Reporter Forum Logo
16.08.17

Laborberichte

Sascha Karberg „Bericht an eine Akademie

Tier-Intelligenz ist ein Dauer- und Pflichtthema in Wissenschaftsredaktionen. Die Leser lieben es einfach. Es gibt Unmengen von Literatur dazu. Aber Sascha Karberg ging ganz anders heran: Aus der Perspektive eines Affen, frei nach Franz Kafkas Geschichte "Bericht an eine Akademie" von 1917.

Funktioniert die Verfremdung durch die Affenperspektive? Kollidiert die antiquierte Sprache der Kaiserzeit mit der Zeitebene der aktuellen Forschung aus dem Jahr 2007? Verstärkt die Ichform den Inhalt, oder lenkt sie vom Inhalt eher ab, weil die Affenperspektive für den Leser natürlich eine erhebliche Gedankenturnerei bedeutet? Wenn etwa von „wir? die Rede ist, sind damit nicht „wir Menschen? gemeint, sondern „wir Affen? - überfordert dieses Gedankenexperiment die Leser?

Hilmar Schmundt

Vom Dasein eines Menschenaffen und Werden eines Menschen (frei nach F. Kafka)  
 

Hohe Herren von der Akademie! Sie erweisen mir die Ehre mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Leben einzureichen.
 
In diesem Sinne kann ich der Aufforderung leider nicht nachkommen. Nahezu 13 Millionen Jahre trennen mich vom reinen Affentum, eine Zeit, kurz vielleicht am Kalender der Evolution gemessen, unendlich lang aber durchzugaloppieren, so wie Ihre Spezies, Homo sapiens, und meine, Pan troglodytes, gemeinhin als Schimpanse bekannt, es ein gutes Stück weit gemeinsam getan haben. Offen gesprochen, so gerne ich auch Bilder wähle für diese Dinge: Ihr Affentum, meine Herren, kann Ihnen nicht ferner sein als mir das meine. Lassen Sie mich mit den Mitteln Ihrer Wissenschaft - denn den Worten eines Schimpansen allein werden Sie wohl keinen Glauben schenken wollen - demonstrieren, dass ich Ihnen auf dem Weg vom Affentum zum Menschsein näher stehe, als Sie bisher zu denken wagten.
 
In diesem Sinne also kann ich vielleicht doch Ihre Anfrage beantworten. Und ich tue es sogar mit großer Freude, wiewohl ich weiß, dass viele unter Ihnen an meinen Fähigkeiten zweifeln und mich und meinesgleichen noch immer zwischen Kaninchen, Mäusen oder Ratten einreihen in dieser Skala von Intelligenz, Kultur- oder Bewusstseinsfähigkeit, in der Sie sich so selbstverständlich an der Spitze platzieren. Doch erdrückend und nicht mehr zu ignorieren ist die Beweislast, die wir, die wir in Zoologischen Gärten wie hier in Leipzig in friedlichem Kontakt mit Ihresgleichen stehen, in den letzten Jahren in ausgeklügelten Experimenten demonstrieren konnten. Natürlich kennen Sie alle die Berichte über die Kunststücke meiner Artgenossen: Wir ernten Applaus, wenn wir Kisten stapeln oder Stäbe ineinander stecken, um an weit entfernte Bananen zu kommen. Doch schmeichelhaft ist der Applaus nicht, zeugt er doch davon, wie überrascht Homo sapiens immer wieder ist, wenn die Meinen ihre Intelligenz aufblitzen lassen. Aber hier geht es nicht um Kunststücke. Mit Hilfe meiner Schimpansen-Sippe im Pongoland des Leipziger Zoos versuchen die Forscher des benachbarten Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-Eva) Experimente zu entwerfen, die Antworten auf die Frage geben, was eine rein menschliche Fähigkeit ist und was auch Menschenaffen und andere Affen können.

(...)

Zurück

Sascha Karberg


Sascha Karberg (geboren 1969, Berlin). Studium der Biologie und Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin. Seit 2001 freier Wissenschaftsjournalist im Journalistenbüro Schnittstelle. Schreibt u.a. für Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Financial Times Deutschland, brand eins, Technology Review.
Dokumente
Bericht an eine Akademie (pdf)

erschienen in:
Bild der Wissenschaft,
am 01.07.2007

 

Kommentare

Bella, 25.04.2016, 07:03 Uhr:

juandos:"Then there's always the iPhone sized double tap to consider al.)-s.:.o"Wow. You had better hit what you're aiming at with the first shot, as it'll be a lot harder to do after your wrist is broken.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*


CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kontakt: Reporter Forum e.V. | Sierichstr. 171 | 22299 Hamburg