tag hier."

Im Wohnzimmer steht noch sein Klavier, er wird es zurücklassen müssen. "Es nützt ja nichts, sentimental zu sein", sagt er. "Aber hier war ich sehr glücklich, mein ganzes Leben lang. Hier war ich so stolz, als meine Tochter Nationalspielerin geworden ist."

Satoh packt die letzten Stapel Handtücher ein. Sorgfältig befestigt er noch ein paar Kisten oben am Dachgepäckträger. Dann biegt er mit dem Nissan-Bus auf die Hauptstraße ein mit ihren einsam blinkenden Ampeln und den Straßenlampen, die aussehen wie weiß-grüne Papierlaternen.

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Cordula Meyer


Cordula Meyer studierte Politik und Kommunikation an der University of Arizona in Tucson und schloss 1996 mit dem M.A. ab. Nach einem Volontariat bei der Hamburger Morgenpost kam sie 1999 zum SPIEGEL. Im Ressort Deutschland II schrieb sie vor allem über Terrorismus, Islamismus und Integration. Von 2007 bis 2009 war sie Washington-Korrespondentin des SPIEGEL und berichtete über den US-Wahlkampf. Seit dem Herbst 2009 ist sie Wissenschaftsredakteurin des SPIEGEL, einer ihrer Schwerpunkte ist Kerntechnik. Seit dem Unfall in Fukushima hat sie mehrfach aus den verstrahlten Gebieten in Japan berichtet.
Dokumente
Leben mit dem GAU (PDF)

erschienen in:
Der Spiegel,
am 11.04.2011

 

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