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23.07.17

Prämierte Texte

Kai Hermann „Eine Liebe in Berlin

Dieser Text wurde mit dem 2. Preis beim Egon-Erwin-Kisch-Preis 1998 ausgezeichnet.

Die Geschichte beginnt an den ersten richtig warmen Tagen des Frühsommers 1996. Hexe ist damals weg von zu Hause. Sie hängt auf dem Alexanderplatz rum wie die meisten Kids, die in Berlin abhauen. Es ist nicht leicht, am Alex akzeptiert zu werden, wenn man da neu ist. Auf dem Platz hat jede Gruppe ihr Revier. Die Afrikaner, die Türken, die Südamerikaner, die Russen die Punks, die Skater und die Penner. Hexe drückt sich bei den Türken rum. Die türkischen Jungen sind sofort freundlich. Aber sie respektieren Mädchen nicht, die allein abhängen.

Hexe will zu den Punks im Nachbarrevier. Sie traut sich nicht. Sie ist vorher mit einem Nazi gegangen. Sie beobachtet den Typ mit dem verfransten Irokesenschnitt. Der läßt die Anne so komisch baumeln und grinst verlegen, wenn er mit Mädchen redet. Er sieht manchmal rüber zu Hexe. Plötzlich kommt er auf sie zu und fragt schüchtern: »Hast du vielleicht "ne Kippe?« Hexe gibt ihm eine R 6. Sie wird nie vergessen, daß es eine R 6 war.

Der Junge ist Zottel. Er bringt sie zu den Punks und nimmt sie abends mit in eine Baracke. Er hat da ein richtiges Bett, hellblau gestrichen. Hexe weiß nicht, was sie tun soll, wenn er fragt, ob sie mit in dieses Bett kommt. Zottel schiebt mit dem Fuß ein paar Styropor-Platten auf dem Boden zurecht, als Schlafplatz für Hexe. Sie wartet auf einen Kuß. Weil es üblich ist bei den Punks auf dem Alex: Wenn man kommt oder geht oder gerade nur gierig ist auf ein bißchen Zärtlichkeit. Aber Zottel steigt über sie rüber in sein Bett und schläft ein.

Hexe ist 15. Sie wird Hexe genannt, solange sie denken kann. Wahrscheinlich, weil sie selten tat, was andere wollten. Weil sie damit den Leuten auf den Keks gegangen ist. Zottel ist 17. Er heißt wohl so, weil er sich nie die Haare ordentlich gekämmt hat - oder auch, weil einfach sein ganzes Wesen verzottelt ist.

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Kai Hermann


Nach dem Studium der Geschichte und Politikwissenschaften in Tübingen, Hamburg, Vancouver (Kanada) und der Harvard University war Kai Hermann seit 1963 zunächst Redakteur und Berlin-Korrespondent der Zeit. 1969 wechselte er als Auslandskorrespondent zum Spiegel. Danach Chefredakteurs der Jugendzeitschrift twen, von 1972 bis 1978 fester Mitarbeiter des stern, für den er mit Horst Rieck die jugendliche Drogenabhängige und Beschaffungsprostituierte Christiane Felscherinow („Christiane F.“) interviewte. Daraus entstand "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Seit 1978 ist Kai Hermann freiberuflich als Publizist, Autor und Drehbuchautor tätig.
Dokumente
Eine Liebe in Berlin (PDF)

erschienen in:
Stern,
am 20.02.1997

 

Kommentare

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