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15.12.17

Prämierte Texte

Juan Moreno / Dialika Krahe „Das Traumschiff

Dieser Text wurde von den Vorjuroren für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 vorgeschlagen.

Das erste richtige Gespräch, das Blessing Okunorobo in Europa führte, war eigentlich kein Gespräch, denn für Gespräche braucht man Worte. Sie hatte ihr dunkelblaues Klapptelefon, sie hatte die Handynummer im Kopf, und sie hatte die Pflicht, ihren Mann anzurufen und ihm zu sagen, wo sie war. Und wo seine Söhne waren. Drei Tage hatte Blessing den Anruf hinausgezögert.

Felix war sofort dran. Er hatte Blessing seit Wochen nicht gesehen, seit sie eines Nachts verschwunden war.

"Wo sind meine Jungs?"

Felix Okunorobo, Flüchtling aus Benin City in Nigeria, wollte nur wissen, wo seine Frau die "Jungs" hingebracht hatte. Er rief sie immerzu "meine Jungs". My boys.


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Juan Moreno


Juan Moreno wurde am 6. Oktober 1972 in Huércal-Overa (Spanien) geboren. Er hat VWL in Konstanz, Florenz und Köln studiert. Nach dem Studium besuchte er die Deutsche Journalistenschule in München. Anschließend schrieb Moreno für die Süddeutsche Zeitung. Seit mehreren Jahren moderiert er eine Radiosendung beim Westdeutschen Rundfunk und eine politische Diskussionssendung bei Phoenix. Er schreibt regelmäßig für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Sein Roman "Cindy liebt mich nicht" wurde 2010 verfilmt.

Dialika Krahe


Dialika Krahe, 26, beendete vor kurzem den 31. Lehrgang der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Während der Ausbildung an der Journalistenschule schrieb sie für den Spiegel, ZEITmagazinLeben und den Tagesspiegel in Berlin. Zuvor studierte sie Modejournalismus und Medienkommunikation und schrieb als freie Mitarbeiterin für das Hamburger Abendblatt. Sie arbeitet heute als freie Autorin in Hamburg.
Links
Das Traumschiff (PDF)

erschienen in:
Der Spiegel,
am 27.10.2008

 

Kommentare

Griseldis, 15.12.2010, 15:04 Uhr:

Das Thema, der gewählte Handlungsablauf, die Sprache, klasse rüber gebracht. Und ab da: ..."Der Priester reibt
das Mädchen mit zerstampften Blättern ein
und lässt es unter Gebeten in den Fluss
eintauchen, das Mädchen weint: „Mach,
dass sie in Europa Arbeit findet, damit wir
ein Haus aus Stein bauen können und die
Jüngsten in die Schule schicken.""... hat mich die Emotionalität als Leser vollens ergriffen.

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