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Ausschreibung: Deutscher Reporterpreis 2019

 

 

Am Montag 2. Dezember wird der Reporterpreis 2019 vergeben, unter veränderten Bedingungen. Wir ziehen Konsequenzen aus dem Fall Relotius und den Diskussionen, die wir danach u.a. auf dem Reporter-Workshop geführt haben. 


Mit dem Deutschen Reporterpreis sollen die herausragenden Reportagen, Interviews, Essays und Innovationen des Jahres ausgezeichnet und vorbildliche Texte und Multimedia-Arbeiten zur Diskussion gestellt werden. 


Diese Diskussion ist der eigentliche Sinn des Reporterpreises, weil wir daran glauben, dass das gute Beispiel der beste Weg ist zu besserem Journalismus, und zu Zeitungen, Zeitschriften und Websites, die so viele Leser finden, wie sie verdienen. 


Was machen wir anders? 

  • Erstens. Zukünftig kann jede Journalistin und jeder Journalist in jeder Kategorie den Reporterpreis nur einmal gewinnen. Ausgenommen davon sind Teams, in denen vier oder mehr KollegInnen zusammengearbeitet haben. 
  • Zweitens. Wir verlangen künftig in allen Kategorien ein "Making-of" inklusive der Telefonnummern von wichtigen Protagonisten. Wenn VorjurorInnen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von preiswürdigen Arbeiten haben, lassen wir die Texte von erfahrenen Dokumentaren überprüfen. Darüber hinaus werden alle nominierten Arbeiten stichprobenartig überprüft - und alle Siegertexte. 
  • Drittens. Wir möchten die Diskussion intensivieren, durch Videokonferenzen der VorjurorInnen, mit denen die Kriterien für die Nominierungen präzisiert werden.
  • Viertens. Wir reduzieren die Anzahl der Kategorien um zwei, „Web-Video“ und „Hauptstadt“ entfallen, sodass jeder weniger Texte zu lesen hat. Aus „Beste Kulturkritik“ wird „Beste Kritik“. 
  • Fünftens. Auch die Arbeit der Hauptjury verändern wir so, dass jeder Juror nur noch Arbeiten in zwei Kategorien beurteilt, dadurch erhöht sich die Intensität der Diskussion. 

 

Hier ist der Text zu finden, der die Veränderungen begründet

 

Für den Deutschen Reporterpreis 2019 können alle deutschsprachigen journalistischen Texte und Web-Projekte eingereicht werden, die zwischen dem 1. Oktober 2018 und dem 30. September 2019 in Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen und (aktualitätsbezogenen) Websites veröffentlicht wurden. Zweitveröffentlichungen, Übersetzungen, Buchveröffentlichungen und Manuskripte sind ausgeschlossen.

 

Wichtig: Jeder Beitrag kann nur in einer Kategorie ins Rennen gehen!

 

Beiträge können von den Autoren selbst, von Redaktionen oder von Lesern eingereicht werden.

Die Einreichungen werden nur hier online entgegen genommen.

 

EINSENDESCHLUSS

 

Dienstag, 1. Oktober 2019, 12 Uhr.  


In diesem Jahr wird der Reporterpreis in elf Kategorien verliehen:

 

Investigation: Die Recherche ist der Anfang jeder guten Story, nur was neu ist, nur was stimmt, kann begeistern. In jedem Jahr gibt es Enthüllungen, die mehr sind als Stories, sie überragen, weil sie die Wirklichkeit nicht nur beschreiben, sondern verändern.  

 

Datenjournalismus: Die Datenmenge in der Welt nimmt unaufhörlich zu, immer mehr Lebensbereiche werden vermessen und erfasst. Die Aufgabe der Datenjournalisten ist es, journalistisch relevante Daten zu finden, technisch zu bereinigen und zu analysieren. Oftmals arbeiten sie in gemischten Teams mit Programmierern und Grafikdesignern zusammen, um gesellschaftliche Zusammenhänge aus Daten herauszulesen und diese verständlich zu erzählen - offline oder im Netz. Die Kraft des Datenjournalismus liegt am Ende nicht in einer bestimmten Erzählform, sondern im Wahrheitsgehalt seiner Geschichten. 

 

Wissenschaft: Die meist hochkomplizierten Erkenntnisse der Natur- und Gesellschaftswissenschaften einem breiten Publikum so zu erzählen, dass es sich gleichermaßen unterhalten wie informiert fühlt, ist eine Kunst, die wir besonders dann auszeichnen wollen, wenn sie sich aller Formen bedient, die heutzutage dem modernen Erzähler zur Verfügung stehen.  

 

Lokalreportage: ReporterInnen in Lokalredaktionen arbeiten unter besonders schwierigen Bedingungen, sie stehen unter Zeit-, Platz- und Kostendruck; sie müssen sich ihre Reportagen erkämpfen gegen widrige Umstände. Umso bemerkenswerter ist die Qualität vieler dieser Reportagen, sie zeigen, dass die Reportagen gerade in den Lokalteilen der Tageszeitungen unverzichtbar sind, weil sie nah dran sind am Leben der Leser und es widerspiegeln. 


Essay: Oft ist das Erzählerische, die Reportage, eine zu szenische, zu gedankenarme, zu unintelligente journalistische Form, um über die Wirklichkeit und ihre Widerspiegelung im Überbau zu berichten. Zunehmend schreiben ReporterInnen deshalb essayistische Reportagen, Texte, die irgendwo in der Wirklichkeit beginnen, aber dann lieber dem Gedanken folgen als der Erzählung. So entstehen beispielhaft gute Texte, die immer weniger Reportagen sind und immer mehr Essays und deshalb verdienen, mit einem Preis gewürdigt zu werden.  


Interview: In den letzten Jahren haben ReporterInnen neue Spielarten des Interviews entwickelt. Sie kombinieren beschreibende, erzählerische Passagen mit Interview-Teilen, sie pflegen wieder das lange Gespräch, das wie ein Portrait wirkt, oder sie kommentieren Antworten des Gesprächspartners, ordnen sie ein. Oder sie fragen einfach so genau und so hartnäckig, bis der Befragte dem Leser einen Einblick gewährt in ein Leben, das bisher im Verborgenen lag. 


Reportage: In den Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften wird der Platz und der Spielraum der ReporterInnen beschnitten, der Preis für die beste Reportage des Jahres soll Ansporn sein für ReporterInnen und Redaktionen, die große Reportage zu recherchieren und zu schreiben, immer wieder neue, unerzählte Geschichten zu entdecken und sie auf ungewöhnliche Art zu erzählen.  

 

Freie(r) Reporter(in): Immer mehr ReporterInnen arbeiten nicht mehr in Redaktionen, der wirtschaftliche Druck hat viele Zeitungen und Zeitschriften veranlasst, kostenaufwendige journalistische Formen auf Freie auszulagern. Sie tragen nun das Risiko aufwändiger Recherche und akribischer Textarbeit, viele von ihnen können sich Reportagen nicht mehr leisten. Sie wollen wir mit dem Preis für den besten freien Reporter ermuntern, weiter an Texten zu arbeiten, die ihnen wichtig sind, auch wenn sie sich vielleicht nicht mehr rechnen.  

 

Multimedia: Im Web werden Geschichten multimedial erzählt und sind doch ganz anders: Sie kombinieren Text, Foto, Ton und Video, lassen sich dabei interaktiv steuern oder nonlinear erleben. Nicht selten verlassen sie dabei die klassischen Genre-Konventionen der Reportage oder sie binden den Rezipienten auf neuartige Weisen in die Geschichte ein. Und auch in Podcasts loten JournalistInnen aus, wie sich Geschichten neu erzählen lassen - und nutzen dabei den Sog, den Serien entfalten können.

 

Sportreportage: Viele erfolgreiche ReporterInnen haben als Sportreporter angefangen. Der Zeitdruck und die Konkurrenz durchs Fernsehen haben ihre Fähigkeit zur originellen Themensuche, zur genauen Recherche und zur packenden, anschaulichen Sprache geschärft. Genau durch diese Eigenschaften sollten sich Sportreportagen auszeichnen, die mit dem Reporterpreis geehrt werden. 

 

Beste Kritik: Zu den anspruchsvollsten Genres im Journalismus gehört die Kritik. Deren Gegenstand ist die Wirklichkeit - vermittelt über ein Kunstwerk. Eine gute Kritik sagt nicht nur „Gut“ oder „Schlecht“, sondern macht sich aus dem Kunstwerk heraus ein Bild von der Welt - und erzählt dabei eine ganz eigene Geschichte. Ob Gemälde oder Netflix-Serie, Song oder Gebäude, Roman, Konzert oder Kinofilm: über Kunst zu schreiben, ist eine Kunst für sich. Und diese Kunst wollen wir auszeichnen. 

 

119 Vorjuroren aus mehr als 30 verschiedenen Redaktionen sichten die Einreichungen und nominieren in jeder Kategorie die besten Arbeiten. Texte aus der eigenen Redaktion liegen einem Vorjuror nicht vor. Die nominierten Arbeiten werden auf der Website des Reporter-Forums vorgestellt, in der Kategorie "Reportage" können die Teilnehmer des Reporter-Workshops in Hamburg als Juroren mitwirken.  


Am 2. Dezember kommt die Jury des Deutschen Reporterpreises, in der Journalisten, Publizisten und qualifizierte Leser sitzen, in Berlin zusammen, diskutiert die besten Texte und übergibt die Preise abends an die ausgezeichneten Journalisten.

 


Blog zum Reporterpreis 2019

 

gepostet von Ariel Hauptmeier

 

Am Mittwoch haben wir uns zur Jahreshauptversammlung in Berlin getroffen. Ein herzlicher, inspirierender Abend. Kollegen vom Spiegel waren da und erheiterten die Runde mit weiteren Relotius-Anekdoten. Etwa, wenn er zu einem ins Büro kam, einen Einstieg herzeigte und fragte: "Das klingt doch wie ausgedacht, oder?" Wir haben einen neuen Vorstand gewählt, und wir haben über den Reporterpreis diskutiert. Erstens: Wie geht das technisch, das Überprüfen der Geschichten? Antwort: Wir lernen unterwegs. Wir holen erfahrene Dokumentare an Bord - und werden sehen, wie aufwändig der Prozess ist. Nächstes Jahr wissen wir mehr. Zweite Frage: Ab welchem Grad von Ungenauigkeit wird ein Text als "gefälscht" gebrandmarkt? Die Antwort: Die Dokumentare legen größere Ungereimtheiten der Jury vor, sie hat das letzte Wort. Dritte Frage: Ist das Tipi am Kanzleramt der richtige Ort für den Reporterpreis? Brauchen wir eine "coolere" Location? Die Antwort: uneins. Auch wir fragen uns: Wie festlich muss ein Rahmen sein? Ab wann wird aus festlich pompös? Es soll eine Ehre sein, diesen Preis zu gewinnen - wann kippt es in Selbstbeweihräucherung? Fragen, über die wir weiter nachdenken. 2019 sind wir auf jeden Fall noch einmal im Tipi - und freuen uns sehr darauf. Gerade, nachdem wir das Buch von Juan Moreno gelesen haben. Eine der Erzählachsen darin: der Reporterpreis vom vergangenen Jahr. Tipi am Kanzleramt, 3. Dezember 2018. Ja, wahrhaftig: ein dramatischer Augenblick. 

 

Wer möchte mitdiskutieren? Schick deinen Beitrag an

kontakt@reporter-forum.de


Termine 2019

 


4. September - 1. Oktober 2019 

Bewerbung für den Deutschen Reporterpreis 2019


2. Dezember 2019

Verleihung des Deutschen Reporterpreises, Berlin





Erklärung der Jury



Wie kann es sein, dass Claas Relotius im Dezember zum vierten Mal mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet wurde? Hat die Jury einen "Fehler" gemacht? Was wäre dieser Fehler? Dem "Spiegel" vertraut zu haben, wahre Texte zu produzieren? War es ein "Fehlurteil"? Warum hat die Jury so lange geschwiegen? Was sind die Konsequenzen für die Jury, den Reporterpreis, das Beurteilen von Reportagen? 

Hier eine ausführliche Begründung der Jury, von Çiğdem Akyol, Nikolaus Brender, Rainer Hank, Tina Hildebrandt, Friedrich Küppersbusch, Ines Pohl, Doreen Reinhard, Evelyn Roll, Regine Sylvester, Diana Zinkler und Moderator Ariel Hauptmeier, genauso vielstimmig, wie sie auch im Dezember argumentiert haben, als sie Claas Relotius die Auszeichnung für die "Beste Reportage" zuerkannten. 


Soviel vorab: "Wir sind erschüttert, wir sind enttäuscht, wir sind wütend und, ja, wir schämen uns, dass wir diesem Betrüger auf den Leim gegangen sind."

 

 

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