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26.05.17

Erwin Koch „Der Mensch Paul

Mit diesem Text gewann Erwin Koch den Egon-Erwin-Kisch-Preis 1996

Der Tag war ohne Wetter und Trost. Am 31. Januar 1954 stiess Annabelle Jernigan ihr sechstes Kind in die Welt, sie weinte. Nicht vor Schmerz, aus Wut. Weil sie es nicht abgetrieben hatte, als die Zeit dazu noch reichte. Und doch liebte Joseph Paul Jernigan ein halbes Menschenleben später, als es ans Sterben ging, niemanden heftiger als diese Mutter, die ihn im Zorn gebar, und seinen Anwalt, einen gewissen Mark A. Ticer, North Central Expressway, Dallas, Texas. Der Bub, von allen Paul gerufen, eine Zerbrechlichkeit, schüchtern, oft krank, war zwei Jahre alt, dann verliess der Vater die Familie, nahm die Nachbarin mit, Annabelles einzige Freundin. Einmal noch besuchte das stumme Kind seinen Vater Earl, in Illinois irgendwo im Norden des Landes. Als Paul zur Mutter zurückkehrte, hatte er schwarze Flecken auf Armen und Beinen. Asthma schüttelte den Knaben immer häufiger, manchmal erstickte er fast daran. Rechtsanwalt Ticer, Mensch im massgeschneiderten Hemd, weinte, als er am 4. August 1993 ein letztes Mal mit Paul telefonierte. (409) 295-6964. Es war 23 Uhr 50. (...)

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Erwin Koch


Erwin Koch, geboren 1956, wohnhaft in der Zentralschweiz, schreibt Hörspiele, Romane und Reportagen.
Dokumente
Der Mensch Paul (pdf)

erschienen in:
###ARTICLE_PUBLISHER###,
am 01.01.1995

 

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