Reporter Forum Logo

Prämierte Texte

Roland Schulz „Walross im Visier

Mit diesem Text gewann Sandra Schulz den Axel-Springer-Preis 2005.

Er sagt, er liebt die Tiere. Warum nur kann er sich dem Drang, sie zu töten, nicht entziehen? Porträt eines Jägers, für den jeder Schuss wie eine Droge ist.

Der Himmel ist blau, als Oskar stirbt. Das Thermometer zeigt 15 Grad unter null. Mit einem alten Fischkutter sind sie in das Gebiet der Walrösser gefahren, dorthin, wo die Wassertiefe nur 40 Meter beträgt, irgendwo an der Westküste Grönlands. Ein Mann steht immer mit dem Fernglas im Mastkorb, um die Tiere im Packeis zu suchen: dunkle Klumpen auf weißen Schollen. Auf einer Eisscholle liegt Oskar.

Noch bevor sie in dem schaukelnden Beiboot auf Schussdistanz sind, flüchten die Walrösser ins Meer. Die Männer verfolgen Oskar, im glasklaren Wasser sind seine Umrisse gut zu erkennen. In dem Moment, in dem das Walross auftaucht, um Luft zu holen, zeigt es den Jägern seinen Rücken. Mit 900 Metern pro Sekunde schlägt das erste Geschoss in den Tierkörper ein. Es zerstört Oskars Lunge. Das Walross schwimmt weiter, der zweite Schuss geht wieder in die Lunge, beim dritten Auftauchen durchbohrt die Harpunenspitze seine Haut. Doch noch lebt Oskar. Der letzte Schuss trifft ihn ins Gehirn. "Batsch, bumm, tot!", sagt Roger Joos.

Mehr...


Zurück

Roland Schulz


Roland Schulz, geboren 1976. Im Rahmen seiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München studierte er Kommunikationswissenschaft, Geschichte und Politische Wissenschaft. Er lebt in München. Er arbeitet für „Geo“.
Dokumente
Walross im Visier (PDF)

erschienen in:
mare,
am 01.06.2004

 

Kontakt: Reporter Forum e.V. | Sierichstr. 171 | 22299 Hamburg