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Wie man's macht

Stefan Willeke „An der Salatfront


Über diese Reportage hat Stefan Willeke auf dem Reporter-Workshop 2007 gesprochen.


Fragt man Rudolf Behr, wozu Salat eigentlich gut sei, holt er tief Luft, fährt rechts ran und lässt den Motor seines Audis noch eine Weile laufen. Im Schatten der Buchen auf einer holprigen Allee zwischen Holtorfsloh und Ohlendorf sortiert ein niedersächsischer Bauer seine Gedanken, Windräder mühen sich kraftlos am Horizont, menschenleere Stille.

» Also«, sagt Behr und schaltet den Motor aus, »Salat. Eigentlich ganz einfach.«
Am Salat könne man viel erkennen von der Gesellschaft, die den Salat umgibt, aber das sei eine lange Geschichte. Wo soll er da anfangen, er, der 54-jährige rundliche Mann mit den riesigen Gemüsefeldern südlich von Hamburg? Natürlich sei klar, dass die Geschichte bei Arbeitsminister Franz Müntefering ende. Bei Münte endeten ja alle Ohlendorfer Salatgeschichten, und nur seinetwegen zögen sich die Geschichten unnötig in die Länge.

» Salat wächst am Boden«, sagt Behr, »da fängt mein Problem an.«

Rudolf Behr ist Deutschlands größter Gemüsebauer. Seine Salate liefert er an die Laderampen von Metro, Rewe, Edeka, Wal-Mart, Tengelmann. 120 Millionen Köpfe Eissalat verkauft er jedes Jahr, 80 Millionen Minirömer, 42 Millionen Kohlrabis. Würde man seine Ernte am Ende eines Jahres auf einen Haufen kippen, könnte man eine ganze Stadt darunter begraben. » Aber erst mal muss man sich bücken, um einen Salat abzuschneiden«, sagt Behr, »und die große Frage ist: Wann lohnt es sich noch, sich zu bücken?«

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Stefan Willeke


Stefan Willeke hat Geschichte und Politik studiert. Seit 1996 arbeitet er bei der Wochenzeitung Die Zeit in Hamburg. Er hat zwei Mal den Kisch-Preis und einmal den Nannen-Preis gewonnen.
Dokumente
An der Salatfront

erschienen in:
Die ZEIT,
am 29.06.2006

 

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