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30.05.17

Wie man's macht

Holger Gertz „Der gefühlte Präsident

Über diese Reportage hat Holger Gertz auf dem Reporter-Workshop 2007 gesprochen. Sie finden seinen Vortrag als Download unter der Rubrik "Audios".

Im Sommer 2005 ist Franz Beckenbauer mal wieder im Fußballstadion gewesen, Mexiko gegen Brasilien in Hannover, das spannendste Spiel beim Konföderationen-Pokal, der Generalprobe für die Fußball-WM 2006, Austragungsort: Deutschland. Franz Beckenbauer saß auf einem rot gepolsterten Sessel, er trug grauen Anzug, weißes Hemd und eine Krawatte, die orange war, aber golden schimmerte, wenn die Sonne auf sie schien. Das graue Resthaar rahmte ein tadellos gebräuntes Gesicht. Der Mann rechts von ihm wirkte, wie sagt man: hemdsärmelig. Offenes hellrosa Hemd, kein Schlips, die Gesichtsfarbe eher rot als braun. Man sah, wie er auf Franz Beckenbauer einredete, seine Hände flatterten herum, sein Sitzplatz schien etwas tiefergelegt zu sein, jedenfalls sah es manchmal so aus, als schaue er zu Beckenbauer auf. Er strahlte Franz Beckenbauer an. Franz Beckenbauer lächelte fein zurück. Der Mann neben Beckenbauer hätte fast La Ola mitgemacht, die Welle, während Beckenbauer selbst sich da zurückhielt. Er ist eher ein Mann der sparsamen Gesten, während der Mann neben Beckenbauer wirkte wie ein kleiner, aufgeregter Junge, der ziemlich stolz darauf ist, dass ihn sein großer Bruder zum Fußball mitgenommen hat. Der Mann neben Beckenbauer war der Bundeskanzler.

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Holger Gertz


Holger Gertz, Jahrgang 1968, arbeitet nach dem Studium der Psychologie und einer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule bei der Süddeutschen Zeitung, vor allem als Reporter auf der Seite Drei und als Streiflichtautor.
Dokumente
Der gefühlte Präsident

erschienen in:
Süddeutsche Zeitung (SZ),
am 24.06.2005

 

Kommentare

Cathy, 25.04.2016, 05:26 Uhr:

East Asian populations have a relatively low level of ASPM and seem to have have rather high g (and general work performance). It is hardly surprising that ASPM couldn't predict those things in individuals by the same tests.If ASPM is really so specific to the work of scribes then it may have ceased to provide any stcvds/reprouuatite advantages a very long time ago. Is it possible to determine if it continued to be selected for to any extent after the scribe era had passed?

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