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29.03.17

Bücher

Klaus Brinkbäumer „Unter dem Sand

Ein gewaltiges Massengrab, Plastiktüten voller Knochen, schreiende Menschen: Die stärkste Szene, die Klaus Brinkbäumer als Journalist je erlebt hat, brachte den Spiegel-Reporter zum Romanschreiben. Über die Grenzen zwischen Literatur und Reportage und über das Buch „Unter dem Sand“ sprach Hauke Friederichs mit dem Kisch-Preis-Träger.


Interview: Hauke Friederichs


Reporter-Forum: Mit dem Roman „Unter dem Sand“ haben Sie Ihre Erlebnisse im Irak literarisch verarbeitet – warum haben Sie kein Sachbuch geschrieben?


Klaus Brinkbäumer: Für ein Sachbuch fehlten mir Fakten, und an einigen Punkten kam ich im Gespräch mit dem Protagonisten meiner Reportage auch nach vielen Stunden nicht mehr weiter. Außerdem konnte ich jahrelang nicht mehr hinfahren, für einen ganz schön deutsch aussehenden 2-Meter-Journalisten war es zu gefährlich in der Gegend von Hilla. Als ich Haydars Gedanken dann in Hamburg weiterdachte, da begann der Roman. Journalismus sollte genau sein, jedes Detail der Geschichte hat zu stimmen; ich wollte mir aber Freiheiten gönnen, wollte erfinden und mit Dialogen spielen. Und das kleine Etikett „Roman“ gestattet ja alles.

Als Romancier hatten Sie keine Erfahrung. Ist „Unter dem Sand“ auch aus Neugier auf eine neue Darstellungsform entstanden?

Ja klar, ich wollte das einfach mal versuchen. Ich hatte das Gefühl, dass ich über Haydar schreiben musste, wusste am Anfang aber noch nicht, was und wie. Es ging mit ein paar Szenen los, es ist dann eine Art Tatsachenroman geworden. Der Agent Matthias Landwehr hat mich gewarnt: ‚Du wagst dich auf unbekanntes Terrain, wenn es schief geht, hauen dir die Kritiker das Buch um die Ohren.’ Aber dieser wunderbare Beruf kann ja nicht bedeuten, dass man immer das Gleiche erzählt und dann auch noch in der immer gleichen Form und im gleichen Tonfall. Mein erster Ressortleiter beim Spiegel, der vom gesamten damaligen Sportressort verehrte Heiner Schimmöller, hat seinen fünf Jungs ständig von Neugierde und Mut erzählt.

„Unter dem Sand“ und die vorher erschienene Spiegel-Reportage „Das tote Leben“ beginnen mit einer Szene an einem Massengrab im Irak. Warum haben Sie für die Reportage und das Buch ähnliche Einstiege gewählt?

Weil das die stärkste Szene war, die ich je erlebt habe – journalistisch gesehen. Ich stand zusammen mit dem Fotografen Thomas Grabka am Rand eines gewaltigen Massengrabes, und vor uns, in einem Dreieck aus Stacheldrahtrollen, lagen Plastiktüten in langen Reihen, diese Müllsäcke waren voll mit Knochen, Stoffresten und Ausweisen. Es hat tatsächlich gedauert, bis ich mich wieder bewegen konnte, und manchmal träume ich noch davon.

(...)



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Klaus Brinkbäumer


Klaus Brinkbäumer, geboren 1967, schreibt seit 1993 für den Spiegel, zur Zeit als Reporter in New York. Für seine Texte wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Egon-Erwin-Kisch- und dem Henri-Nannen-Preis. Brinkbäumer ist Verfasser und Co-Autor mehrerer Bücher. Zuletzt erschienen "Der Traum vom Leben. Eine afrikanische Odyssee" und der Roman "Unter dem Sand".
Dokumente
Interview mit Klaus Brinkbäumer (pdf)
Auszug aus dem Roman "Unter dem Sand" (pdf)
Das tote Leben (Reportage, via Spiegel)

erschienen in:
Reporter-Forum,
am 16.05.2008

 

Kommentare

Marlien, 25.04.2016, 10:50 Uhr:

I am so excited for you, Aidan, and thrilled that Kristen has chosen LAY as the next book for discussion. I wish I could be there tomorrow evening, sharing the joy and excitement of this amazing time. Happy, happy, happy, happy day. That image of Baby singing “Happy day” is just pruXoies.cOXOXO

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