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Katja Thimm „Rolf, ich und Alzheimer

Dieser Text wurde mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 ausgezeichnet.

Vor dem Haus für alte demente Menschen steigt im Januar 2007 eine Dame aus einem silberfarbenen Audi. Der Fahrer, ein Herr mit Hut und Einstecktuch, reicht ihr den Arm. Sie blickt kurz auf; dann schiebt sie seinen Arm zur Seite. Die Dame lässt sich nicht gern helfen, schon gar nicht von ihrem Mann.

Ein halbes Jahrhundert lang führte Marita Lang die Familie an; ihr Gesicht, 82 Jahre alt, spiegelt noch immer Tatkraft und Eigensinn, Spott, manchmal Freude. Seit einiger Zeit, die Abstände werden kürzer, tauchen auch verstörende Zweifel und Verzweiflung auf. Doch Frau Lang will von ihren Zweifeln nichts wissen.

"Das Alter", sagt sie, wenn ihr Worte oder Taten fehlen.

Einmal nur hat sie das unheimliche Wort benutzt, es ist erst drei Wochen her. Sie hatte ihr weißgraues Haar frisiert und eine feingliedrige Brosche an den Kragen des Pullovers gesteckt. So saß sie beim Arzt, voller Furcht. "Alzheimer", fragte sie ihn, "wird es doch wohl nicht sein?"

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Katja Thimm


Katja Thimm, am 15.2.1969 in Köln geboren, im Rheinland aufgewachsen, hat in Bonn, Paris und Hamburg Politikwissenschaft, Romanistik, Öffentliches Recht und Neuere Geschichte studiert. Nach der Diplomarbeit volontierte sie beim NDR und besuchte anschließend die Henri-Nannen-Schule. Sie war Redakteurin im Auslandsressort des STERN und in der Redaktion "Kulturmagazine" des NDR-Fernsehen. Seit 2000 arbeitet sie beim SPIEGEL, bis 2009 als Redakteurin im Wissenschaftsressort, seither als Reporterin im Kulturressort. Für ihre Arbeiten wurde Katja Thimm mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Henri-Nannen-Preis für die beste Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis). Im März 2011 erschien ihr Buch "Vatertage" im S. Fischer Verlag.
Links
Rolf, ich und Alzheimer (PDF)

erschienen in:
###ARTICLE_PUBLISHER###,
am 23.06.2008

 

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