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Prämierte Texte

Josef Seitz „Uwe Herold sagt: Ich will

Dieser Text wurde von den Vorjuroren für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 vorgeschlagen.

Eine Wespe. Hier? Dieses Surren. Und wie es ans Fenster tockt. Ausgerechnet im Krankenzimmer. Zu sehen ist sie nicht, wie auch. Der Kopf, er liegt starr geradeaus gerichtet, so, wie der Pfleger ihn gebettet hat. Das Surren löst sich vom Fenster, es kommt näher. Was, wenn sich die Wespe auf die Nase setzt, krabbelt? Wenn sie sticht? Der Körper: 80 Kilo Hilflosigkeit unter der Bettdecke. Die Arme, links und rechts abgelegt, reglos. Zu nichts lassen sie sich vom Kopf bewegen, zu nichts die Hände, zu nichts auch nur ein Finger. Die Augen: wie Suchscheinwerfer fahren sie durch den Luftraum. Wann, bitte, wann kommt Hilfe?

Uwe Herold, 36, ist Freund und Helfer. "Ich wollte nie etwas anderes werden", sagt er, "ich bin Polizist." Er sagt es ohne Vergangenheitsform. Seine Gegenwart hat er gerade begonnen. Seit einigen Wochen schleppt sein Kopf den querschnittsgelähmten Körper zurück in die Arbeit. Als Polizist. Bei der Kriminalpolizei. Zu echter Polizeiarbeit.

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Josef Seitz


Josef Seitz, 46, hat sich der Welt der Arbeit von ganz unten genähert, als Kanalarbeiter, und von ganz oben, als Dachdecker. Er hat gelernt, dass Worte schwerer wiegen als Dachziegel, meist aber leichter zu heben sind. Journalismus übte er bei der Regionalzeitung „Frankenpost“, Hof. Bis 1998 war er Chefredakteur der Kaufzeitung „Die Woche“, Regensburg. Bis 2000 leitete er als Chefredakteur die Fachzeitschrift „kress report“, Heidelberg. Seit September 2000 ist Josef Seitz stellvertretender Leiter des Ressorts Medien im Nachrichtenmagazin „Focus“. Als Autor verleiht er sich ans Reportageressort. Preise: Hansel-Mieth-Preis, Auszeichnungen für die besten Reportagen 2004/2007.
Dokumente
Uwe Herlof sgt: Ich will (PDF)

erschienen in:
Focus,
am 17.11.2008

 

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