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21.08.17

Autoren

Jakob Augstein „Liebhaber des Lebens

Gay Talese, der besessene Rechercheur, der leichtfüßige Erzähler hat unzählige Reporter inspiriert - auch deutsche. Warum?

Weil er "in knappen Worten sehr viel Strecke in sehr kurzer Zeit durchmisst", schreibt Jakob Augstein.

Weil man aus seinen besten Texten "mehr lernen (kann) als aus den meisten Reportagelehrbüchern", schreibt Alexander Osang.

Weil er weiter ging als die meisten anderen Journalisten - und für sein Buch über die sexuelle Revolution "Du sollst begehren" sich nackt auf ein Podium stellte und einen Vortrag hielt, erzählt Thomas Schuler.

Bitte laden Sie sich die drei Texte über Talese rechts herunter. Dort finden Sie zusätzlich auch Arbeitstipps von Talese - basierend auf einem Vortrag, den er 2001 bei der Nieman Narrative Conference gehalten hat, dem amerikanischen Reporter-Workshop.

Bitte lesen Sie hier Taleses berühmtesten Text, aus "Esquire", vor einiger Zeit eben dort zur amerikanischen Reportage des Jahrhunderts gewählt.

Bitte sehen Sie hier ein Interview mit Gay Talese und dem deutschen Reporter Wolfgang Büscher auf 3sat.

Finden Sie hier, auf einer ausführlichen Verlags-Website über Talese, eine kluge Biographie unseres Helden.


Gay Talese ist ein schmaler Mann von mittlerer Größe mit einem feinen Gesicht und spöttischen Augen und gehört ohne Zweifel zu den beeindruckensten und sympathischsten Menschen, die ich je getroffen habe. Es ist notwendig, diese Bemerkung am Anfang zu machen. Man sollte sich und dem Leser reinen Wein einschenken. Und eine unabhängige Geschichte ist hier nicht mehr möglich. Es gibt solche Fälle, selten glücklicherweise, in denen ein Gefühl von Verbundenheit den kritischen, auf Distanz bedachten, fachmännischen Verstand überwältigt. Das ist natürlich furchtbar unprofessionell. Weil die Unabhängigkeit, das Losgelöstsein eine Bedingung des guten Journalismus ist. Oder sein sollte.

Talese ist übrigens auch dieser Ansicht. Er ist einer der berühmtesten Reporter seiner Generation, einer der bedeutendsten Amerikas. Er hat das miterfunden, was man später New Journalism nannte: perfekt recherchiert, literarisch, subjektiv. Das Schreiben wurde durch Leute wie Talese revolutioniert. Aber er ist alt, gerade 77 geworden, und wenn man mit ihm redet, gewinnt man den Eindruck, als deckten sich seine Ansichten zum Journalismus und seine Ansprüche daran nur noch selten mit der Wirklichkeit. Unabhängige Journalisten im eigentlichen Sinne gibt es immer weniger. Losgelöster Journalismus wird unüblich. Und die Gründe sind weiß Gott andere als Zuneigung.


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Jakob Augstein


Jakob Augstein, Jahrgang 1967, ist Inhaber des Verlags Rogner&Bernhard und der Wochenzeitung "Der Freitag". Er hat Politik studiert, für die "Süddeutsche Zeitung" und die "Zeit" geschrieben und eine Sammlung mit Gerichtsreportagen veröffentlicht, "Sieben Schüsse in Glienicke".
Dokumente
Jakob Augstein über Gay Talese (pdf)
Alexander Osang über Gay Talese (pdf)
Thomas Schuler über Gay Talese (pdf)
Gay Talese: Suggestions for Daily Journalists (pdf)

erschienen in:
Der Freitag,
am 08.04.2009

 

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