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Prämierte Texte

Alexander Smoltczyk „Unter Wölfen

Dieser Text von Alexander Smoltczyk ist nominiert als "Beste Reportage" für den Henri-Nannen-Preis 2008.


Welchen Wert hat ein Buch? Für Literaturagenten ist die Frankfurter Messe eine Mischung aus Speed-Dating, Kaufrausch und Literatentreff, eine bis zur Erschöpfung betriebene Jagd nach Autoren und Rechten. Die Könige des Gewerbes jonglieren mit Millionen.


Am 8. Oktober um 15 Uhr nachmittags sitzt Andrew Wylie in der Lobby des Hotels Hessischer Hof. Er ist ein schon etwas älterer, knochiger New Yorker mit einer Vorliebe für Zigarren, avantgardistische Poesie und James Joyce. Aus dessen "Finnegans Wake" kann er auswendig 16 Seiten zitieren. Andrew Wylie liebt Bücher. Die Branche nennt ihn den "Schakal".

Der Hessische Hof gleich gegenüber dem Messeeingang ist das traditionelle Basislager der Literaturagenten in Frankfurt. Es sind die global operierenden Lizenzhändler im Buchgeschäft, und wer ganz oben mitspielen möchte, der kommt schon sonntags angeflogen, drei Tage vor Messebeginn, um seine Netze zu spannen.

So Andrew Wylie. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Fred Astaire, einen übergroßen, nahezu kahlen Schädel, über den nachgepflanzte Haarsträhnen laufen, scharf gezogen wie Messerschnitte.

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Alexander Smoltczyk


Alexander Smoltczyk, geboren 1958, Studium der Volkswirtschaft, Philosophie und Landwirtschaft. Redakteur und Reporter für die taz (Frankreich-Korrespondent), Geo, Wochenpost und Merian, ab 1996 Reporter beim SPIEGEL. Seit 2005 lebt er als Italien- und Vatikankorrespondent in Rom. Smoltczyk hat mehrer Bücher veröffentlicht und zahlreiche Journalistenpreise erhalten, unter anderem zwei Kisch-Preise und einen Henri-Nannen-Preis. Seit Mai 2007 schreibt Smoltczyk wöchentlich Deutschlands erstes Vatikan-Blog „Uups! – et orbi“.
Website des Autors
Dokumente
Unter Wölfen (pdf, via Der Spiegel)

erschienen in:
###ARTICLE_PUBLISHER###,
am 15.10.2007

 

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