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19.11.17

Wie man's macht

Dirk Kurbjuweit „Szene ist Arbeit

Wer eine gute politische Reportage schreiben will, muss die Hölle meiden und einen Ort suchen, der spannender ist. Wo packende Szenen zu finden sind, verriet Dirk Kurbjuweit den Teilnehmern des „Reporter Forums“. Der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros sprach außerdem über die sprachlichen Fallstricke der politischen Reportage, den Umgang mit Politikern und die Themenauswahl.

Ich finde die Szene in der Politik-Reportage extrem schwierig, weil wir im Prinzip immer dieselben Orte haben. Ich nenne das die höllischen Orte der Politik:
     - Das Büro, da treffen wir den Politiker
     - Das Bierzelt, da hält er seine Reden, da hat er seine Auftritte
     - Der Bundestag
 
- Warum sind diese Orte höllisch? Sie sind tausendmal beschrieben. Sie geben wenig her. Das Büro ist langweilig, eigentlich immer gleich. Das Bierzelt ist manchmal interessant, aber es ist mit Klischees beladen. Und der Bundestag, den kennen wir alle aus dem Fernsehen – auch das ist keine besonders originelle Szene. 
 
- Wir haben es daher als politische Reporter ganz besonders schwer, szenisch zu arbeiten. Das ist die große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Szene ist Arbeit. Ich habe für den Text „Die Unbeugsamen“ die Protagonisten aus den üblichen Orten herausgezogen. 
 
- Was sind deren persönlichen Orte? Wo kommt ihre Haltung her?, habe ich mich vorher gefragt. Die drei haben ganz starke Haltungen. Ich wollte sie dort aufzusuchen, wo diese Haltung entstanden ist. So hoffe ich, dass ich auf Szenen treffe, die noch nicht so oft beschrieben wurden und die anders wirken als es normalerweise in politischen Reportagen der Fall ist.

- Also musste ich andere Orte für sie finden als Büros oder die Lobby im Bundestag. Das hat aber dann auch etwas Problematisches. Denn so verändern wir ihren Alltag. Wir bringen sie in eine spezielle Situation mit dem Ziel, für uns eine interessante Szene herauszuziehen und schon verändern wir das Bild und greifen in das Leben der Politiker ein. Wir formen uns unseren Gegenstand anstatt ihn nur zu betrachten.

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Dirk Kurbjuweit


Dirk Kurbjuweit, geboren am 3. November 1962 in Wiesbaden. Abitur 1982 in Essen, Zivildienst in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Essen, Kölner Journalistenschule, Studium der Volkswirtschaft in Köln, Diplom im Herbst 1989. Redakteur der ZEIT von 1990 bis 1999, Reporter beim SPIEGEL von Herbst 1999 bis Sommer 2007, Büroleiter beim SPIEGEL in Berlin seit Sommer 2007. Kurbjuweit ist verheiratet und hat zwei Kinder. Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage 1998 und 2002
Dokumente
Dirk Kurbjuweit: Hinweise zur politischen Reportage (pdf)
Dirk Kurbjuweit: Die Unbeugsamen (pdf)

erschienen in:
Reporter-Forum,
am 31.08.2008

 

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