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27.04.17

Prämierte Texte

Hauke Goos „Das Leben nach dem Tod

Dieser Text wurde von den Vorjuroren für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 vorgeschlagen.

Sie waren wieder da, wie jedes Jahr am 7. Juni. Sie trafen sich morgens um zehn, auf einer Wiese in der Kaserne. Ein paar von ihnen trugen Uniform, ein paar waren in Zivil gekommen. Sie hatten einen Kranz mitgebracht, auf der Schleife stand: "In stillem Gedenken - Kameraden des EloKaBtl 932".

Ein evangelischer und ein katholischer Militärseelsorger hielten eine Predigt. "Wer tot ist, ist nicht vergessen", sagte der eine. "Nur wer vergessen ist, ist tot." Dann beteten sie das Vaterunser.

Sie waren wieder da, in der Burgwald-Kaserne in Frankenberg, in Nordhessen, wo ihr Leben vorangegangen war, bis zu dem Tag, an dem der Einsatzbefehl kam. Ein Trompeter blies das Lied "Ich hatt` einen Kameraden", und dann sahen sie dabei zu, wie der Kranz niedergelegt wurde - der Soldat, der heute auf Bali wohnt, nicht mehr in Deutschland leben kann, seit er von dem Einsatz zurückkehrte, schwer verletzt; der andere Soldat, der seitdem versucht, sein Leben mit Hilfe der Psychotherapie erträglich zu machen; der dritte Soldat, der sich ein paar Wochen danach freiwillig meldete, der glaubte, dahin zurückkehren zu müssen, wo es passiert war, um das Geschehene bewältigen zu können. Der vierte Soldat, der das Tageslicht nur noch selten erträgt, seit er wieder zu Hause ist, ist nicht gekommen, er blieb daheim, in Sicherheit, im Dunkeln.

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Hauke Goos


Hauke Goos, Jahrgang 1966, arbeitete nach dem Geschichts-Studium und der Nannen-Schule zunächst als Reporter für das SAT.1-Magazin "Akte", ehe er 1999 zum SPIEGELreporter kam. Seit 2001 schreibt er für den Spiegel.
Links
Das Leben nach dem Tod (PDF)

erschienen in:
Der Spiegel,
am 16.06.2008

 

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