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24.07.17

Buchtipps

Lars Abromeit „Starke Stücke

Wer spannende Reportagen schreiben will, sollte vorher Spannendes erlebt haben. Wobei als Faustregel vielleicht mit Hemingway gelten darf: Je intensiver die Handlung ist, desto lakonischer darf die Sprache sein. Im folgenden ein paar Beispiele für Autoren, die sich in ihren Erzählungen auf die treibende Kraft der Aktion verlassen – und dafür bei der Recherche auch Orkanböen im Nordatlantik nicht scheuen.

Redmond O´Hanlon: „Trawler. Von den Orkneyinseln bis nach Grönland“

Die Bücher des britischen Schriftstellers Redmond O´Hanlon funktionieren immer nach demselben Prinzip: Der Autor manövriert sich als ganz normaler, hilfsloser Trottel in Lebensgefahren, die ihn vollkommen überfordern – und schildert dann mit charmanter, britischer Ironie, wie er sich aus dem Schlamassel wieder befreit. Nach seiner Tour durch die Regenwälder von Borneo und seiner Erfahrung mit den Rauschmitteln der Yanomami-Indianer hat Redmond O´Hanlon für sein jüngstes Buch schottische Hochsee-Fischer durch einen Wintersturm begleitet. Schonungslos komisch, packend und trotzdem – wie immer bei O´Hanlon – auch noch sehr lehrreich.


Tim Cahill: „Pecked to Death by Ducks“

Die subtilere Variante von Redmond O´Hanlon: Tim Cahill, Autor des amerikanischen Magazins „Outdoor“, hat unter anderem Feuerwehrmänner im Irak-Krieg begleitet, war mit britischen Adrenalin-Junkies unterwegs und ist 500 Meter unter dem Erdboden durch die Gipskristallhöhlen von New Mexico gerobbt. Symphatischerweise nimmt er sich selbst dabei nie zu wichtig. Ein wunderbarer Gegenentwurf zu den Scholl-Latours dieser Welt.


Joseph Conrad: „Taifun“

Tolles Buch vom Großmeister der Abenteuerliteratur. Poetisch, spannend, klar wie das Wasser des Indopazifiks. Ein Muss!


T.C. Boyle: „Wassermusik“

Auf Mungo Parks Reiseberichte gestützt, hat T.C. Boyle den ultimativen Entdecker-Roman geschrieben. Doppelte Erzähldramaturgie, knochentrockener Humor, Satire und Tragik ganz eng beeinander. Genial.


Ryszard Kapuscinski: „Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies“

Reportage- und Essaysammlung vom besten politischen Reporter der Nachkriegszeit. Ein Klassiker.


Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“

Viel besungen, und das zu recht: Große Charaktere, spannende Handlung, schöne Sprache. Beste Szene: Humboldt´s Höhenkoller am Chimborazo.


Sebastian Junger: „Der Sturm“

Mit packender Akribie rekonstruiert Junger die letzte Fahrt des Fischtrawlers „Andrea Gail“, der im Jahrhundertsturm 1991 vor der Westküste der USA mitsamt der Besatzung versank. Irres Buch: Mindestens doppelt so gut wie die bekanntere Filmadaptation von Wolfgang Petersen.


James Hamilton-Paterson: „Seestücke. Das Meer und seine Ufer“

Inseln, die nie existiert haben, aber trotzdem über Jahrhunderte hinweg auf Seekarten eingezeichnet waren. Die Geheimnisse der Tiefsee. Schatzsucher. Moderne Piraten. Verwoben durch die fiktive Szene eines Ertrinkenden montiert Hamilton-Paterson Reportagen und Essays über die Welt der Ozeane zu einer phantastischen Mischung aus Sachbuch, Reiseerzählung, Roman. Absolut lesenswert!

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Lars Abromeit


Lars Abromeit, geboren 1974 in Berlin, hat Rechtswissenschaften und Biologie studiert und als freier Autor unter anderem für die „Berliner Zeitung“, „Merian“ und die „taz“ geschrieben. Er besuchte die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und ist seit Juli 2002 als Redakteur und Reporter bei GEO. 2007 wurde Lars Abromeit mit dem Axel-Springer-Preis und mit dem BMZ-Medienpreis Entwicklungspolitik ausgezeichnet.
Dokumente
Starke Stücke (pdf)

erschienen in:
Reporter-Forum,
am 01.03.2008

 

Kommentare

Verle, 25.04.2016, 06:36 Uhr:

I know what a Teacup Weaver is. Still working on "full Sabrina."Funny you should mention this, 'cause a few days ago I saw a short video about "the guns of James Bond," with this &qW;oouorld-Rentwned Gun Expert" who'd be thrown off any range in North America these days...

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