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29.03.17

Bücher

Niklaus Meienberg „Reportagen

Seine Sprache war einzigartig; seine minutiös recherchierten, polemischen und politisch unbequemen Reportagen machten ihn zu einer der kontroversesten Figuren des öffentlichen Lebens der Schweiz. Vor fast genau 15 Jahren nahm sich der streitbare Journalist Niklaus Meienberg das Leben - wir erinnern an ihn mit Benedikt Erenz' Rezension seiner im Limmat Verlag erschienen Reportage-Bände und seinem berühmten Text über seine Zeit als Paris-Korrespondent des stern: "Auf einem fremden Stern".

Niklaus Meienberg: Reportagen.

Ausgewählt von Marianne Fehr, Erwin Künzli und Jürg Zimmerli.
Limmat Verlag, 2000.
2 Bände 416 und 480  Seiten, broschiert
40 Euro


Die Kunst, ein Journalist zu sein


Von Benedikt Erenz

Natürlich müssen wir sparen, alle ganz viel sparen. Auch bei der Bildung, bei der Ausbildung? Auch, auch. Sparen, schlicht einsparen könnte man zum Beispiel Deutschlands so genannte Journalistenschulen. Stattdessen drücke man den jungen Menschen, die den brisanten Beruf des Journalisten ergreifen wollen, ganz einfach diese beiden Bände in die Hand, für zusammen 68 Mark.

Wer hieraus, wer aus dem Werk des Niklaus Meienberg nicht lernt, was es zu lernen gibt über die schöne Kunst der Reportage, des Feuilletons, der Glosse, der Polemik ..., der wird gar nichts lernen und es niemals können (und natürlich trotzdem eine schöne Karriere machen, denn solche Leute werden gebraucht).

Niklaus Meienberg - traurig, aber sehr wahrscheinlich, dass man das hier noch einmal erklären muss - war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Reporter, Porträtisten, Feuilletonisten, in summa: Prosaautoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Poet und Historiker dazu, in der Schweiz auch eine geliebte, gehasste Person des öffentlichen Lebens, und in dieser Rolle nur zu vergleichen mit Max Frisch und Dürrenmatt. Als er, 53-jährig, am 22. September 1993 in Zürich den Weg ins Freie nahm, war große Trauer und klammheimliche Freude von Chur bis Basel. Wer die beiden, klassisch schön gestalteten Bände liest, und der Limmat Verlag hätte für seine Buchkünste schon längst einmal einen dieser güldenen Gautschbriefe oder marmornen Gutenberg-Taler verdient! ... wer die beiden Bände also liest, der weiß auch, warum.

Meienbergs Texte sind leidenschaftlich bis zur wütigen Tollkühnheit, sind ganz still, gelassen, sind fintenreich und voltenprall, bösvergnügt, gebildet, von rasanter Raffinesse. "Seine Prosa ist eine Polyphonie der Klänge", schrieb Peter von Matt in seinem Nachruf in der Basler Zeitung, "eine Bündelung unterschiedlichster Töne oft noch im einfachen einzelnen Satz, wie es das in der Schweiz bisher nicht gegeben hatte ... Durch die Kadenzen Baudelaires hindurch hört man die schnarrenden Hausfrauen im St. Galler Supermarkt und das hohle Röhren unserer Politiker."

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Niklaus Meienberg


Niklaus Meienberg, geboren 1940 in St. Gallen, gestorben 1993 in Zürich durch Selbstmord, gehört zu den wichtigsten Journalisten der Schweiz. Seine stilistisch einzigartigen Texte, häufig über politische Probleme und die Vergangenheitsbewältigung in seinem Heimatland, machten ihn zu einer der kontroversesten Figuren des öffentlichen Lebens der Schweiz. In seiner 30jährigen journalistischen Tätigkeit arbeitete er auch häufig in Frankreich, unter anderem als Pariser Korrespondent der "Weltwoche" und des "Stern".
Dokumente
Niklaus Meienberg: Auf einem fremden Stern (pdf)
Benedikt Erenz: Die Kunst, ein Journalist zu sein (pdf)

erschienen in:
Die ZEIT,
am 01.08.2008


Benedikt Erenz
ist langjähriger Redakteur der Zeit, wo er das Ressort "Zeitläufte" leitet.

 

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