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19.09.17

Prämierte Texte

Christoph Amend „Mann im Spiegel

Mit diesem Text gewann Christoph Amend den Axel-Springer-Preis 2004.

Am Ende unseres Telefonats kann Michel Friedman seine Freude nicht verbergen. Gerade hat er erklärt, dass er keine Zeile des Interviews, das wir mit ihm geführt haben, zur Veröffentlichung freigeben wird. Das Gespräch sei korrekt wiedergegeben, aber in dieser Weise möchte er sich nicht mehr äußern. Man bietet ihm an: als Alternative zum Frage-Antwort-Interview ein Porträt über ihn. Jetzt hört man ihn richtig am Telefonhörer strahlen: Oh, gerne, das sei kein Problem, ja, gespannt sei er darauf, ein Psychogramm, bitte, und es erscheine wann genau? Ach ja, und falls man doch noch Auskünfte von ihm brauche, könne man ihn jederzeit anrufen. Er meint das nicht ironisch. Er sei nun mal eine der Projektionsflächen dieses Landes. Er nennt seine Handynummer, man könne ihn wirklich jederzeit erreichen. Dann legt er auf.

Bei ausführlichen Gesprächen, die Zeitungen in Frage-Antwort-Form drucken, gehört es sich, dass vor Veröffentlichung des Artikels dem Befragten eine schriftliche Fassung vorgelegt wird. Oft werden Passagen geändert, Details berichtigt, und in seltenen Fällen zieht der Interviewte das komplette Gespräch zurück. Nun ist Michel Friedman für seine knallharten Gespräche berühmt geworden, die er in seinen Talkshows mit Politikern geführt hat. Seine unerbittliche Art hat die Qualität seiner Sendungen ausgemacht. Als wir uns in Cannes unterhalten, in seiner Wohnung, und ein Tonbandgerät alles aufzeichnet, betont er, er würde offen auf unsere Fragen antworten. Ja, fügt er hinzu, wenn er selbst Gast in seiner Talkshow wäre, wäre ihm bewusst, dass er auf einer heißen Couch sitzt — Angst habe er davor keine

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Christoph Amend


Christoph Amend, geboren 1974 in Giessen, ist Redaktionsleiter des ZEITmagazins. Von 1996 bis 1999 war er Redakteur bei jetzt, dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung, zuletzt als stellvertretender Redaktionsleiter. Anschließend wechselte er zum Tagesspiegel nach Berlin, zunächst als Redakteur für besondere Aufgaben. Von 2001 an war er verantwortlich für die Sonntagsbeilage. Von 2004 an leitete er bei der ZEIT das Ressort Leben. Sein Buch "Morgen tanzt die ganze Welt - die Jungen, die Alten, der Krieg" wurde 2004 mit dem Hermann-Hesse-Nachwuchspreis ausgezeichnet.
Dokumente
Mann im Spiegel (PDF)

erschienen in:
Der Tagesspiegel,
am 16.11.2003

 

Kommentare

Charl, 25.04.2016, 03:00 Uhr:

There's a secret about your post. ICYTTBIHTKY

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