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27.04.17

Prämierte Texte

Uwe Buse „Wandern für Deutschland

Mit diesem Text gewann Uwe Buse den Hansel-Mieth-Preis 2001.

Wie verwandelt man prügelnde Neonazis und linke Chaoten in gute Menschen? Diskutieren? Demonstrieren? Oder wegsperren? Ein Hotelier aus Wismar lud zwei Skinheads und zwei Punks ein zu einer Reise durch Namibias Wüste. 600 Kilometer in fünf Wochen, und das alles zu Fuß.

Der verrückte Deutsche steht wieder zwischen den Hütten aus Blech, Pappe und Müllsäcken. Er legt den Kopf in den Nacken, schließt die Augen und saugt den Duft von Opuwo ein. Da ist der Geruch der Himba-Frauen, die ihre Frisuren mit Dung formen, da ist Brot, in einem Topf auf offenem Feuer gebacken, da ist Verdautes und an Hüttenwänden Ausgeschiedenes, das einen würgen lässt. Der verrückte Deutsche öffnet die Augen und lächelt. Er ist zu Hause. Das hier ist sein Paradies.

Vor zwei Jahren sahen ihn die Menschen in Opuwo das erste Mal. Ein blonder Weißer, mit einem breiten Lachen, einem breiten Kreuz und einschüchternden Muskeln. Auf einem Fahrrad war er von Windhuk nach Opuwo gefahren, 800 Kilometer in vier Tagen. Mit 60 Kilogramm Gepäck bei über 40 Grad Celsius. Er fragte nach Wasserstellen im Kaokoveld und erzählte, dass er die Wüste auf seinem Rad durchqueren wolle. Er musste verrückt sein.

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Uwe Buse


Uwe Buse, geboren 1963 in Emmerich, Studium der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg, Volontariat bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer/Ostfriesland, dann dort Redakteur, seit 1997 als Reporter beim Spiegel.
Links
Wandern für Deutschland als PDF bei Spiegel-Wissen

erschienen in:
SPIEGEL Reporter,
am 01.04.2001

 

Kommentare

Jetson, 25.04.2016, 11:41 Uhr:

The accident of finding this post has brhtgiened my day

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