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24.08.17

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Bastian Obermayer „Auf der Lauer

Wer an Wilderer denkt, denkt an die illegale Jagd auf Elefanten und Nashörner in Afrika. Aber auch in Deutschland fallen Rehe, Gämsen und Hirsche Wilderern zum Opfer. Vor allem in den Bergen von Bayern sind die illegalen Jäger täglich auf der Pirsch: Die Seele gerüstet mit archaischen Vorstellungen von Männlichkeit und Freiheitskämpfer-Phantasien, den Rucksack bestückt mit Schalldämpfer, Nachtsichtgerät und Kleinkalibergewehr. Bastian Obermayer hat einen dieser Wilderer auf die Alm begleitet.

Sein Text lässt den illegalen Jägern reichlich Raum, die Faszination ihres heimlichen Hobbys zu schildern. Die hat ein wenig zu tun mit günstigem, frischem Fleisch, und ein bisschen mehr mit der Dankbarkeit und Anerkennung derer, denen man etwas davon abgibt. Noch mehr mit der Möglichkeit, dabei den Draufgänger zu markieren; mutig und dreist genug, mit der blutigen Beute im Rucksack zwischen Wanderern und Förstern zur Almhütte abzusteigen. Am meisten aber mit unkontrollierbarem Jagdfieber - einem Laster, für das manche Haus und Hof aufs Spiel setzen.

Der Autor kontrastiert dieses romantisierende Jägerlatein mit der Perspektive von Polizei und Förstern. Die sich darüber ärgern, dass Wilderer mit ihren kleinen Gewehren die Tiere häufig nur verwunden - worauf sie auf der Flucht qualvoll verbluten. Die darauf hinweisen, dass jeder den Jagdschein machen kann. Und die den Prahlereien der Wilderer mit banaleren Geschichten begegnen - etwa von der Jagd mit dem Jeep. Dabei wartet der Wilderer im Auto auf einer Lichtung, bis ein Reh erscheint. Dann schaltet er kurz die Scheinwerfer ein und schießt aus dem Autofenster auf das im Lichtkegel erstarrte Tier.

Bastian Obermayers Reportage vermittelt den Kitzel der illegalen Jagd - und entzaubert das Räuber-und-Gendarm-Spiel in Berg und Wald im gleichen Zug. Eine spannende Reportage aus einer exotisch anmutenden Nische unserer Industriegesellschaft.


Gehasst, bewundert und jenseits aller Gesetze: In den bayerischen Bergen treiben die Wilderer ihr Unwesen wie vor 100 Jahren. Wir waren mit einem von ihnen unterwegs.


Der Wilderer hat an diesem Tag kein Gewehr dabei. Sagt er. Aber Anton Hardt* hat schon oft versprochen, sein Gewehr im Versteck und das Wildern sein zu lassen. Nach den zwei Hausdurchsuchungen, nach der ersten Verhandlung und nach der zweiten. Nachdem Polizisten und Jäger ihn acht Stunden lang mit Hubschrauber und Wärmebildkamera durchs Gebirge hetzten, ehe sie ihn festnahmen. »Wildern macht süchtig, das kannst du nicht aufhören. Irgendwann fangen deine Beine von selber an zum Gehen, dann stehst du wieder mit der Büchse im Wald. Wilderer bleiben Wilderer, für immer«, sagt er, und dass er sein Fleisch nicht im Supermarkt kaufen will.  
 
Der Wilderer trinkt an diesem Sonntag um kurz vor zehn Uhr morgens sein zweites Weißbier in der Talstation der Wendelsteinbahn im oberbayerischen Brannenburg. Dann sagt er: »Auf geht’s« und steigt in die wartende Zahnradbahn. Der Wendelstein glänzt in der Sonne, um den Berg scharen sich weiße Wolken vor blauem Himmel. Anton Hardt, kräftige Statur, Dreitagebart, kurze Haare, Typ: Hubert von Goisern, ist gekleidet wie einer von vielen, die gern am Berg sind – blaue Funktionshose, kariertes Hemd, bunter Rucksack. Eine bessere Tarnung gibt es kaum: »Wer nachts geht und sich das Gesicht schwärzt, der kann sich auch ein gleich ein Schild umhängen, auf dem ›Wilderer‹ steht.« Er lacht. Hardt sagt »Wuidler« statt »Wilderer« und »Votzn« statt »Gesicht«. Er muss nicht flüstern; die Touristen um ihn herum verstehen sein derbes Bairisch ohnehin nicht.  
 
Die letzten Wanderer zwängen sich in die voll besetzte Bahn, dann ruckelt sie los. Dicht an dicht stehen die Rucksäcke im engen Mittelgang, Müsliriegel und Äpfel werden ausgepackt. Wenn Hardt jagen geht, steckt in seinem Rucksack ein Kleinkalibergewehr mit ausklappbarer Schulterstütze, Zielfernrohr und Schalldämpfer zum Aufschrauben, außerdem Munition, ein scharfes Messer zum Aufbrechen der erlegten Gämsen und eine Wollmütze mit Augenlöchern, die er sich als Maske übers Gesicht ziehen kann. Aber erst, wenn er die Pfade der Wanderer verlassen und sein Gewehr hervorgezogen hat. Wenn er auf den ersten Blick als Wilderer zu erkennen ist oder sogar schon geschossen hat.

(...)


*Name geändert
 

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Bastian Obermayer


Bastian Obermayer (Jahrgang 1977) studierte in München Politik, Geschichte und Amerikanistik und besuchte dort die Deutsche Journalistenschule. Danach arbeitete er drei Jahre als freier Journalist für verschiedene Magazine, seit Februar 2008 ist er fest angestellter Redakteur beim SZ-Magazin, mit dem Spezialgebiet Reportage. Er erhielt diverse Auszeichnungen, unter anderem den Theodor-Wolff-Preis und den Henri-Nannen-Preis. Eigentlich wollte er immer Fußballprofi und Schriftsteller werden.
Dokumente
Auf der Lauer (pdf)

erschienen in:
SZ-Magazin,
am 02.11.2007

 

Kommentare

Andika, 05.03.2013, 08:14 Uhr:

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