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20.09.17

Erwin Koch „Straße der Erlösung

Für diese Reportage war der Autor für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2010 vornominiert. 

Straße der Erlösung



Domingos Alves da Silva ist Gewerkschafter in Brasilien. Killer töteten seinen Stellvertreter. Nun sucht er die Mutter des Toten, um ihr die Nachricht zu überbringen.



Von Erwin Koch, ZEITmagazin, 30.12.2009



Es ist Morgen am Rand der Welt, noch feucht und finster, Domingos Alves da Silva hat schlecht geschlafen wie immer. Die Frau sagt: Eine Seife habe ich in deine Tasche gepackt. Gut!, sagt der Mann und schweigt

Jetzt rennt er zum Taxi vor dem Haus an der Rua Bahia 41, seine schönste Hose am Leib, das neue gelbe Hemd aus Krepp, und schaut nicht zurück. Zum Bus!, sagt er leise. Erste Hähne wecken die Stadt Breu Branco im Süden des Bundesstaates Pará, Brasilien, kurz vor sechs, Hunde jagen den Abfall der Nacht.

So früh unterwegs war Domingos Alves da Silva, Mitglied der Gewerkschaft der Landarbeiter, Sindicato dos Trabalhadores Rurais, seit Monaten nicht mehr. Vor sieben geht er nicht aus dem Haus, er versteckt sich darin, bis es hell wird, Domingos’ Tod ist 12000 Reais wert, 4000 Euro.

Dominguinhos, abandone o acampamento, rufen sie ihn an, gib das Lager auf, verlass den Boden, der uns gehört, mit all den verdammten Leuten, sonst frisst du bald Erde wie dein Freund Chico.

Im Busbahnhof tanzt ein Verrückter, beladen mit silbernem Tand und breitem Hut. Breu Branco, schreit er, sei die edelste Stadt von ganz Amazonien, von Brasilien überhaupt, schönste Perle dieser Welt. Er zwängt sich neben Domingos auf die hölzerne Bank, Bier in der Hand, und will reden, Domingos dreht sich weg und flieht, vorbei an lärmenden Händlern – Haarspangen, Uhren, Hüte, Taschenrechner –, es riecht nach faulen Bananen.

Vergangene Woche erst, er war auf seiner Honda unterwegs, Kennzeichen JUB 5812, überholte ihn einer, a mão de ferro, die Eisenhand, ein Schläger und Mörder im Dienst der Fazendeiros , der Großgrundbesitzer, er sah Domingos in die Augen und sprach sehr freundlich den Satz: Verzeih, Dominguinhos, noch hatte ich keine Zeit, dich abzuknallen. Aber mach dir keine Sorgen.

Sie kreisen mich ein, eng und enger, sagte Domingos zur Frau, die mit ihm lebt seit zwei Jahren. Seine erste, die ihm sechs Kinder gebar, blieb ein Vierteljahrhundert, dann hielt sie die Angst nicht länger aus und ging.

Er steigt in den Bus, der vom Stausee kommt, und findet keinen Sitzplatz. Menschen schlafen unter weiten roten Decken, verkrümmt und offenmundig, es ist halb sieben am 4. August 2009, Domingos’ 55. Geburtstag, er stellt die schmale Tasche zwischen die Füße, bleibt stehen im Gang und wartet, bis die Reise beginnt.

Die bin ich ihm schuldig, denkt er.

In manchen Nächten liegt Chico vor ihm, tot und lebendig zugleich, und zeigt auf sein Loch in der Stirn, Manoel Francisco Silva Souza, geboren am 13. Oktober 1972, Goldzahn genannt, weil er einen Goldzahn hatte, groß und leuchtend, Chico Dente de Ouro. Am Abend bevor sie kamen mit Gewehren und Benzin – am 1. Februar 2009 morgens um sechs –, hatte Chico geweint: Eines Tages werde ich sterben für dieses bisschen Land – doch zuvor hole ich meine Mutter hierher, damit sie sieht, wie gut es mir geht.

Seine Mutter, weinte er, lebe in Pedreiras, drüben in Maranhão, fünfhundert Kilometer entfernt, wahrscheinlich noch mehr.

Als meine Mutter, erzählte Domingos seinem Freund zum Trost, als meine Mutter sah, dass sie nicht mehr lange leben würde, rief sie nach mir und sagte: Dominguinhos, mein Kleinster, nur diesen Wunsch habe ich noch. Brich mit deiner Gewerkschaft! Die Großen sind zu groß für dich, und irgendwann machen sie dich tot. Versprich mir, dass du aufhörst mit deiner Gewerkschaft! Ich saß am Bett meiner sterbenden Mutter und sagte: Jeden Wunsch erfülle ich dir, nur diesen einen nicht, weil ich nicht kann.

Der Bus fährt ostwärts über müden Asphalt, die PA263, Schlagloch auf Schlagloch, aus Lautsprechern schallen fromme Lieder, o gib mir Kraft, Senhor, damit ich verstehe, wo mein Platz ist, nimm mein Herz und behüte mich in dieser grausamen Welt, damit ich nicht abkomme vom rechten Weg.

Domingos, unterwegs nach Pedreiras, Maranhão, die gebügelte Hose am Bein, die feinen schwarzen Schuhe, steht und schweigt, es ist längst hell.

Institut für Kolonisierung und Agrarreform, Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária, führte Domingos Alves da Silva vier Dutzend Landarbeiter und ihre Familien, alle ohne Haus und Boden, auf ein weites Stück Land, 38 Kilometer hinter Breu Branco, das zwei Großgrundbesitzer, obwohl vom Staat dafür entschädigt, weiterhin ihr Eigentum nennen. Die Landlosen bauten Hütten aus schwarzem Plastik, beluden sie, um Wind und Hitze zu trotzen, mit Palmblättern und teilten das Land, wie der Staat Brasilien es vorsieht, in Parzellen zu fünfzig Hektar auf, nannten den Ort nach der heiligen Jungfrau des Ewigen Beistandes, Perpetuo Socorro. Domingos blieb weiterhin in Breu Branco in seinem hölzernen Verschlag, Rua São João 92, wo eines Abends ein junger Mann stand, am Zaun rüttelte und rief, er komme von weit her und habe gehört, hier in der Nähe erhalte, wer keins habe, ein Stück Boden, er heiße Manoel Francisco Silva Souza, lieber höre er auf den Namen Chico Dente de Ouro.

Goldgräber?, fragte Domingos, der nur selten lacht.

Wie man sehe, sagte Chico, doch statt Huren oder Kettchen habe er einen ewigen Zahn gekauft.

Ausweise?, fragte Domingos.

Wählerausweis Nummer 028621691171, Steuerausweis Nummer 001099463-75.

Jetzt ist es kurz nach neun am 4. August 2009, der Bus der Gesellschaft Boa Esperança, Frohe Hoffnung, hält in Jacundá, wenige Häuser und roter Staub, Lastwagen stehen an der Straße, überladen mit Holz und Kohle, Domingos kauft eine Flasche Wasser zu fünfzig Centavo und trinkt sie leer in einem Zug. Dann spricht er wenige Sätze in sein Telefon und stellt sich in die Kneipe, wartet und schaut zum Fernseher hoch, Reklame für Präservative, die Predigt eines Bischofs, Lottozahlen. Endlich fährt ein Auto vor, ein junger Mann darin, Domingos öffnet die Tür.

Dein Vater schickt dich?, fragt er.

Du bist Dominguinhos?, fragt der Junge.

Sie fahren ans Ende des Dorfes, queren Pfützen aus Pisse und Dreck und halten vor einer rosa Hütte, ein Billardtisch davor, zwei Hunde, ein Stapel Stühle aus rotem Plastik. Das Haar gefärbt, den Mund fast zahnlos, tritt ein alter Mann aus dem Haus, er lacht sehr laut und reicht Domingos die Hand, setzt sich dann auf den Stapel roter Stühle.

Er sei, sagt Domingos, unterwegs zu Chicos Mutter.

Und was willst du von mir?, fragt der Alte.

Ich will, dass du mir noch einmal erzählst, wie Chico starb.

Um sechs Uhr am Morgen, 1. Februar 2009, ein Sonntag sei es gewesen, habe plötzlich ein Lärm begonnen, sieben Männer, Auftragsmörder, jeder mit einem Gewehr, hätten die Landlosen aus den Zelten getrieben und ihnen befohlen, sich auf die Erde zu legen. Sie seien geschickt von Gildásio Alberto Timo Pena, einem der Großgrundherren, um hier aufzuräumen. Dann, Dominguinhos...

Dann fragten sie nach mir, sagt Domingos.

Aber du warst nicht da. Dann fragten sie: Wer ist sein Stellvertreter? Jemand zeigte auf Chico Dente de Ouro. Der Schuss traf ihn in die Stirn. Dann fragten sie, wer Chicos Stellvertreter sei. Ich sagte: Ich bin es! Einer, die Eisenhand, a mão de ferro, hielt mir sein Gewehr vor den Bauch und drückte ab. Aber der Schuss ging nicht los. Dann schlug er mit dem Gewehr auf mich ein, ich bin jetzt 61 und habe keine Kraft mehr, sie schlugen und fesselten mich. Sie gossen Benzin über unsere Zelte und brannten sie ab. Und dann schrie einer: Verschwindet, ihr Trottel, und nehmt den da mit. Wir legten Chico auf eine Matte, er lebte noch und röchelte. Schließlich trieben sie uns über den Fluss und verschwanden. Wir luden Chico auf einen Laster, jemand löste meine Fesseln, und ich setzte mich ans Steuer, dann fuhren wir los und brachten ihn ins Krankenhaus von Breu Branco – so war es.

Sie schweigen, zehn Uhr, es ist heiß an der PA150, kein Schatten hier. Eigentlich suchten die mich, sagt Domingos Alves da Silva. Eigentlich wollten sie dich, sagt der Alte.

Der weiße Bus der São Geraldo fährt um zehn vor elf, vorbei an laublosen verkohlten Bäumen, an Strommasten und roter wunder Erde, Fazenda km 92, Fazenda Espírito Santo, Comercial Bin Laden, Domingos, die Arme verschränkt, sitzt am Fenster und schließt die Augen.

Meine dritte Frau, fängt einer an, so laut, dass alle ihn hören, meine dritte war meine beste, und ich verlor sie nur, weil ich von der ersten nicht ließ, die erste, Gott ist mein Zeuge, verfolgte mich bis ins Bett.

Jemand kichert, Domingos dreht sich weg, Fazenda Canada 3, Comunidade Cristo Vive, Sitio Novo Paraíso, er öffnet die Tasche und blättert in einem schmalen Buch, Conflitos no Campo Brasil 2008, Landkonflikte in Brasilien 2008, eine Statistik der Comissão Pastoral da Terra, Kommission für Landseelsorge.

1934 zerstörte Häuser, 478 allein im Bundesstaat Pará. 1841 vertriebene Familien, 740 in Pará. 1048 zerstörte Äcker, 241 in Pará. 90 Morddrohungen, 35 in Pará. 44 Mordversuche, 8 in Pará. 28 Morde, 13 in Pará.

Als steckte Brasilien noch in kolonialer Zeit, verfügen drei Prozent seiner Bauern über fast zwei Drittel des bebaubaren Landes. Neunzig Prozent dagegen teilen sich ein Fünftel der nutzbaren Fläche. Die Umverteilung ist seit 45 Jahren Absicht, festgeschrieben in der Verfassung der Bundesrepublik Brasilien. Doch umgesetzt wurde das Vorhaben bis heute kaum: Die Großgrundbesitzer verteidigen ihr Land gegen das Heer Landloser mit Geld und Gesetz, sie spielen, sobald die Enteignung droht, jedes Rechtsmittel aus, sie bestechen Richter und Beamte, auf dass sie die Gerechtigkeit verzögern, und nützt auch dies nicht, stellen sie Verbrecher an – manchmal schießt auch die Polizei. Berühmt wurde das Massaker von Eldorado de Carajas, 17. April 1996, 19 Menschen, Teilnehmer des Marsches für eine Landreform, starben unter den Kugeln des 4. Bataillons der Militärpolizei von Marabá, 81 wurden verletzt, die Verantwortlichen nie bestraft.

Vorbei an brennenden Wiesen und Wäldern, Domingos Alves da Silva, auf der Suche nach der Mutter seines Freundes Manoel Francisco Silva Souza, den alle Goldzahn riefen, schläft im Bus Nummer 4347, ar condicionado .

Kurz vor neun am 1. Februar 2009 rief die Polizei an und bestellte ihn Coordenador do Acampamento Perpetuo Socorro, auf den Posten, das Lager sei überfallen, ein Mann erschossen worden. Domingos nahm alle Akten mit, die er besaß, die Liste der Landarbeiter, ihre Namen und Nummern, und als er dort eintraf, befahl ihm ein Beamter, am nächsten Tag wiederzukommen, man habe jetzt keine Zeit für ihn. Begleitet von seiner Frau, fuhr Domingos zum Krankenhaus, stumm stand er an einer Bahre, darauf Chico Dente de Ouro, in seiner Stirn ein Loch.

Ein Gott, sagte er zur Frau, der das zulässt, ist kein Gott.

Schweig, sagte die Frau.

Das Gesetz in diesem Land schützt die, die keinen Schutz brauchen, sagte er.

Nicht jetzt, sagte die Frau.

Ich kann nicht weinen, dachte Domingos.

Er ging zurück zur Polizei und traf dort den Alten, verprügelt und krumm – und ein Mann trat aus dem Zimmer des Polizeichefs, a mão de ferro, die Eisenhand. Der da, schrie der Alte, der war heute Morgen dabei, der wollte mich erschießen. Der Täter grinste und ging.

Manoel Francisco Silva Souza, 37 Jahre alt geworden, Chico Dente de Ouro, Tagelöhner, Holzfäller, Goldgräber, Landarbeiter, kam noch am selben Tag in ein Grab auf dem Friedhof von Breu Branco, namenlos und ohne Kreuz.

Vorbei an Eukalyptus, Baum nach Baum, jeder gleich hoch, gleich dick, kilometerweit, Fazenda Bom Jesus, Fazenda Deus é Fiel, Gott ist dein Treuhänder, die Klimaanlage fällt aus, die Toilette stinkt, eine Frau betet den Rosenkranz.

Kurz nach 17 Uhr erreicht der Bus Dom Eliseu und hält vor dem Restaurante Boa Amizade, Gute Freundschaft, papierene Schnitzel hängen am Vordach, herausgeschnitten aus Werbeblättern – Waschmaschinen, Bügelbretter, Unterwäsche, Lockenwickler, Lockenglätter, CD, DVD, LED, MP3, MP4. Domingos kauft einen Becher Kaffee, ein Stück Käse, noch eine Stunde bis Açailândia, Maranhão.

Die BR010, neuer Asphalt. Der Himmel ist rot.

Die Nacht im Hotel Gil, Rua Bom Jesus 346, kostet 15 Reais, fünf Euro, ohne Klimaanlage und Toilettenpapier. Domingos, noch nicht müde, setzt sich an den Rand einer Kneipe, der Fernseher läuft, Domingos Alves da Silva legt sein Telefon auf den Tisch aus rotem Plastik und schweigt.

Eines Tages nach Chicos Tod rief wieder der Polizeichef an: Dominguinhos, ich weiß, du wirst bedroht, ich kann dir helfen.

Wie denn? Komm zu mir, sagte der Polizist, ich kann dir helfen.

Domingos fuhr also zum Posten, der Polizeichef öffnete die Schublade und nahm daraus eine Pistole. Du brauchst eine Waffe, ich schenk sie dir, zwar ist sie nicht neu, aber sie erfüllt ihren Zweck, sagte der Polizist.

Nehme ich die Pistole, sagte Domingos und stand auf, lässt du mich morgen verhaften. Wegen illegalen Waffenbesitzes.

Nun schlief er im Haus von Freunden, hier und dort, er wechselte die Nummer seines Telefons, Dominguinhos, ich bekomme 12000 Reais, um dich abzuknallen, dich und alle anderen, dein ganzes Gesindel.

Kein Motorradtaxifahrer nahm ihn noch mit, aus Angst, die Kugel, die Domingos gilt, könnte ihn treffen. An manchen Morgen, wo er auch war, fand Domingos die Spuren fremder Stiefel im Hof. Stand der Eimer während Jahren neben dem Brunnen, hing er nun am Ast des Baums.

Ich gebe auf, sagte er zur Frau.

Nicht jetzt, sagte sie.

Am 15. März 2009 führte Domingos Alves da Silva die Landarbeiter, die den Mut dazu noch hatten, auf die Fazenda des Großgrundbesitzers Gildásio Alberto Timo Pena zurück und nahm Besitz von dessen Haus, einem leeren schmutzigen Gebäude, um dort zu warten, bis endlich die Behörde käme und die Parzellen festschriebe, die ihnen längst versprochen sind, fünfzig Hektar für jeden. Eines Abends ritt Domingos in den Wald, wo Chico starb, sechs Kilometer weit, und fand, von seinen Mördern in die Erde gesteckt, ein Kreuz, beschmiert mit roter Farbe und den Worten Chico Dente de Ouro.

Das bedeutete: Weiteres Blut wird fließen.

Jetzt schnarrt das Telefon auf dem Tisch aus rotem Plastik, 21.10 Uhr, Açailândia, und Domingos, der selten lacht, lächelt heiter. Seine Frau nennt er Tochter, mein Mädchen, meine Kleine, sie wünscht ihm zum Geburtstag alles Glück der Erde, mit dir, sagt sie, möchte ich alt werden, und er flüstert: Ich bin es ja längst.

 Es geht mir gut, sagt er, alles in Ordnung.

Dominguinhos, man redet hier, die Pistoleros hätten einen neuen Überfall vor, heute Nacht oder morgen.

Wer sagt das?, fragt Domingos.

Alle, sagt die Frau.

Dann komme ich zurück.

Nein!, sagt sie, es ist nur ein Gerücht.

Domingos trinkt Bier, er schweigt, den Kopf in die Hand gestützt, die Nacht ist heiß und feucht, irgendwann rufen die Töchter an, eine nach der anderen, und wünschen ein langes Leben, Eudis, Oneide, Francineide, Maria, Huelcia. Davi, der einzige Sohn, starb mit siebzehn an Gelbsucht und Malaria – kein Geld für den Arzt.

Domingos schläft schlecht wie immer.

Im Busbahnhof von Açailândia stehen fünf Busse mit laufenden Motoren, es ist früher Morgen, 5. August 2009, der Fernseher lärmt. Auf allen vieren rennt ein Bettler durch die Halle. Dieser Terminal, steht groß geschrieben, erscheint 24 Stunden am Tag im Internet.

Domingos nimmt den Bus nach Peritoró, sieben Uhr zehn, die Maschine heult und bebt. Der Chauffeur öffnet endlich die Tür, er lacht und sagt: Problema! Dann verschwindet er und kommt nach zwanzig Minuten wieder. Der Ersatzbus aus Imperatriz folge in anderthalb Stunden, Entschuldigung.

Er folgt in drei Stunden und fährt Richtung Nordosten, vorbei an Sägereien, Schmelzöfen, Strommasten, dann nach Südosten, ein totes Rind liegt am Rand der Welt, Geier sitzen darauf, Domingos, seine Tasche auf dem Schoß, schläft.

Vorbei an Eukalyptus, Sumpf und Steppe, Regen setzt ein.

In Peritoró, es ist längst finster, fragt Domingos nach dem Bus nach Pedreiras. In fünf Minuten, sagt jemand. Domingos erwischt den letzten freien Sitz, 20.10 Uhr. Der Chauffeur hält auf einen Hund zu, der, vom Licht geblendet, mitten auf der Straße steht, die MA122, eine Frau schreit auf.

Die Nacht in Pedreiras kostet vierzig Reais, fensterlos und kühl, Hotel Basílio, Bauruine und Herberge. Am Hauptplatz der Stadt, in der Domingos Alves da Silva die Mutter seines Freundes Chico vermutet, setzt er sich an einen Tisch und bestellt Reis und Fleisch, Kinder lärmen, das Telefon schnarrt.

Sei unbesorgt, sagt die Frau.

Im März ging sie zur Bank von Breu Branco und bat um Geld, damit ein Haus zu bauen aus Stein und Putz. Domingos’ Schwiegersöhne stellten schnell die wenigen Mauern auf, sie luden welliges Eternit aufs Gebälk, versahen die Tür mit zwei Schlössern, Rua Bahia 41.

Seit einem Monat leben Domingos Alves da Silva und seine Frau nun dort, Stadtteil Novo Horizonte, geschützt von Wänden, durch die keine Kugel dringt.

Ruf an, sagt er, wenn ich etwas wissen muss.

Mücken im Hotel Basílio, Domingos, 500 Kilometer hinter der Heimat, kann nicht schlafen. Er öffnet seine schmale Tasche und liest Akten, Manoel Francisco Silva Souza, genannt Chico Dente de Ouro, geboren am 13.10.1972, ermordet am 1.2.2009, Wählerausweis 028621691171, Steuerausweis 001099463-75.

Die Mutter in Pedreiras, wahrscheinlich. Mehr ist nicht bekannt.

Einmal fragte Domingos seinen Freund: Warum hast du mit deinem Gold keine Kettensäge gekauft? Kettensägen, sagte Chico, werden gestohlen.

Im Frühstücksraum hängt ein Bild, Öl auf Holz, fünf weiße Häuschen an einem schönen blauen Fluss, ein Dreimaster darauf. Domingos fragt den Wirt: Wo ist hier das Sozialamt?

6. August 2009, halb neun am Morgen, Domingos Alves da Silva, ein frisches Hemd am Leib, geht die Avenida Rio Branco hinauf und schaut nicht zurück. An einer Tankstelle fragt er: Wo ist das Sozialamt? Er fragt in einem Zementgeschäft, in einer Bäckerei.

An einer hohen spitzen Säule, am Anfang der Avenida Mariano Lisboa, steht geschrieben: Hier, die Wiege unserer Söhne pflanzend und die Gräber unserer Eltern ehrend, kämpfen wir unseren Kampf für eine bessere Welt, in der nichts als Glückseligkeit herrscht, geboren aus Fortschritt, Friede, Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit.

Im Sozialamt der Stadt Pedreiras, Mariano Lisboa 1188, sitzen drei junge Frauen an einem Tisch und schwatzen. Domingos stellt sich vor sie, die Hände, als wollte er beten, verschränkt, er sagt: Ich hatte einen Freund, Manoel Francisco Silva Souza, genannt Chico Dente de Ouro, nun suche ich seine Mutter.

Sie bieten Domingos einen Stuhl an, Domingos setzt sich unter das Bild der Muttergottes und schweigt und liest die Sprüche an der Wand, Transmita confiança, Use palavras positivas, Rompa os limites, Schaff Vertrauen, Rede positiv, Überwinde Grenzen. Endlich führt ihn jemand ins Nebenzimmer, fensterlos, Neon leuchtet, eine junge Frau sitzt an einem Pult, darauf eine Blume aus Plastik.

Ich hatte einen Freund, Manoel Francisco Silva Souza, genannt Chico Dente de Ouro, nun suche ich seine Mutter.

Ganz einfach, sagt die Frau und schreibt Chicos Namen auf. Wenn seine Eltern den gleichen Namen haben wie Ihr Freund, finden wir die schnell. Falls sie wirklich hier leben. Und eingetragen sind. Kommen Sie in einer Stunde wieder.

Domingos wartet neben der hohen spitzen Säule am Ende der Straße: An alle jene, die mit ihrer ehrenwerten und ständigen Arbeit zur Größe dieses Landes beitrugen, es begossen mit dem Schweiße ihres Angesichts, es formten mit der Hitze ihrer Hände und betraten mit den Sandalen der Pioniere, auf dass sie ruhen im Ruhm der erfüllten Pflicht und im ewigen Traum der müden Krieger.

Domingos ruft seine Frau an: Alles in Ordnung? Gestern Nacht sei einer erschossen worden, kein Landarbeiter, sagt sie, ein Säufer. 

Leider, sagt die junge Frau im Zimmer ohne Fenster, ist hier niemand verzeichnet, der den Namen Ihres Freundes hat. Waren Sie schon bei der Polizei? Rua Messias Filho am Ende der Stadt. Danke, sagt Domingos und sucht zu lächeln.

Halb zwölf, 4a Delegacia Regional de Polícia Civil, in der Ecke stehen zwei Fahnen, die brasilianische und jene des Staates Maranhão, auf dem Kühlschrank liegt die kugelsichere Weste, auf dem Tisch sind eine Pistole und zwei Patronen, der Polizeichef, grünes Leibchen, tippt Chicos Namen in den Computer.

Aha, sagt er, letztmals erfasst vor vier Jahren in Dom Eliseu, Pará, seine Mutter heißt Maria da Nazaré de Souza. Mehr steht da nicht. Danke, sagt Domingos und schreibt den Namen auf ein kleines Stück Papier.

Die Wahlbehörde, sagt der Polizeichef, Rua das Laranjeiras 1477, Stadtteil Goiabal. Das Taxi kostet zehn Reais.

Kein Problem, sagt der Mann von der Wahlbehörde, Cartório da 9o Zona Eleitoral, aber dazu brauchen wir die Erlaubnis des Richters, kein Problem. Der Beamte schaut zur Uhr, 12.25 Uhr. Aber der Richter kommt erst morgen wieder.

Es ist heiß an der Avenida Rio Branco von Pedreiras, kein Schatten hier, Domingos Alves da Silva setzt sich in die Panificadora Amazonas unter den Ventilator. Ein Fernseher lärmt, die Stimmen derer, die den Rücktritt von Senatspräsident José Sarney verlangten, würden immer lauter, nachdem dieser, wie seit Wochen bekannt, in seinem Büro ein Dutzend Enkel und Schwiegersöhne beschäftige, einer so unfähig wie der andere. Doch ausgerechnet Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva, der, damals noch Gewerkschafter und Anwalt der Armen, diesen Großgrundbesitzer Sarney einst den größten Dieb des Landes genannt habe, ausgerechnet dieser Staatspräsident verbreche nun den Satz: Senhor José Sarney hat genug Geschichte gemacht in Brasilien, um nicht wie ein gewöhnlicher Bürger behandelt zu werden.

Plötzlich packt ein Mann, kurze Hose, weiter Bauch, die Kellnerin am Arm und schüttelt sie und schreit: Stell diesen elenden Sender ab, nichts als Lügen, stell ihn ab. Domingos, der selten lacht, lacht jetzt laut.

Die Sekretärin der Pfarrei São Benedito bedauert, im Taufregister stünden nur die Vornamen der Getauften, nicht aber deren Familiennamen und schon gar keine Adressen, 13.55 Uhr.

Können Sie es nicht trotzdem versuchen?, fragt Domingos.

Was soll ich versuchen?, fragt die Frau und verzieht das Gesicht.

Ob Sie im Register eine Maria da Nazaré de Souza finden.

Maria da Nazaré heißt in Pedreiras jede Vierte, sagt die Frau. Souza heißt jeder Dritte. Sie öffnet einen Schrank, darin hohe gelbe Bücher, gefüllt mit blauer Tinte. Wenn jemand Ihnen helfen kann, dann vielleicht ein Notar.

Das Notariat an der Avenida Rio Branco 425, Cartório 1o ofício, verweist auf das Notariat an der Rio Branco 564, Cartório 2o ofício.

Kann schon sein, dass wir die Adresse dieser Frau fänden, sagt ein junger Mann, eine Wand Bücher vor sich, aber das dauert sicher einen Monat. Danke, sagt Domingos Alves da Silva. Ratlos steht er an der Hauptstraße der Stadt, geht einige Schritte nach links, nach rechts, flieht schließlich ins Hotel, das Hemd klebt. Beim Radio waren Sie schon?, fragt der Wirt.

Domingos möchte schlafen, er kann nicht, der Fernseher bewirbt Särge, das billigste Modell für 199 Reais.

Immerhin habe ich nun den Namen von Chicos Mutter, sagt Domingos am Telefon.

Hier ist alles ruhig, sagt seine Frau.

Freitag, 7. August 2009, halb neun, Domingos Alves da Silva steht im Vorraum von FM Cidade 101,5 MHz an der Avenida Rio Branco 535 und spricht: Ich hatte einen Freund.

Kein Problem!, sagt ein Mann und führt Domingos ins Studio, kühl und dämmerig, Schaumstoff an der Wand. Vor dem Mikrofon sitzt eine blonde Frau, sie legt den Kopfhörer ab, hört zu.

Aber verraten Sie nicht, dass er tot ist, bittet Domingos.

Die Blonde nickt, schreibt, schaut zur Uhr.

Dann, neun Uhr, liest sie laut: Ein Mann namens Domingos Alves da Silva, hergekommen aus Breu Branco, Pará, Mitglied der Gewerkschaft der Landarbeiter, sucht die Verwandten eines gewissen Manoel Francisco Silva Souza, genannt Chico Dente de Ouro, dessen Mutter angeblich in Pedreiras lebt und Maria da Nazaré de Souza heißt. Angesprochene melden sich bitte heute Nachmittag ab 16 Uhr im Hotel Basílio an der Rua Manoel Trindade 120, Telefon 36422759.

Mehr können wir nicht tun, sagt die Blonde.

Jetzt trottet Domingos durch die Stadt, die Hauptstraße hinab, vorbei am Sattler, am Bootsbauer. Im braunen Wasser des Rio Mearim treiben zwei Körper, ein Mann, eine Frau, und bewegen sich nicht.

Leichen!, schreit jemand, und die Brücke über den Fluss verstopft mit Menschen, Domingos schaut nicht hin. Er fragt: Wo ist hier das Büro der Landarbeiter?

Wenn diese Maria da Nazaré de Souza unser Mitglied ist, sagt der dicke Sekretär an der Nova rua 536, dann finden wir die sofort. Er drückt sich hinter einen Schalter, am Arm eine breite goldene Uhr, und blättert durch Stapel von alten Karten, gelbe, weiße, grüne, zehn Minuten lang, zwanzig.

Domingos sagt: Er war vielleicht mein bester Freund.

Und dich, fragt der Dicke, bedrohen sie nicht?

Seit zwanzig Jahren bedrohen sie mich, am Anfang schlichen sie nur um Haus und Hof, versteckten sich, um mich zu erschrecken. Dann brachen sie den Hühnern die Beine und hofften, ich verschwinde.

Sie schweigen, der Dicke blättert, Domingos schaut zu, dreißig Minuten lang, vierzig Minuten. Nichts zu machen, sagt der Dicke.

Die Straße runter, dann rauf, vielleicht eine Viertelstunde weit, dort ist das Lokalfernsehen, sagt der Sekretär.

11.15 Uhr, Hitze und Staub am Rand von Pedreiras, kein Wind, kaum Schatten.

Wie?, fragt der Reporter von TV Rio Vale und setzt sich breit neben Domingos Alves da Silva, Rua da Salvação 621, Straße der Erlösung.

Was wie?

Wie haben sie ihn umgelegt?

Kopfschuss, sagt Domingos.

Es gibt Schlimmeres, sagt der Reporter, lacht und stellt sich vor die Kulisse, darauf die Pfarrkirche São Benedito, die Brücke über den Fluss, ein bisschen Wald, ein bisschen Himmel.

Dann ist es zwölf Uhr, Zeit fürs Neuste, die Kamera läuft, der Reporter beginnt zu fuchteln und zu lärmen, im Rio Mearim, schreit er und fuchtelt, seien vor einer Stunde zwei Körper getrieben, bewegungslos, vielleicht tot, ein Enkel im Stadtteil Centro habe seinen Großvater gewürgt, der Baumarkt an der Rua Eurico Ribeiro 427 verkaufe heute und morgen schönste Kacheln mit zwanzig Prozent Rabatt, sensationell, und dieser Hund hier – der Reporter streckt ein Foto in die Kamera – werde seit vorgestern vermisst, bitte melden!

Und außerdem sitzt ein Gast bei mir, sagt der Reporter, ein Mann von sehr weit weg.

Er gibt Domingos ein Zeichen, Domingos tritt zu ihm, er zittert.

Bitte!, sagt der Reporter.

Mein Name ist Domingos Alves da Silva, ich stamme aus Breu Branco in Pará...

Und weshalb sind Sie hier?

Ich hatte einen Freund, Manoel Francisco Silva Souza, genannt Chico Dente de Ouro, nun suche ich seine Mutter.

Weshalb?

Ich muss mit ihr reden.

Weshalb?

Das möchte ich ihr selbst sagen.

Hat sie einen Namen?

Maria da Nazaré de Souza.

Haben Sie gehört, Maria da Nazaré de Souza? Rufen Sie uns an, oder kommen Sie vorbei in der Straße der Erlösung, Nummer 621! Dieser Mann hat Ihnen etwas zu sagen!

Dann Werbung für Teller und Tassen, für Farben und Tapeten, Vorhänge, Zahnspangen – aber hallo, schreit plötzlich der Reporter, wir haben jemanden am Apparat, wer ist dran?

Ich, sagt eine hohe, dünne Stimme.

Wer ich?

Die Mutter von Manoel.

Sie sind Maria da Nazaré de Souza?

Ja.

Sensationell! Kommen Sie her! Rua da Salvação 621.

Ja, sagt die Mutter. 

Domingos Alves da Silva setzt sich auf einen Stuhl aus falschem gelbem Leder und wartet, die Hand vor dem Mund, und schweigt.

Zahnspangen, schreit der Reporter in die Kamera, machen Sie noch schöner als Gisele Bündchen.

Am Rand der Stadt Pedreiras hält ein Motorradtaxi, eine Frau steigt vom Sozius, klein und zahnlos, hellgrüner Rock, dunkelgrünes Leibchen, darauf eine Muschel, ein Seepferdchen, ihre Augen sind groß und starr, die Haare ein Knoten.

Kommen Sie, kommen Sie!, sagt jemand.

Dann stehen sie vor der Kamera, Domingos und Maria da Nazaré, sie sagt, sie sei eben ins Haus der Nachbarin getreten, als der Fernseher ihren Namen sprach, was für ein Glück, dass sie ausgerechnet dann ins Haus der Nachbarin trat, als der Fernseher ihren Namen sprach, seit vier Jahren sei ihr Sohn verschwunden, seit vier Jahren, und eigentlich wolle sie nicht glauben, was neulich jemand meinte, sie wolle nicht glauben, dass er tot sei, aber wäre er tot, sagt die Frau, dann möchte sie wissen, weshalb und wie, alles möchte sie wissen, falls er tot sei, Gott gebe ihr die Kraft, die Wahrheit zu tragen, denn er sei kein schlechter Mensch, ihr Manoel, er habe nie angerufen, nie geschrieben in all den Jahren, sie könne nicht glauben, dass er tot sei.

Es ist Freitag, 7. August 2009, 12.43 Uhr, Domingos und Maria da Nazaré stehen im schmalen Schatten einer Mauer, Straße der Erlösung, es ist heiß in Maranhão, einem der ärmsten Staaten Brasiliens, Domingos dreht sich zur Frau und sagt: Es ist wahr.

Ja, sagt die Frau. Sie blickt zur Erde, zum Himmel, dann bittet sie leise: Erzähl.

Und am Schluss, sagt Domingos, als Chico am Boden lag, öffneten sie seinen Mund und brachen daraus den goldenen Zahn.

Ja, sagt Maria da Nazaré.

Domingos, 55 Jahre alt und drei Tage, steht im Schatten der Mauer und weiß nicht, wohin mit seinen Tränen.



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Erwin Koch


Erwin Koch, geboren 1956, wohnhaft in der Zentralschweiz, schreibt Hörspiele, Romane und Reportagen.
Dokumente
Straße der Erlösung

erschienen in:
ZEITmagazin,
am 30.12.2009

 

Kommentare

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