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19.11.17

Wie man's macht

Sabine Rückert „Lauras Tod

Über diese Reportage hat Sabine Rückert auf dem Reporter-Workshop 2007 gesprochen. Sie finden ihren Vortrag als Download unter der Rubrik "Audios".

Ein Baby ist tot. Der Vater hat es erstickt, meint ein Staatsanwalt in Bayern. Doch wurden in der Gerichtsmedizin München wichtige Untersuchungen unterlassen. Zwei neue Gutachten weisen jetzt auf einen natürlichen Tod des Kindes hin – trotzdem wird dem Vater der Prozess gemacht.

Wer schläft, sündigt nicht, heißt es. Stefan Herzog sagt, er sei am Abend des 2. Oktober 2002 nach dem Champions-League-Fußballspiel PSV Eindhoven gegen Borussia Dortmund, das um 22.30 Uhr zu Ende war, auf der Wohnzimmercouch eingeschlafen. In seinem rechten Arm liegt die vier Monate alte Tochter Laura. Als er nach etwa einer Stunde hochschreckt, läuft der Fernseher immer noch, aber der Säugling ist verschwunden. Ihn überkommt das dumpfe Gefühl, es sei etwas Furchtbares passiert. Seine erste Hoffnung, seine Frau sei vielleicht aus dem Schlafzimmer herübergekommen und habe die Kleine an sich genommen, bestätigt sich nicht: Als Herzog sich im Sofa aufrichtet, sieht er das Baby zu seinen Füßen bäuchlings auf dem Laminatboden liegen. Es ist tot.

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Sabine Rückert


geboren 1961, Studium der Kommunikationswissenschaft, Theologie, Markt- und Werbepsychologie. Ausbildung an der Springer-Journalistenschule. Anschließend Nachrichten-Redakteurin bei der taz, seit 1992 Redakteurin bei der Zeit, zunächst im Dossier. Seit 2001 arbeitet sie als ressortunabhängige Gerichts- und Kriminalreporterin. Für ihre Reportagen und Porträts erhielt sie mehrere Journalistenpreise.
Dokumente
Lauras Tod

erschienen in:
Die ZEIT,
am 17.11.2005

 

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