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23.07.17

Wie man's macht

Alexander Osang „Der letzte Mann

Über diese Reportage hat Alexander Osang auf dem Reporter-Workshop 2008 gesprochen. Sie finden seinen Vortrag als Download unter der Rubrik "Audios".

Weil New Orleans nicht genügend auf den Hurrikan "Katrina" vorbereitet war, versuchen die Verantwortlichen jetzt, die Stadt und ihren Ruf zu retten. Der Polizeichef der versunkenen Stadt wird zur Symbolfigur dieser Bemühungen.

Der Tag, an dem der Hurrikan "Katrina" New Orleans traf, ist Eddie Compass' Geburtstag, und tief in seinem Herzen glaubt Eddie Compass wohl nicht daran, dass dies ein Zufall ist. Am 29. August wurde er 47 Jahre alt. Er sagt, dass Gott ihm mit dem Sturm eine Aufgabe gestellt habe. Und er, Eddie Compass, sei bereit, diese Aufgabe zu erfüllen. Er werde nicht weichen, er werde kämpfen und siegen, sagt er. Er werde die Stadt sichern. Er sei der letzte Mann, der New Orleans verlasse. "The Last Man Standing".

Eddie Compass ist der Polizeichef von New Orleans.

Er steht mit gespreizten Beinen, die Hände auf dem Rücken gefaltet, unterm Vordach des "Harrah's Casino" im Zentrum von New Orleans, wo sich Rettungskräfte aus allen Teilen des Landes treffen, um zu essen, zu warten und zu beraten, wie es weitergeht mit der Rettung der Stadt. Compass' Blick streicht über Hunderte schwerbewaffnete Männer in engsitzenden Uniformen, an denen so viele Gegenstände befestigt sind, dass die Männer nur eckige, schwerfällige Bewegungen machen können. Die Männer tragen Sonnenbrillen, ihre Gesichter sind verbrannt, ihre Oberarme aufgepumpt, und auf Brust und Rücken steht in großen Buchstaben, wen sie hier repräsentieren. Es sind verwirrend viele Organisationen. Sie kommen aus Los Angeles, Chicago, Oklahoma, Texas, New York und Washington, vom Zoll, von der US-Drogenbehörde, der Nationalgarde, vom FBI, dem Grenzschutz, der Feuerwehr, der Army, den Marines und der Navy.

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Alexander Osang


Alexander Osang, Jahrgang 1962, Studium der Journalistik in Leipzig, zunächst Wirtschaftsredakteur, später Chefreporter der Berliner Zeitung, 1999–2006 Reporter für den Spiegel in New York, seit 2007 in Berlin; 1993, 1999 und 2001 Egon-Erwin-Kisch-Preis, 1995 Theodor-Wolff-Preis. Bücher: »Aufsteiger – Absteiger. Karrieren in Deutschland«, 1992; »Die stumpfe Ecke. Alltag in Deutschland«, 1994/2002; »Das Buch der Versuchungen. 20 Porträts und eine Selbstbezichtigung«, 1996; »Tamara Danz. Legenden«, 1997; »Ankunft in der neuen Mitte. Reportagen und Porträts«, 1999; »Schöne neue Welt. 50 Kolumnen aus Berlin und New York«, 2001; »Neunundachtzig. Heldengeschichten«, 2002; »Berlin – New York. Kolumnen aus der schönen neuen Welt«, 2004; »Tierisch. Impressionen aus dem Berliner Tierpark und Zoo.« Vorwort von Alexander Osang zu den Fotos von Wulf Olm, 2007. Romanveröffentlichungen: »Die Nachrichten«, Frankfurt am Main 2000; »Lennon ist tot«, Frankfurt am Main 2007.
Dokumente
Der letzte Mann

erschienen in:
Der Spiegel,
am 01.01.1970

 

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