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29.04.17

Wie man's macht

Reporter Forum „Antagonistisches Erzählen

Erzählen in Gegensatzpaaren - das ist ein einfacher dramaturgischer Kniff, der eine beträchtliche Wirkung entfalten kann. Bitte finden Sie hier einige Text-Beispiele aus dem Archiv dieser Website.


Was wären Faust ohne Mephistopheles, Luke Skywalker ohne Darth Vader, Neo ohne Agent Smith? Sie wären nur halb so großartig. Helden brauchen Widersacher, um zu glänzen. Kein Wunder, dass Drehbuchschreibern der Antagonist, der Bösewicht, der Widersacher mindestens ebenso sehr am Herzen wie der Protagonist, der Gute, der Held.

Nun müssen Reporter in den allermeisten Fällen kleinere Brötchen backen und können sich glücklich schätzen, wenn sie einen starken Protagonisten haben - woher dann auch noch einen Antagonisten nehmen? Und tatsächlich müssen viele Reportagen ohne ihn auskommen. Das ist auch der Hauptgrund, warum Reporter von Drehbuchschreibern weniger lernen können als gemeinhin angenommen.

Andererseits: Lohnt sich immer die Frage, ob es einen Antagonisten gibt. Ob jemand den Gegenpart spielt - und ob es Sinn macht, ihn zum Teil der Geschichte zu machen. Und diese so mit Spannung aufzuladen - mit der Spannung zwischen Protagonist und Antagonist.

Hier einige Beispiele für in Gegensatzpaaren erzählte Geschichten:

Stefan Willeke hat in der Zeit den Abbau einer Dortmunder Kokerei
durch einen chinesischen Bautrupp beschrieben - anhand von zwei Gegenspielern. Hier der deutsche Stillstandsverwalter, dort der chinesisiche Manager. Die beiden mögen sich nicht. Sie verstehen einander nicht. "Unabsichtlich haben sie die Globalisierung auf ein Kammerspiel reduziert." .

Cordt Schnibben hat einen Kischpreis gewonnen für eine Reportage über die Folgen des Vietnamkriegs: Hier der amerikanische Kriegsverbrecher Calley, längst rehabilitiert, dort die Überlebende des Massakers von My Lai, auf ewig traumatisiert. Ein verstörender, krasser, erhellender Gegensatz quer über die Kontinente hinweg.

Aber dieses Prinzip funktioniert nicht nur mit großen Stoffen, sondern auch in der Lokalreportage. Christoph Wöhrle hat in  "Doktor Fastfood und Mister Dschihad" zwei Berliner Imbissbuden porträtiert, um die Spannbreite deutscher Migranten-Welten auszuloten: Hier "American Easyfood", betrieben von einem amerikanophilen Türken, dort ein "orientalisches Cafe", in dem langbärtige Israelhasser Verschwörungstheorien nachhängen. Die beiden Orte haben eigentlich nichts miteinander zu tun, und jeder einzelne von ihnen wäre uninteressant. Erst, indem er sie zusammenzwingt, weist Wöhrle ihnen Bedeutung zu.

Ariel Hauptmeier

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erschienen in:
Reporter-Forum,
am 03.12.2008

 

Kommentare

Artie, 25.04.2016, 09:48 Uhr:

Da wedle ich also mit einem Herrenfächer - einen aus duftendem Zedernholz habe ich nämlich auch.Die Idee mit der Duftfächelei ist wunderbar, denn im Moment gibt es nichts Schlimmres als das vor allem in Mennshecmengen bevorzugte Deo "Old Schweiß" (muss ein Sonderangebot gewesen sein).Flirten UND fächeln? Ich fürchte, ich stelle mich schon bei einem von beidem dumm an ;-)Ihnen auch viele schöne Fächeltage!

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