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27.05.17

Prämierte Texte

Dirk Kurbjuweit / Christoph Schwennicke „Gefährliche Trägheit

Dieser Text wurde von der Vorjury für den Henri-Nannen-Preis 2009 in der Kategorie Dokumentation vorgeschlagen.

Der Tag, an dem die Kurven sich kreuzen werden, ist nur noch ein paar Wochen hin, und es wird kein schöner Tag sein für Mechthild Reith. Sie kämpft noch, dass es nicht passiert, aber es wird passieren.

Mechthild Reith arbeitet seit vielen Jahren für die SPD, sie hat das schon gemacht, als die Partei auf ihren Gartenfesten noch Dixie spielte und nicht BossHoss, als Rudolf Scharping vom Rad fiel und Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine so taten, als passte kein Blatt Papier zwischen sie. Reith hat viel erlebt.

Jetzt sitzt sie im Büro des Parteivorsitzenden in Berlin, vorn im Bug des schiffartigen Baus. Sie schreibt Briefe, Geburtstagsgrüße von Kurt Beck an Wolf Biermann oder Erhard Eppler. Und sie antwortet Menschen, die der SPD ihren letzten Brief geschrieben haben. Kaum ein Parteiaustritt, der nicht über den Tisch von Mechthild Reith geht. Von über einer Million Mitglieder im Jahr 1977 ist die SPD auf 532 840 zusammengeschnurrt. Dass es die CDU ebenfalls trifft, kann nur wenig trösten (siehe Grafik Seite 58). Bald wird die Partei von Angela Merkel mehr Mitglieder haben als die Arbeiterpartei. Am Tag, wenn sich die Kurven kreuzen.

Aber Mechthild Reith schreibt weiter tapfer Briefe, im Namen der SPD, aber auch im Namen der Demokratie, im Namen des Engagements und gegen die Gleichgültigkeit. Persönliche Anrede und dann der Versuch, auf die individuellen Motive einzugehen und möglichst nicht mit Textbausteinen zu operieren. Jeder Brief ein Einzelstück.

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Dirk Kurbjuweit


Dirk Kurbjuweit, geboren am 3. November 1962 in Wiesbaden. Abitur 1982 in Essen, Zivildienst in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Essen, Kölner Journalistenschule, Studium der Volkswirtschaft in Köln, Diplom im Herbst 1989. Redakteur der ZEIT von 1990 bis 1999, Reporter beim SPIEGEL von Herbst 1999 bis Sommer 2007, Büroleiter beim SPIEGEL in Berlin seit Sommer 2007. Kurbjuweit ist verheiratet und hat zwei Kinder. Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage 1998 und 2002

Christoph Schwennicke


Christoph Schwennicke, geboren am 20.03.1966 in Bonn, arbeitet seit 2007 für den SPIEGEL. Seit Juli 2010 ist er stellvertretender Hauptstadtbüroleiter in Berlin. Bis 2005 war er Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in London, bevor er 2007 die Leitung der Parlamentsredaktion des Berliner Büros der Süddeutschen Zeitung übernahm. Von 1996 bis 2005 war er Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Bonn und Berlin, davor war er bis 1995 als Parlamentskorrespondent der Badischen Zeitung in Bonn tätig. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Journalistik in Bamberg und ist Diplomabsolvent der Deutschen Journalistenschule München. Er erhielt 1992 dem Theodor-Wolff-Preis. 2008 wurde die Reportage „Gefährliche Trägheit“ mit dem Medienpreis für Politik des Deutschen Bundestages ausgezeichnet. 2009 bekam er den Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik.
Links
Gefährliche Trägheit bei Spiegel Wissen

erschienen in:
Der Spiegel,
am 10.05.2008

 

Kommentare

Mattingly, 25.04.2016, 11:47 Uhr:

I read your post and wished I'd wrtetin it

Zolti, 23.01.2014, 13:20 Uhr:

While I agree with: Giving people what they want is the high road to ditssaer. What they want is McDonalds KFC . The problem is you'd be hard-pressed to find someone who will say: Drayton, you're kidding me, you mean to tell me McDonald's isn't healthy?!?!? and get them to change their minds.Metaphorically, what we need to do is package the veggies to look like a brownie maybe then we can make a difference .

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