Reporter Forum Logo
27.03.17

Gern gelesen

Alex Rühle „Der kleinste ökologische Fußabdruck der Welt

Eine kleine, unaufgeregte Geschichte, erschienen ist sie im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Um Malawi geht es. Wir treffen einen Uni-Lehrer, einen Schriftsteller, eine Journalistin und hören von jener Dame, die für Malawi im Container von "Big Brother Africa" saß.

"Als sie nach Hause kam, wurde sie vom Präsidenten Bingu wa Mutharika persönlich begrüßt und für ihre "beeindruckende Performance" gefeiert. Er dankte ihr dafür, dass sie mit ihrem zweiten Platz "Malawi in die internationale Liga kultureller Gewinner" geführt habe."

Überhaupt erfahren wir sehr viel über dieses kleine Land - in einer Reise-Erzählung, die sich nicht um Erzähl-Konventionen schert. Kein szenischer Einsteig, keine starken Szenen, keine Personalisierung, keine großen Gefühle. Stattdessen: Gespräche im Restaurant, eine Busfahrt, Hintergründe, Räsonierendes. Kurz: Eigentlich hat Alex Rühle alles falsch gemacht. Und doch ist seine Geschichte mit ungleich mehr Erfahrung, ungleich mehr Erkenntnis gesättigt als so manch klassische Reportage. Vielleicht ist es manchmal besser, weniger zu beschreiben und dafür länger nachzudenken. Jedenfalls: Würden doch nur mehr Feuilletonisten ihre Schreibtische verlassen!


Ariel Hauptmeier



In die Weltnachrichten schafft es Malawi nur, wenn Madonna vorbeikommt - dabei hätte es ein Vorbild sein können für ganz Afrika

Es sind genau drei Dinge, mit denen es das kleine ostafrikanische Land Malawi in den vergangenen Jahren in die internationale Presse schaffte: Einmal natürlich der Hunger, die Dürren, Africa classics sozusagen. Dann ging die anrührende Geschichte des 14-jährigen William Kamkwamba um die Welt, der vor einigen Jahren in der Schulbücherei seines Dorfes die Abbildung einer Windmühle sah und daraufhin aus Fahrradrahmen, Brettern und Plastikschläuchen selbst ein schiefes Windrad baute, um für seine Eltern Strom zu erzeugen. Das ist die ideale People-Geschichte aus Afrika, armer Junge hilft sich selber, inklusive toller Bilder aus einem Hüttendorf. Und zuletzt ist natürlich Madonna zu nennen, die vor zwei Jahren den kleinen David aus einem Waisenheim an der Grenze zu Sambia adoptierte. Seinerzeit versprach Madonna in den amerikanischen Hochglanzmagazinen, für den Jungen "unbedingt Kontakt zu halten zu dessen afrikanischen Wurzeln". Auf die Frage, was sie damit meine, betonte sie den reichen Legendenschatz der Afrikaner.

Der Schriftsteller Tito Banda unterrichtet oral literature und kreatives Schreiben an der Universität von Mzuzu, einer Kleinstadt im Norden Malawis. Der 58-Jährige wäre froh, wenn es den reichen Legendenschatz noch gäbe. Banda ist eine Art Konservator in letzter Minute: Jeder seiner Studenten, das ist eine Art Aufnahmebedingung für seine Kurse an der pädagogischen Fakultät, muss ihm mindestens eine Erzählung oder Legende aus seinem jeweiligen Dorf bringen. Banda zieht auch selbst durch die Dörfer, um die letzten großen Geschichtenerzählerinnen mit einem Kassettenrekorder aufzunehmen, ähnlich den Brüdern Grimm, die zu Beginn der Industrialisierung durch die Dörfer zogen, um die mündlich tradierten Märchen vor dem Vergessen zu retten.

mehr...

Zurück

Alex Rühle


Alex Rühle, geboren 1969, Studium der Komparatistik, Romanistik und Philosophie in München, Paris und Berlin. Nach Jahren der Suche, unter anderem als Entwicklungshelfer, Stadtcafekellner und Klinikclown, seit 2001 Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Rühle ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Dokumente
Alex Rühle: Der kleinste ökologische Fußabdruck der Welt (pdf)

erschienen in:
Süddeutsche Zeitung (SZ),
am 28.03.2009

 

Kommentare

Davian, 25.04.2016, 06:28 Uhr:

it always comes to this. I am painfully reminded that i do not have a popsicle mold and I NEED one! They look so delicious and I feel like th8y2#e&17;re easier to eat in popsicle form. Gorgeous photos, my friend!

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*


CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kontakt: Reporter Forum e.V. | Sierichstr. 171 | 22299 Hamburg