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27.05.17

Wie man's macht

Dirk Kurbjuweit „Ministerin für Cello und Chopper

Wer Bildungsministerin Annette Schavan begleitet, erlebt eine intelligente, interessante Frau. Gleichwohl gilt sie als Deutschlands fadeste Politikerin, weshalb sich die Frage stellt: Wie viel Langeweile verträgt die Demokratie?

Als Annette Schavan auf den Chopper zugeht, wirkt sie gefasst und entschlossen. Der Chopper sieht so aus, wie ein Chopper aussehen muss, lange Vorderradgabel, breiter Lenker, tiefer Sitz, die Farbe ist weiß. Schavan trägt eine schwarze Hose, ein rotes Jackett und hohe Schuhe. Sie schwingt ein Bein über den Sitz, lässt sich nieder und hat ein paar Probleme, die Schuhe auf den Rasten unterzubringen.

Die Fotografen rufen, sie solle nach rechts blinken. Sie sucht den Schalter für den Blinker, und weil sie ihn nicht sofort findet, schimmert Unbehagen in ihrem Gesicht. Sie findet den Blinker, der Chopper blinkt nach rechts. Sie soll lächeln, und sie lächelt. Annette Schavan sitzt auf einem Chopper, aber sie sitzt da anders als Peter Fonda in "Easy Rider". Das Bild wächst nicht zusammen, oben lächelt die Bundesministerin für Bildung und Forschung, die wie immer einen braven Seitenscheitel trägt, unten duckt sich das Motorrad, das zum Symbol für Wildheit und Aufbruch geworden ist. Es gibt nur den Zusammenhang, dass der Chopper einen Elektromotor hat, also ein forschungsintensiver Chopper ist. Siemens wirbt damit im Rahmen eines Kongresses für umweltbewusste Jugendliche im August in Berlin.

Schavan steigt ab, erleichtert wirken jetzt beide, die Ministerin und das Motorrad. Die Deutsche Presse-Agentur schickt das Foto an die Redaktionen, aber kaum einer druckt es. Auch ein Chopper ändert nichts an Schavans Image. Sie gilt weiterhin als Deutschlands langweiligste Politikerin.

Das schleppt sie mit sich rum. Wenn man sagt, dass man sich für ein paar Monate mit Annette Schavan befassen will, schlägt einem Mitleid entgegen. Die sei doch so blass, so fade, zum Gähnen. Das ist also das Thema dieser Geschichte: Politik und Langeweile. Anders gesagt: Wie viel Langeweile verträgt die Demokratie?

Annette Schavan, 55, stellvertretende Parteivorsitzende der CDU, gilt als friedliche, sachorientierte und hochintelligente Politikerin. Das Paradox ist, dass sich viele Bürger genau das wünschen: eine Politik ohne Aggressionen, ohne Show und mit Intellekt, also Intelligenz plus Bildung. Aber in den Umfragen schafft es Schavan nie auf hohe Beliebtheitswerte. Nur 28 Prozent der Deutschen wünschen sich, dass sie eine wichtige Rolle spielt. 42 Prozent wollen das nicht, 27 Prozent ist sie unbekannt. Es sieht fast aus, als würde hier das Modell für eine bessere Politik verkannt.

Es ist Mitte August, Annette Schavan besucht das Klinikum in Garmisch-Partenkirchen. In einem Konferenzraum berichten leitende Ärzte über ihre Arbeit, es geht um kaputte Hüften, kaputte Knie, auf den Brötchen schwitzt die Wurst. Schavan hört engagiert zu, neben ihr döst Alexander Dobrindt, Abgeordneter dieses Wahlkreises im Bundestag und Generalsekretär der CSU.

Der Arzt sagt, sie machten hier auch "aggressive Interventionen bei Komplikationen". Schavan nickt, Dobrindt wacht auf. "Das könnte mein Leitspruch sein", ruft er fröhlich, Schavan lacht. Dobrindt wiederholt die Worte, "aggressive Interventionen bei Komplikationen" und schaut dabei aus, als würde er an einer Mozartkugel schmecken. Zu köstlich.

Von Alexander Dobrindt stammt der Spruch, der Koalitionspartner FDP sei eine "gesundheitspolitische Gurkentruppe". Er ist der Mann für aggressive Interventionen in der Politik und damit das Gegenteil von Annette Schavan. Anders als sie findet er reichlich Gehör, "Gurkentruppe" zählt zu den meistzitierten Wörtern in diesem Jahr. Kann sich jemand an ein Wort oder einen Satz von Schavan erinnern?

Politik ist auch ein Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt, wer Parteifreunde oder Koalitionspartner angreift. Schavan macht da nicht mit. Bei vielen Gesprächen über den Zustand der Koalition in den vergangenen Monaten hat sie nicht einmal gelästert oder gehetzt. Sie war immer sachlich, loyal, konstruktiv. Aber sie hat auch nie die Opposition angegriffen, die Industrie oder den Forschungsbetrieb. Die Demokratie braucht solche Attacken, damit Positionen deutlich werden und eine Debatte beginnen kann.

Mitte Oktober sitzt sie im Restaurant Boccaccio in Ulm, wo sie ihren Wahlkreis hat. "Mein Aggressivitäts- und mein Konkurrenzgen sind unterentwickelt", sagt sie. Annette Schavan hat ein weiches, freundliches Gesicht, in dem sich keine Kanten, keine Brüche zeigen, ein Gesicht wie eine ewige Schlichtung, alles ist mit allem versöhnt, abgerundet und auf eine Friedensbotschaft konzentriert: Ich tue dir nichts.

Gleichwohl redet Schavan bei diesem Mittagessen oft von Streit. Sie sagt dann: "Darüber müssen wir streiten." Oder: "Da müssen wir in der Sache streiten." Was sie meint, ist der akademische Streit, das schöne, kluge Florettfechten mit Worten, nicht die aggressive Intervention. Das klingt alles wunderbar, und das Wort "Gurkentruppe" ist tatsächlich eines der verzichtbarsten in diesem Jahr gewesen. Aber so wie Dobrindt in diese Richtung übertreibt, übertreibt Schavan in die andere.

Ende April redet sie in Nordrhein-Westfalen, Zeit des Wahlkampfs, Zeit der Attacke. Sie spricht im Schulzentrum in Haan, hundert Leute kommen, der Saal ist halbvoll. Kalte Betonarchitektur, Tüten mit Gummibärchen auf den Stühlen. Schavan hält eine ordentliche Rede, der wuchtigste Satz ist: "Ich wünsche mir, dass wieder mehr Begeisterung für Bildungspolitik aufkommt." Als sie fertig ist, meldet sich ein Mann und fährt den Moderator an, er solle Schavan nicht mit Frau Doktor anreden, sondern mit Frau Professor. Das ist der aggressivste Akt des Abends. Hätte Schavan nicht selbst erwähnt, dass bald eine Landtagswahl ansteht, hätte man nichts gemerkt. Wären alle Politiker so, geriete die Politik bald in Vergessenheit.

Garmisch-Partenkirchen, Mitte August, der Tross mit Dobrindt und Schavan hat das Krankenhaus verlassen und wartet auf die Seilbahn, die zur Zugspitze fährt. Dobrindt telefoniert ungeduldig einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur hinterher, Schavan erzählt von den Büchern, die sie jüngst gelesen hat.

Oben weht ein kalter Wind, auf den Felsen liegt Schnee, es sind minus ein Grad. Der Sommer ist hier, auf knapp 3000 Metern, erfroren. Annette Schavan zieht einen schwarzen Schneeanzug an, wird in ein Klettergeschirr geschnallt und dann mit einem Polizisten zu einer Seilschaft vereinigt. So soll sie zum Gipfelkreuz aufsteigen. Das sind rund 15 Me-ter Höhenunterschied, es gibt Treppen. Dobrindt, der nicht angeseilt ist, geht voraus. Er grinst breit und kräht, gleich werde er der Bundeskanzlerin eine SMS schicken: Die Ministerin Schavan gehöre jetzt zur Seilschaft der CSU. Er wird das an diesem Nachmittag dreimal sagen.

Schavan kommt nur langsam voran, von vorn hilft Dobrindt mit ausgestreckter Hand, von hinten sichert der Polizist. Die Fotografen sind, zum Teil auf Sommerschuhen, schon zum Gipfelkreuz vorausgeeilt.

Man fragt sich, wie schon beim Chopper, warum macht Annette Schavan das? Warum beteiligt sie sich an einer Inszenierung, bei der sie nicht gut aussehen kann?

Das Foto, das am vergoldeten Gipfelkreuz entsteht, schafft es auf die Titelseite vom "Pfälzischen Merkur", der seit 1713 in der Saarpfalz erscheint. Dobrindt steht vor Schavan, beide lächeln, der Polizist ist seltsamerweise nicht zu sehen. "Politiker als Gipfelstürmer" steht über dem Foto, das den Eindruck erweckt, als seien die beiden die knapp 3000 Meter bis zum Gipfelkreuz geklettert. Das Ganze ist eine plumpe Inszenierung von Mut und Tatkraft, Gipfelsturm ohne Berg.

Schavan gefällt das Motiv so gut, dass sie ein Foto in ihr Buch "Gott ist größer, als wir glauben" aufnimmt, mit Polizist. Im Laufe dieser Recherche hat sich gezeigt, dass die Eingangsthese, Schavan mache Politik ohne Show, nicht stimmt. Sie hockt sich auf einen Chopper, sie kraxelt zu einem Gipfelkreuz, und ihr ehemaliger Sprecher Elmar König erzählt, dass sie sich in einen umweltfreundlichen Smart gesetzt hat, um in die "Tagesschau" zu kommen. Das Rennen machte allerdings Sigmar Gabriel von der SPD, der auch in dem Smart eine Runde gedreht hat und als umfangreicher Mensch in einem winzigen Auto die besseren Bilder lieferte.

Politik ist nicht nur der Wettkampf um die aggressivsten Wörter, sondern auch der Wettkampf um die auffälligsten Bilder. Schavan mischt hier mit, sie macht Politik mit Show, aber die Show ist schlecht, weil sie nicht zu ihr passt.

Nach dem "Gipfelsturm" sitzt sie in der Hütte neben dem immer noch feixenden Dobrindt, löffelt eine Suppe und kippt einen Schnaps. Es herrscht eine wohlige Stimmung, wie sie sich nur nach winterlichen Anstrengungen einstellt, wenn man Kälte ausgehalten und Ängste überwunden hat. Schavan erzählt so begeistert von ihrem Abenteuer, dass sie authentisch wirkt dabei. Aus der Show wird echtes Leben. Sie hat diesen Aufstieg als gefährlich und anstrengend empfunden.

Authentizität ist eine hochgehandelte Kategorie in der Politik, jedenfalls theoretisch. Schavan hat viel davon, sie spielt nicht dauernd Rollen, fast immer wirkt sie wie der ruhige, besonnene Mensch, der sie eben ist, ein Mensch, der nichts Wildes in seiner Biografie herzeigen kann. Gute Schülerin, Studentin der Erziehungswissenschaft, der Philosophie und der katholischen Theologie, Leiterin der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk, von 1995 bis 2005 Kultusministerin in Baden-Württemberg, seitdem Forschungsministerin im Bund.

Ein solches Leben, ein solches Sein mündet in der Politik in die Adjektive: öde, langweilig, fade, blass. Nichts ist aufregend, nichts hat Unterhaltungswert. Und Unterhaltungswert zählt dann doch mehr als Authentizität.

Es macht etwas mit einem Menschen, wenn er ständig diese Adjektive hört und liest, wenn Bekanntheit und Beliebtheit mäßig sind. Bei Annette Schavan führt es dazu, dass sie sich manchmal als Scheinwilde gibt, auf dem Chopper, auf dem Gipfel. Sie selbst sagt dazu: "Ich sehe kein Problem darin, ich kann mir das leisten."

Politik kommt in der Mediengesellschaft nicht ohne Show aus. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit kann sie nicht nur Bilder von grauen Anzügen und Kostümen in trostlos-kühlen Büros liefern. Das wäre zu viel der Langeweile. Die Inszenierung, die Show hat eine demokratieerhaltende Funktion, weil sie Aufmerksamkeit für die Politik schafft.

Die gute Show nimmt auf, was da ist, und macht es interessanter. Die schlechte Show hat keinen Anknüpfungspunkt bei dem Menschen, den sie inszeniert, und wirkt daher leicht albern. Mit ihren seltsamen Auftritten hintertreibt Schavan ihr eigenes Projekt der ernsthaften, sachorientierten Politik.

Am 4. Juni schleicht Annette Schavan auf Zehenspitzen an das Pult in der Kapelle des Franziskanerinnen-Klosters in Schwäbisch Gmünd. Sie sagt, dass sie jetzt Psalmen vorlesen werde. Neben ihr sitzt ein Cellist, er spielt, sobald Schavan schweigt. Sie verständigen sich mit Blicken und sind selbst ergriffen von der Feierlichkeit der Musik und der Worte. Es ist eine gute Show, sie passt perfekt zu Schavan.

Julius Berger spielt ein Cello von Andrea Amati aus dem Jahr 1566, es ist das vermutlich älteste Cello der Welt. Nur ein wirklich guter Musiker kommt an ein solches Instrument. Als er 1996 auf dem katholischen Kongress in Hildesheim gespielt hatte, sprach ihn eine Frau an und sagte, wie sehr sie seine Musik bewegt habe. "Ich wusste nicht, wer das ist", erzählt Berger. Die Frau stellte sich als Annette Schavan vor. Beide waren ein bisschen verlegen, Schavan fragte, ob sie ihm beim Tragen des Cellos helfen könne. Er lehnte höflich ab. Sie wurden Freunde.

Zu ihren gemeinsamen Auftritten sagt Berger: "Die Vorleserin muss in den Nachklang des Cellos hineinlauschen, und dann kommt die Sprache. Es kann nur in einem bestimmten Moment losgehen, Annette findet ihn."

Wenn man sich viel mit Politik beschäftigt, hört man nicht oft Sätze wie diese, man trifft eigentlich auch nicht auf Menschen wie Julius Berger, der sein Verhält- nis zu Schavan mit einem Satz der Kaiserin von Japan beschreibt. Sie, die Berger gern für sich spielen lässt, sagte ihm: "Julius, gute Gedanken halten die Welt zusammen, und gute Gedanken sind wie Gebete." So sei das auch mit ihm und Annette Schavan. Er sehe sie nicht oft, aber gedanklich seien sie viel beieinander.

Schavan ist eine Politikerin aus einer anderen Welt als die allermeisten der Wähler. Sie ist wahrscheinlich die einzige Bundesministerin, die einen Bücherstapel auf der hinteren Mittelkonsole ihres Dienstwagens hat. Im Oktober lagen dort Bücher von David Grossman, von Tom Segev, von Hanns-Josef Ortheil sowie "Johann Wanners beste Weihnachtsrezepte". Aber nützt ihr Belesenheit als Ministerin? Oder ist Intellekt ein Problem in der Politik? Eigentlich müsste doch der Wettbewerb um Gedanken der edelste Wettbewerb der Politik sein.

Ein Paradox der Annette Schavan ist, dass man sich mit der Frau, die als Deutschlands langweiligste Politikerin gilt, nicht eine Sekunde langweilt. Sie hat ein breites Spektrum, sie hat Tiefe, sie hat Wissen.

Als es beim Gespräch im Boccaccio in Ulm um die Integrationsdebatte geht, sagt sie, "muslimische Gelehrte haben uns die griechischen Philosophen übersetzt", nun gehe es um "die Inkulturation des Islam in Europa". Schavan führt den politischen Diskurs häufig mit einem feuilletonistischen Einschlag. Das macht jener Minderheit Spaß, die einen Sinn dafür hat, die anderen schalten ab, langweilen sich oder sind verärgert, weil die Ministerin so "abgehoben daherquatscht", wie sie vielleicht sagen würden.

Das wirft die Frage auf, für wen Politik gemacht wird. Für alle, kann die Antwort in einer Demokratie nur lauten. Muss sie sich deshalb nivellieren, simplifizieren, damit alle folgen können?
Der italienische Intellektuelle Sergio Benvenuto hat in der Zeitschrift "Lettre International" geklagt, die Politik seines Landes werde vor allem für die "Sportbar" gemacht, für grimmige Männer, die über Schwule und Frauen als Huren lästern. "Die Leute", schreibt Benvenuto, "wollen Leute an der Regierung, die ,so reden wie ich'". Diese Leute wollen "Politiker, die die gleichen Dummheiten, Klischees und Gemeinplätze verbreiten, die sie gewöhnlich selbst von sich geben".

Annette Schavan macht sicher nicht Politik für die Sportbar. Sie ist das andere Extrem. Sie kommuniziert Politik oft so, dass sich nur Eliten angesprochen fühlen können. Aber ohne Massen gibt es keine Demokratie. Für Politiker heißt das: komplex denken, einfach reden.

Zu Stuttgart 21 fällt Schavan im Boccaccio ein, dass der Jakobsweg durch Baden-Württemberg führe, und schon früher hätten "die Menschen große Anstrengungen unternommen, um diese Wege zu gehen". Gemeint ist, dass auch die heutigen Stuttgarter für neue Wege einige Lasten auf sich nehmen sollten. Man könnte auch sagen: Stellt euch nicht so an. Manchmal braucht sie einen Übersetzer, aber die gibt es nur in der Außenpolitik.

Was kommt raus, wenn jemand Politik macht wie Annette Schavan? Sie selbst sieht sich als erfolgreiche Politikerin und nennt vor allem den wachsenden Forschungsetat als schöne Frucht ihrer Arbeit. Während in Zeiten der Schuldenbremse fast alle anderen Minister Federn lassen müssen, wächst ihr Etat 2011 um 7,2 Prozent.

Dazu sagt der Berliner Politologe Herfried Münkler, ein Mann mit großen Erfahrungen im Bildungs- und Forschungsbetrieb, es sei so sehr Konsens, dass Deutschlands Zukunft von diesem Bereich abhänge, dass Schavan das Einrennen offener Türen als Erfolg verbuche. Er hält nichts von ihrer Hochbegabtenförderung, wenig von der Exzellenzinitiative für Hochschulen, er wünscht seiner Branche eine bessere Ministerin.

Das ist eine Stimme, es gibt freundlichere. Aber es würde wohl niemand sagen, dass Annette Schavan es schafft, Aufmerksamkeit auf ihr Themengebiet zu lenken und große Debatten anzustoßen. Mit Schavan bleibt die Forschungspolitik im Ghetto der Forschenden. Das ist der Preis der Langeweile.

Wenn jemand im kleinen Kreis interessant ist, heißt das nicht, dass er im öffentlichen Raum der Politik Interesse wecken kann. Das sind sehr verschiedene Dinge. Und da keine Staatsform so sehr aufmerksame Bürger braucht wie die Demokra-tie, kann Annette Schavan nicht das Modell für eine bessere Politik sein, zumal sie sich bei ihren Inszenierungen selbst widerlegt.

Im März kocht Annette Schavan in Oldenburg mit Kindern Grünkohl, weil sie "Oldenburger Grünkohlkönigin" ist. Die Kinder reiben sich bald Tränen aus den Augen, weil sie Zwiebeln schneiden müssen, Schavan schöpft Grünkohl aus einem großen Topf. Es ist eine dieser Shows, die Politiker auf die Schnelle nach irgendetwas aussehen lassen sollen, hier: Volksverbundenheit mittels Kinderfreundlichkeit, ein weiterer Gipfel ohne Berg, das meiste ist längst vorgekocht.

Aber Kinder sind nicht misstrauisch, sie glauben, was sie sehen, und so entlarvt Scharifa aus Oldenburg das trügerische Wesen von Inszenierungen auf eine bezaubernde Weise. Als ein Lokalreporter die Kinder fragt, ob sie wüssten, was die Frau Schavan beruflich mache, meldet sich Scharifa ganz schnell und sagt: "Kochen."

Mitarbeit: Julia Herrnböck

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Dirk Kurbjuweit


Dirk Kurbjuweit, geboren am 3. November 1962 in Wiesbaden. Abitur 1982 in Essen, Zivildienst in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Essen, Kölner Journalistenschule, Studium der Volkswirtschaft in Köln, Diplom im Herbst 1989. Redakteur der ZEIT von 1990 bis 1999, Reporter beim SPIEGEL von Herbst 1999 bis Sommer 2007, Büroleiter beim SPIEGEL in Berlin seit Sommer 2007. Kurbjuweit ist verheiratet und hat zwei Kinder. Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage 1998 und 2002
Dokumente
Ministerin für Cello und Chopper (PDF)

erschienen in:
Der Spiegel,
am 08.11.2010

 

Kommentare

Chris, 25.11.2015, 10:13 Uhr:

The CDU have reduced the sueidsibs for new PV installations somewhat, albeit not enough to prevent a further cost explosion and PV capacity explosion. To save the (indirectly subsidized) jobs in the PV installation business; basically buying votes.A politician who creates a job with sueidsibs gets glowing headlines; nobody sees for a while that he has destroyed 3 other jobs by stealing the buying power of people.The CDU are statists just like the SPD. While the SPD believes and practices wealth redistribution, the CDU doesn't believe but practices wealth redistribution.They also share the goal of creating an ever more dominant EU without democratic controls.

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