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Heike Faller & Britta Stuff: Was uns an Reportagen nervt

Reporterpreis & 80 Bücher

Fotos: Matthes & Seitz Berlin/ Bücher.de/ Kunstmann

 

Unser Newsletter für den Juni von Ariel Hauptmeier:


 

Liebe Leute, 


auch in diesem Jahr wird der Deutsche Reporterpreis verliehen, natürlich. Es gab viele großartige, wichtige Stories, welche ragten heraus? 


Wir verzichten auf die Gala in Berlin, aber ansonsten ist es wie immer: Am 1. September veröffentlichen wir die Ausschreibung und den Zuschnitt der Kategorien, am 1. Oktober ist Einsendeschluss. Dann lesen zwei Monate lang erst die Vor-, dann die Hauptjury. Am Abend des 4. Dezember 2020 vergeben wir den Preis. Virtuell. Oder in Hamburg. Falls dann Corona vorbei ist und wir den Reporter-Workshop nachholen dürfen. Überlegt gern schon einmal – welches waren eure Reportagen des Jahres? 


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Heike Faller und Britta Stuff haben sich sehr anregend via Zoom darüber unterhalten, was sie an Reportagen nervt – und warum sie so viele Reportagen nicht zu Ende lesen. Bitte findet einen Mitschnitt des Gesprächs auf unserer Homepage.


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Und jetzt ein Herzensprojekt: Wir möchten euch einladen, mit uns gemeinsam eine Liste mit den besten Büchern für Reporter und Reporterinnen auszuknobeln. Bitte findet unten meine persönliche Auswahl, ich habe sie im vergangenen Jahr fürdie Reutlinger Reportageschule gemacht, als Anregung für die Schülerinnen und Schüler, mit Tipps, unter anderem, von Teresa Bücker, Daniel Drepper, Hilmar Schmundt.


Die Liste beginnt mit Lehrbüchern und wird dann zunehmend „literarischer“, enthält Kolumnen, Interviews, Autobiographisches, dezent angestaubte Klassiker, Reportagesammlungen, Reflexionen über Reportagen, Feministisches, Kriegsreportagen, zu viel USA, zu viele Männer, zu viel Reise, enthält, wenn möglich, die deutsche Übersetzung, natürlich ist das Original vorzuziehen.


Vor einigen Tagen habe ich Esther Göbel gefragt, Redakteurin bei "Reportagen" und bei „Krautreporter“, welches ihre Favoriten sind. Ihr findet ihre Tipps und enthusiastischen Begründungen am Ende.Und jetzt die Frage: Welche Bücher haben euch begeistert, erschüttert, vorangebracht?

Schreibt gern 3, 5, 7 Empfehlungen, nehmt gern auch Bücher aus der Longlist auf, begründet eure Wahl mit einigen Sätzen, und postet sie hier:

 

 https://bit.ly/3hoGbPZ

 

So wächst sie nach und nach - die anregendste Leseliste für Reporterinnen und Reporter. 

 

80 Bücher - die Liste der Reportageschule


I. Trainingslager


1. Wolf Schneider – Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil  


2. Marie Lampert – Storytelling für Journalisten. Wie baue ich eine gute Geschichte? 


3. Constantin Seibt – Deadline. Wie man besser schreibt


4. Laurie Penny – Why I write (findet man hier im Netz)


5. Alexander Osang – Im nächsten Leben


6. Marc Fischer – Die Sache mit dem Ich. Reportagen


7. Cordt Schnibben (Hrsg.) – Ins Herz der Welt. Deutschlands beste Reporter und ihre Suche nach der Wahrheit


8. Henning Sußebach – Die große Welt gleich nebenan: Expeditionen in den deutschen Alltag


9. Juan Moreno – 1000 Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus


10. Sven Michaelsen – Das drucken Sie aber nicht! Die besten Interviews


II. Bundesliga



11. Mark Kramer / Wendy Call – Telling True Stories. A Nonfiction Writers‘ Guide from the Nieman Foundation at Harvard University 

 

12. Robert S. Boynton – The New New Journalism. Conversations with America's Best Nonfiction Writers on Their Craft

 

13. Jon Franklin – Writing for Story. Craft Secrets of Dramatic Nonfiction

 

14. Roy Peter Clark – How to Write Short. Word Craft for Fast Times

 

15. Doris Dörrie – Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben

 

16. Chris Anderson – TED Talks: Die Kunst der öffentlichen Rede. Das offizielle Handbuch

 

17. Cordt Schnibben – Neues Deutschland. Seltsame Berichte aus der Welt der Bundesbürger. Reportagen

 

18. Marie-Luise Scherer – Die Bestie von Paris und andere Geschichten

 

19. Carolin Emcke – Von den Kriegen. Briefe an Freunde

 

20. Christian Kracht – Der gelbe Bleistift. Reisegeschichten aus Asien

 

21. Daniel Ryser – 1,7 Kilogramm. Der Kokain-Report (findet man im Netz)

 

22. Charlotte Wiedemann – Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben, oder: Wie Journalismus unser Weltbild prägt 

 

23. Meike Winnemuth – Um es kurz zu machen. Über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein 

 

24. Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriarchats

 

25. Alice Hasters – Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

 

26. Bastian Obermayer / Frederik Obermaier – Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung.

 

27. Heike Faller – Hundert: Was du im Leben lernen wirst

 

28. Michael Obert – Regenzauber. Auf dem Niger ins Innere Afrikas

 

29. Wolfgang Bauer – Bruchzone. Krisenreportagen

 

30. Andrew O’Hagan – Ghosting (findet man im Netz)

 

III. Champions League

 

31. Emmanuel Carrère – Brief an eine Zoowärterin aus Calais (Und ALLES von ihm)

 

32. Michael Lewis – The Undoing Project. A Friendship That Changed Our Minds (und ALLES von ihm)

 

33. Ryszard Kapuściński – König der Könige (und ALLES von ihm)

 

34. Arlie Hochschild – Fremd in ihrem Land. Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten. (und ALLES von ihr)

 

35. Egon Erwin Kisch – Der Rasende Reporter

 

36. Tom Wolfe – Das bonbonfarbene tangerinrot-gespritzte Stromlinienbaby

 

37. Hunter S. Thompson – Angst und Schrecken in Las Vegas

 

38. Norman Mailer – Heere aus der Nacht

 

39. VS Naipaul – In einem freien Land

 

40. Gay Talese – High Notes. Reportagen

 

41. David Foster Wallace – Am Beispiel des Hummers

 

42. Moritz von Uslar – Deutschboden

 

43. Leslie Jamison – Die Empathie-Tests: Über Einfühlung und das Leiden anderer

 

44. Roxane Gay – Hunger. Die Geschichte meines Körpers

 

45. Sonia Nazario – Enrique’s Journey. The Story of a Boy's Dangerous Odyssey to Reunite with His Mother

 

46. Ronan Farrow – Durchbruch: Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen

 

47. George Packer – Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika

 

48. William Langewiesche – Outlaw Sea. A World of Freedom, Chaos and Crime

 

49. Truman Capote – Kaltblütig

 

50. Jon Krakauer – In eisige Höhen. Das Drama am Mount Everest

 

51. Christopher McDougall – Born to Run. Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt

 

52. Michael Finkel – Der Ruf der Stille. Die Geschichte eines Mannes, der 27 Jahre in den Wäldern verschwand  

 

53. Katherine Boo – Annawadi oder Der Traum von einem anderen Leben

 

54. Thomas Pletzinger – The Great Nowitzky

 

55. Michael Paterniti – Unterwegs mit Mr. Einstein

 

56. Malcolm Gladwell – What the Dog Saw And Other Adventures

 

57. Carmen Pinilla / Frank Wegner (Hrsg.) – Verdammter Süden. Das andere Amerika. Reportagen aus Südamerika

 

58. Bill Buford – Geil auf Gewalt. Unter Hooligans (furchtbarer Titel, starkes Buch)

 

59. Jon Ronson –  In Shitgewittern. Wie wir uns das Leben zur Hölle machen

 

60. Michael Pollan – Verändere dein Bewusstsein. Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz lehrt

 

61. Patrick Symmes – Reiseziel Che Guevara. Mit dem Motorrad durch Lateinamerika

 

62. Jonathan Raban – Bad Land. Ein amerikanisches Abenteuer

 

63. Paul Theroux – Abenteuer Eisenbahn. Auf Schienen um die halbe Welt

 

64. Ted Conover – Coyotes. A Journey Across Borders with America's Mexican Migrants

 

65. Anand Gopal – No Good Men Among the Living

 

66. Alma Guillermoprieto – The Heart That Bleeds: Latin America Now

 

67. Fabrizio Gatti – Bilal. Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

 

68. Juli Zeh – Die Stille ist ein Geräusch

 

69. Gabriele Goettle – Der Augenblick. Reisen durch den unbekannten Alltag. Reportagen

 

70. Andrzej Stasiuk – Unterwegs nach Babadag

 

71. Lauren Sandler – This Is All I Got: A New Mother's Search for Home

 

72. Joe Simpson – Sturz ins Leere

 

73. Anthony Bourdain – Geständnisse eines Küchenchefs. Was Sie über Restaurants nie wissen wollten

 

74. Dan Fagin – Toms River. A Story of Science and Salvation

 

75. Jonathan Harr – A Civil Action

 

76. Alex Kotlowitz – There Are No Children Here. The Story of Two Boys Growing Up in The Other America  

 

77. Sebastian Junger – Der perfekte Sturm.

 

78. Philip Gourevitch – Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden. Berichte aus Rwanda

 

79. Lisa Belkin – Show Me a Hero. Eine wahre Geschichte über Macht, Verrat und Gewalt

 

80. Ronald Reng – Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts

 

Die Tipps von Esther Göbel

Nicola Attadio: Nellie Bly: Die Biografie einer furchtlosen Frau und Undercover-Journalistin. (Sachbuch)

Weil: Diese Frau war krass. Weil sie so sehr gegen die gesellschaftlichen Normen gelebt hat, zu einer Zeit, in der es absolut undenkbar war, dass eine Frau Reporterin wird. Ist sie aber geworden – und hat damit tatsächlich viel bewegt und in New York politischen Einfluss gehabt. Plus: Sie hat selbst ein äußerst bewegtes, spannendes Leben geführt. Super Empowerment für jede Nachwuchsreporterin, aber meiner Meinung nach auch für jeden männlichen Kollegen.

 

Ariel Levy: Gegen alle Regeln (non-fiction)
Weil: Ariel Levy ist Reporterin beim New Yorker. Sie schreibt vor allem Reportagen, die einen feministischen Touch bzw. eine feministische Sichtweise auf Themen haben – und das finde ich ganz wunderbar, weil das Reportersein viel zu lange als männliche Domäne und Gockel-Revier missverstanden wurde. Dieses Buch ist ihre Biografie, es beschreibt ihren Weg zur Reporterin, aber auch einen großen persönlichen Zusammenbruch, den Levy durchmachen musste. An manchen Stellen ist das Buch vielleicht etwas pathetisch, zugegeben, aber es handelt von einer Frau, die konsequent ihren Weg geht. Fand ich stark.

 

Joan Didion: Das Jahr magischen Denkens (non-fiction)
Zu Didion muss man eigentlich nichts sagen, sie ist ja eine von den ganz Großen. Mir fällt keine andere Journalistin und Schriftstellerin ein, die so konsequent jeglichen Stoff (aus ihrem Privaten) in Text umgewandelt hat. Sie ist vielleicht eine Suchende, eine Forscherin, deren Instrumente Text und Sprache sind. "Das Jahr magischen Denkens" ist die Ich-Reportage in ihrer vielleicht besten Form und beschreibt den Tod ihres Mannes, bzw. die Zeit danach. Man kann sich hier angucken, wie man eine Ich-Reportage schreiben kann, die weit über das eigene Ich hinausgeht.

 

Miranda July: Zehn Wahrheiten (fiction)
Weil: Mirande July schreibt die schrägsten Beziehungsgeschichten mit den schrägsten Charakteren. Das ist so schräg manchmal, dass man es nicht versteht – aber genau deswegen mag ich sie so sehr. Für dieses Schrägsein. Sie ist, finde ich, ein gutes Beispiel dafür, wie man seine Charaktere mit großer Empathie beschreiben kann, auch wenn das Charaktere sind, die oft nicht in den Mainstream passen, sondern die eher am Rand stehen, die fast immer bedürftig sind (so wie jede und jeder von uns). Das Buch ist für mich eine sehr gute Erinnerung daran, dass man tunlichst das vermeiden sollte, was oft zu viele Reporterinnen und Reporter immer noch machen: Holzschnittartig die eigenen Charaktere denken. Ach so, lustig finde ich July auch noch, auf so eine traurige Weise.

 

Sybille Berg: GRM (fiction)
Erstens, weil es so zeitgenössisch ist und zeigt, wie wichtig es ist, dass man als angehende Journalistin nicht nur Sinn für die Schöne Geschichte hat, das ist vielleicht sogar zweitranging. Sondern dass man hingucken muss, sein Ohr in die Welt halten und sich die großen Fragen stellen sollte. Genau das macht Berg nämlich: Sie bündelt gleich mehrere große Themen der Jetzt-Zeit in einem Stoff! In einem Narrativ. Zweitens wurde ich das Buch empfehlen, weil es unkonventionell ist von der Form. Und weil es damit zeigt, wie man hervorragend schreiben kann, abseits der klassischen Form.


Natalia Ginzburg: So ist es gewesen (fiction)
Weil: Natalia Ganzburg in ihren Büchern eine sehr minimalistische Sprache benutzt, also eine sehr klare, ohne jegliche Schnörkel. "So ist es gewesen" ist für mich zudem von einer großen Spannung durchzogen. Es ist interessant, sich zu fragen: Wie macht die Autorin das? Die SZ hat zudem mal geschrieben: Ginzburg schreibe als zentrales Thema ihres Werks über die "seelische Isolation des modernen Menschen". Finde ich wichtig und hoch interessant.


Virginie Despentes: Das Leben des Vernonen Subutex (fiction)
Weil: Das Buch ist rotzig, es ist dreckig, es ist manchmal rauh; Despentes schreibt so, wie man es einer Frau nicht zuschreibt. Weswegen es gleich wieder viele mit einem Mann vergleichen und sagen, sie sei sowas wie das weibliche Pendant zu Michel Houellebecq. Man braucht diesen Vergleich aber gar nicht. Man muss auch nicht alle drei Teile ihrer Subutex-Triologie lesen. Man muss das auch nicht spannend finden. Aber es ist interessant, sich diese Rotzigkeit der Sprache anzuschauen, in der eine Freiheit liegt, finde ich. Da hat jemand eine eigene Sprache für sich und sein Thema gefunden. So ist das z.B. bei Sybille Berg auch meiner Meinung nach. Das finde ich eine gute Schule.


Und zum Schluss noch Rainald Goetz, es geht nicht ohne nicht (alles von ihm!)
Weil: Wenn ich Goetz lese, ist das eine zuverlässige Erinnerung daran, was Sprache alles kann. Wenn mir nichts, aber auch gar nichts mehr einfällt, wenn ich mich sprachlich hohl und vollkommen verblödet hle, dann lese ich Goetz, und es geht mir gleich besser. Weil er immer wieder tze schreibt, die so schön sind, und weil es so viel Spaß macht, ihm beim Labern, Schimpfen und Hassen zuzugucken. Außerdem llt mir niemand ein, der bissiger und schöner die Eitelkeiten des Mediensystems auseinandernimmt.

 

Die Reportage in Zeiten des Unterhaltungsoverkills

Britta Stuff im Gespräch mit Juan Moreno auf dem Reporter-Workshop im vergangenen Jahr in Hamburg.

 

Unser Newsletter für den Mai von Anette Dowideit:

 

Ich bewege mich in diesen Tagen - wie vermutlich viele von euch - in einem merkwürdigen Zwiespalt: Auf der einen Seite rödle ich seit Wochen in der Redaktion, weil Leserinnen und Leser dieser Tage mehr Informationsbedarf haben als sonst. Wir recherchieren über fehlende Schutzmasken, schreiben über die desolate Lage der isolierten Senioren in Pflegeheimen, über alleingelassene Kinder aus schwierigen Familien, und immer wieder über die Frage: Was wiegt schwerer, die Ansteckungsgefahr oder die Gefahren des Lockdowns? Zugleich mache ich mir Sorgen um unsere Branche. Wie lange geht das noch gut, wenn uns durch die anrollende Wirtschaftskrise die Anzeigenkunden wegbrechen?


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Wir möchten euch einladen:


Am Sonntag, 31. Mai um 20 Uhr werden Heike Faller und Britta Stuff miteinander diskutieren, ihr Thema: Die Reportage in Zeiten des Unterhaltungsoverkills. Sie wollen sich die Zeit nehmen, einmal ganz grundsätzlich darüber nachzudenken, was wir da jeden Tag machen. Wen interessieren heute eigentlich noch unsere langen, sorgfältig formulierten Stücke? Wer sitzt heute noch im Café und vertieft sich in der Wartehalbestunde in eine, sagen wir, Seite Drei, wenn zugleich Netflix und Instagram locken? Und wenn die Aufmerksamkeit für geschliffene Sätze und ausgeruhte Beobachtungen weniger wird: Was kann die Reportage heute dann noch?


Darüber wollen Heike Faller vom „Zeit-Magazin“ und Britta Stuff vom „Spiegel“ mit euch diskutieren, in unserer Reihe „Reporter-Forum trifft…“. Bitte folgt diesem Zoom-Link. Platz ist für 300 Leute.


https://vhsrt.zoom.us/j/91677940632 


Passwort: 789678



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Auch im Reporter-Forum hat die Corona-Krise vieles über den Haufen geworfen. Der Reporter-Workshop Mitte Juni, ihr wisst es, muss ausfallen. 


Wir werden alles daran setzen, ihn Anfang Dezember nachzuholen. Aber wer weiß, wie es dann in Deutschland aussieht. Haben wir das Virus besiegt, oder gibt es eine zweite Welle und den nächsten Lockdown? Alles erscheint gerade möglich. Wir müssen kurzfristig entscheiden.


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Ein Lesetipp:


Die Corona-Krise ist noch längst nicht überstanden, aber sie wird tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen. Vielen wird es schlechter gehen. Corona kostet Unternehmen und Selbstständige ihre Existenz, Menschen verlieren ihre Arbeitsstelle, sie alle werden mit weniger Geld auskommen müssen.


Ich lese gerade ein Buch, das dieser Tage wieder an Bedeutung gewinnt: „Deutschland dritter Klasse - Leben in der Unterschicht“ von Julia Friedrichs, Eva Müller und Boris Baumholt. Die Autorinnen veröffentlichten es in der Weltfinanzkrise 2009. Sie besuchten damals Menschen mit wenig Geld und ohne Arbeit, die einander in winzigen Wohnungen kaum aus dem Weg gehen konnten - was Assoziationen zum derzeitigen Lockdown weckt und den Gefahren, die er mit sich bringt. Sie schildern, wie es sich anfühlt, wenn man von Hartz IV leben muss, sie beschreiben eindrucksvoll, wie schnell ein gesellschaftlicher Abstieg passieren kann.


Das Buch erscheint mir heute wieder aktuell - denn es deutet sich an, dass sich Ungleichheiten, die es schon vor Corona gab, verfestigen.

 

 

Reporter-Workshop & Versöhnung

Der Reporter-Workshop im vergangenen Jahr in Hamburg: Andreas Wolfers, Britta Stuff, Juan Moreno und Lara Fritzsche (v.l.n.r.) diskutierten über die Reportage.

 

Unser Newsletter für den April von Timm Klotzek:

 

Wieder zerbricht ein Stück Vorfreude. Ist das die zehnte Absage einer Veranstaltung auf die ich mich echt gefreut habe, die fünfzigste? Auch das Reporterforum im Juni wird ausfallen, still seufzend haben wir den Termin von unserer Website genommen.


Das Programm war auf gutem Wege – auch Dank der vielen konstruktiven und originellen Vorschläge für Workshops, Panel-Diskussionen und Stargäste von euch. Sie sind nicht vergessen, versprochen.


Vieles, was wir uns für die Juni-Workshops im Hamburger Spiegel-Haus an der Ericusspitze vornommen hatten (Danke, lieber Steffen Klusmann für eure großzügige Gastfreundschaft!), wird auch während oder nach der Corona-Krise noch von Relevanz sein, vieles sogar noch wichtiger werden in der harten Zeit die folgen wird.


Noch offen ist, wann wir das Reporterforum nachholen werden und welche Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern wir dann einladen wollen. Wo wird Journalismus gerade besonders gut und besonders innovativ betrieben, von wem wollen und können wir alle lernen dieser Tage? Wir freuen uns über Anregungen und Vorschläge – ab Mai und am besten via Mail an kontakt@reporter-forum.de.


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Die schöne und noch junge Newsletter-Tradition, an dieser Stelle zeitlos schöne Journalismus-Bücher zu empfehlen, muss ruhen leider, ich komme dieser Tage nicht dazu mal wieder in Ruhe ein gutes Buch zu lesen wie scheinbar der ganze Rest der bürgerlichen Twitterblase. Abends schaffe ich kaum mehr als zwanzig Seiten aus dem neuen Erzählband von Maxim Biller, „Sieben Versuche zu lieben“ heißt er. Dass ich bisher nach ein paar Seiten Biller noch erstaunlich gut schlafe, hat bestimmt auch mit dem Autor, der Kraft und Schönheit seiner Sprache zu tun. Ich habe Maxim Biller dafür gedankt dieser Tage und er antwortete, dass er sich aufrichtig gefreut hat. Das wiederum hat mich gefreut – Lob, Zuspruch und Sympathie sind so wichtig, wie lange nicht mehr. Nächsten Monat schreibt an dieser Stelle meine Vorstandskollegin Anette Dowideit und bis dahin hätte ich einen Vorschlag:


Versöhnt euch doch alle mit wenigstens einem Kollegen oder einer Kollegin, mit der ihr schon länger über Kreuz liegt. Verzeiht, dass ihr mal sauschlecht behandelt wurdet, hört auf euch eifersüchtig zu ignorieren, verlernt das Lästern, vergrabt das Kriegsbeil. Christian Drosten würde wohl sagen: „Zwei Meter tief sollten wohl reichen“.


Bleibt zuversichtlich und gesund!

 

Schreiben & Angst & Netflix

Deborah Feldmann (Mitte) in Berlin




Unser Newsletter für den März, von Heike Faller:


"Angst ist in diesen Tagen für viele ein Thema, Angst, dass einem die Decke auf den Kopf fällt oder dass die Familienverwerfungen offensichtlicher werden, wenn man tagelang aufeinander hockt. Oder dass die Eltern, die qua Alter zu einer Risikogruppe gehören, ein Desinfektionsmittel verwenden, das gar nicht gegen Viren hilft.

Wie eng Schreiben und Angst manchmal zusammenhängen, weiß jeder, der schon mal auf eine Recherche geschickt wurde und vorher noch Worte wie diese aus seiner Redaktion hörte: "Aber bitte achte darauf, dass Thema X in der Geschichte vorkommt und Y nicht ganz so groß fahren. Und dem Chef wäre es noch wichtig, dass die Protagonistin eine Frau ist."
Frohes Schaffen!

Das führt bei mir zu Blockaden, weshalb ich auch in einer Redaktion arbeite, wo das eher selten passiert. Und ich versuche auch, Autorinnen und Autoren keine Angst zu machen, weil ich einfach weiß, dass man besser sehen kann, wenn man nicht vorher schon weiß, was man zu sehen hat.

Trotzdem weiß jeder, wie sich Schreiben unter Druck anfühlt. Wahrscheinlich waren auch deshalb so viele von unserem „Reporter-Forum trifft…“-Abend im Halleschen Haus in Berlin angetan, bei dem Deborah Feldman erzählte, wie sie sich mithilfe des Schreibens aus der ultraorthodoxen Satmar-Gemeinde in New York City lösen konnte. Am Ende hing die Frage, ob sie mit Mitte zwanzig ihre arrangierte Ehe verlassen konnte, an einem Exposé. Sie schrieb es für eine supertoughe New Yorker Agentin, die ihre Versuche mehrfach zurückgab, wie sie an dem Abend erzählte. Deborah wurde immer panischer, bis sie schließlich an den Punkt gelangte, so verzweifelt zu sein, dass sie einfach hinschrieb, was sie dachte, in ihrer eigenen Stimme, ohne klingen zu wollen wie eine Literatin. Und das war das Exposé, das schließlich angenommen wurde, denn sie hatte, genau, ihre Stimme gefunden. (Ihre Bücher landeten auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste.)

Aber bevor einem das gelingt, auch das wisst ihr alle, muss man bisweilen durch Täler von Selbstzweifeln und, ja, Angst. Und es ist oft der Punkt, an dem einem alles egal ist, an dem man das schreiben kann, was man eigentlich schreiben möchte, in dem Ton, der dafür angemessen ist. Übrigens: Wer in diesen Tagen viel zuhause ist (wer nicht?) – Deborahs Autobiographie "Unorthodox" kommt in diesen Tagen via Netflix zu euch ins Wohnzimmer.

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Zwei Tipps:

Die „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“ - einst von uns gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung erdacht - geht in eine neue Runde. Gesucht werden WissenschaftsjournalistInnen, die Veranstaltungsformate für Bibliotheken entwerfen wollen. Bis zum 31. März 2020 kann man sich mit einem Exposé bewerben, wer aufgenommen wird, entwickelt in der Masterclass Projekte, die im Herbst bundesweit in Bibliotheken umgesetzt werden. Der Lohn: 5.000 Euro plus Reisekosten. Hier geht es zur Bewerbung" 


Am 31. März endet die Bewerbungsfrist für den Schweizer Reporterpreis. Habt ihr im vergangenen Jahr eine Reportage geschrieben, die euch besonders gut gelungen ist? Habt ihr mit einer Recherche etwas bewegt? Dann reicht euren Text ein! Der Preis wird mit 5000 Franken dotiert. Ihr könnt auch Texte von anderen Journalisten und Journalistinnen nominieren. Alle Informationen für die Bewerbung findet ihr hier: https://www.reporter-forum.ch/bewerben 

Wer noch keinen Text, aber eine gute Idee hat: Die Jury vergibt wieder zwei Reporterstipendien von je 5'000 CHF – egal ob für Radio, Fernsehen, Online oder Print. Skizziert eure Idee auf einer A4-Seite inklusive Kostenaufstellung und. Informationen dazu gibt es ebenfalls hier: https://www.reporter-forum.ch/bewerben 

 

Feldman, Workshop, Faktencheck



Unser Newsletter für den Februar, von Ariel Hauptmeier:

Liebe Leute,

hier kommt unser neuer Newsletter.

Wir wollen euch künftig einmal im Monat erzählen, was wir gerade machen, was wir lesen, welche Veranstaltungen wir planen.

Am Dienstag, den 11. Februar diskutieren wir in Berlin mit der amerikanischen Autorin Deborah Feldman über das Leben und das Schreiben. Deborah wuchs auf in einer ultra-religiösen jüdischen Gemeinde in New York, wurde mit 17 in eine Ehe gezwungen, floh daraus und veröffentlichte mit 26 ihren autobiografischen Roman „Unorthodox“, der sich Millionen Mal verkaufte.

Deborah weiß viel über das Schreiben und das Leben, wir freuen uns sehr auf diesen Abend - zu dem das Hallesche Haus, wo wir erneut zu Gast sind, eigens zwei Drinks kreiert hat.

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Vor einigen Tagen haben wir uns in Hamburg getroffen und mit der Planung des 
Reporter-Workshops begonnen. Er ist am 12. und 13. Juni 2020, wie immer beim „Spiegel“ in Hamburg. Die Anmeldung ist ab Montag, 27. April hier über die Website möglich. Was könnte ein Oberthema sein? Eine Idee: „Wer liest uns noch in einer Welt voller Buchstaben?“ Und wie müssen wir schreiben, damit wir noch gelesen werden?


Was wäre euer Thema des Jahres? Wer oder was ist euch aufgefallen? Wer geht voran? Schickt uns sehr gern hier eure Vorschläge für Panels, Workshops, Referent*innen.


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Der Reporterpreis im Dezember war so glanzvoll wie immer, was für ein Glück und was für eine Erleichterung. Im Publikum etliche Medienjournalisten, etwa von Zapp


Harald Maass gewann in der Kategorie „Beste Reportage“. Er hatte den Mut besessen, undercover in die Provinz Xinjiang zu fahren, wo China mit neuester Technik ein Volk unterjocht. Die Kolleg*innen von reportagen.fm interviewen gerade die Gewinnerinnen und Gewinner des Reporterpreises. 


Harald Maass hat dort erzählt, wie vorsichtig er auf seiner Reise sein musste. „Meine Kamera hatte ich über die Schulter gehängt, als ob sie aus ist, und den Auslöser habe ich über das Handy gesteuert. Auf diese Weise fotografiert man in eine andere Richtung, als in die man schaut.“ 


Publikumsjurorin war die Wissenschaftsjournalistin Elisabeth Pörnbacher, ehrlich und persönlich hat sie aufgeschrieben, was sie während der Jurysitzung erlebt hat.  


Ihr erinnert euch – erstmals haben wir für den Reporterpreis einen Dokumentar engagiert. Er hat jede zehnte nominierte Reportage und alle Siegertexte geprüft, insgesamt gut 20 Arbeiten. Klar - hier eine falsche Zahl, dort eine falsch zitierte Studie, einige Ungenauigkeiten und Fehler hat er entdeckt. Aber das Ganze stimmte. Nichts war erfunden, gefälscht, übertrieben. 


Einziger Wunsch unseres Faktencheckers: Dass bei Rekonstruktionen präziser die Quellen genannt werden. Damit Außenstehende nicht auf die Idee kommen, hier fabuliere jemand. Zwei solcher Rekonstruktionen gab es, sie klangen recht literarisch. Doch auch hier – war jedes Detail mit Akten oder Aussagen belegt.

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Wir wollen in diesem Newsletter auch erzählen, was wir gerade lesen. Ich möchte euch ein Buch empfehlen. Zusammen mit Philipp Maußhardt leite ich jetzt die Reportageschule in Reutlingen, und so beschäftigt mich gerade, wie das eigentlich geht: unterrichten, Schreiben lehren, Feuer entfachen, ein starkes Team formen. Die Blaupause habe ich gefunden in „The Culture Code“ von Daniel Coyle, in dem der erzählt, warum Startups, Mannschaften, Forschergruppen plötzlich durchstarten und über sich hinauswachsen. "Emotionale Sicherheit" lautet ein Schlüsselwort. Ich muss mich trauen dürfen. Dann ist Großes möglich. Auch in so mancher Redaktion.

Einer herzlicher Gruß, auch im Namen der anderen!

Ariel

 

 

Publikumsjurorin beim Reporterpreis 2019

Elisabeth Pörnbacher



In jedem Jahr stimmen die Teilnehmer des Reporter-Workshops mit ab über die "Beste Reportage". Dieses Mal vertrat Elisabeth Pörnbacher ihr Votum in der Jury. Sie hatte, wie die Mehrzahl, für die Reportage "Doktor Gammel holt ein Kind", geschrieben von Jonas Breng gestimmt - der später allerdings nicht gewann.

Ein klassischer Vorwurf an Preis-Jurys lautet, dass hinter verschlossenen Türen die vorderen Plätze ausgekungelt werden. Um zu zeigen, dass dieser Vorwurf nicht stimmt, ist die Sitzung der Reporterpreis-Jury stets öffentlich.

Bitte finden Sie hier den Bericht von Elisabeth Pörnbacher, die als Redakteurin beim "Sciences Notes Magazin" arbeitet.

 

Deutscher Reporterpreis 2019 in Berlin verliehen

 

 

In Berlin ist am 2. Dezember 2019 der 11. Deutsche Reporterpreis vergeben worden, der Preis von Journalistinnen für Journalistinnen. Fünf prominent besetzte Jurys hatten am gleichen Tag über 90 nominierte Beiträge debattiert, ehe der Preis am Abend im Tipi am Kanzleramt in elf Kategorien verliehen wurde.

Bitte findet hier den Reader zum Reporterpreis 2019 - mit allen prämierten Arbeiten.


REPORTAGE: Die Welt, von der niemand wissen soll 


Harald Maass, SZ Magazin


INVESTIGATION: Die Ibiza-Affäre


Gemeinsam eingereicht von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung": Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Martin Knobbe, Wolf Wiedmann-Schmidt, Alexandra Rojkov, Walter Mayr, Vera Deleja-Hotko, Maik Baumgärtner


LOKALREPORTAGE: Die toten Babys von Neukölln


Julius Betschka und Martin Nejezchleba, Berliner Morgenpost


INTERVIEW: "Ich stand vor ihr wie vor einem Richter"


Anna Kemper, ZEITmagazin


SPORTREPORTAGE: Ja! Jaa! Jaaa!


Nicola Meier, DIE ZEIT


WISSENSCHAFTSREPORTAGE: Wunschdenken


Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause, SZ Magazin

 

FREIE(R) REPORTER(IN): Aus den Augen


Katrin BlumSZ Magazin


KRITIK: Spiel mit dem Tod


Gabriela Herpell, SZ Magazin


ESSAY: Kriegerin


Else Buschheuer, SZ Magazin


MULTIMEDIA: #bienenlive


Ali Akinci, Alina Andrazcek, Isabelle Buckow, Joachim Budde, Stefanie Fischer, Thomas Hallet, Anna Heidelberg-Stein, Jannis Konrad, Till Prochaska, Marc Saha, Robert Schäfer, Ole Schleef, Anika Schnücke, Grit Schuster, tvision - Team, Jakob Vicari, Sandra Wahle, Axel Weber, Michael Weidler, Bertram Weiß. 


DATENJOURNALISMUS: Wer profitiert vom Berliner Mietmarkt?


Lubena Awan, Andreas Baum, Michael Gegg, Sidney Gennies, Hendrik Lehmann, David Meidinger, Helena Wittlich, Tagesspiegel


Reportage 


Die Jury prämiert Harald Maass „Die Welt, von der niemand wissen soll“ als den Text mit der größten Relevanz und einer großartigen Reporterleistung. Harald Maass porträtiert erstmals im deutschen Sprachraum nüchtern und unaufgeregt die Monstrosität einer digitalen Diktatur, die in China zur Überwachung einer ganzen Region und ihrer Minderheiten Verwendung findet.  


Investigation


Der Deutsche Reporterpreis für Investigation geht an die Arbeit, die 2019 zu den größten Konsequenzen in der Politik und zu einer Erschütterung Österreichs und darüber hinaus geführt hat. Autorenteams von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ haben ein zugespieltes, dubioses Video mit Akribie ausgewertet, so dass aus stundenlangen Aufnahmen jene Minuten herausgefiltert und verifiziert wurden, die zum Rücktritt von Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache und damit zum Sturz der Regierungskoalition von Bundeskanzler Sebastian Kurz führte. Die Recherche-Leistung dieses Skandals war der kleinere Teil, weil die Geschichte an sich schon recherchiert war. Die Leistung bestand darin, sich der heiklen Story mit Mut und Risikobereitschaft anzunehmen, der Sache auf den Grund zu gehen, sie so aufzubereiten, dass etwas sehr Schmutziges ans Licht kommt. Mit der Spiegel-Story „Joschi, mach das jetzt klar“ und dem SZ-Bericht „In der Falle“ wurde die Ibiza-Affäre aufgedeckt - und mit wem sich Kurz eingelassen hat: Mit einer Partei, die Macht über Journalisten gewinnen und die Demokratie manipulieren wollte.  


„Die Ibiza-Affäre“, gemeinsam eingereicht von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung": Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Martin Knobbe, Wolf Wiedmann-Schmidt, Alexandra Rojkov, Walter Mayr, Vera Deleja-Hotko, Maik Baumgärtner. 


Lokalreportage 


Am Ende gewinnt ein Text, den zunächst nur einer auf dem Zettel hatte: "Die toten Babys von Neukölln" von Julius Betschka und Martin Nejezchleba aus der "Berliner Morgenpost". Auch weil die Jury in die Making-ofs und damit auf Aufwand und Erkenntnis schaut. Der Siegertext gibt Antworten auf eine brisante Frage: Warum sterben in Neukölln mehr Säuglinge als in jedem anderen Bezirk Berlins? Liegt es an der überproportional hohen Rate an Ehen unter nahen Verwandten? Am Ende finden die beiden Autoren keine eindeutige Antwort, zu komplex ist das Thema, zu gering die Zahl der Fälle. Aber wie sie von ihrem Rechercheweg erzählen, das ist erhellend und erschütternd, sie umschiffen Stereotypen und vorschnelle rassistische Zuschreibungen und zwingen jeden, der den Text liest, sich mit der Komplexität des Sachverhalts auseinanderzusetzen. 


Interview 


Das beste Interview hat aus Sicht der Jury in diesem Jahr Anna Kemper im "ZEITmagazin" geführt. Sie traf die Tochter von Johanna Haarer, die 1934 das Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" schrieb und damit zur Ideologin des Mutterbildes im Nationalsozialismus wurde. Spuren von Haarers Methode, Kinder durch erzwungene Kälte und die Verweigerung von Bindung für das Leben zu "ertüchtigen", finden sich bis heute in Erziehungsratgebern. Kemper gelingt es, ihr Gegenüber durch ihre belesene und neugierige Intervierführung zu öffnen und als dem ersten Opfer dieser Zucht einen Einblick in die Doppelmoral der mütterlichen Autorität zu entlocken. Das Interview "Ich stand vor ihr wie vor einem Richter" ist herausragend darin, in die Tiefe einer Haltung zu blicken, die sich in Büchern wie "Jedes Kind kann schlafen lernen" reproduziert. 


Sportreportage

Ein eindeutiges Votum: Es gewinnt "Ja! Jaa! Jaaa!", die Reportage von Nicola Meier in der "Zeit" über vier Männer, die den Weltrekord über 4x400 Meter brechen wollen, in der Klasse M85, der über 85-Jährigen. Nicola Meier beschreibt, wie die Protagonisten über sich selbst hinauswachsen - und wieviel es ihnen bedeutet, gemeinsam dieses Ziel zu verfolgen. Zugeneigt, leichtfüßig und melancholisch verfolgt sie den Weg der vier. Eine Geschichte über das Jungbleiben, die Lust macht aufs Älterwerden.


Wissenschaftsreportage


Ausgezeichnet wird die Reportage "Wunschdenken" von Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause aus dem "SZ Magazin", in der sie Machtverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb beleuchten. Ein junger Informatiker, ein Nobody ohne große Veröffentlichungen, greift einen Superordinarius an, der behauptet, er könne mit Locked-In-Patienten kommunizieren, vollständig gelähmten Menschen, die nicht einmal mehr ein Augenlid bewegen können. Doch der vermeintliche Durchbruch, so viel im Laufe der Recherche immer klarer, stützt sich auf Statistiken, die keiner Überprüfung standhalten. Die Autorität des Ordinarius aber wirkt lange Zeit mehr als die begründeten Einwände des unbedeutenden Informatikers. Eine Lehrstunde über Mut, über die Suche nach Wahrheit und die Macht mancher Professoren.


Freie(r) Reporter(in)


Die Jury prämiert mit „Aus den Augen“ von Katrin Blum eine Reportage des "SZ Magazins" von großer gedanklicher Tiefe mit vielen Passagen, in denen zentrale Menschheitsfragen aufscheinen. Die Autorin nimmt am Geschehen unmittelbaren Anteil, sie erlangt das Vertrauen der Basketballmannschaft, die sie beim Besuch eines erkrankten Mitspielers begleitet hat. Katrin Blums Text hat Herz, wirft ohne sprachlichen Bombast bewegende Fragen auf, ist anrührend und trifft ihr Thema hundertprozentig.  


Essay


Die Jury prämiert mit "Kriegerin" von Else Buschheuer im "SZ Magazin" den lautesten Text dieses Jahres von einer Autorin, die sich persönlich stark exponiert. In ihrem Essay beschreibt sie einerseits ihre eigene sexuelle Identitätsfindung als auch die Selbstoptimierungsfantasie, die mit einer misslungenen Brust-OP einhergeht. Wie die Autorin in ihrem mitreißenden, aufwühlenden Text diese beiden Suchbewegungen zusammenfasst, ist durchaus eine Zumutung. Doch da Else Buschheuer den Prozess auch sich selbst gegenüber schonungslos zu schildern weiß, hilft sie uns mit ihrer Erzählkunst über die Abgründe hinweg. Ihre Aufrichtigkeit ist inspirierend. 


Kritik


Gabriela Herpell hat die beste Kulturkritik geschrieben. Darin war sich die Jury schnell einig. Sie schafft es in "Spiel mit dem Tod" im "SZ Magazin", die Arbeit des europäischen Theaterprovokateurs Milo Rau auf eine Art und Weise zu beleuchten, die keine moralische Anklage ist und dennoch die Widersprüchlichkeit des politischen Theaters heute entblößt. In Herpells Nahbetrachtung, bei der sie Milo Raus Ensemble des Nationaltheaters Gent auf eine Reise ins irakische Mossul begleitet, wird uns das beinahe selbstzerstörerische Verlangen nach Relevanz vorgeführt, dessen notorische Grenzverletzungen sehr viel über die Krise des Theaters sagen. 


Multimedia


Die beste Multimedia-Arbeit kommt in diesem Jahr vom Team "Sensor&Reporter" in Zusammenarbeit mit dem WDR. Unter #bienenlive haben sie sechs Monate lang aus drei Bienenstöcken live berichtet. Die Reporterinnen ermöglichen den Nutzerinnen das "Internet der Tiere" zu erkunden und gewähren unbekannte Perspektiven. Die Recherche zeigt beispielhaft, wie Journalismus durch den Einsatz von Sensoren gewinnen kann und wie man junge Leute per Whatsapp erreichen kann.


Zum Team gehören: Ali Akinci, Alina Andrazcek, Isabelle Buckow, Joachim Budde, Stefanie Fischer, Thomas Hallet, Anna Heidelberg-Stein, Jannis Konrad, Till Prochaska, Marc Saha, Robert Schäfer, Ole Schleef, Anika Schnücke, Grit Schuster, tvision - Team, Jakob Vicari, Sandra Wahle, Axel Weber, Michael Weidler und Bertram Weiß.


Datenjournalismus


In der Kategorie Datenjournalismus gewinnt das Team des "Tagesspiegel" für die datenbasierte Recherche zum Berliner Mietmarkt, "Wer profitiert vom Berliner Mietmarkt?". Sie stellen Zusammenhänge her, die vielen Mieterinnen und Mietern sicherlich nicht bewusst sind. Zum Beispiel, dass sie über ihre privaten Rentenbeiträge ihre eigenen Mieten in die Höhe treiben. Dazu kombinieren sie öffentlich zugängliche Daten mit Informationen, die Tausende von Leserinnen und Lesern zur Verfügung stellen und packen diese in ein umfassendes Dossier, das sich in die Recherche-Reihe «Wem gehört...?» des Recherchezentrums CORRECTIV einreiht.


Zum "Tagesspiegel"-Team gehören: Lubena Awan, Andreas Baum, Michael Gegg, Sidney Gennies, Hendrik Lehmann, David Meidinger und Helena Wittlich.

 

 

George Packer in Berlin - wie war's?

 

Eines wissen wir jetzt: George Packer ist nicht nur ein brillanter Schreiber, einer, der die große Non-Fiction-Erzählung in einem fort neu erfindet – er ist auch ein durch und durch freundlicher Mensch. Am Dienstag war er in Berlin Gast des Reporter-Forums, 80 von euch waren da, und darauf sind wir stolz – 80 KollegInnen, die einem amerikanischen Reporter zuhören, an einem verregneten Novemberabend: Das kann sich sehen lassen. Und sonst, wie war es?  


„Ich fand stark, wie George Packer für seine Stories nach „Vermittlern“ sucht, Insidern, die ihm helfen, Aspekte und Akteure sichtbar zu machen – bei seinem Porträt über Angela Merkel genau wie bei seiner Reportage über die Pariser Banlieue nach dem Charlie Hébdo-Anschlag. Und er hat durch seine höfliche, aufmerksame, bescheidene Art gezeigt, wie ein Reporter, eine Reporterin sein sollte: neugierig und respektvoll.“

Deborah Cole, AFP


„Am meisten an George Packer beeindruckt hat mich seine Ausgeruhtheit. JournalistInnen neigen zum Wuseln. Natürlich hat nicht jeder so viel Zeit für eine Recherche wie er. Aber Packer hat mich ermutigt, geduldiger zu sein. Außerdem fing er selbst erst spät in seinem Leben an, journalistisch zu arbeiten. Da hatte er wahrscheinlich einfach schon eine gewisse Ruhe in sich selbst gefunden. Das ist gut. Packer ist deshalb kein Jäger, er ist Sammler, und das macht seine Geschichten so gehaltvoll.“

Lisa McMinn, Vice


"Sein Gedanke: Wenn Du über Washington schreibst, tu es so, als hättest Du noch nie etwas über diese Stadt gehört. Dieses Sich-die-Dinge-Fremdmachen, die das gute Schreiben braucht, weil es den Blick klarer werden lässt."

Heike Faller, Zeit-Magazin 


„Ich nehme von George Packer vor allem dessen Erkenntnis mit, das gute Texte nur dann entstehen, wenn sich ihr Verfasser in ihnen nicht in gutes Licht zu rücken versucht. Packer hat mir mit seiner uneitlen Art imponiert, er war also auch der richtige, um diesen Gedanken zu platzieren. Er hat es, glaube ich, zunächst vor allem auf Literatur bezogen, aber meiner Ansicht nach gilt das gleiche auch für journalistische Texte. Interessant fand ich auch, dass Packer bei den allzu gewaltigen Fragen (Lösung des Nahost-Konflikts?, Lösung der westlichen Demokratie-Krisen?) einfach gesagt hat: Ich habe keine. Natürlich hat niemand eine solche Lösung, aber als Stargast auf einem Podium nicht doch mit irgendwelchen Ideen zu kommen, das muss man sich auch erstmal trauen. Bei Packer verschwindet nicht nur der Autor komplett hinter seinen Texten, sondern auch die Person komplett hinter diesem Autor.“

Nik Afanasjew, freier Reporter


„George Packer hat mich inspiriert, weil er deutlich gemacht hat, dass gutes Schreiben Handwerk ist und dass auch er sich dieses Handwerk über lange, lange Jahre erarbeiten musste. Über das Schreiben, aber auch über das Lesen anderer guter Autor*innen. Ein weiterer guter Grund, mehr Bücher zu lesen.“

Daniel Drepper, Buzzfeed


„George Packer beschrieb eindrucksvoll, dass die Basis von Journalismus Ehrlichkeit und Offenheit sein muss. Er erzählte, wie er nach Charlie Hébdo in den Banlieues von Paris Kontakt mit den Anwohner*innen suchte – und fand, weil er immer bemüht war, unvoreingenommen und wirklich offen zuzuhören. Ein Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist, lautete: Wenn man wirklich ein Gespräch mit jemandem führen möchte, dann muss man immer die Möglichkeit in Betracht ziehen, man selbst könnte unrecht haben oder etwas nicht wissen.“

Anonyma

 

Freier Reporter - Die Nominierten

Diskussion der Jury um den besten freier Reporter 2018.



Auszug aus der Ausschreibung:

"Immer mehr Reporter arbeiten nicht mehr in Redaktionen, der wirtschaftliche Druck hat viele Zeitungen und Zeitschriften veranlasst, kostenaufwendige journalistische Formen auf Freie auszulagern. Sie tragen nun das Risiko aufwändiger Recherche und akribischer Textarbeit, viele von ihnen können sich Reportagen nicht mehr leisten. Sie wollen wir mit dem Preis für den besten freien Reporter ermuntern, weiter an Texten zu arbeiten, die ihnen wichtig sind, auch wenn sie sich vielleicht nicht mehr rechnen."


Nominiert in der Kategorie "Freier Reporter 2019":


Miguel Helm: „Sie ist 13, er 52“; Isabell Beer: „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“; Katrin Blum: „Aus den Augen; Carsten Stormer: „Duponts Kinder“; Laura Ewert: „Meine Mutter, die SPD und ich“; Marc Bädorf: „Erich, der Entdecker“; Theresa Hein: „Bruderherz“; Lena Niethammer: „Trotzkopf“.


Alle nominierten Texte in der Kategorie "Freier Reporter" (Reader, pdf)


Die Preisverleihung findet statt am 2. Dezember in Berlin.

 

Reportage - Die Nominierten

Die Jury diskutiert um die beste Reportage des Jahres 2018




Nominiert in der Kategorie "Beste Reportage 2019":


Emilia Smechowski: "Ein Ausflug ins Grauen"; Jan Christoph Wiechmann: "Freiwild"; Jonas Breng: "Doktor Gammel holt ein Kind"; Marc Hujer: "Schönes Spiel"; Marc Hujer: "Krass"; Anant Agarwala: "Der Champagner-Krieg"; Harald Maass: "Die Welt, von der niemand wissen soll"; Tina Kaiser: "Nahkampf"; Christine Holch: "Es waren viele Männer - und die Mütter"; Roman Pletter: "Der Industriekanzler"; Eva Sudholt: "Die Verschwundenen"; Barbara Hardinghaus: "Blühende Kreisverkehre"; Dominik Stawski: "Wenn das Herz versagt..."; Theresa Locker, Max Hoppenstedt: "Jagd auf 'Elysium'"; Andreas Glas: "Halt mich"; Max Polonyi: "Ein deutsches Hundeleben"; Lorenz Wagner: "Leben lassen".


Alle nominierten Texte der Kategorie "Reportage" (Reader, pdf) 

 

Interview - Die Nominierten

Jurorin Teresa Bücker diskutiert in der Jury um das beste Interview im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung:

"In den letzten Jahren haben Reporter neue Spielarten des Interviews entwickelt. Sie kombinieren beschreibende, erzählerische Passagen mit Interview-Teilen, sie pflegen wieder das lange Gespräch, das wie ein Portrait wirkt, oder sie kommentieren Antworten des Gesprächspartners, ordnen sie ein. Oder sie fragen einfach so genau und so hartnäckig, bis der Befragte dem Leser einen Einblick gewährt in ein Leben, das bisher im Verborgenen lag. So sind Interviewformen entstanden, die beispielhaft sind."

Nominiert in der Kategorie "Bestes Interview 2019":

Thilo Komma-Pöllath: „Die Sache Siegfried Mauser - Mein Chef und ich“; Matthias Wyssuwa: „Diener zweier Staaten“; Oliver Geyer: „Sie kam in mein Zimmer. Sie sagte, sie muss jetzt weg, kämpfen“;  Ron Ulrich: "Er war so besessen, dass er sich sogar über Hitler hinwegsetzte"; Anna Kemper: „Ich stand vor ihr wie vor einem Richter“; Christoph Schult, Severin Weiland: „"Es ist in Ordnung, dass ich sterbe"; Barbara Nolte: „Noch vier Wochen vorher applaudierten sie mir“; Marius Buhl, Charlotte Wirth: „Die EU will man nicht zum Feind haben“.


Alle nominierten Texte in der Kategorie "Interview" (Reader, pdf)


Die Preisverleihung findet statt am 2. Dezember in Berlin.

 

Essay - Die Nominierten

Juror Axel Hacke in der Diskussion um die beste Einreichung in der Kategorie "Essay" im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung: 

"Oft ist das Erzählerische, die Reportage, eine zu szenische, zu gedankenarme, zu unintelligente journalistische Form, um über die Wirklichkeit und ihre Widerspiegelung im Überbau zu berichten. Zunehmend schreiben Reporter deshalb essayistische Reportagen, Texte, die irgendwo in der Wirklichkeit beginnen, aber dann lieber dem Gedanken folgen als der Erzählung. So entstehen beispielhaft gute Texte, die immer weniger Reportagen sind und immer mehr Essays und deshalb verdienen, mit einem Preis gewürdigt zu werden."

Nominiert in der Kategorie "Bester Essay 2019":

 

Cigdem Akyol: "Mein Bruder"Marcel Laskus: „Wenn ich heute an den Amoklauf denke, denke ich an unser Schweigen“; Nicolas Büchse: „Gebrandmarkt“, Else Buschheuer: „Kriegerin“; Malte Henk und Britta Stuff: „Die helle Seite der Macht“; Heinrich Wefing: „Wie stabil ist das Grundgesetz?“; Moritz Honert: „Symbol Politik“; Johannes Schneider: „Die Apokalypse ist leider auserzählt“; Fabienne Hurst: „Gönn's Dir Genosse“.

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Essay" (Reader, pdf)


Beste Kritik - Die Nominierten

Diskussion der Jury um die beste Einreichung in der Kategorie "Kulturkritik" im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung: 

"Der Kritiker, vor allem im Feuilleton zuhause, ist eine uralte journalistische Figur, mal Hassfigur, mal König, immer umstritten - wir möchten jene Kritiker auszeichnen, denen es gelingt, mit eigener Sprache und neuen Formen ihren Job zu machen."

Nominiert in der Kategorie "Beste Kritik 2019":

Christian Zaschke: „America the Beautiful“; Nadia Pantel: „Rechtes Spektakel“; Gabriela Herpell: „Spiel mit dem Tod“; Lara Fritzsche: „Ins Licht“; Raoul Löbbert: „Messias im Volkskörper“ und „Eine Seele von Mensch“; Lars Weisbrod: „Neues Level“; Susanne Kippenberger: „Neue Farbenlehre“; Moritz Honert und Christiane Peitz: „Hauptsache Bio“.

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Kritik" (Reader, pdf)

Multimedia - Die Nominierten

Diskussion der Jury um die beste Einreichung in der Kategorie "Multimedia" im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung:

"Im Web werden Geschichten multimedial erzählt und sind doch ganz anders: Sie kombinieren Text, Foto, Ton und Video, lassen sich dabei interaktiv steuern oder nonlinear erleben. Nicht selten verlassen sie dabei die klassischen Genre-Konventionen der Reportage oder sie binden den Rezipienten auf neuartige Weisen in die Geschichte ein."

Nominiert in der Kategorie "Multimedia 2019":


Jannika Schultz, Stefan Schultz und Edward Lee: „Das Dunkle System“; Nicole Graaf und Emre Çaylak: „Das Kokain der Meere“; Katrin Langhans, Christina Berndt, Mauritius Much, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer, Anna Reuß, Nicolas Richter und Ralf Wiegand, Christian Endt, Elisabeth Gamperl, Lisa Bucher, Stefanie Preuin, Christoph von Eichhorn, Manuel Kostrzynski, Wolfgang Jaschensky, Felix Ebert, Vivien Timmler, Maria Sprenger, Stefan Kloiber, Franziska von Malsen, Laura Terberl, Vinzent Leitgeb und Hennes Elbert: „Implant Files“; Mathias Lutz, Marc Brupbacher, Amir Mustedanagic, Sebastian Broschinski, Rafael Zeier: „Mit welchen Technologien sind Sie aufgewachsen?; Mathias Lutz, Mikael Krogerus, Monika Fischer, Mathias Braschler, Lea Koch, Steffen Gassel, Michael Streck, Dagmar Seeland, Barbara Platsch, Estelle Marandon: „Leben nach dem Tod“; Ali Akinci, Alina Andrazcek, Isabelle Buckow, Joachim Budde, Stefanie Fischer, Thomas Hallet, Anna Heidelberg-Stein, Jannis Konrad, Till Prochaska, Marc Saha, Robert Schäfer, Ole Schleef, Anika Schnücke, Grit Schuster, Dr. Jakob Vicari, Sandra Wahle, Axel Weber, Michael Weidler, Bertram Weiß: „#bienenlive. Das große Bienen-Sensor-Experiment“; Paul Blickle, Alina Schadwinkel, Julian Stahnke und Julius Tröger: „Mit diesem Apparat ging es zum Mond“.

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Multimedia" (Reader, pdf)


Datenjournalismus - Die Nominierten

Diskussion der Jury um die beste Einreichung in der Kategorie "Datenjournalismus" im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung:

"Die Datenmenge in der Welt nimmt unaufhörlich zu, immer mehr Lebensbereiche werden vermessen und erfasst. Die Aufgabe der Datenjournalisten ist es, journalistisch relevante Daten zu finden, technisch zu bereinigen und zu analysieren. Oftmals arbeiten sie in gemischten Teams mit Programmierern und Grafikdesignern zusammen, um gesellschaftliche Zusammenhänge aus Daten herauszulesen und diese verständlich zu erzählen - offline oder im Netz. Die Kraft des Datenjournalismus liegt am Ende nicht in einer bestimmten Erzählform, sondern im Wahrheitsgehalt seiner Geschichten."


Nominiert in der Kategorie "Datenjournalismus 2019":


Helena Wittlich, Andreas Baum, Michael Gegg, Hendrik Lehmann, David Meidinger: „Wer profitiert vom Berliner Mietmarkt?“; Marcel Pauly, Katharina Adami, Christina Elmer, Uli Köppen, Alexander Kruse, Oliver Schnuck, Robert Schöffel, Philipp Seibt, Patrick Stotz, Josef Streule, Maximilian Zierer: „Blackbox Schufa“; Christoph von Eichhorn, Moritz Zajonz, Felix Ebert, Stefan Kloiber, Martina Schories, Elisabeth Gamperl, Stefanie Previn, Felix Hunger, Manuel Kostrzynski: „Schnee war gestern“; Christian Bangel, Paul Blickle, Elena Erdmann, Philip Faigle, Andreas Loos, Julian Stahnke, Julius Tröger, Sascha Venohr: „Die Millionen, die gingen“.

  

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Datenjournalismus" (Reader, pdf)

 

Wissenschaftsreportage - Die Nominierten

Diskussion der Jury um die "Beste Wissenschaftsreportage" im Jahr 2018



Auszug aus der Ausschreibung: 

"Die meist hochkomplizierten Erkenntnisse der Natur- und Gesellschaftswissenschaften einem breiten Publikum so zu erzählen, dass es sich gleichermaßen unterhalten wie informiert fühlt, ist eine Kunst, die wir besonders dann auszeichnen wollen, wenn sie sich aller Formen bedient, die heutzutage dem modernen Erzähler zur Verfügung stehen."

Nominiert in der Kategorie "Beste Wissenschaftsreportage 2019":

Anushka Roshani: „Reise an die Enden meiner Welt“; Vivian Pasquet: „Leben im ewigen Augenblick“ und „Impfen! (Oder etwa nicht?)“; Dominik Stawski: „Die Spende“; Till Krause, Patrick Illinger, Patrick Bauer: „Wunschdenken“; Lorenz Wagner: „Für immer jung“; Nadine Ahr: „Anton fiel auf den Kopf. Er musste in die Klinik. Aber nicht in jedem deutschen Krankenhaus bekommt man die Hilfe, die man braucht“; Henning Sußebach: „Eine Kindheit verblasst“. 

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Wissenschaft" (Reader, pdf)

 

 

Beste Investigation - Die Nominierten

Diskussion der Jury um die "Beste Investigation" im Jahr 2018

 

 

Auszug aus der Ausschreibung: 

"Die Recherche ist der Anfang jeder guten Story, nur was neu ist, nur was stimmt, kann begeistern. In jedem Jahr gibt es Enthüllungen, die mehr sind als Stories, sie überragen, weil sie die Wirklichkeit nicht nur beschreiben, sondern verändern."

 

Nominiert in der Kategorie "Beste Investigation 2019":

 

Oliver Schröm, Frederik Richter, Ruth Fend, Alexandra Rojkov, Jonathan Sachse, Justus von Daniels, Anne-Lise Bouyer, Simon Wörpel, Benjamin Schubert, Marta Orosz, Ivo Mayr, Felix Rohrbeck, Christian Saleweski, Karsten Polke-Majeweski, Manuel Daubenberger, Willem Konrad, Jennifer Lange, Sylke Gruhnwald, Anna Miller, Stefan Melichar: „Die CumEx-Files - Wie Banken, Anwälte und superreiche Europa ausrauben“; Marta Orosz, Ruth Fend, Christian Salweski, Oliver Schröm, David Crawford, Markus Reichert, Hans Koberstein: „Grand Theft Europe“; Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Martin Knobbe, Wolf Wiedmann-Schmidt, Alexandra Rojkov, Walter Mayr, Vera Deleja-Hotko, Maik Baumgärtner: „Die Ibiza-Affäre“, Hans-Martin Tillack, Ruben Rehage: „Das Geschäft mit dem Krieg“; Christina Schmidt, Daniel Schulz, Sebastian Erb, Martin Kaul, Alexander Nabert: „Hannibals Netz“, Holger Stark, Ronen Bergman, Erich Follath, Georg Mascolo: „Wenn einer aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst“.

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Investigation" (Reader, pdf)

 

 

 

Sportreportage - Die Nominierten

2018 gewann Moritz Herrmann die Auszeichnung, hier mit Laudator Marcel Reif und Moderator Jörg Thadeusz



Auszug aus der Ausschreibung: 

"Viele erfolgreiche Reporter haben als Sportreporter angefangen. Der Zeitdruck und die Konkurrenz durchs Fernsehen haben ihre Fähigkeit zur originellen Themensuche, zur genauen Recherche und zur packenden, anschaulichen Sprache geschärft. Genau durch diese Eigenschaften sollten sich Sportreportagen auszeichnen, die mit dem Reporterpreis geehrt werden."

Nominiert in der Kategorie "Beste Sportreportage 2019":


Christoph Gertsch: "Einer wie sie"; Marc Bielefeld: "Kaltblütig“, Christof Gertsch: "Acht Sekunden“, Nicolas Büchse und Christian Ewers "Der kälteste Tod"; Kai Müller: "Das zweite Leben“, Nicola Meier: "Ja! Jaa! Jaaa!" 

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Sportreportage" (Reader, pdf)

 

 

Lokalreportage - Die Nominierten

2018 schrieb Verena Friederike Hasel vom "Tagesspiegel" die beste Lokalreportage - fand die Jury



Auszug aus der Ausschreibung: 

"Reporter in Lokalredaktionen arbeiten unter besonders schwierigen Bedingungen, sie stehen unter Zeit-, Platz- und Kostendruck; sie müssen sich ihre Reportagen erkämpfen gegen widrige Umstände. Umso bemerkenswerter ist die Qualität vieler dieser Reportagen, sie zeigen, dass die Reportagen gerade in den Lokalteilen der Tageszeitungen unverzichtbar sind, weil sie nah dran sind am Leben der Leser und es widerspiegeln. (Wichtig: Bitte in dieser Kategorie nur Reportagen von Lokalzeitungen einreichen."


Nominiert in der Kategorie "Beste Lokalreportage 2019": 

 

Julius Betschka und Martin Nejezchleba: "Die toten Babys von Neukölln"; Carsten Korfmacher: "Die Mutter des Terroristen"; Karl Grünberg: "Schutzlos“; Christine Keck: "Es blieb nicht bei einem Kuss"; Sören Kittel: "Wo ist Linh Chi?"; Kai Schlieter und Gabriela Keller: "Die Aspire-Story"; Anina Ritscher: "Liefern am Limit"; Marie Rövekamp: "Herzensangelegenheit". 

 

Alle nominierten Texte in der Kategorie "Lokalreportage" (Reader, pdf)


Das Reporter-Forum hat einen neuen Vorstand

 


Lieber Cordt,


vor einem Jahr, im ICE-Speisewagen, auf der Fahrt zum Reporterpreis, hast du zum ersten Mal gesagt, dass du dich zurückziehen willst aus dem Vorstand. Weil Reporterfabrik. Weil deine sieben Enkel. Weil jetzt mal die Jüngeren. Im September war Jahreshauptversammlung, du hast nicht wieder als erster Vorsitzender kandidiert.


Vor zwölf Jahren hast du zusammen mit Ariel und Stephan das Reporter-Forum ausgeheckt. Die Idee, damals und bis heute: Gemeinsam besser werden, voneinander lernen, die Profis von heute und die Profis von morgen. Nicht zusehen, wie Jobs wegfallen und weggekürzt werden, sondern den Medienwandel durch bessere Ideen und besseren Journalismus gestalten.


2007 gab es den ersten Reporter-Workshop. Und 2009 den ersten Reporterpreis. Hunderte Referenten und Referentinnen, dutzende Gewinner und Gewinnerinnen. Ein unglaubliches Netzwerk. So viele, die dieser Austausch beflügelt hat, so viele, die auch deshalb besser wurden.


So viele Erinnerungen. Wenn du beim Reporter-Workshop durch die Gänge liefst, in die Räume hinein wittertest und da hängenbliebst, wo die Debatte am hitzigsten war. Deine Reden auf dem Reporterpreis, wenn dir wieder die Tränen in die Augen schossen, weil dich ein Unrecht angerührt hat.


2008, beim zweiten Reportertreffen, die ersten Textworkshops: im großen Kreis öffentlich über die Schwächen eigener Stücke diskutieren. Unerhört damals, heute selbstverständlich. 2009, beim dritten Reportertreffen, der erste Referent aus den USA, mit der Botschaft: “The internet is an opportunity to tell new stories.” Auch darüber sprach damals in Deutschland noch kaum einer.


Andere verfluchten die Digitalisierung, du hast multimediale Erzählformen und digitale News-Formate ausprobiert. Du hast früh den Erklärjournalismus propagiert, vor Gefahren der Reportage gewarnt, vorm „narrativen Gefängnis“. Und 2009 zum ersten Mal dein Workshop: „Schreibt lieber Reports statt Reportagen“. Und in diesem Jahr mit der Reporterfabrik eine neue Form des Lernens im Netz etabliert.


Und für dich, lieber Stephan Lebert, gilt genau das Gleiche. Auch du ziehst dich aus dem Vorstand zurück, auch dir haben wir viel zu verdanken. So viele Ideen, so viele Anregungen. So viele Moderationen und Workshops. Wie freundlich, wie motivierend du bist. Immer auf der Suche nach neuen Stimmen. Und wenn du sie gefunden hast, dann förderst du sie nach Kräften.


Danke euch beiden!


Und jetzt? Wer geht jetzt voran? Zu siebt treten wir an als neuer gemeinsamer Vorstand. Wir sind Anette Dowideit, Heike Faller, Ariel Hauptmeier, Timm Klotzek, Philipp Maußhardt, Jonathan Stock. Und Matthias Koliwer macht den Schatzmeister.


Wir sind alle Reporter, die darüber nachdenken, wie man – in einer Welt voller Buchstaben – so erzählt, dass Menschen Lust haben, unsere Reportagen zu lesen. Und die gern jüngeren KollegInnen dabei helfen, zu ihrem besten Schreiber-Selbst zu finden, ohne dass sie dabei große Umwege machen müssen. Mit noch besseren Veranstaltungen, mit einem Reporterpreis, der sie anspornt.


Die Frage, die wir uns in den kommenden Jahren stellen wollen: Wie können wir so erzählen, dass die Leute uns weiterhin lesen, in einer Welt, in der die New York Times, Quora, Insta nur einen Klick entfernt sind?


Darüber wollen wir im nächsten Jahr beim Reporter-Workshop reden: „Wie schaffen wir es, gelesen zu werden?“ Ihr beiden werdet dann mit am Tisch sitzen. So wie jedes Jahr, und darauf freuen wir uns.


Ariel, Heike, Anette, Timm, Jonathan, Philipp

 

Jury des Reporterpreises benannt

 

In diesem Jahr entscheiden 29 Jurorinnen und Juroren über die Preisträger des Deutschen Reporterpreises. Neu hinzugekommen sind Franziska Augstein, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung und Sonja Zekri, Ressortleiterin der Süddeutschen Zeitung.


87 Vorjuroren wählen aus den eingereichten Arbeiten diejenigen aus, unter denen die Jury am 2. Dezember die Preisträgerinnen und Preisträger bestimmt. Am Abend des 2. Dezember werden sie im Tipi am Kanzleramt in Berlin geehrt.

Die Jurorinnen und Juroren sind:

Micky Beisenherz, Teresa Bücker, Astrid Csuraji, Gesine Cukrowski, Franziska Augstein, Kristina Dunz, Michael Ebert, Sylke Gruhnwald, Richard Gutjahr, Axel Hacke, Claus Kleber, Friedrich Küppersbusch, Sascha Lobo, Helge Malchow, Uwe Martin, Ulrich Matthes, Caren Miosga, Elisabeth Niejahr, Marcel Reif, Anja Reschke, Vera Schroeder, Pauline Tillmann, Maja Weber, Jessy Wellmer, Christine Westermann, Armin Wolf, Sonja Zekri, Diana Zinkler.

Der 30. Juror ist der/die große Unbekannte – er/sie wird im Namen der Teilnehmer des Reporter-Forums votieren. Die Forumsteilnehmer stimmen per Mail über die beste Reportage des Jahres ab; unter denen, die sich für die Reportage mit den meisten Stimmen entschieden haben, wird der Juror per Los bestimmt. 

 

 

Ausschreibung: Deutscher Reporterpreis 2019

 

 

Am Montag 2. Dezember wird der Reporterpreis 2019 vergeben, unter veränderten Bedingungen. Wir ziehen Konsequenzen aus dem Fall Relotius und den Diskussionen, die wir danach u.a. auf dem Reporter-Workshop geführt haben. 


Mit dem Deutschen Reporterpreis sollen die herausragenden Reportagen, Interviews, Essays und Innovationen des Jahres ausgezeichnet und vorbildliche Texte und Multimedia-Arbeiten zur Diskussion gestellt werden. 


Diese Diskussion ist der eigentliche Sinn des Reporterpreises, weil wir daran glauben, dass das gute Beispiel der beste Weg ist zu besserem Journalismus, und zu Zeitungen, Zeitschriften und Websites, die so viele Leser finden, wie sie verdienen. 


Was machen wir anders? 

  • Erstens. Zukünftig kann jede Journalistin und jeder Journalist in jeder Kategorie den Reporterpreis nur einmal gewinnen. Ausgenommen davon sind Teams, in denen vier oder mehr KollegInnen zusammengearbeitet haben. 
  • Zweitens. Wir verlangen künftig in allen Kategorien ein "Making-of" inklusive der Telefonnummern von wichtigen Protagonisten. Wenn VorjurorInnen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von preiswürdigen Arbeiten haben, lassen wir die Texte von erfahrenen Dokumentaren überprüfen. Darüber hinaus werden alle nominierten Arbeiten stichprobenartig überprüft - und alle Siegertexte. 
  • Drittens. Wir möchten die Diskussion intensivieren, durch Videokonferenzen der VorjurorInnen, mit denen die Kriterien für die Nominierungen präzisiert werden.
  • Viertens. Wir reduzieren die Anzahl der Kategorien um zwei, „Web-Video“ und „Hauptstadt“ entfallen, sodass jeder weniger Texte zu lesen hat. Aus „Beste Kulturkritik“ wird „Beste Kritik“. 
  • Fünftens. Auch die Arbeit der Hauptjury verändern wir so, dass jeder Juror nur noch Arbeiten in zwei Kategorien beurteilt, dadurch erhöht sich die Intensität der Diskussion. 

 

Hier ist der Text zu finden, der die Veränderungen begründet

 

Für den Deutschen Reporterpreis 2019 können alle deutschsprachigen journalistischen Texte und Web-Projekte eingereicht werden, die zwischen dem 1. Oktober 2018 und dem 30. September 2019 in Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen und (aktualitätsbezogenen) Websites veröffentlicht wurden. Zweitveröffentlichungen, Übersetzungen, Buchveröffentlichungen und Manuskripte sind ausgeschlossen.

 

Wichtig: Jeder Beitrag kann nur in einer Kategorie ins Rennen gehen!

 

Beiträge können von den Autoren selbst, von Redaktionen oder von Lesern eingereicht werden.

Die Einreichungen werden nur hier online entgegen genommen.

 

EINSENDESCHLUSS

 

Dienstag, 1. Oktober 2019, 12 Uhr.  


In diesem Jahr wird der Reporterpreis in elf Kategorien verliehen:

 

Investigation: Die Recherche ist der Anfang jeder guten Story, nur was neu ist, nur was stimmt, kann begeistern. In jedem Jahr gibt es Enthüllungen, die mehr sind als Stories, sie überragen, weil sie die Wirklichkeit nicht nur beschreiben, sondern verändern.  

 

Datenjournalismus: Die Datenmenge in der Welt nimmt unaufhörlich zu, immer mehr Lebensbereiche werden vermessen und erfasst. Die Aufgabe der Datenjournalisten ist es, journalistisch relevante Daten zu finden, technisch zu bereinigen und zu analysieren. Oftmals arbeiten sie in gemischten Teams mit Programmierern und Grafikdesignern zusammen, um gesellschaftliche Zusammenhänge aus Daten herauszulesen und diese verständlich zu erzählen - offline oder im Netz. Die Kraft des Datenjournalismus liegt am Ende nicht in einer bestimmten Erzählform, sondern im Wahrheitsgehalt seiner Geschichten. 

 

Wissenschaft: Die meist hochkomplizierten Erkenntnisse der Natur- und Gesellschaftswissenschaften einem breiten Publikum so zu erzählen, dass es sich gleichermaßen unterhalten wie informiert fühlt, ist eine Kunst, die wir besonders dann auszeichnen wollen, wenn sie sich aller Formen bedient, die heutzutage dem modernen Erzähler zur Verfügung stehen.  

 

Lokalreportage: ReporterInnen in Lokalredaktionen arbeiten unter besonders schwierigen Bedingungen, sie stehen unter Zeit-, Platz- und Kostendruck; sie müssen sich ihre Reportagen erkämpfen gegen widrige Umstände. Umso bemerkenswerter ist die Qualität vieler dieser Reportagen, sie zeigen, dass die Reportagen gerade in den Lokalteilen der Tageszeitungen unverzichtbar sind, weil sie nah dran sind am Leben der Leser und es widerspiegeln. 


Essay: Oft ist das Erzählerische, die Reportage, eine zu szenische, zu gedankenarme, zu unintelligente journalistische Form, um über die Wirklichkeit und ihre Widerspiegelung im Überbau zu berichten. Zunehmend schreiben ReporterInnen deshalb essayistische Reportagen, Texte, die irgendwo in der Wirklichkeit beginnen, aber dann lieber dem Gedanken folgen als der Erzählung. So entstehen beispielhaft gute Texte, die immer weniger Reportagen sind und immer mehr Essays und deshalb verdienen, mit einem Preis gewürdigt zu werden.  


Interview: In den letzten Jahren haben ReporterInnen neue Spielarten des Interviews entwickelt. Sie kombinieren beschreibende, erzählerische Passagen mit Interview-Teilen, sie pflegen wieder das lange Gespräch, das wie ein Portrait wirkt, oder sie kommentieren Antworten des Gesprächspartners, ordnen sie ein. Oder sie fragen einfach so genau und so hartnäckig, bis der Befragte dem Leser einen Einblick gewährt in ein Leben, das bisher im Verborgenen lag. 


Reportage: In den Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften wird der Platz und der Spielraum der ReporterInnen beschnitten, der Preis für die beste Reportage des Jahres soll Ansporn sein für ReporterInnen und Redaktionen, die große Reportage zu recherchieren und zu schreiben, immer wieder neue, unerzählte Geschichten zu entdecken und sie auf ungewöhnliche Art zu erzählen.  

 

Freie(r) Reporter(in): Immer mehr ReporterInnen arbeiten nicht mehr in Redaktionen, der wirtschaftliche Druck hat viele Zeitungen und Zeitschriften veranlasst, kostenaufwendige journalistische Formen auf Freie auszulagern. Sie tragen nun das Risiko aufwändiger Recherche und akribischer Textarbeit, viele von ihnen können sich Reportagen nicht mehr leisten. Sie wollen wir mit dem Preis für den besten freien Reporter ermuntern, weiter an Texten zu arbeiten, die ihnen wichtig sind, auch wenn sie sich vielleicht nicht mehr rechnen.  

 

Multimedia: Im Web werden Geschichten multimedial erzählt und sind doch ganz anders: Sie kombinieren Text, Foto, Ton und Video, lassen sich dabei interaktiv steuern oder nonlinear erleben. Nicht selten verlassen sie dabei die klassischen Genre-Konventionen der Reportage oder sie binden den Rezipienten auf neuartige Weisen in die Geschichte ein. Und auch in Podcasts loten JournalistInnen aus, wie sich Geschichten neu erzählen lassen - und nutzen dabei den Sog, den Serien entfalten können.

 

Sportreportage: Viele erfolgreiche ReporterInnen haben als Sportreporter angefangen. Der Zeitdruck und die Konkurrenz durchs Fernsehen haben ihre Fähigkeit zur originellen Themensuche, zur genauen Recherche und zur packenden, anschaulichen Sprache geschärft. Genau durch diese Eigenschaften sollten sich Sportreportagen auszeichnen, die mit dem Reporterpreis geehrt werden. 

 

Beste Kritik: Zu den anspruchsvollsten Genres im Journalismus gehört die Kritik. Deren Gegenstand ist die Wirklichkeit - vermittelt über ein Kunstwerk. Eine gute Kritik sagt nicht nur „Gut“ oder „Schlecht“, sondern macht sich aus dem Kunstwerk heraus ein Bild von der Welt - und erzählt dabei eine ganz eigene Geschichte. Ob Gemälde oder Netflix-Serie, Song oder Gebäude, Roman, Konzert oder Kinofilm: über Kunst zu schreiben, ist eine Kunst für sich. Und diese Kunst wollen wir auszeichnen. 

 

119 Vorjuroren aus mehr als 30 verschiedenen Redaktionen sichten die Einreichungen und nominieren in jeder Kategorie die besten Arbeiten. Texte aus der eigenen Redaktion liegen einem Vorjuror nicht vor. Die nominierten Arbeiten werden auf der Website des Reporter-Forums vorgestellt, in der Kategorie "Reportage" können die Teilnehmer des Reporter-Workshops in Hamburg als Juroren mitwirken.  


Am 2. Dezember kommt die Jury des Deutschen Reporterpreises, in der Journalisten, Publizisten und qualifizierte Leser sitzen, in Berlin zusammen, diskutiert die besten Texte und übergibt die Preise abends an die ausgezeichneten Journalisten.

 


Termine 2020




Der Reporter-Workshop ist ausgefallen. Hoffentlich holen wir ihn nach: am Freitag 4. Dezember 2020 in Hamburg. Falls wir dürfen. Wir halten euch auf dem laufenden.


1. Oktober 2020

Einsendeschluss für den Reporterpreis

 

2. November 2020

Nominierungen für den Reporterpreis

 

4. Dezember 2020

Verleihung des Reporterpreises

 

Der Reporterpreis in den Medien

 

Zapp über ein Jahr Relotius (mit vielen Aufnahmen vom Reporterpreis)
NDR, 11.12.19

Der lange Schatten des Claas Relotius
Berliner Morgenpost, 06.12.19


Der Post-Relotius-Reporterpreis

Deutschlandfunk, 04.12.19

 

Alles, was Sie über Impfen wissen müssen
Armin Wolf, 03.12.19

 

Reporterpreis: Bitte mit Beleg
Süddeutsche, 03.12.19

Erster Reporterpreis nach Relotius: Reportage über digitale Diktatur in China und Enthüllung der Ibiza-Affäre prämiert
Meedia, 03.12.19

Berliner Morgenpost mit Reporterpreis ausgezeichnet
Berliner Morgenpost, 02.12.19

Egon Erwin Kitsch
MDR Medien, 02.12.19

Taub für die falschen Töne
FAZ, 02.12.19


Die Siegertexte 2019

 

Der Reader zum Reporterpreis 2019 - die preisgekrönten Texten und die Links zu den Web-Arbeiten.

 

Preisverleihung 2019

© Daniel Wolcke

 


Blog zum Reporterpreis 2019


27. November 2019

Gestern haben wir Jahrbücher gewälzt. Sind also ins Archiv unseres Preises gestiegen und haben nachgeschaut, wer die Siegerinnen und Sieger der vergangenen 10 Jahre waren. 178 Einträge hat die Hall of Fame, und ganz oben stehen: Alexander Gorkow und Wolfgang Uchatius. Sie haben den Reporterpreis je drei mal gewonnen.

Zwei mal den Reporterpreis gewonnen haben: Nadine Ahr, Max Boenke, Amrai Coen, Philip Faigle, Götz Hamann, Ulrich Fichtner, Malte Henk, Moritz Klack, Anne Kunze, Sven Michaelsen, Jana Simon, Emilia Smechowski, Hannes Soltau, Julian Stahnke, Jonathan Stock, Björn Stephan, Henning Sußebach, Sascha Venohr, Takis Würger.

Gewonnen haben ihn --- Nik Afanasjew, Moritz Aisslinger, Meral Al Mer, Bernhard Albrecht, Fabian Altenried, Amjahid Mohamed, Christine Anas, Rayk Anders, Beat Balzli, Christian Bangel, Andreas Baum, Ariane Bemmer, Bastian Berbner, Fabian Biasio, Kai Biermann, Anita Blasberg, Marian Blasberg, Paul Blickle, Petra Boberg, , Heike Borufka, Jochen Brenner, Klaus Brinkbäumer, Marc Brupbacher, Frederik von Castell, Olivier Christe, Correctiv, Ulrike Demmer, Steffen Dobbert, Matthias Eberl, Christoph Dorner, Stefan Ehlert, Bettina Emmerich, Carolin Emcke, Ronan Farrow, Jan Feindt, Markus Feldenkirchen, Lara Fritzsche, Christian Fuchs, Jakob Fuhr, Michael Gegg, André Geicke, Astrid Geisler, Matthias Geyer, Dirk Gieselmann, Michael Ginsburg, Hauke Goos, Lothar Gorris, Flavio Gortana, Tobias Haberl, Marlene Halser, Volker ter Haseborg, Verena Friederike Hasel, Martin Heller, Moritz Herrmann, Kerstin Herrnkind, Ralf Hoppe, Frank Hornig, Thomas Hüetlin, Lenz Jacobsen, Andrea Jeska, Anna Jockisch, Mario Kaiser, Anna Kemper, Uta Keseling, Roland Kirbach,  Daniela Klein, Martin Klingst, Jakob Kluge, Ansbert Kneip, Tobias Kniebe, Kerstin Kohlenberg, Alice Kohli, Peter Kümmel, Dirk Kurbjuweit, Beate Lakotta, Katrin Langhans, Hendrik Lehmann, Hans Leyendecker, Andreas Loos, Kaspar Manz, Uwe H. Martin, David Meidinger, Nicola Meier, Sabine Mieder, Fabian Mohr, Mauritius Much, Andreas Mühe, Christian Mülhauser, Daniel Müller, Hannes Munzinger, Yassin Musharbash, Daniel Nauck, Marc Neller, Dominik Nourney, Frederik Obermaier, Michael Obert, Bastian Obermayer, Philipp Oehmke, Dominik Osswald, André Pätzold, Khue Pham, Karsten Polke-Majewski, Thomas Preusse, Hanno Rauterberg, Anja Reich, Sabine Rennefanz, Doreen Reinhard, Theresa Rentsch, Konstantin Richter, Bernhard Riedmann, Sven Röbel, Sabine Rückert, Jenni Roth, Christine Rütten, Paula Scheidt, Stefan Schirmer, Klaudija Schnödewind, Marie Schmidt, David Schraven, Roland Schulz, Daniel Schulz, Hajo Schumacher, Peter Schwarz, Felix Seuffert, Christina Sianides, Eugen Sorg, Julia Speckmeier, Martin Spiewak, Julian Stahnke, Holger Stark, Toralf Staud, Dominik Stawski, Alexandros Stefanidis, Alfred Steffen, Tilman Steffen, Tanja Stelzer, Patrick Stegemann, Benjamin von Stuckrad-Barre, Britta Stuff, Eva Sudholt, Lucas Vogelsang, Annabel Wahba, Andreas Wassermann, Andreas Weber, David Wendler, Elisabeth Weydt, Simon Wimmer, Antje Windmann, Willi Winkler, Christiane Wittenbecher, Helena Wittlich, Vanessa Wormer, Urs Wyss, Fritz Zimmermann.

Einer fehlt in der Liste. Na, wer wohl.

Aber vor allem treibt uns gerade die Frage um - wer kommt im elften Jahr des Preises hinzu, am Montag, in Berlin?


 



Erklärung der Jury

Januar 2019

Wie kann es sein, dass Claas Relotius im Dezember 2018 zum vierten Mal mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet wurde? Hat die Jury Fehler gemacht? Wenn ja, welche Fehler? War es ein Fehlurteil? Was sind die Konsequenzen für die Jury, den Reporterpreis, das Beurteilen von Reportagen? 

Hier eine ausführliche Begründung der Jury, von Çiğdem Akyol, Nikolaus Brender, Rainer Hank, Tina Hildebrandt, Friedrich Küppersbusch, Ines Pohl, Doreen Reinhard, Evelyn Roll, Regine Sylvester, Diana Zinkler und Moderator Ariel Hauptmeier, genauso vielstimmig, wie sie auch im Dezember argumentiert haben, als sie Claas Relotius die Auszeichnung für die "Beste Reportage" zuerkannten. 


Soviel vorab: "Wir sind erschüttert, wir sind enttäuscht, wir sind wütend und, ja, wir schämen uns, dass wir diesem Betrüger auf den Leim gegangen sind."
 

 

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