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30.04.17

Laborberichte

Johanna Romberg „Zaubervogel, wo steckst du

Wissenschaft muss nicht immer von Gewissheiten handeln, das zeigt Johanna Romberg in ihrer Reportage über die Suche nach einem seltenen Vogel, dem Elfenbeinspecht, erschienen in GEO 11/2007. Wie geheimnisvoll, emotional und spekulativ Forschung sein kann, macht Romberg schon im ersten Satz klar: „Eine unfassbare Minute lang habe ich gedacht, ich hätte ihn gesehen.?

Was gesehen? Wen gesehen? Statt Antworten auf diese Frage folgt in den nächsten Absätzen eine Art Kamerafahrt, die erst einmal aufreizend geduldig die Szenerie und Stimmung beschreibt: „Es war an einem Apriltag, um die Zeit, die sie hier 'magic hour' nennen. Die Stunde vor Sonnenuntergang, wenn das Licht milder und die Natur geschäftiger wird, wenn die Käuze von ihren Schlafbäumen herabfliegen und mit aufmerksamen Blicken die Uferböschungen sondieren...?

Hat sie ihn nun tatsächlich gesehen, oder war doch alles nur Einbildung? Diese Spannung trägt die Geschichte bis zum letzten Satz. Allein das wäre schon Grund genug, sie hier hervorzuheben.

Außerdem illustiert Rombergs Reportage die Besonderheiten der Ichform, ihre Stärken und ihre besonderen Herausforderungen. Die Stärke: Die Direktheit des Erlebens, die Unsicherheit des Individuums, das eben nicht allwissend ist. Die Schwäche: Die Ich-Perspektive lässt sich nur schwer als tragendes Element durchhalten. Spätestens in Passagen, welche die Hintergründe erklären, trägt das Ich nur dann, wenn wirklich auch eine Autorität aus ihrem Fachgebiet plaudert. Wenn das nicht der Fall ist, drohen die Stimme des erlebenden Ichs und die Stimme des „unsichtbaren?, erklärenden, neutralen Autors stilistisch stark auseinanderzufallen. Diese beiden Erzählhaltungen beisammenzuhalten, gelingt nur selten.

Wir haben mit ihr am Telefon über ihren Text geplaudert. Nachfolgend ein paar Zitate aus dem Gespräch:


Frau Romberg, warum haben Sie die Ich-Form gewählt?


Ich mag die Ich-Form. Wenn ich ein starkes, subjektives Erlebnis schildere – warum sollte ich verschweigen, dass ich es bin, die es erlebt hat? Das Umschreiben der Ich-Form mit 'man' oder 'wir' empfinde ich als umständlich, ein unnötiges Verschleiern der Tatsache, dass jede Geschichte letztlich nur auf den – ebenso unvollständigen wie voreingenommen - Eindrücken eines einzigen Menschen beruht.

Also ein bewusstes Aufgeben der sonst oft allwissend erscheinenden Journalistenrolle?

Ehrlich gesagt: Ich hab noch nie bewusst eine Auswahl zwischen verschiedenen Erzählrollen getroffen. Ich entscheide bei jeder Geschichte ganz pragmatisch, welche Erzählperspektive mir angemessen erscheint – ohne groß darüber nachzudenken, ob die von mir gewählte nun Standard oder Abweichung ist. Oft entscheide ich mich für die subjektive Perspektive, weil ich damit am lebendigsten, unmittelbarsten erzählen kann.

Aber woher wissen die Leser, wer dieses Ich ist, das da spricht in der Reportage?

Mein Name steht in der Autorenzeile. Genau diese Person erzählt auch. Die Frage, welche Anteile der Persönlichkeit des Autors in der Erzählperson wiederfinden, stellt sich in der Literatur, aber nicht im Journalismus. Jedenfalls mir nicht.

In der Mitte der Reportage setzen Sie noch einen drauf: Plötzlich beginnt das erzählerische Ich auch noch aus dem Textrahmen zu treten und den Leser als „Sie? direkt anzusprechen. Der große Tom Wolfe nannte das einmal „lapel-grabbing journalism? - Journalismus, der einen direkt am Schlafittchen packt. Eine bewusste Strategie?

Nein,  gar nicht. Ich bin, als Erzählerin, viel mehr Amateurin als Strategin. Ich versuche, mir beim Schreiben einen Kreis ungeduldiger Zuhörer vorzustellen - meine Nachbarinnen, meine Kollegen in der Kantine, oder meine Kinder. Da würde ich ja als Erzählerin auch nicht auf irgendwelche formalen Kriterien achten, sondern sie einfach so lebendig und direkt ansprechen wie möglich. Immer im Bewusstsein, dass die kostbare Aufmerksamkeit schon im nächsten Moment flöten gehen kann.



Notiert von Hilmar Schmundt

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Johanna Romberg


Johanna Romberg stammt aus dem Ruhrgebiet. Nach ihrem Studium (Schulmusik und Hispanistik in Köln und Sevilla) arbeitete sie als freie Musikkritikerin und Lokalreporterin bei der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung in Essen. Sie besuchte den fünften Lehrgang der Henri-Nannen-Schule, wechselte danach in die Kulturredaktion des „Stern“. Seit 1987 ist sie Mitglied der Redaktion GEO. Für ihre erste Reportage – Thema: die Emscher – erhielt sie den Egon-Erwin-Kisch-Preis (2.Preis) 1987, einen weiteren (3.Preis) 1993 für eine Reportage über eine Moskauer Gemeinschaftswohnung. Ihr Bericht über den ersten GEO-Tag der Artenvielfalt wurde 2000 mit einem internationalen Preis der Reuters Foundation ausgezeichnet. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind, außer Porträts und Reportagen, Wissenschaftsreports und Essays – etwa über die Entwicklungspsychologie, menschliches Versagen, die Alltagskultur des Singens und, in GEO 12/08, über „moralischen Konsum“. Johanna Romberg lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen bei Hamburg.
Dokumente
Zaubervogel, wo steckst du? (pdf)

erschienen in:
GEO,
am 01.11.2007

 

Kommentare

Velvet, 25.04.2016, 06:15 Uhr:

Quiconque se donne la peine de lire un peu le coran verra que cette religion appelle à la haine et aux meurtres de ceux qui ne sont pas muungmass.Relilion intolérante , rétrograde , qui rabesse la femme à la valeur de la moitié d`un homme.Boutons l`islam hors de l`Europe!!!!!!!!

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