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30.05.17

Dominik Wichmann / Tobias Haberl „Unsere größte Konkurrenz ist das Rote Kreuz

Nominiert für den Deutschen Reporterpreis 2010.

Unsere größte Konkurrenz ist
das Rote Kreuz“


Pöbelnde Fahrgäste, endlose Nachtfahrten - und doch immer wieder der Traum der Freiheit: ein Gespräch mit Hans Meißner, dem Franz Josef Strauß der Taxifahrer.


Tobias Haberl/Dominik Wichmann, SZ-Magazin, 15/10


SZ-Magazin: Herr Meißner, warum fahren eigentlich so viele Taxifahrer Mercedes?

Hans Meißner: Weil es das billigste Auto ist – große Leistung, kaum Reparaturen. Es gibt spezielle Taxi-Editionen, da ist alles drin, was man braucht, Kunstledersitze, Anschluss fürs Taxameter, verstärkte Batterie, kostet 26 000 Euro plus Mehrwertsteuer.


Warum fährt dann nicht jeder Mercedes?

Weil die Leute nicht rechnen können: Die kaufen sich ein Auto, weil sie 20 Prozent Rabatt kriegen, und nach zwei Jahren ist es hin. Die vergessen, dass der Kaufpreis nur 15 Prozent von den Kosten ausmacht, wenn man ein Auto 300 000 Kilometer fährt. Öl, Sprit, Reparaturen – muss man alles mit einberechnen.


Wie lang sind Sie Ihre Taxis gefahren?

400 000 bis 500 000 Kilometer. Ein Kollege von mir hatte mal über 900 000 drauf, davon 700 000 mit einem Motor. Am besten kauft man sich nie ein neues, immer nur ein Auslaufmodell. Warum? Dann muss man sich nicht mehr mit den Kinderkrankheiten rumschlagen.


Warum sind die Taxis in Deutschland überwiegend beige?

Die sind nicht beige, die sind elfenbeinfarben.


Warum also elfenbeinfarben?

Waren sie nicht immer. Ursprünglich gab es keine einheitliche Taxifarbe, 1961 wurde dann Schwarz eingeführt. Sollte seriös wirken, war aber eine Falle. Die Autos haben sich so aufgeheizt, ich habe mal an einem Sommertag 3,5 Kilo abgenommen.


Und dann wurde gewechselt?

Ja, Tests ergaben, dass die Farbe Elfenbein besonders gut zu sehen ist, inzwischen ist sie unser Markenzeichen.


An das sich jeder halten muss?

Ja, vor ein paar Jahren wollten ein paar dumme Taxifürsten die Farbe abschaffen. Die dachten, dass sie danach mehr für die Gebrauchtwagen kriegen. Was die nicht bedacht haben: dass die Farbe vollkommen egal ist, wenn ein Auto 500 000 Kilometer drauf hat.


Man sitzt im Taxi, hat zu viel getrunken und muss sich übergeben. Was tun?

Dem Fahrer Bescheid geben, der fährt rechts ran, Tür auf, und los geht’s.


Und wenn man dazu nicht mehr fähig ist?

Dann auf jeden Fall nach unten auf die Fußmatte mit der Angelegenheit, dann kommt man mit 50 bis 100 Euro davon.


Und wann wird es richtig teuer?

Wenn man die Suppe gegen das geschlossene Fenster spuckt, das läuft in die Ritzen, man muss die Tür zerlegen und das Zeug abkratzen. Kostet 1300 Euro. Ist aber immer noch besser …


Als was?

als sich auf dem Beifahrersitz nach vorn zu lehnen und in die Lüftung zu brechen. Da ist man schnell mit 2000 Euro dabei.


Wer steigt im Taxi eigentlich vorne und wer hinten ein?

Die auf dem Beifahrersitz wollen reden, die anderen ihre Ruhe. Reichere Menschen steigen eher hinten ein, die lesen oder telefonieren. Nachts steigen alle vorn ein. Es gibt Fahrer, die lassen nachts gar keinen hinten rein, damit sie die Leute besser im Blick haben.


Wer ist Ihr bester Kunde in München?

Früher McKinsey, die Unternehmensberatung, die hatten 3000 Fahrten im Monat, aber bei denen ist es ruhig geworden.


Und heute?

Autobus Oberbayern, die haben 11 000 Fahrten im Jahr, das sind 1000 im Monat.


Ein Busunternehmen?

Ja klar, die haben die Buslinie vom Flughafen in die Stadt. Und an der Haltestelle »Nordfriedhof« warten die Taxis.


Wer ist auf Platz zwei und drei?

Irgendwelche Hotels. Auf Platz vier ist schon ein Puff, »Pascha« oder so ähnlich, draußen am Moosfeld.


Wer fährt denn so in die Münchner Nachtclubs?

Am meisten geht während der Bauma, der Messe für Baumaschinen. Da kommt eine halbe Million Besucher. Sie glauben nicht, was da los ist: Zwischen den Puffs gibt es richtige Kämpfe, also schmieren die Puffwirte die Taxler mit einer Kopfprämie. Es gab Zeiten, da haben die Taxler mehr verdient als die Nutten.


Wie hoch ist so eine Kopfprämie?

80 Euro. Wenn du drei Kunden hinchauffierst, hast du 240 Euro mehr in der Tasche. Ich weiß noch, früher kostete der Eintritt in einen guten Puff in München 250 Mark. Davon hat der Taxler 140 bekommen, 50 der Wirt und für das Mädel ist nicht mehr viel übrig geblieben.


Wurde früher mehr ins Puff gefahren?

Mein Gott, ich erinnere mich an die Olympiade ’72 in München. Die erste Woche war so tot, dass ich zu meiner Frau gesagt habe: Du, heute fahren wir ins Alpamare nach Tölz, es geht eh nichts. Die Stadt hatte zusätzlich 550 Taxis zugelassen, aber die Funktionäre sind mit den Shuttle-Diensten durch die Stadt gefahren. Das große Geschäft kam in der zweiten Woche mit den Sportlern.


Das müssen Sie erklären.

Ist doch logisch. In München saßen 12 000 Sportler und jede Menge Trainer. Die waren vorher monatelang kaserniert und mussten von früh bis spät durch die Gegend laufen und springen. Die haben aufgedreht, als die ersten Wettkämpfe vorbei waren, Langstreckenläufer, 25 Jahre alt, die ihr Leben lang nur im Kreis gerannt sind.


Wo sind die hin?

Es gab damals einen Puff in Moosach in der Dachauer Straße, da sind die packerlweise hingepilgert. Als hätte man dort Gratiskartoffeln verteilt.


Sie sind von 1966 bis 1982 selbst Taxi gefahren. Was war früher anders? Früher sind die Leute Taxi gefahren, weil sie kein Geld für ein Auto hatten, heute fahren sie Taxi, weil sie mit dem Auto keinen Parkplatz finden.


Ihre längste Fahrt?

In den Schwarzwald. Ist übrigens gar nicht dumm, längere Fahrten mit dem Taxi zu machen.


Das müssen Sie ja sagen.

Nein, im Ernst, selbst heute kostet der Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen 1,30 Euro. Eine Fahrt nach Frankfurt macht ungefähr 540 Euro. Wenn man zu dritt oder viert fährt, ist es billiger als mit der Bahn.


Haben Taxifahrer heute ein anderes Image als damals?

Taxler hatten immer ein gutes Ansehen, das Problem ist: Die meisten wissen es nicht. Unsere Fahrer haben zu wenig Selbstbewusstsein. Die denken sich: Ich bin doch nur ein Taxifahrer. Ist aber ganz falsch. Bei internationalen Umfragen liegen Taxifahrer immer im ersten Drittel, wenn es um die Beliebtheit geht, noch vor den Anwälten und Priestern.


Warum?

Weil die Menschen uns vertrauen. Wie groß muss das Vertrauen sein, wenn eine hübsche Frau allein nachts um drei zu einem Fremden ins Auto steigt, um sich sicher vor die Haustür fahren zu lassen?


Dann müsste den Fahrern doch bewusst sein, wie beliebt sie sind.

Schon, aber die sind verunsichert, weil die ganzen Schmierblätter daran arbeiten, sie schlechtzumachen. »Taxifahrer schlug Fahrgast«, die Zeile liest man immer wieder. Haben Sie je irgendwo »Bäckermeister schlug Passanten« gelesen?


Wie hart ist der Konkurrenzkampf unter den Fahrern?

Sehr hart. Die haben ihre Tricks, um Fahrer, die sie nicht leiden können, auszutricksen. Die rufen sich gegenseitig per Handy an und schicken sich an Ziele, wo dann keiner wartet.


Wie viel Zeit verbringt ein Taxifahrer mit warten?

In München zwei Drittel seiner Arbeitszeit.


In Berlin?

Drei Viertel, da ist tote Hose. 7000 Taxis und zu wenig Menschen, die Geld haben.


Sitzt heute ein anderer Menschenschlag hinterm Steuer als zu Ihrer Zeit? Früher waren es Ober- und Niederbayern, heute sind es Afghanen und Türken. Ist aber vollkommen wurscht. Ein blöder Niederbayer ist mir genau so zuwider wie ein blöder Türke. Einige afghanische und türkische Fahrer sind aber richtige Freunde geworden, nette Kerle sind das, und einige haben richtig was in der Birne.


Wie viele Akademiker gibt es unter den Taxlern?

Das mit den Studierten ist so eine Sache. Heute sagt ja jeder, er hat studiert, wenn er mal in der Cafeteria einer Uni rumgesessen ist. Für mich ist nur ein Akademiker, der ein abgeschlossenes Studium hat, in München sind das ungefähr zehn Prozent. Hier fahren Anwälte aus Damaskus und Mediziner aus Kabul. In Moskau sind es viel mehr, das hat Tradition. Im Kommunismus hat ein Taxifahrer mit seinen Verbindungen mehr verdient als ein Professor.


Wie viele Taxis gibt es in München?

3380.


Wie viele Fahrer?

8000, die regelmäßig fahren.


Fahren auch welche unregelmäßig?

Ja, ungefähr 4000, die haben zwar einen Taxiführerschein, fahren aber nur, wenn sie mal Geld für ein neues Schlafzimmer brauchen.


Welcher ist der beste Stand in München?

Auf keinen Fall die Plätze am Bahnhof, die kann man sich sparen. Zu kurze Fahrten, viel zu stressig.


Aber die vor den großen Hotels sind gut, oder?

Die sind beliebt, aber zu Unrecht. Die Fahrer gieren auf Fahrten zum Flughafen, ist aber dumm. Man fährt 35 Kilometer für 55 Euro, und steht dann vier Stunden in der Schlange am Terminal.


Man kann doch zurückfahren.

70 Kilometer für 55 Euro? Das lohnt sich nicht. Am besten sind Viertel mit gemischter Struktur, Leute mit Geld, alte Leute, ein Krankenhaus, ein paar Unternehmen.


Was verdient ein Taxifahrer in München?

1670 Euro brutto. Wir haben einen tariflichen Mindestlohn.


Und wenn man sich richtig ins Zeug legt?

Kann man 3500 Euro brutto machen. Aber nur, wenn man sich den Arsch aufreißt. 60, 70 Stunden fahren, kaum schlafen.


Was verdient ein Taxler in Berlin?

Zwei Drittel von einem Münchner. Ungefähr 1000 Euro brutto.


Praktisch Hartz-IV-Niveau.

Gehen Sie mal nach Halle oder Frankfurt/Oder, da wird’s zappenduster. Wenn es da mal stärker regnet, finden Sie überhaupt kein Taxi mehr.


In Berlin wird Gepäck kostenlos transportiert, in München zahlt man 50 Cent. Wieso?

Dafür habe ich gesorgt. Für mich ist das Service. Man zahlt, dafür werden die Koffer ein- und ausgeladen.


Die Kunden sehen das sicher anders.

Haben Sie eine Ahnung! Die schätzen das. In München haben wir täglich 70 000 Fahrten und bekommen zwei bis drei Beschwerden im Jahr deswegen.


Wie viele Frauen sitzen im Taxi hinterm Steuer?

Jahrelang lag der Frauenanteil in München bei 15 Prozent. Im Moment liegt er unter fünf Prozent.


Warum?

Viele Frauen, die früher gefahren sind, putzen heute, da kriegen sie auch ihre 12 Euro in der Stunde.


Und die anderen, fahren die auch nachts?

Einige schon, aber nur die ganz harten. Frauen gehören nach 22 Uhr nicht mehr ins Taxi, da ist ganz anderes Publikum unterwegs, vor allem Besoffene.


Aber besser, die sitzen im Taxi als hinterm Steuer.

Schon richtig, trotzdem bringen uns besoffene Autofahrer am meisten.


Warum?

Betrunken im Taxi sitzt ein Besoffener nur einmal. Verliert er den Führerschein, fährt er ein ganzes Jahr mit dem Taxi.


Worin besteht sonst noch der Unterschied vom Tag- zum Nachtfahren? Man verdient nachts besser, aber nur von Donnerstag bis Sonntag. Da macht man in weniger Zeit die Hälfte mehr Umsatz.


Sonst noch was?

Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist viel höher, bei ungefähr 40 km/h, tagsüber nur zwischen 15 und 25 km/h.


Fährt man auch andere Wege?

Klar, am Tag muss ich wissen, wo Behörden und Krankenhäuser sind, nachts, in welchem Bumslokal welche Musik gespielt wird. Am besten hat man immer einen Veranstaltungsplan dabei und meidet die Läden, wo die ganz Jungen drin sind.


Weil die kein Geld haben?

Geld haben die in München genug, das Problem ist, dass sie dir das Auto vollsauen, seitdem die das Flatrate-Saufen entdeckt haben.


Haben Sie einen Stammfahrer, wenn Sie privat Taxi fahren?

Nein, ich rufe mir auch eines, aber ich steige nicht bei jedem ein. Wenn es stark nach Schweiß riecht oder das Auto zu dreckig ist, weigere ich mich.


Kann man das machen?

Das soll man sogar, als Kunde braucht man Qualitätsbewusstsein, ich kaufe meine Wurst doch auch nicht bei einem Metzger, bei dem die Theke versifft ist und die Mäuse rumlaufen. Wenn ich so einen Saubären sehe, sage ich ihm, dass mich das stört, und steige in das nächste ein. Ich schäme mich doch, wenn da vorn einer sitzt, der stinkt und keine Zähne im Mund hat.


In welcher europäischen Stadt gibt es die besten Taxifahrer?

In London. Die Fahrer der ehrwürdigen London Cabs, die Black- Cab-Fahrer, müssen eine zweieinhalbjährige Ausbildung durchlaufen, bevor sie ihre Lizenz kriegen. Die fahren gut, kennen die Stadt in- und auswendig, das ist schon toll. Dafür müssen die nichts für die Konzession bezahlen. In München kostet die 20 000 Euro, in New York 125 000 Dollar.


Paris?

Der absolute Hammer. Da gibt es Taxigesellschaften, die sind Aktiengesellschaften und vermieten die Fahrzeuge an die Fahrer. Die müssen pro Schicht abdrücken und den Sprit zahlen. Das sind Tagelöhner.


Und die Fahrer in München?

Denen geht es ziemlich gut und die sind auch richtig gut. Die Ausbildung ist heute viel strenger als früher.


Das heißt?

Die Ortskundeprüfung hat vor 40 Jahren praktisch jeder geschafft, heute fallen 90 Prozent durch.


Heute hat doch sowieso jeder ein Navigationssystem.

Das Navi erleichtert mir das Leben aber nur, wenn ich eine

Straße in Gröbenzell suche. In der Stadt bringt es nicht viel, da gibt es Baustellen, Umleitungen, temporäre Geschichten, das muss man alles wissen, um die schnellste und kürzeste Route zu finden, und die müssen wir ja fahren. Das ist Gesetz.


Wie kann man sich in einer fremden Stadt dagegen wehren, dass ein Fahrer einen Umweg fährt?

Das machen die wenigsten, ehrlich, weil es nichts bringt. Man kann das alles mit GPS-Technik nachverfolgen. Klar probiert es hin und wieder einer, aber der wird von seinem Unternehmer schnell erwischt.


Und wenn ich zum Flughafen fahre und dem Fahrer 40 statt 55 Euro gebe, wenn er die Uhr ausmacht?

Ich bin mal privat bei einem eingestiegen, der wusste nicht, wer ich bin, und fragte, ob er die Uhr ausmachen kann. Okay, hab ich gesagt. Am Zielort wollte er 6,90 Euro. Da bin ich einfach ausgestiegen. Man muss nur zahlen, was auf dem Taxameter steht. Und weil da nichts stand, hatte er eben Pech gehabt.


Stichwort: Oktoberfest.

In diesen zwei Wochen zeigt sich, wer von den Fahrern intelligent ist und wer nicht. Die Dümmsten stehen vorn am Haupteingang, fahren den Kunden für fünf Euro zum Bahnhof und brauchen wegen des Verkehrs eine Stunde, bis sie zurück sind. Die Klugen warten auf der Theresienhöhe, wo die Bavaria steht.


Warum?

Erstens geht es da steil nach oben, so einen Hügel und so viele Treppen schafft ein Besoffener nicht mehr.


Zweitens?

Steht dort das »Käfer-Zelt«, da feiern die Geldigen, die wohnen in Solln und Grünwald und geben gutes Trinkgeld.


Drittens?

Ist man dort schnell zurück, weil der Verkehr nicht so stark ist.


Jemals von einem Promi beschissen worden?

Ja, vom Armin Hary, dem 100-Meter-Läufer. Das war ein Bazi. Kommt aus einem Kaufhaus am Marienplatz und sagt, er will zum Sporthaus Oberpollinger am Stachus. Ich fahre also die 300 Meter, sehe schon im Rückspiegel, wie er sein Kleingeld zählt. Angekommen, drückt er mir die warmen Münzen in die Hand, reißt die Tür auf und spurtet davon. Ich hatte 1,60 Mark in der Hand, gekostet hätte es 2,10 Mark.


Das tragischste Erlebnis?

War im Jahr 1984, damals bin ich selbst nicht mehr gefahren. Ein ungarischer Fahrer wurde bei seiner ersten Fahrt erschossen und ausgeraubt. Für 18 Mark. Am nächsten Tag besuche ich seine Frau, hochschwanger. Ein Bub steht neben ihr, zwei oder drei Jahre alt und schreit »Papa, Papa!«.


Wer sind Ihre wichtigsten Kunden?

Alte Leute, kranke Leute. Menschen, die auf uns angewiesen sind. Seit der Krise bleiben viele Gelegenheitskunden weg; Menschen, die sich uns eigentlich gar nicht leisten können, aber zu viel gesoffen haben und irgendwie nach Hause müssen. Die Unternehmen sparen auch, also bleiben die Alten. Die müssen zum Arzt, zur Massage, zur Dialyse. Wäre alles fein, wenn das Rote Kreuz nicht dazwischenfunken würde.


Auch das müssen Sie erklären.

Gegen die kämpfe ich seit 1977. Die bringen die Omas halt nicht nur ins Krankenhaus, sondern auch noch gleich ins Café und zum Friseur und machen uns das Geschäft kaputt. Dabei zahlen sie keine Steuern und haben alle Freiheiten der Welt. Vor Jahren hat mal ein hochrangiger CSU-Politiker zu mir gesagt: »Meißner, Sie können von mir alles verlangen, aber nicht, dass ich mich mit dem Roten Kreuz anlege.« Die sind unser Hauptkonkurrent und haben bei uns sicher 4000 Arbeitsplätze vernichtet. Besonders absurd ist es, dass eine Prinzessin von Thurn und Taxis jetzt deren Präsidentin ist. Nicht viel besser sind der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter.


In München gibt es doch sicher ein paar Damen, die sich täglich zum "Käfer und zum Friseur chauffieren lassen.

Gibt es, aber die rufen kein Taxi, die haben einen festen Fahrer und das ist auch besser so. Ich hatte mal so eine, vor 30 Jahren, der gehörte ein Modegeschäft. Die rief jeden Tag an und meinte: »So, Herr Meißner, jetzt fahren Sie mich erst ins Geschäft und dann bitte zur Reinigung und dann geben Sie das noch in Solln ab, besorgen das, holen mich ab und bringen mich wieder nach Hause.«


Sie hätten doch ihr Chauffeur werden können.

Manche meiner Kollegen haben das versucht, nach zwei, drei Jahren saßen alle wieder in ihrem Taxi. Ich kenne einen, der hat einen sehr reichen Münchner drei Jahre lang durch die Gegend kutschiert. Dann hat er gekündigt, weil er es nicht mehr ausgehalten hat. Deswegen wird man ja Taxifahrer, damit man kein Leibeigener ist. Taxifahrer wollen frei und unabhängig sein. Das ist zwar eine Illusion, aber egal, um die geht es, die ist wichtig.








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Dominik Wichmann


Dr. Dominik Wichmann, geboren am 6. September 1971, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Amerikanische Kulturgeschichte in München und Harvard. Seit 2000 ist er Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Seit Juni 2011 ist er stellvertretender Chefredakteur des STERN. Er ist Autor mehrerer Bücher zu den Themen Politik und Gesellschaft. Er wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Axel-Springer-Preis oder dem Arthur-F.-Burns-Preis.

Tobias Haberl


Tobias Haberl, geb. 23.Juli 1975 im Bayerischen Wald studierte Germanistik/Anglistik in Würzburg und Großbritannien anschließend Henri-Nannen-Journalistenschule. Seit Mai 2005 beim SZ-Magazin. Mitherausgeber der beiden Bände "Sagen Sie jetzt nichts" 1+2. Im Februar wird mein Buch "Wie ich mal rot wurde. Mein Jahr in der Linkspartei im Luchterhand Verlag erscheinen".
Dokumente
Unsere größte Konkurrenz

erschienen in:
SZ-Magazin,
am 16.04.2010

 

Kommentare

Ronnie, 05.03.2013, 09:46 Uhr:

I told my kids we'd play after I found what I ndeeed. Damnit.

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